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#1 | ||||||||||||||||||||||||||
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Registriert seit: 16.01.2004
Ort: Goch
Beiträge: 6.808
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Reichswald Forest War Cemetery
Moin allerseits,
heute war ich - nicht zm ersten Mal - im Reichswald Forest War Cemetery, liegt hier um die Ecke. Es ist ein besonderer Ort - die größte Kriegsgräberstätte des Commenwealth in Deutschland, es ist ein Ort, der gleichermaßen erdet, wie demütig und dankbar und auch still macht. Wenn man - ich jedenfalls - durch die Reihen der Gräber geht und die Zahlen liest... 20, 22, 21, 25, ... dann komt ganz schnell der Moment, wo man - ich jedenfalls - eine Weile innehalten muss. Wir leben heute im hier und jetzt so wie wir leben, auch weil diese jungen Leute bzw. ihre Überreste hier liegen. Ich bin jemand, der sehr gefühlsorientiert auch an solche Orte herangeht, versuche, eine Mischung aus Dimension und ganz privatem zu finden, irgendwie die Aura einzufangen... das geht natürlich an die Nieren, aber da gehört es auch hin. Wer in der Nähe ist - bei Kleve (Niederrhein) - dem ist ein Besuch anzuraten, vorzugsweise in der der eher dunklen Jahreszeit oder eben entsprechend früh. Flaches und gleichzeitig hartes Licht passt hier gut... Da ich nur ein Hochformatbild habe, steht es - leider - alleine. Mit den Layoutmöglichkeiten hier komme ich micht so gut zurecht, sorry. Viele Grüße, Markus
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#2 |
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Registriert seit: 25.11.2012
Ort: Neumünster
Beiträge: 5.614
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Was für eine beeindruckende Serie, Markus!!
Jedes einzelne Bild für sich spricht an, wirkt gelungen, gestalterisch, ästhetisch, auch im Bezug auf die durchdachte, ausgefeilte Einbeziehung von Licht und Schatten. Großartig auch die bewusst gesetzten Ausschnitte, oft absichtlich überstrahlt oder minimalistisch beschnitten. Auch das Schwarzweiß trägt zur Wirkung bei. Wobei ich die Gesamtschau aller Fotos, wenn man sie so nebeneinanderstehen sieht, am stärksten finde. Das ergibt ein auffallend vielschichtiges Mosaik, das mich ungemein berührt. Ich könnte mir beispielsweise all die Fotos, so wie Du sie hier aufgereiht hast, auch auf einem großen Poster vorstellen.
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Gruß Harald Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. |
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#3 |
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Registriert seit: 07.09.2003
Ort: Sauerland 59***
Beiträge: 11.610
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Unglaublich gut beschrieben, wie es dir dort ging.
Aus dem Grund vermeide ich Besuch an solchen Orten, weil ich nicht an mich halten könnte, selbst jetzt hier beim schreiben. Das tut meiner schon lange sehr angeschlagenen Seele nicht wirklich gut. Auch weil meine Familie schlimm getroffen wurde. Gerne hätte ich die drei Brüder meines Vaters kennengelernt, stattdessen liegen sie irgenwo in Russland, Rumänien und beim 3. wissen wir es nicht. Es wäre schön, wenn sie in einer ähnlichen Begräbnisstätte liegen würden. Gerade in diesen Zeiten sollten sich viele Leute solche Gedenkstätten und oder Fotos dieser ansehen. Zu den Fotos kann ich mich meinem Vorredner nur anschliessen. Ganz wunderbar.
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Gruß aus dem Sauerland Irmgard (IRMI) I.M.A f Ein Foto stellt den Augenblick dar, die Malerei die Interpretation |
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#4 |
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Registriert seit: 28.08.2007
Ort: Bernau bei Berlin
Beiträge: 6.396
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Hallo Markus,
fotografisch eine Augenweide. Eine großartige Serie. Du hast mit vielen Stilmitteln gespielt, die wir von Dir kennen. Jedes Bild wohl überlegt, jedes Bild für sich trägt eine andere Aussage in sich. Dazu die s/w Bearbeitung. Fotografisch passt alles Aber Fotografisch ist nicht alles. Wichtiger als die Anwendung fotografischer Stilmittel ist die Wirkung auf den Betrachter, den die Bilder auslösen. irmis Verluste machen mich tief betroffen. Wie schrieb ich gestern im Monatsthema Stille zu diesem einen Bild: Stilles Gedenken passt hier einerseits wunderbar. Jeder einzelne der Grabsteine hat Ehepartner, Verwandte und Freunde, die dem/der Toten in Stille gedenken. Dein britischer Besucher war wahrscheinlich einer von denen. Anderseits macht es mich wütend, so viele Steine hier zu sehen. 7672 Grabstätten um genau zu sein. Gestorben, um einen Krieg zu beenden, den die Briten / die Soldaten des Commonwealth nicht begonnen haben. 7672 persönliche Schicksale. 7672 zu früh verstorbene. 7672 zerstörte Hoffnungen. Was mich freut, wie gepflegt dieser Friedhof rüberkommt. Und auch hier (wie in Arlington, Va) liegen Menschen verschiedener Religionen nebeneinander. Arlington kennt nur - wenn überhaupt - die kleine amerikanische Flagge als Schmuck, hier stehen Gestecke vor den an sich gleichen Grabsteinen. Am meisten betroffen hat mich dieses Bild gemacht. Fotografisch ist es das einzige nicht 100% s/w Bild. Aber hier kann ich die Trauer des Kindes nachvollziehen. Ein Vater, der gefehlt hat. Eine Mutter, welche die Last alleine zu tragen hatte. Dieses kleine Tafel sagt so viel aus. Und sie nimmt uns mit in die Vergangenheit. Danke für die Aufnahmen. Danke für das Zeigen Gruß Jürgen |
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#5 |
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Themenersteller
Registriert seit: 16.01.2004
Ort: Goch
Beiträge: 6.808
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Moin Harald, Irmi und Jürgen,
vielen Dank für eure schönen und berührenden und berührten Kommentare. Solche Orte sind nie leicht, können und wollen es nicht sein - sie müssen uns mit all ihrer Härte immer wieder auf den Boden der Tatsachen zwingen, uns zeigen, was wirklich wichtig ist. Würde man mehr Menschen damit - und diversen anderen wichtigen Erinnerungen - erreichen, wäre die Welt ein besserer Ort. Jeder hat sicher in der Familie mehr als genug kriegsbedingte Verluste, jeder Nachgeborene hat Fragen, die oft nicht beantwortet werden wollten oder konnten - ich selbst habe meinen Frieden damit gemacht, keine bzw. nur wenig Antworten zu haben. Mir ist natürlich bewusst, dass nicht nur das reale Ereleben, sondern auch solche Bilder viel auslösen können - und das sollen sie auch. Wir müssen hingucken, immer wieder. Nein, wir tragen keine direkte Verantwortung für die Vergangenheit unserer Vorfahren, aber wir tragen eine andere Verantwortung - die des Gedenkens, die des Mahnens, die des Erinnerns. Ich war bestimmt fast zwei Stunden dort und habe - das war vorher klar- gerade mal gut 50 Bilder gemacht, Doppelungen aus mehreren Versuchen abgezogen vielleicht die Hälfte. Die Anlage ist unglaublich gut gepflegt, sehr sauber, sehr viele frische Pflanzen, sicher auch immer wieder direkte Angehörige, die sich kümmern, sich erinnern. Es gibt einige Steine, die kleine zusätzliche Elemente wie das des den Vater vermissenden Kindes tragen - diese Grabstätten berühren noch tiefer. @Jürgen: fast eine Art skurriler britischer Humor: der Brite, den ich gestern traf, hat dort keine Angehörigen, er hat zufällig im Camper auf dem Parkplatz nebenan übernachtet, weil das in NL nicht erlaubt ist. Gleichwohl haben wir in knapp 5 Minuten mal eben den ganzen aktuellen irdischen Mist sehr einig bewertet. Viele Grüße, Markus
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Geändert von Crimson (31.03.2026 um 18:54 Uhr) |
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#6 |
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Registriert seit: 07.09.2003
Ort: Sauerland 59***
Beiträge: 11.610
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Gruß aus dem Sauerland Irmgard (IRMI) I.M.A f Ein Foto stellt den Augenblick dar, die Malerei die Interpretation |
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#7 |
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Registriert seit: 17.06.2004
Ort: OBB
Beiträge: 7.110
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Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen.
Eine starke und intensive fotografische Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Bedeutung. Schwarzweiss ist, für mein Empfinden, genau das richtige Stilmittel. Es senkt die visuellen Reize und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Ruhe und Nachdenklichkeit. Danke für diese sehr beeindruckende Dokumentation. |
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#8 |
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Themenersteller
Registriert seit: 16.01.2004
Ort: Goch
Beiträge: 6.808
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Moin Peter,
vielen Dank. Ich musste spannenderweise gar nicht so viel nachdenken, die (insgesamt wenigen) Bilder sind geflossen, das passiert schon mal, wenn man an so einem Ort intensiv mit dem Herz guckt. S/W sind sie ursprünglich nicht alle, die wenigen (4) farbigen habe ich aber für diesen Thread nochmal extra in s/w gewandelt. Viele Grüße, Markus
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