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#1 |
Registriert seit: 26.07.2009
Ort: Wolfsburg
Beiträge: 3.276
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Mein schwerster Auftrag - Beerdigung
Hallo zusammen,
gestern musste ich meinen bisher schwierigsten Auftrag absolvieren - eine Beerdigung fotografieren. Ein Familienmitglied (das ich selbst nicht sehr gut kannte) ist gestorben und eigentlich sollten wir nur als normale Trauergäste anwesend sein. Meine Frau wurde vom Sohn der verstorbenen gefragt, ob ich nicht Fotos von der Beerdigung machen kann - die konnte (ggf. aus kulturellen Gründen) den Gefallen nicht ausschlagen und so stand ich vor dieser riesigen Aufgabe. Die Familie hat einen russischen Hintergrund, dort begegnet man dem Thema scheinbar leicht anders als in Deutschland. Nach gründlichem Überlegen habe ich die A7R zu Hause gelassen und nur die A6000 mitgenommen, weil sie viel unauffälliger und leiser ist. Draußen hauptsächlich mit dem SEL 16-50mm, drinnen mit dem FE 55mm f/1.8. Das 8mm Fisheye hatte ich noch dabei, um in der Kapelle einige Aufnahmen zu machen, auf denen die ganze Szene zu sehen ist. Die Herausforderung bestand für mich darin, niemanden in seiner Trauer zu stören oder gar zu belästigen und gleichzeitig brauchbare Erinnerungen zu produzieren. Des Weiteren wollte ich keine Fotos produzieren, die das Leid einzelner Betroffener besonders herausstellen. Ich habe mich immer seitlich oder leicht hinter den Leuten aufgehalten und darauf geachtet, dass das Auslösegeräusch nicht mit wichtigen Worten der Pastorin zusammenfällt. Ansonsten hat sich der 85mm KB-Bildwinkel bewährt, um die Trauerfeier aus dem Hintergrund zu fotografieren. Beim Trauerzug habe ich auf die Momente gewartet, in denen der Zug abbiegt und ich ihn dann seitlich erwischen kann. So hat man einen guten Eindruck von der Szene, ohne aufdringlich vor den Zug zu springen. Am Grab habe ich mich etwas weiter hinter das Grab gestellt, um die Leute beim Sand und Blumen werfen zu fotografieren. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich zuerst kurz davor war, den Kopf in den Sand zu stecken und keine Fotos zu machen... Insbesondere, als der Sarg am Anfang offen war, da bin ich fast aus den Latschen gekippt. Meinen fotografischen Horizont hat die Erfahrung definitiv erweitert. Ich habe mir allerdings wirklich schwer getan, damit umzugehen. Vielleicht hilft es ja jemandem, der mal in meine Lage kommt. Viele Grüße, Jannik |
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#2 |
Registriert seit: 08.09.2003
Ort: Hamburg
Beiträge: 18.423
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Hm, war das Deine erste Beerdigung? Ich habe bei allen Beerdigungen von Familienangehörigen, an denen mir etwas lag, Fotos gemacht. Sowohl von der Zeremonie, als auch vom Leichenschmaus. Damit brauchen wir auch nicht die grausam schlechten Bilder, die die Beerdigungsinstitute knipsen.
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Hinfallen, aufstehen, Krönchen zurechtrücken, weitergehen... Make Labskaus great again! Glenroses Kentucky Stinger
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#3 |
Registriert seit: 17.06.2004
Ort: OBB
Beiträge: 6.852
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Ich glaube gerne dass das keine leichte Aufgabe ist.
Allerdings kenne ich es auch nicht dass bei Beerdigungen fotografiert wird. Zumindest in meiner Familie ist das nicht üblich und gottseidank war ich noch nicht auf vielen Beerdigungen. |
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#4 |
Registriert seit: 18.04.2012
Ort: A-4981 Reichersberg
Beiträge: 4.524
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Bei uns in Österreich gibt es auch keine Fotos auf Beerdigungen. Hut ab dass man so etwas macht. Also ich könnte es nicht und bin wohl auch lieber bei fröhlicheren Anlässen unterwegs.
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www.instagram.com/schullerjohannes |
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#5 |
Registriert seit: 12.07.2005
Beiträge: 16.214
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Krass, also ne Beerdigung auf der fotografiert würde, würde ich verlassen. Das wäre so überhaupt nicht mein Ding.
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Gruß Guido A-Mount lebt! Es kommt anders wenn man denkt. |
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#6 | |
Registriert seit: 05.12.2011
Ort: Berlin
Beiträge: 6.404
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Zitat:
Bei den wenigen Beerdigungen, die ich als Erwachsener erlebt habe, war nur der Anlass ein Trauriger. Die aus diesem Grunde stattfindenden Familientreffen waren dann wirklich ein eher fröhlch- entspanntes Zusammensein, wo man gerne in Erinnerungen an den/ die Verstorbene/n schwelgte. Ganz so, als sei der Anlass ein ganz anderer und der/ die Verstobene noch mitten im Geschehen. Und das wäre so ganz sicher auch im Sinne der nun doch nicht mehr Anwesenden gewesen. Allerdings hatten die Verstorbenen ein langes und erfülltes Leben gehabt. Fotografiert wurde dann auch öfter (einmal auch von mir). Etwas diskreter und der Örtlichkeit angemesen ging es allerdings auf dem Friedhof und in der Friedhofskapelle zu. Schwierig war die Situation allerdings auf der Beerdigung eines jungen Mannes aus dem erweiterten Bekanntenkreis, der sich selber das Leben genommen hatte und seine junge Familie zurückliess.... Da wurde auch nicht fotografiert.
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![]() Es ist ganz einfach, negative Kritik positiv und motivierend klingen zu lassen. "Schönes Bild" reicht. |
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#7 | |
Registriert seit: 15.03.2006
Ort: Duisburg (nahe am LaPaDu)
Beiträge: 3.263
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Zitat:
Das kann nicht Sache des Fotografen sein. Der Hochzeitsfotograf fragt ja auch nicht jeden Gast, ob er mit dem Fotografieren einverstanden ist. Das Brautpaar teilt den Gästen mit, dass fotografiert wird. Der Fotograf ist hierbei nicht involviert. Warum sollte das bei einer Beerdigung / Trauerfeier anders sein? Zu deinem Dito. Du hast mich nicht verstanden. Ich meinte lediglich, dass man die Sitten / Gebräuche / ect. anderer Kulturkreise nicht diskutieren braucht. Die sind, wie sie sind. Wie in unserem Kulturkreis auch. Und wenn der Fotograf das mit seiner Auffassung / Einstellung nicht vereinbaren kann, wenn ihm dabei Unwohl ist, dann kann / muss er den Auftrag ablehnen. Über Letzteres und über das "Wie" kann und soll man diskutieren. Uwe
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Achtung: Meine Bilder rauschen, dass es einer Sau graust, sind daher leidlich unscharf bis zur Nichterkennung des Hauptmotivs und grundsätzlich grandios gegen den foreneigenen Wind geschifft. Bitte nur anschauen / kommentieren, wenn man das alles ohne Herzklabaster ertragen kann. Für Risiko und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Moderator oder auch nicht. Geändert von Oldy (04.12.2015 um 20:49 Uhr) |
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#8 | |
Themenersteller
Registriert seit: 26.07.2009
Ort: Wolfsburg
Beiträge: 3.276
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Es war erst meine dritte Beerdigung, die zweite im Erwachsenenalter. Der Gedanke an Fotos von einer Beerdigung war mir erst befremdlich, wenigstens bin ich mit der Durchführung eines solchen Vorhabens hier nicht allein
![]() Zitat:
Vor solch einer Reaktion habe ich mich auch gefürchtet. Ich habe gehofft, dass der Sohn der Verstorbenen die am engsten betroffenen darauf hinweist. Das letzte, was ich wollte war, von diesem Teil der Familie (den ich zu dem Anlass auch erst kennen gelernt habe) als Störenfried und Eindringling wahrgenommen zu werden - oder noch schlimmer als abartiger, der sich an sowas freut und es deshalb fotografiert. Man weiß nie, was Menschen durch den Kopf schießt, wenn sie sowas mitbekommen. Geändert von Yonnix (04.12.2015 um 12:39 Uhr) |
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#9 |
abgemeldet
Registriert seit: 03.08.2011
Ort: NRW
Beiträge: 1.881
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Also ich habe mal eine ganze Beerdigung durchgefilmt und durchfotografiert (Kirche, Krematorium, Kaffeetafel danach (heißt das so?)
Ich war zu einer Beerdigung (Niederlande) eingeladen und man hat mich gebeten ein paar (wirklich nur ein paar) Fotos zu machen - Sarg war zu. Als ich da war, hat man mich plötzlich gebeten das ganze vor allem zu filmen, weil ein Sohn des Verstorbenen schwer krank im Krankenhaus lag und nicht teilnehmen konnte. Also sollte ich vor allem für ihn ein Film machen. Ich hatte genug Speicherkarten und Akkus dabei ,nur kein Mikrofon, sodass ich noch schnell in einem Fotoladen ein Mikrofon dazu gekauft habe (ich wollte, dass der Ton auch stimmt). Ich hatte auch kein Stativ, also es war auch physisch nicht so einfach. Hat ja Stunden gedauert. Wie auch immer , selbst der Pfarrer war sehr nett und hat nichts beanstandet. Am Ende wollten auch einige andere die 50 Minuten-DVD haben. Es war für mich viel Arbeit (auch zuhause noch), aber es war eine neue Erfahrung für mich und alle waren sehr zufrieden. Sowas wird einfach überall anders wahrgenommen.Das ist alles. Gruß |
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#10 |
Registriert seit: 17.12.2007
Ort: Rhein-Main
Beiträge: 22.130
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Mir wäre das auch befremdlich.
Aber du schreibst, die Familie hat einen russischen Hintergrund. Ich kenne natürlich deren Kultur nicht, aber ich bin mit einer vietnamesischen Familie befreundet. Deren Beerdigungskultur und die entsprechende Feier weicht von unserer auch deutlich ab, dass es für manche mit Sicherheit auch befremdlich wirkt (z.B. wird der Leichnam nach 3 Jahren wieder entnommen und umgebettet). Andere Länder, andere Sitten. ![]()
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