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Alt 28.03.2016, 19:44   #1
moelbar
 
 
Registriert seit: 23.02.2013
Ort: Rhein Main
Beiträge: 371
Tutorial Nachtfotografie

Nachts sind alle Katzen grau, sagt ein Sprichwort. Das gilt aber nicht für eine Kamera. Sie kann bei langer Belichtungszeit auch in der dunkelsten Umgebung ein farbiges Bild zaubern. Das kreative Spielen mit Licht und Dunkelheit in Verbindung mit Langzeitbelichtungen zieht mich immer wieder aufs Neue in den Bann. Neulich wurde ich gefragt, ob man bei mir auch in die Nachtfotografie-Tutorial geben kann. Ich habe euch ein paar Nachtfotografie Tipps zusammengestellt aus meinen Erfahrungen, mit denen ich mir die Nächte um die Ohren schlage.

Kamera
Die Frage nach der Kamera erübrigt sich hier - klar, es muss eine Sony sein
Ne mal im Ernst, hauptsache die Kamera besitzt nicht nur Automatik-Programme, sondern auch über einen manuellen Modus verfügt. Das ermöglicht den ISO-Wert, Blende und Belichtung nach euren Wünschen einzustellen.

Verwende ein Stativ
Nachts ist wenig Licht vorhanden. Wenig Licht bedeutet wiederum lange Belichtungszeiten. Daher ist ein Stativ ein absolutes Muss bei der Nachtfotografie, um jede Art der Erschütterung zu vermeiden. Die Belichtungszeiten gehen gerne mal hoch auf 10-30 Sekunden. Ohne Stativ kommt es aufgrund der langen Belichtungszeit zu Verwacklungen.

Um jede kleine Erschütterung und Verwacklung zu vermeiden, empfiehlt es sich einen Fernauslöser für die Kamera zu verwenden. Ob Funk-, Infrarot- oder Kabelfernauslöser ist egal, hauptsache man fasst die Kamera nicht an. Oft kommt es schon beim Drücken des Auslösers zu kleineren Bewegungen, die am Ende für unscharfe Bilder sorgen können. Für den Anfang tut es auch der Selbstauslöser mit einer Verzögerung von 2 bzw. 10 Sekunden. Die neuen Kameramodelle sind inzwischen mit WLAN ausgestattet, wodurch die Kameras mittels entsprechender App ausgelöst werden können und es so zu keinen ungewollten Verwacklungen im Bild kommt.


Bild in der Galerie

Kameraeinstellungen
ISO (Lichtempfindlichkeit): Lange Belichtungszeiten von mehreren Sekunden fördern das Rauschen im Bild. Gerade bei Nachtaufnahmen hat man oft große dunkle Flächen, die ebenfalls gerne rauschen. Daher sollte man mit der möglichst geringsten ISO-Zahl fotografieren, die die Kamera hergibt. Bei den meisten Kameras ist der geringste ISO-Wert 100 und ist bei mir auch ebenfalls auf 100 eingestellt. Sollte ein ISO-Wert von 100 aufgrund der Dunkelheit nicht mehr möglich sein, tut es auch ein Wert von 200 bis 600. Hier gilt aber: je niedriger der ISO-Wert, desto geringer das Bildrauschen.

Blende: Deine Kamera ermöglicht das manuelle Einstellen der Blende. Die Blende der Kamera kann man mit der Pupille unseres Auges vergleichen: Diese öffnet bzw. schließt sich, um den Lichteinfall auf die Netzhaut zu regulieren. Genau dasselbe macht die Blende bei der Kamera: sie lässt je nach dem eingestelltem Wert mehr bzw. weniger Licht in das Objektiv bzw. auf den Kamerasensor. Die schärfsten Blende an den meisten Objektiven ist übrigens oft zwischen f/8 und f/11.


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Autofokus oder manueller Fokus: Die meisten Kameras haben eine automatische Messfeldsteuerung, wodurch der Autofokus automatisch die verschiedenen Messfelder verwendet, um den optimalen Fokuspunkt zu finden. Je nach Kamera und Objektiv arbeitet der Autofokus gut bzw. schlecht. In der Nacht kommt es häufiger vor, dass der Autofokus keinen Fokuspunkt findet, weil der Kontrastumfang aufgrund der Dunkelheit zu gering ist. Befinden sich jedoch genug Strukturen im Bildausschnitt, ist es dem Autofokus meistens möglich etwas scharf zustellen.


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Belichtungszeit: Die Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit regelt die Dauer der Belichtung. Die meisten Kameras können bis zu 30 Sekunden belichten im manuellen Modus. Alles darüber erfolgt dann über die „Bulb“-Belichtung. Mit dieser Einstellung kann ein Motiv so lange belichtet werden, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Hierzu sollte dann aber ein Kabel- bzw. Funkfernauslöser benutzt werden, um Verwacklungen zu vermeiden. Aber was sind die Schritte zur richtigen Belichtung? Ich gehe meistens so vor:
  • Stativ sowie Kamera aufstellen und gerade ausrichten (Bildkomposition lasse ich hier mal außen vor)
  • Ich beginne meistens mit Blende 8 oder 11 und verwende für die ersten Aufnahmen den A-Modus.
  • Belichtungsmessung setze ich auf die Matrixmessung, welche das gesamte Bild misst.
  • Auslösen und Bild anschauen.
  • Einstellungen für Belichtung merken und auf den M-Modus wechseln.
  • Je nach erstem Eindruck des Testbildes nun im manuellen Modus die Belichtungszeit variieren und weitere Aufnahmen machen.

RAW oder JPG
Ich fotografiere ausschließlich im RAW-Format. Das bedeutet zwar ein wenig mehr Arbeit in der Nachbearbeitung, bietet aber auch viel mehr Flexibilität und Möglichkeiten. Besonders bei der Nachtfotografie ist das RAW-Format zu bevorzugen, da es einfach viel mehr Farbinformationen enthält. Ein JPG-Bild hat meistens 8 Bit an Farbinformationen, RAW dagegen meist 10, 12 oder manchmal sogar 14 Bit. Diese höherer Bit-Zahl hilft besonders bei Bildern mit hohem Anteil an dunklen und hellen Pixeln, denn so können auch in diesen Bereichen noch Details mit gespeichert werden, die sonst komplett in Schwarz oder Weiss versinken würden.

Rauschunterdrückung
Wenn du im JPG-Format fotografierst, aktiviere die Rauschunterdrückung deiner Kamera. Bei den meisten Modellen führt diese Rauschunterdrückung selbst bei Belichtungen von mehreren Minuten zu sehr guten Ergebnissen. Die Rauschunterdrückung dauert immer genau so lange wie die Aufnahme selbst – eine Aufnahme von 30 Sekunden erfordert somit eine Wartezeit von 30 Sekunden für die Rauschunterdrückung. Im RAW-Format empfehle ich die Rauschunterdrückung zu deaktivieren, da dies in der Bildbearbeitungssoftware (bspw. Lightroom) angepasst wird.


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Bildstabilisator abschalten
Wenn du ein Stativ verwendest, dann solltest du den Stabilisator abschalten. Die Kamera steht dann schon absolut ruhig und du läufst eher wieder Gefahr mit dem arbeitenden Stabilisator neue Schwingungen zu erzeugen statt sie zu vermeiden.

Motiv
Spannende und ungewöhnliche Perspektiven machen dein Bild zu einem Hingucker. Experimentiert einfach mit dem Bildausschnitt und der Perspektive und versuche ruhig mal ungewöhnliche Motive. Als Motive können beleuchtete Gebäude, Brücken, Flussufer mit Lichtern, Rücklichter fahrender Autos vom Straßenrand, Lichtinstallationen von Festivals als auch Feuerwerke dienen.


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Richtiger Zeitpunkt
Mit dem passendem Zeitpunkt der Aufnahme kannst du auch die spätere Stimmung des Bildes beeinflussen: Dunkel ist nicht gleich Dunkel. Bevor die Sonne komplett verschwunden ist und die Motive nur noch durch Kunstlicht beleuchtet werden, gibt es die Blaue Stunde und beschreibt die Zeit zwischen der Dämmerung des Sonnenuntergangs und nächtlicher Dunkelheit sowie die Minuten vor dem Sonnenaufgang. Diese Bilder zeichnen sich meistens durch einen satten blauen Himmel und charakteristischer und stimmungsvoller Beleuchtung aus.


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Schnellanleitung Nachtfotografie
  • Stativ aufbauen (möglichst stabiles Stativ verwendet (evtl. Gewicht anhängen)
  • M Modus an der Kamera wählen
  • ISO 100 an der Kamera wählen um möglichst wenig bis kein Rauschen im Bild zu haben – je niedriger der ISO Werte, desto rauschfreier das Bild
  • Blende zwischen 8 und 11 an der Kamera wählen
  • Streulichtblende verwenden (Schutz vor Seitenlichter)
  • Bildstabilisator ausschalten (grundsätzlich bei Stativaufnahmen)
  • Weissabgleich auf Automatik
  • RAW Format wählen wenn möglich
  • Autofokus ausschalten und manuell fokussieren
  • Fernauslöser wenn vorhanden nutzen. Ansonsten den Kamera Selbstauslöser verwenden.

Ich hoffe ich kann mit diesem Beitrag dem ein oder anderen weiterhelfen. Die erfahrenen User unter euch kennen das Meiste schon. Freue mich über eure Anmerkungen.

Der Beitrag wurde im Rahmen der Fotokurs-Reihe verfasst. Die Fotokurs-Reihe ist eine Artikel-Serie, die die wichtigsten Themen der Fotografie aufgreift. Die Serie richtet sich überwiegend an Fotografie Anfänger bzw. diejenigen, die noch was dazu lernen wollen. Hier gehts es zur Fotokurs-Reihe.

VG Mo

Geändert von moelbar (29.03.2016 um 19:45 Uhr)
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Alt 28.03.2016, 20:50   #2
Redeyeyimages
 
 
Registriert seit: 13.12.2013
Ort: Niederrhein
Beiträge: 3.505
Danke, toll erklärt
Redeyeyimages ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 21:22   #3
macroschnecke
 
 
Registriert seit: 07.04.2013
Ort: Minden
Beiträge: 375
Alpha SLT 57

Hallo moelbar,
vor einer Woche habe ich zum ersten Mal "unter Aufsicht" die Langzeitbelichtung ausprobiert.
Vielen Dank für deine Zusammenfassung hier. Dadurch habe ich für's nächste Mal eine gute Erinnerungshilfe und Anregungen für Verbesserungen bekommen

Hier ist die macroschnecke durchgekrochen:

Bild in der Galerie
macroschnecke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 21:25   #4
Redeyeyimages
 
 
Registriert seit: 13.12.2013
Ort: Niederrhein
Beiträge: 3.505
Da war jemand im LaPaDu
Redeyeyimages ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 22:15   #5
WB-Joe
Moderator
 
 
Registriert seit: 08.05.2005
Ort: München
Beiträge: 14.543
Danke für dieses Tutoral.
Ich bin so frei und pinne es oben.
__________________
Prost!!!
WB-Joe

Nächster Stammtisch in München: Dienstag, 05.November 2019 - Beginn 17:30 Uhr (oder früher)

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WB-Joe ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 28.03.2016, 22:42   #6
macroschnecke
 
 
Registriert seit: 07.04.2013
Ort: Minden
Beiträge: 375
zu #4:
Ja, genau Und sicher nicht zum letzten Mal!
macroschnecke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 22:48   #7
Redeyeyimages
 
 
Registriert seit: 13.12.2013
Ort: Niederrhein
Beiträge: 3.505
Da muss ich demnächst auch mal wieder hin, aber diesmal ohne ein Dutzend Modelle in Star Wars Kostümen
Redeyeyimages ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 22:55   #8
WolliFoddografAlph
 
 
Registriert seit: 20.05.2015
Ort: Mittelfranken
Beiträge: 25
Alpha SLT 58

Lange Belichtungszeiten von mehreren Sekunden fördern das Rauschen im Bild. Gerade bei Nachtaufnahmen hat man oft große dunkle Flächen, die ebenfalls gerne rauschen. Daher sollte man mit der möglichst geringsten ISO-Zahl fotografieren, die die Kamera hergibt. Bei den meisten Kameras ist der geringste ISO-Wert 100 und ist bei mir auch ebenfalls auf 100 eingestellt. Sollte ein ISO-Wert von 100 aufgrund der Dunkelheit nicht mehr möglich sein, tut es auch ein Wert von 200 bis 600. Hier gilt aber: je niedriger der ISO-Wert, desto geringer das Bildrauschen.


Verstehe ich jetzt nicht. Dachte immer, Rauschen kommt von hoher ISO (und dunklen Flächen).
Nach deiner Aussage müßte man ja einen hohen ISO-Wert einstellen, um eine kurze Belichtungszeit zu erreichen.
Den ersten Satz vielleicht streichen (?), er stiftet meines Erachtens ein wenig Verwirrung.
Nix für ungut....
__________________
Gruß
Walter
Es wird dir kein Traum gegeben ohne die Kraft, ihn auch zu verwirklichen - es kann aber sein, daß du dich dafür anstrengen mußt.
WolliFoddografAlph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2016, 23:04   #9
Redeyeyimages
 
 
Registriert seit: 13.12.2013
Ort: Niederrhein
Beiträge: 3.505
Durch hohe ISO und auch langes Belichten werden die einzelnen Photozellen warm was das Rauschen noch verstärkt.
Redeyeyimages ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2016, 00:47   #10
The Norb
 
 
Registriert seit: 16.10.2015
Beiträge: 1.048
Tolle Anleitung ! Es ist immer super, wenn sich mal jemand wirklich Arbeit macht und Sachen einmal kompakt als Block aufschreibt.

Du hast ja die manuelle Kameraeinstellung mit Stativ ausgesucht.
Hierbei bleibt dein Weissabgleich aber auf "Auto"

Ich selber verwende bei Nachtaufnahmen oft einen anders justierten Weissabgleich,
besonders wenn Kunstlicht und weisse Flächen ins Spiel kommen, macht das einen Unterschied. Ich würde also anregen, ruhig auch einmal geänderte Weissabgleichswerte ins Auge zu fassen, auch wenn die "Auto" Einstellung sehr oft gute Ergebnisse liefert. Es gibt ja ein paar fertige *Presets* aber auch die Möglichkeit, Farbtemperatur und Filter komplett manuell einzustellen
The Norb ist offline   Mit Zitat antworten
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