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#11 | ||||
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Registriert seit: 07.09.2003
Beiträge: 20.227
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Moin Harald,
Zitat:
Es gab hier immer wieder sehr gute Portrait- und Studiophotographen, die mir aber oftmals zu gekünzelte, zu inszenierte, zu geposte Abbildungen (ab)lieferten, was nicht unbedingt mein Ding ist. Menschelndes zu zeigen, setzt aber oft auch voraus, dass man sich selber ein wenig öffnet - das ist nicht jedermanns Sache, insbesondere nicht im Internet, wofür ich volles Verständnis habe. Zitat:
Zitat:
Nein, in Ernst: wenn Du das so siehst, dann freut mich das natürlich und berührt mich. Aber der Weg dahin war erstmal ein ziemlich schwerer und krummer. Er ist auch noch lange nicht zu Ende und ihn zu gehen, gelingt mir in Asien deutlich einfacher als in Europa, was wiederum viel mit den unterschiedlichen Mentalitäten zu tun hat. Es sind im Wesentlichen zwei Schlüsselelemente, die ich immer wieder versuche zu beherzigen. Mein erstes Credo ist "Photography is about passion and patience." Es ist so tief in mir, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich das vor Ewigkeiten in einem schlauen Buch von einem weisen Photographen gelesen habe, oder ob es nicht sogar auf meinem eigenen Mist gewachsen ist (Wie unbescheiden!). Sei es wie es sei, aber Leidenschaft und Geduld sind wichtige Voraussetzungen, um Bilder zu photographieren, die eine längere Wirkung als einen Wisch bei Insta bewirken sollen. Das zweite Schlüsselelement ist für mich die (Art der) Interaktion zwischen Motiv und Photograph. Anfangs habe ich einen großen Bogen um die Photographie von Menschen gemacht. Weder wollte ich mich exponieren, noch die Portraitierten belästigen. Ein paar geglückte Schnappschüssen, die meist aus verdeckten Aufnahmepositionen heraus entstanden waren, erzeugten bei einem Kollegen viel positive Resonanz. Er ermutigte mich, mehr in dieser Richtung zu machen und zu wagen, was mich aber noch nicht vollends überzeugte. Irgendwann stieß ich auf Photobücher von David DuChemin, die anders als die meisten Photobücher nicht die Technik des Photographierens, die100 besten Kochrezepte des Photographierens oder die EBV in den Mittelpunkt setzten, sondern die Intention, die Bildwirkung, das Herangehen an ein Motiv, die Philosophie des Photographierens. Eine seiner Kernaussagen ist, dass Menschen keine Tiere sind, die man wie ein Heckenschütze aus dem Unterstand photographieren sollte. Er empfiehlt, offen und mit Respekt auf die Menschen zuzugehen, sich mit ihnen zu beschäftigen und zu unterhalten, um sie dann um ein paar Bilder zu bitten. Und ja, es gibt auch Situationen, in denen man die Reihenfolge ein wenig umarrangieren muss. Was so selbstverständlich klingt, braucht in der Praxis erstmal ein wenig Courage und immer wieder Übung. Mit der Zeit und der Übung verschwindet auch mehr und mehr die eigene Anspannung, die Hektik und Nervosität, man bleibt mehr bei sich selbst. Auch wenn nicht immer gute Bilder dabei herauskommen, so bleiben doch meist Erinnerungen an nette Begegnungen und Gespräche mit fremden Menschen, die einem dann gar nicht mehr so wildfremd sind. Wenn ich sehe, wo Du Dich alles auf der Welt rumgetrieben hast, werde ich blass vor Neid. Das habe ich in meinem Leben nicht geschafft und werde es auch nicht mehr schaffen. Aber auf der anderen Seite weiß ich auch, dass ich persönlich zwischen meinen Fernreisen Zeit, viel Zeit brauche, um die Eindrücke sacken zu lassen und zu verarbeiten. Ich würde befürchten, dass ich durch zu vieles Reisen zu fahrlässig würde und nicht mehr mit der nötigen Anspannung, Konzentration, Akribie und Neugier an die neuen Welten herangehen würde. Beim Betrachten Deiner Bilder habe ich oft den Eindruck, dass Du im Moment der Aufnahme nicht in Dir geruht hast, Du nicht den Moment der Ruhe und Vertrautheit für Dein Motiv und Dich geschaffen hast. Die Bildwirkung ist oftmals unruhig, hektisch, wie bei einem beiläufigen Schnappschuss. Das mache ich in Teilen an für die Bildwirkung nicht förderlichen Bewegungsunschärfen und unglücklichen Bildbeschnitten und Hintergründen fest. Nimm die Leute mit, stiehl ihnen ein wenig Zeit, auch wenn Du dafür selber die sichere Position hinter der Kamera verlassen musst, und lasse Dir selber Zeit. Zeige ihnen die (Zwischen)Ergebnisse, und wenn Du nicht zufrieden bist, bitte sie freundlich um ein, zwei weitere Aufnahmen. Dann fühlen sich die Leute auch wahrgenommen und nicht nur abgeschossen. Zu guter Letzt habe ich immer Visitenkarten in der Phototasche, auf denen meine Mailadresse steht. Ich ermutige sie, mich anzuschreiben, wenn sie Interesse an den Photos haben. Zitat:
Dat Ei
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![]() "Wer mit Euch ist, ist nicht ganz bei sich." |
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