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Startseite » Forenübersicht » Kamera und Technik » Objektive » E-Mount Objektive (ILCE, ILME, NEX) » Vollformat Objektive an Aps c? Crop Faktor ja oder nein?
 
 
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Alt 02.09.2020, 14:35   #31
der_knipser
 
 
Registriert seit: 01.04.2008
Ort: Drabenderhöhe
Beiträge: 10.679
Das Verständnisproblem mit dem Cropfaktor ist historisch begründet.
Vor der digitalen Zeit gab es das weit verbreitete Kleinbildformat auf 24x36 mm Film.
Viele Fotografen wussten genau, wie sich verschiedene Brennweiten auf genau dieses Format auswirken. Man wusste, dass 28 mm ein Weitwinkel ist, 45-50 mm waren als Normalbrennweite bekannt, und längere Brennweiten gab es eben im Telebereich.

Zu Beginn der digitalen Ära gab es entwicklungsbedingt nur winzige Sensoren (verglichen mit dem Kleinbildformat). Die wirklichen Brennweiten dieser Kameras waren auch nur winzig (verglichen mit dem Kleinbildformat).
Deshalb hat man sich entschlossen, den digitalen "Knipsen" einen Aufdruck mitzugeben, der den Kleinbildfotografen eine äquivalente Brennweite nennt, deren Bildwirkung ihnen am Kleinbildformat geläufig ist. Die physikalischen Brennweiten standen oft nur kleingedruckt, manchmal auch nur in der Bedienungsanleitung.
Das Verhältnis von "gefühlter Brennweite" zu tatsächlicher Brennweite ist ein Faktor, der zu jener Zeit kaum jemanden interessierte. Die Angabe der äquivalenten Brennweite reichte völlig aus, um den gewünschten Bildwinkel zu erhalten.

Im Lauf der Zeit wurden die Sensoren größer. Die Formate APS-C und bald darauf auch wieder das altbekannte Kleinbildformat kamen auf den Markt. Kleinbild erhielt neuerdings die Bezeichnung "Vollformat", vielleicht weil damit das gewohnte "volle" Kleinbildformat mit 24x36 mm wieder verfügbar war.

Bei den Spiegelreflex-Kameras mit APS-C-Sensor entstand aber jetzt ein neues Problem: man konnte hier viele bestehende Objektive aus der analogen Zeit anflanschen. Die inzwischen gewohnte äquivalente Brennweite der digitalen Knipsen wurde damit außer Kraft gesetzt, weil ja auf den Objektiven immer noch ihre tatsächliche physikalische Brennweite angegeben war. Das hat man seitdem auch an neuen APS-C-Objektiven so beibehalten. Um aber die Bildwirkung dieser tatsächlichen Brennweiten am APS-C-Format zu beschreiben, erfand man den "Cropfaktor 1,5". Damit war der Bezug zum Kleinbild (=neu: Vollformat) wieder hergestellt, auch wenn er seitdem für viel Verwirrung gesorgt hat.

Für das APS-C-Format hat man eigene Objektive gebaut, deren tatsächliche Brennweite auch darauf geschrieben wurde. Weil deren Bildkreise aber nur das kleinere Format ausleuchten, konnten diese Objektive kleiner, leichter und billiger hergestellt werden. Konstruktionsbedingt passen sie zwar auch auf das Bajonett einiger Kameras mit "Vollformat", leuchten dort aber nicht das gesamte Format aus, weil ihr Bildkreis dafür nicht groß genug ist. Brennweite und Bildkreisdurchmesser sind nun mal nicht voneinander abhängig.

Wenn nun jemand während der APS-C-Ära in die Fotografie eingestiegen ist, sind ihm die Brennweiten in Bezug auf das Kleinbild/Vollformat überhaupt nicht geläufig. Er lernt mit seinen Brennweiten und dem Cropfaktor einen Bezug kennen, der ihm völlig fremd ist. Dass dann Fragen auftauchen, die "alte Hasen" zwar verstehen, aber sie Antworten geben, die Neueinsteiger kaum verstehen, liegt in der Natur der Sache, weil jeder von "seiner" gewohnten oder historischen Film-/Sensorgröße ausgeht, und diese bei Beantwortung der Fragen manchmal nicht erwähnt. Die Crux dabei ist, dass man Brennweiten und Cropfaktoren vor unterschiedlichem Hintergrund betrachten kann. Die physikalisch gleiche Brennweite erzeugt auf unterschiedlich großen Sensoren nun mal unterschiedliche Bildausschnitte. Um den selben Bildausschnitt zu erzielen, braucht man eine um den Cropfaktor angepasste Brennweite. Die Gleichsetzung der physikalischen Brennweite mit der "gefühlten Brennweite der Kleinbildfotografen" wird oft stillschweigend vorausgesetzt, und das führt unweigerlich zu Missverständnissen. Der eine hat "gefühlt Recht", während der andere "physikalisch Recht" hat, wenn sie Gegensätzliches antworten. Dabei fehlt in beiden Antworten meistens nur der still vorausgesetzte Bezug.

Für den Einsteiger kompliziert wird es, wenn es dazu noch um Blenden und Schärfentiefewirkungen geht, was ich aber in diesem Beitrag nicht vertiefen möchte.



Was ist Vollformat wirklich?
Mittel- und Großformat-Fotografen lachen sich sowieso über den Begriff "Vollformat" kaputt. Und zu Brennweiten haben sie ein völlig anderes Verhältnis. An einer Großformatkamera (z.B. mit Filmformat 13x18 cm) wäre eine Normalbrennweite im Bereich von 200-240 mm, ein 135er wäre ein sattes Weitwinkel, und auf ein Teleobjektiv würde man aus Gewichts- und Kostengründen meistens verzichten. Soviel zum Thema "Vollformat". Mit Cropfaktor rechnet dort keiner...
__________________
Gruß
Gottlieb
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