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Startseite » Forenübersicht » Kreativbereich » Bildercafé » Challenge #6 - "Stadtbild plakativ"
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Alt 07.11.2025, 20:09   #31
jqsch
 
 
Registriert seit: 28.08.2007
Ort: Bernau bei Berlin
Beiträge: 6.396
Ich denke in den kommenden beiden Tagen, kann ich dieses Bild für die Challenge nicht mehr toppen. Bearbeiten kann man es sicher anders.


Bild in der Galerie

Um es ganz klar zu sagen: Menschen sind kein Abfall, obwohl manche Menschen sie wie solche behandeln!

VG

Jürgen
__________________
... und Tschüß...

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Alt 07.11.2025, 22:59   #32
Kurt Weinmeister

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Registriert seit: 06.03.2015
Ort: Berlin
Beiträge: 4.799
Zitat:
Zitat von CB450 Beitrag anzeigen
Dann komme ich doch aus der Deckung.
Was heißt hier „doch“?
Du heißt doch nicht Chicken out Peter.
Aber bei euch heißt das ja Hendl…

Zitat:
Zitat von jqsch Beitrag anzeigen
Ich denke in den kommenden beiden Tagen, kann ich dieses Bild für die Challenge nicht mehr toppen.
Das denke ich auch.
__________________
Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel (Bukowski).
Chefexeget an der Rudolf-Steiner Schule
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Alt 08.11.2025, 01:19   #33
CB450
 
 
Registriert seit: 17.06.2004
Ort: OBB
Beiträge: 7.111
Zitat:
Zitat von Kurt Weinmeister Beitrag anzeigen
Was heißt hier „doch“?
Du heißt doch nicht Chicken out Peter.
Aber bei euch heißt das ja Hendl…
In bavaria we do not chicken out, we hendl away!
__________________
Schöne Grüsse,
Peter

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Alt 08.11.2025, 13:47   #34
Kurt Weinmeister

Themenersteller
 
 
Registriert seit: 06.03.2015
Ort: Berlin
Beiträge: 4.799
I can hendl that.

… um hier nicht ein blödes „gelöscht“ stehen zu haben.
__________________
Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel (Bukowski).
Chefexeget an der Rudolf-Steiner Schule

Geändert von Kurt Weinmeister (08.11.2025 um 23:17 Uhr)
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Alt 09.11.2025, 22:46   #35
Kurt Weinmeister

Themenersteller
 
 
Registriert seit: 06.03.2015
Ort: Berlin
Beiträge: 4.799
Das ist eine Challenge.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Zumindest für mich, der die Ehre hat, eure Werke zu würdigen.
Aber ich würdige nicht. Zumindest anders als vielleicht vorgestellt.
Ich nehme euer Bild und das was ihr dazu geschrieben habt und lasse meine Gedanken darum kreisen.
Dabei verzichte ich bewußt auf Superlative und Redewendungen wie "großartig", „grandios“, "Chapeau" oder "ich ziehe den Hut".
Wer das sucht, dem empfehle ich Chatgpt. Dort könnt ihr euer Bild hochladen und euch an der Lobhudelei der KI berauschen.

Es ging mir bei dieser Challenge nicht um erstklassig komponierte Meisterwerke der Streetkunst. Es ging mir um euer Stadtbild, um Klischees, um Nachdenkliches, um Möglichkeiten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Und ihr habt geliefert.
Danke!


Challenge #6 - Stadtbild plakativ
BildEXIF DatenKommentar
CrimsonIn Kleve gibt es nur ein Gleis. Man kommt entweder an oder man reis(s)t aus. Aus Kleve ist man offensichtlich schon ausgereist, Innenstadt und Bahnhof sind verwaist, wüst und leer. Joseph Beuys ist hier aufgewachsen, der Schwan zieht sich wie ein Leitmotiv durch seine Werke und so gelingt uns fast mühelos die Brücke zu Richard Wagner, der Kleve allerdings nie besucht hat. Die literarische Figur Lohengrin, Sohn des Gralskönigs Parzival, wird auf einem Schwan der Herzogin von Brabant als Helfer und Beschützer gesandt. Als Bedingung für seine Hilfe darf sie ihn niemals nach seiner Herkunft oder seinem Namen fragen, sonst muss er aus dem Stadtbild weichen. Wenn das so einfach ginge! Ich sehe schon den Innenminister und ein schnell zusammengestoppeltes ICE-Team durch Kleve stolpern und jedem Nachfahren der Weisen aus dem Morgenland ein "Was Dein Name, Wo kommst Du?" entgegen schleudern, in der Hoffnung, der Schwan taucht auf und nimmt den Delinquenten wieder mit aufs Boot, aus dem er zuvor nach größter Not entstiegen war. Auch Elsa wird es erst bewußt, was sie angerichtet hat, als sie die verhängnisvollen Worte aussprach. So endet der dritte Akt zumindest bei Wikipedia: "Elsa sinkt entseelt in Gottfrieds Armen ebenfalls zu Boden, das Volk (Chor) gibt sein Entsetzen „Weh!“ kund.". An anderer Stelle stirbt Elsa im Übrigen darauf später an einem Herzinfarkt, weil es nicht mehr genügend Rettungssanitäter gab. Nach deren Namen hatte man eilfertig auch gefragt.
CF1024163424. Ich gebe es freimütig zu: Ich bin ein Widerspruch. Plakativ sollte es sein. Plakativ ist es auch geworden. Und doch verliere ich mich in Details. Details. Ich kann nicht anders. Tristesse. Es ist Montag, eine offensichtlich obdachlose Frau sitzt lesend vor dem geschlossenen Juwelierladen Christ am Kornmarkt in Göttingen. Ihre wenigen Habseligkeiten hat sie an die Wand gelehnt, ein Tetrapak mit Saft und ein Plastikbecher stehen vor ihr. Eine Tüte mit aufgedruckten Blumen steht zu ihrer Rechten. Ein Geschenk einer vorbeieilenden Passantin? Sollte der Schriftzug CHRIST etwas in ihr getriggert haben? Sieben Grevensteiner Eliten stehen stramm und ordentlich aufgereiht weiter abseits von ihr. Aussätzig. Unbeteiligt. Damit will sie nichts zu tun haben. Auch wenn zwei der Granden unverschlossen zu sein scheinen. Kein selbst gemaltes Schild vor ihr weist auf ihre Notlage hin. Stattdessen dieses Buch. Das Buch, das von Nächstenliebe und der Seligkeit der Leidtragenden handelt oder ist es eher eine Auflage von 1949, die die Würde des Menschen für unantastbar erklärt? 163424. Die Zahl lässt mich nicht mehr los. Warum ist um diese Zeit der Juwelierladen geschlossen, obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes verlauten lassen? Sitzt dort vielleicht die Inhaberin des schmucken Ladens, die Elite, die Deutschland den Rücken kehrt? Von Abgaben- und Steuerlast gebeutelt einfach mal den Laden dicht machen und in fremden Landen erneut sein Juwel auf den Scheffel stellen? Oder ist sie von sehr weit entfernten Berliner Verwandten, einer deutschlandweit bekannten Anhängerschaft und die in den letzten Jahren immer wieder öffentliches Interesse auf sich gezogen hat, besucht worden? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass am Montag, den 03.11.2025 um 16:34:24 Uhr der Juwelier Christ in Göttingen geöffnet hatte und dies der einzige Eingang ist. Weinmeister ermittelte und hat bei Christ angerufen. Das sind die eigentlichen Fragen, die uns beschäftigen sollten. Nicht irgendein Stadtbild.
PortySo langsam sollte es doch auch der letzte Lurch begriffen haben. Aus Nördlingen flieht man nicht. Spätestens beim Anblick der im Hintergrund aufgereihten Waggons sollte im Oberstübchen etwas dämmern. Man kommt hier weder mit Bahn weg, noch sonst irgendwie. Da nützt es einem auch nichts, dass man mit 15, 30 oder 60 GB Karten Bescheid geben kann, wenn es mal wieder länger dauert, wenn man später ankommt. Man kommt gar nicht an. Man verbleibt. Man bleibt gezwungenermassen im Stadtbild kleben, dass alle so sehr hassen. Ich kann das verstehen. Keiner will euch haben. Schon gar nicht die Baden-Württemberger. Da passt ja schon rein sprachlich gar nichts zusammen. Also warum sollten sie euch in Stuttgart willkommen heißen? Bayern ist doch ein sicheres Herkunftsland. Und sich plötzlich womöglich für schwäbische Automobiltechnik interessieren? Nachtigall, ick hör' Dir trapsen! Nur konsequent, dass man angesichts solch einer massiven Bedrohung der eigenen Sicherheitslage die Schotten runterlässt. Obendrein verträgt sich das Fleischpflanzerl eh nicht mit dem Grüngemüse in der Villa Reitzenstein. Statt der 30 GB Karte wird es dann wohl eher der Jim Beam, den man dann am Bahnhof gleich mit weiteren gestrandeten Kumpels in den Kopf gießen kann. Ein Prost auf das Stadtbild!
WindbreakerGünther und Erika sind voll in der digitalen Welt angekommen. Hier schauen beide gemeinsam auf ihren Kontostand, da Günther sich eine Zweitfrau zulegen möchte. Der gelernte Tiefbauingenieur und die Buchhalterin einer Freiburger Maschinenfabrik begrüßen die Möglichkeiten, die sich durch neue und fremde Kulturen ergeben. "Ich kann leider nicht mehr so oft wie der Günther; die Hüfte, wissen Sie?" erklärt Erika entschuldigend die Situation. Beide sind viel in der Welt herumgekommen. Sie war früher oft auf internationalen Messen, als sie für ein anderes Unternehmen noch im Vertrieb tätig war, er hatte weltweit Projekte laufen. "Gott sei Dank ist meine Erika tolerant und auch ich habe nichts dagegen, dass sie ab und an dann den Dönermann besucht und 'mit alles (sic!)' bestellt." ergänzt Günther. Da beide kinderlos geblieben sind, steht das Haus eh die meiste Zeit leer und so junge Dinger bekommt man ja schon recht günstig in der Anschaffung, staunen beide. Sie freuen sich auf ihre baldige Neuerwerbung, die sie dann auch im Alter entlasten kann. "Wir denken, wenn sie uns dann beide pflegen kann und dann, wenn wir nicht mehr sind, das Haus erbt, dann ist das für alle eine Win:Win Situation", konstatiert Erika nüchtern. Auf die Frage, welches Modell es werden soll, antwortet Günther diplomatisch: "Wir ziehen den Südosten Europas vor, Osteuropäer kochen eher fettig mit viel Fleisch und sprechen dann auch noch so gebrochen Deutsch, das mögen wir nicht ganz so. Aber nicht, dass Sie uns jetzt für Rassisten halten, wir sagen hier doch nur unsere ehrliche Meinung", schiebt er schmallippig hinterher. "Wir müssen jetzt aber weiter, um die Ecke gibt es auch noch einen Laden, da vergleichen wir dann das Angebot!" verabschiedet sich Erika merklich schnell von Jens. "Soll ich sie fahren?" ruft Jens noch hinterher, aber beide marschieren bereits im strammen Stechschritt aus dem Stadtbild.
CB450Warum kommen mir römische Latrinen hier als erstes in den Sinn? Die bis zu 80 Plätze fassenden Großlatrinen waren in de Antike ein Ort des geselligen Miteinanders. Viele Menschen blieben länger da und führten "Klo-Gespräche", verbesserten ihre Geschäftsbeziehungen oder nahmen am Glückspiel um Gold oder Wertmarken für das öffentliche Bordell teil. Damals hat sich an diesem Stadtbild noch niemand gestört. Was ist heute also anders? Auch hier sitzen die Menschen wie auf der Latrine zusammen, aber statt sich für seinen Nebenmann oder seine Nebenfrau zu interessieren, schauen die meisten Köpfe gesenkt nach unten. Schon Charlie Brown wusste, dass man davon Depressionen bekommt. Ich habe spontan Passanten dazu vor der Oper befragt, was sie davon halten, dass dort Professorinnen, Handwerker und andere ehrbare Leute sitzen? Die meisten von denen konnten leider kein Hochdeutsch und haben mich nicht verstanden. Ich habe es dann mit DEEPL versucht, aber bayrische Dialekte sind der KI noch fremd. Einer allerdings, der Alois, konnte etwas gebrochen Englisch und ich konnte mein Anliegen vorbringen. Er formuliert seine Wut so: "Dea zua'grodn Saupreißdreck, i sog da, de ham do überhaupt nix verlorn! Mia san scho seit Generationen auf unserm Hof, mia g’hörn doher – net de! Mia ham eher a Recht, uns hi z’setzn, owa jedesmoal, wenn ma kemma, san d’Plätz scho vollg’hockt vo de Fremdn! Und wia des ausschaugt, wenn de dort all umehock’n – da wird da ja schlecht! Des is a Schand, des verschandelt des ganze scheene Stodtbuid! Mia derf’n uns unsa oagn Platz nimma nehma, weil de ois z’hamma, de Zuagroastn!". Ich habe das als Sprachnachricht aufgenommen und hoffe, ich habe das dann richtig wiedergegeben. Ich weiß bis heute nicht, was der gute Mann gesagt hat. Zefix, gib a rua.
jqsch"Tut das denn Not, dass der hier so rumoxidieren tut? Den kann man doch noch gebrauchen.", höre ich Meister Röhrich zu Ekkehardt sagen. "Ein bisschen polieren und frisieren und schon wird er wieder ein Mensch.". Recht hat er, der Meister. Das war zumindest meine erste Assoziation. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, was ich da sehe. Der klassische Obdachlose hat nicht so eine saubere Lammfell-Kapuze. Unser Meister hier scheint entweder seinem Zynismus zu frönen, seine eigene Lage zu überschätzen, oder jemand Fremdes trieb arges Spiel mit ihm, sollte es sich tatsächlich um einen Obdachlosen handeln. Die Klamotten von Rausch-Elite sind bekannt für ihre markigen und provozierenden Sprüche, die sich unser Meister hier hoffentlich nicht zu eigen macht. Wenn doch, dann tut es mir aufrichtig leid um ihn. Triggerwarnung: Der Link auf die Seite von Rauschelite ist ín diesem Zusammenhang eher etwas für stärkere Nerven und bedient Klischees unterhalb der Gürtellinie. Es wäre besser, die Kapuze bliebe ohne Titel.

Wie das so ist bei jeder Challenge, sagt auch jedes Bild etwas über den Einsteller aus. Und auch über die Nichteinsteller.
Von geschätzten 50-80 aktiven Forumsmitgliedern haben es immerhin sechs Männer geschafft, daran teilzunehmen.
Frauen sind offensichtlich schon dem Stadtbild entfleucht, was ich sehr schade finde, da ich gespannt war, ob es eine "männliche" und eine "weibliche" Stadtbild-Ansicht gibt.
Klaus und Jürgen, immerhin 1/3 der Teilnehmer, führen uns die sozialkritischen Probleme vor Augen, deren Lösung dann auch zur Entfernung der gezeigten Situationen aus dem Stadtbild führen würde.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es dem höflichen Jürgen sehr viel Überwindung gekostet haben muss, den Mann so aufzunehmen. Das ist nicht seine Art und ich würde sagen: persönliche Challenge mit Bravour gemeistert!
Bei Klaus weiß ich, er hält immer drauf und stets nahe an der Perfektion. Und was nicht passt, wird passend gemacht. So entsteht gleichbleibende Qualität getrieben durch höchste Ansprüche an sich selbst.
Jens' Bild hingegen versprüht den positiven Charme eines Neuanfangs bei gleichzeitiger Bestätigung des Existierenden. Sein Stadtbild ist geprägt von Hoffnung, Zuversicht und Liebe. Für mich das beste Stadtbild aus der Challenge.
Peters' Bild zeigt uns den heilen, banalen Alltag eines Freitagnachmittags. Kein lautes Stadtbild, keine Provokation, vielleicht ausser der Frage, warum "die da" in München um diese Zeit nicht arbeiten. Da sitzen einfach nur gewöhnliche Menschen aus allen Schichten, wie es scheint friedlich jeder für sich, zusammen und genießen die letzte Herbstsonne. Und ob sie diese nun an der Oper in München, im Görlitzer Park in Berlin oder auf der Zeil in Frankfurt in ähnlicher oder anderer Zusammensetzung genießen, sollte uns doch egal sein.

Markus und Michael müsste ich streng genommen ausschließen. Es sollte ja schon ein Vorder- mit einem Hintergrund korrespondieren.
Michael zeigt uns, dass er zu faul war, um von der Bank aufzustehen, zehn Meter weiter nach rechts zu gehen, dort etwas zu verweilen, um dann sein Foto mit Vordergrund zu schießen.
So saß der arme Mann auf der kalten Metallbank und hat sich den Hintern abgefroren. Aber er hat an die Challenge gedacht, mich genötigt auf der Karte nachzusehen, wo es dieses "Nördlingen" eigentlich gibt und uns vor Augen geführt, dass die DB schon innerlich aufgegeben haben muss, dass sie es Werbetreibenden erlaubt, in ihrem angestammten Heimatrevier sich so über sie lustig zu machen.
Danke dafür!
Markus' Bild spiegelt seine eigene Zerrissenheit wider.
Auf der einen Seite will er wie Lohengrin dem Forum in der Not helfen und seinen Beistand mit Challenge-Bildern bekunden, auf der anderen Seite befürchtet er, erkannt zu werden und dann womöglich in einem blau-weißem Schwan aus dem Stadtbild abgeführt zu werden.
Aber es ist nicht schlimm. Allein der Wille zählt und dass ich mal wieder an Lohengrim, den ich als Kind bei den Gebrüder Grimm gerne gelesen habe, erinnert werde, fand ich sehr schön!

Genug der Worte nun.
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Alt 10.11.2025, 10:07   #36
CB450
 
 
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Zitat:
Zitat von Kurt Weinmeister Beitrag anzeigen
Das ist eine Challenge.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Zumindest für mich, der die Ehre hat, eure Werke zu würdigen.
Aber ich würdige nicht. Zumindest anders als vielleicht vorgestellt.
Ich nehme euer Bild und das was ihr dazu geschrieben habt und lasse meine Gedanken darum kreisen.
Dabei verzichte ich bewußt auf Superlative und Redewendungen wie "großartig", „grandios“, "Chapeau" oder "ich ziehe den Hut".
Wer das sucht, dem empfehle ich Chatgpt. Dort könnt ihr euer Bild hochladen und euch an der Lobhudelei der KI berauschen.

Es ging mir bei dieser Challenge nicht um erstklassig komponierte Meisterwerke der Streetkunst. Es ging mir um euer Stadtbild, um Klischees, um Nachdenkliches, um Möglichkeiten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Und ihr habt geliefert.
Danke!


Challenge #6 - Stadtbild plakativ
BildEXIF DatenKommentar
CB450Warum kommen mir römische Latrinen hier als erstes in den Sinn? Die bis zu 80 Plätze fassenden Großlatrinen waren in de Antike ein Ort des geselligen Miteinanders. Viele Menschen blieben länger da und führten "Klo-Gespräche", verbesserten ihre Geschäftsbeziehungen oder nahmen am Glückspiel um Gold oder Wertmarken für das öffentliche Bordell teil. Damals hat sich an diesem Stadtbild noch niemand gestört. Was ist heute also anders? Auch hier sitzen die Menschen wie auf der Latrine zusammen, aber statt sich für seinen Nebenmann oder seine Nebenfrau zu interessieren, schauen die meisten Köpfe gesenkt nach unten. Schon Charlie Brown wusste, dass man davon Depressionen bekommt. Ich habe spontan Passanten dazu vor der Oper befragt, was sie davon halten, dass dort Professorinnen, Handwerker und andere ehrbare Leute sitzen? Die meisten von denen konnten leider kein Hochdeutsch und haben mich nicht verstanden. Ich habe es dann mit DEEPL versucht, aber bayrische Dialekte sind der KI noch fremd. Einer allerdings, der Alois, konnte etwas gebrochen Englisch und ich konnte mein Anliegen vorbringen. Er formuliert seine Wut so: "Dea zua'grodn Saupreißdreck, i sog da, de ham do überhaupt nix verlorn! Mia san scho seit Generationen auf unserm Hof, mia g’hörn doher – net de! Mia ham eher a Recht, uns hi z’setzn, owa jedesmoal, wenn ma kemma, san d’Plätz scho vollg’hockt vo de Fremdn! Und wia des ausschaugt, wenn de dort all umehock’n – da wird da ja schlecht! Des is a Schand, des verschandelt des ganze scheene Stodtbuid! Mia derf’n uns unsa oagn Platz nimma nehma, weil de ois z’hamma, de Zuagroastn!". Ich habe das als Sprachnachricht aufgenommen und hoffe, ich habe das dann richtig wiedergegeben. Ich weiß bis heute nicht, was der gute Mann gesagt hat. Zefix, gib a rua.

Wie das so ist bei jeder Challenge, sagt auch jedes Bild etwas über den Einsteller aus. Und auch über die Nichteinsteller.
Von geschätzten 50-80 aktiven Forumsmitgliedern haben es immerhin sechs Männer geschafft, daran teilzunehmen.
Frauen sind offensichtlich schon dem Stadtbild entfleucht, was ich sehr schade finde, da ich gespannt war, ob es eine "männliche" und eine "weibliche" Stadtbild-Ansicht gibt.
Klaus und Jürgen, immerhin 1/3 der Teilnehmer, führen uns die sozialkritischen Probleme vor Augen, deren Lösung dann auch zur Entfernung der gezeigten Situationen aus dem Stadtbild führen würde.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es dem höflichen Jürgen sehr viel Überwindung gekostet haben muss, den Mann so aufzunehmen. Das ist nicht seine Art und ich würde sagen: persönliche Challenge mit Bravour gemeistert!
Bei Klaus weiß ich, er hält immer drauf und stets nahe an der Perfektion. Und was nicht passt, wird passend gemacht. So entsteht gleichbleibende Qualität getrieben durch höchste Ansprüche an sich selbst.
Jens' Bild hingegen versprüht den positiven Charme eines Neuanfangs bei gleichzeitiger Bestätigung des Existierenden. Sein Stadtbild ist geprägt von Hoffnung, Zuversicht und Liebe. Für mich das beste Stadtbild aus der Challenge.
Peters' Bild zeigt uns den heilen, banalen Alltag eines Freitagnachmittags. Kein lautes Stadtbild, keine Provokation, vielleicht ausser der Frage, warum "die da" in München um diese Zeit nicht arbeiten. Da sitzen einfach nur gewöhnliche Menschen aus allen Schichten, wie es scheint friedlich jeder für sich, zusammen und genießen die letzte Herbstsonne. Und ob sie diese nun an der Oper in München, im Görlitzer Park in Berlin oder auf der Zeil in Frankfurt in ähnlicher oder anderer Zusammensetzung genießen, sollte uns doch egal sein.

Markus und Michael müsste ich streng genommen ausschließen. Es sollte ja schon ein Vorder- mit einem Hintergrund korrespondieren.
Michael zeigt uns, dass er zu faul war, um von der Bank aufzustehen, zehn Meter weiter nach rechts zu gehen, dort etwas zu verweilen, um dann sein Foto mit Vordergrund zu schießen.
So saß der arme Mann auf der kalten Metallbank und hat sich den Hintern abgefroren. Aber er hat an die Challenge gedacht, mich genötigt auf der Karte nachzusehen, wo es dieses "Nördlingen" eigentlich gibt und uns vor Augen geführt, dass die DB schon innerlich aufgegeben haben muss, dass sie es Werbetreibenden erlaubt, in ihrem angestammten Heimatrevier sich so über sie lustig zu machen.
Danke dafür!
Markus' Bild spiegelt seine eigene Zerrissenheit wider.
Auf der einen Seite will er wie Lohengrin dem Forum in der Not helfen und seinen Beistand mit Challenge-Bildern bekunden, auf der anderen Seite befürchtet er, erkannt zu werden und dann womöglich in einem blau-weißem Schwan aus dem Stadtbild abgeführt zu werden.
Aber es ist nicht schlimm. Allein der Wille zählt und dass ich mal wieder an Lohengrim, den ich als Kind bei den Gebrüder Grimm gerne gelesen habe, erinnert werde, fand ich sehr schön!

Genug der Worte nun.
Nun weiß ich ja, dass in deinem Kopf viele Persönlichkeiten ihr Heim gefunden haben, aber den Althistoriker mit Hang zu antiken Sanitäranlagen habe ich noch nicht getroffen.
Bei Glücksspiel und Bordell habe ich mich sofort in bekannter Gesellschaft gefühlt.

Dass deine Schilderung des Dialogs mit dem guten Alois ins Reich der Erfindungen gehört, erkennt jeder echte Bayer sofort. In München spontan jemanden zu treffen der Dialekt spricht (noch dazu mit Hof dahoam), ist so selten wie eine freie Parklücke am Viktualienmarkt.

6 Teilnehmer klingt zunächst nicht nach viel, trotzdem haben sich 6 Menschen aus dem Forum auf den Weg gemacht und nach einem passenden Motiv zu suchen und es auch zu finden. Das ist schon etwas wert. Wie du finde ich es schade, dass keine unserer Forentinnen dabei waren. Aber dann halt bei der nächsten Challenge. Kleiner Tipp für die Mädels: Kauft euch eine Kamera die ins Handtäschchen passt.

Belohnt wurden wir Teilnehmer - und alle die hier reinschauen - mit deinen ausführlichen, humorvollen, manchmal bissigen aber immer auch tiefgründigen Worten zu unseren Bildern.

Vielen Dank dafür.
Einfach weinmeisterlich!
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Schöne Grüsse,
Peter

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Alt 10.11.2025, 10:08   #37
CB450
 
 
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Achso, gibt es hier auch Platz für die Outtakes?
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Schöne Grüsse,
Peter

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Alt 10.11.2025, 10:53   #38
Crimson
 
 
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Zitat:
Zitat von Kurt Weinmeister Beitrag anzeigen
Markus und Michael müsste ich streng genommen ausschließen. Es sollte ja schon ein Vorder- mit einem Hintergrund korrespondieren.
erstmal nur kurz... wenn man ein Bild erklären muss, funktioniert es nicht, ist mir durchaus klar... die Absicht war aber, den Halt suchenden erstarrten Vordergrund durchaus mit dem leeren kantigen bewusst hellen menschenleeren Hintergrund in Verbindung zu bringen...
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Crimson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2025, 12:49   #39
Kurt Weinmeister

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Zitat:
Zitat von CB450 Beitrag anzeigen
Bei Glücksspiel und Bordell habe ich mich sofort in bekannter Gesellschaft gefühlt.
Ich weiß doch, wie ich Leute anspreche, die in HH auf der Reeperbahn nächtigen.

Zitat:
Zitat von CB450 Beitrag anzeigen
... ist so selten wie eine freie Parklücke am Viktualienmarkt.
Ich bin halt ein Glückskind

Zitat:
Zitat von CB450 Beitrag anzeigen
Achso, gibt es hier auch Platz für die Outtakes?
Aber selbstverständlich!

Zitat:
Zitat von Crimson Beitrag anzeigen
... wenn man ein Bild erklären muss, funktioniert es nicht,
Ja, da bin ich tatsächlich nicht drauf gekommen. Aber es hat ja trotzdem funktioniert, ich hatte auch noch ganz andere Gedanken beim Betrachten, also alles gut!
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Alt 10.11.2025, 19:07   #40
jqsch
 
 
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Meine drei Bilder, die neben meinem hier eingestellten Bild im Rahmen der Challeng entstanden sind.

Stadtbildverschönerung in der letzten Woche. Das Mural zum NFL Spiel gestern im Olympiastadion


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Plakativ genug ? Bahnhof Zoo


Bild in der Galerie

Und das Bild, was ich im Monatsthema gezeigt habe und das auch hier gepasst hätte.


Bild in der Galerie

Vielen Dank Stefan für eine herausfordernde Challenge und für deine Kommentare.
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