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abec 02.03.2006 11:00

Sorry Horst, vielleicht habe ich die Frage falsch formuliert. Mir ist klar wozu ich mehrere Kanäle benötige. Mir ist aber nicht klar, wie bei einer reinen Kommunikation der Geräte über Blitzfolgen (Lichtsignale) die Kanäle getrennt werden.

Stellt man sich vor, dass die Geräte (Kamera und Blitze) sich über eine Funk-Verbindung unterhalten, realisiert man das indem man auf verschiedenen Trägerfrequenzen sendet. Verwendet man als Datenträger aber eine Reihe gleichartiger Lichtblitze, so ist eine Zuordnung der Daten doch nur über die zeitliche Abfolge und gegebenenfalls die Länge der Lichtsignale möglich. So eine Art Morsecode also. Eine Aufteilung auf verschiedene Kanäle (Frequenzen, Träger) ist dafür nicht erforderlich und IMHO auch nicht möglich.

Mir kommt das ganze etwas seltsam vor.
- Per Vorblitz wird die Situation ausgemessen.
- Dann werden die erforderlichen Blitzleistungen für die entfesselten Blitze berechnet. (In der Kamera oder jeder Blitz selbst für sich?)
- Dann werden sicher eine ganze Reihe Daten ausgetauscht (eingestellte Blende und Zeit, Brennweite)
- Das Ganze für 4 Blitze gleichzeitig.

Schwer vorstellbar, dass so viele Daten in so kurzer Zeit durch eine Abfolge von Licht-Impulsen übertragen werden, die nich einmal auf einer definierten Strecke direkt übertragen werden. Der Sensor des Blitzgerätes sieht doch eigentlich nur eine Helligkeitsschwankung, die abhängig von der Szenerie (Reflexionen, Grundhelligkeit, Anordnung der Blitze) völlig undefiniert ist. Wie funktioniert das?

Tobi. 02.03.2006 11:06

Zitat:

Was dann aber ein anderes Funktionsprinzip ist als das Wireless-Blitzen mit 5600/3600.
Nein, wieso? Nur ein anderes Protokoll, sonst ist das das gleiche.
Bei TTL-fähigen Kameras ist das dann auch echtes WL-TTL, bei nicht-TTL-fähigen Kameras (wie unseren digitalen Minoltas) misst der Master die benötigte Lichtmenge.

Tobi

abec 02.03.2006 11:07

Aha, nach Peanuts ausführlicher Erklärung ist alles klar. Vielen Dank.

Dimagier_Horst 02.03.2006 11:08

@Peanuts
sauber! :top: und danke, das ist Klasse zur Veranschaulichung.

@abec
Die Kamera steuert alle Blitze eines Kanals gleich, unterscheidet also nicht einzelne Blitzgeräte innerhalb eines Kanals.

Tobi. 02.03.2006 11:09

Zitat:

- Per Vorblitz wird die Situation ausgemessen.
- Dann werden die erforderlichen Blitzleistungen für die entfesselten Blitze berechnet. (In der Kamera oder jeder Blitz selbst für sich?)
- Dann werden sicher eine ganze Reihe Daten ausgetauscht (eingestellte Blende und Zeit, Brennweite)
- Das Ganze für 4 Blitze gleichzeitig.
Der Anfang stimmt. Aber es werden keine Daten über die Aufnahme an den Blitz übermittelt, sondern prinzipiell nur, wieviel Licht er raushauen soll.

Lies dir mal Peanuts' Beitrag durch, der ist echt lesenswert! Danke Peanuts!

Tobi

Peanuts 02.03.2006 11:15

Zitat:

Zitat von abec
So eine Art Morsecode also. Eine Aufteilung auf verschiedene Kanäle (Frequenzen, Träger) ist dafür nicht erforderlich und IMHO auch nicht möglich.

Morse-Code trifft's ziemlich genau.
Zitat:


Mir kommt das ganze etwas seltsam vor.
- Per Vorblitz wird die Situation ausgemessen.
- Dann werden die erforderlichen Blitzleistungen für die entfesselten Blitze berechnet. (In der Kamera oder jeder Blitz selbst für sich?)
- Dann werden sicher eine ganze Reihe Daten ausgetauscht (eingestellte Blende und Zeit, Brennweite)
- Das Ganze für 4 Blitze gleichzeitig.
So in etwa läuft das beim aktuellen Verfahren ab. Außer, das der Blitz über Brennweite, Blende und Verschlusszeit nichts wissen muss. Die Kamera kennt alle Parameter und sagt dem Blitz was er tun muss. Die Kanäle werden statisch in den Blitzgeräten eingestellt. Entweder über Mäuse-Klavier oder per Custom-Menu. Die Anzahl der Blitzgeräte ist theoretisch unbegrenzt, weil die Kommunikation eh nur in eine Richtung (Kamera->Blitz) läuft und die Blitze ganz brav nur auf die Steuerblitze von der Kamera warten.
Zitat:


Schwer vorstellbar, dass so viele Daten in so kurzer Zeit durch eine Abfolge von Licht-Impulsen übertragen werden, die nich einmal auf einer definierten Strecke direkt übertragen werden. Der Sensor des Blitzgerätes sieht doch eigentlich nur eine Helligkeitsschwankung, die abhängig von der Szenerie (Reflexionen, Grundhelligkeit, Anordnung der Blitze) völlig undefiniert ist. Wie funktioniert das?
Die Helligkeitsschwankung ist beträchtlich und extrem kurz (einige µsec).
Das lässt sich wunderbar aus 'natürlichen' Helligkeitsschwankungen herausfiltern. Den Rest erledigt ein Mikroprozessor.
Und was die Zeit angeht: das ganze dauert etliche Millisekunden, das ist in der Elektronik eine halbe Ewigkeit, um ein paar läppische Bits zu übertragen.

Meine Oszillogramme oben hab ich mit einer simplen Fotodiode aufgenommen, die direkt am Eingang des Oszilloskops hing. Ohne Messverstärker oder sonstige Elektronik dazwischen.

newdimage 02.03.2006 11:33

Danke, das Du "Licht ins Dunkel" bringst.
Mir Techniklegastheniker ist das zwar immer noch recht theoretisch, dennoch kann ich mit Deinen Beiträgen was anfangen.

Gruß
Frank

abec 02.03.2006 12:52

Zitat:

Zitat von Wishmaster
Lies dir mal Peanuts' Beitrag durch, der ist echt lesenswert!

:roll:

Zitat:

Zitat von Wishmaster
Danke Peanuts!

Genau. Super Erklärung. Vielen Dank Peanuts!

Sebastian W. 02.03.2006 15:25

Zitat:

Ist der Verschluss offen, wird nur noch ein einzelner Blitz gesendet, der die Slaves zum Aussenden einzelner Blitze im Abstand von 400µs veranlasst . Diese Blitze werden von der Kamera gemessen und aufintegriert, bis die Blitzbelichtung ausreichend ist. Danach sendet die Kamera ein Stoppsignal, dessen Breite so bemessen ist, dass es in die Pause von zwei Slave-Blitzen fällt. Dies veranlasst die Slaves, das Gewitter zu beenden
Bezieht sich die Beschreibung auf analoges TTL oder digitales Vorblitz-TTL? Wie misst die Kamera bei offenem Verschluss die Blitzleistung um ein Stopsignal senden zu können? Die TTL-Belichtungssensoren stehen bei DSLRs während der Aufnahme nicht zur Verfügung. Eigentlich müsste die Blitzstärke schon vor der Belichtung feststehen.

Edit: Nochmal nachgelesen. Es scheint sich um das ältere Verfahren zu handeln, bei dem Belichtungssensoren das vom Film reflektierte Licht auswerten um das Stopsignal auszulösen.

Peanuts 02.03.2006 16:17

Korrekt, altes Verfahren.

Beim neuen (hab leider keine Oszillogramme davon online) löst die Kamera drahtlos einen Vorblitz der Slaves aus, bestimmt daraus die nötige Blitzleistung und überträgt diesen Wert drahtlos an die Blitze. Die Blitzleistung wird AFAIK als zeitlicher Abstand zwischen zwei Blitzen innerhalb eines Pakets codiert. Wenn der Verschluss dann offen ist, kommt nur noch ein Trigger-Impuls, aber kein Stopp-Signal mehr.


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