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Alt 26.04.2004, 23:11   #9
andys
 
 
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Ich möchte jetzt mal das Pferd ganz anders aufzäumen, um die Illusion zu nehmen, die Farbmanagement immer zugesagt wird.
Wer mal ganz früher versucht hat, Farben selber zu vergrößern, musste mit viel Lehrgeld lernen, so einfach wie die Industrie das versprochen hat, ging das nicht. Es wurden Analyser verkauft, mit den man den Prozess vereinfachen konnte, man fing mit dem Billigsten an und hörte mit dem teuersten Wallner auf. Die Ergebnisse wurden nicht besser. Wenn man den Hautton einprogrammiert hatte, stand man da und wußte nicht, misst den hellen, den mittleren oder dunklen Hautton aus. Mit der Zeit lernte man, dass man den Hautton auf der Stirn messen sollte, an der Stelle an der kein Reflex war. Dann lernte man, dass sich das ganze wieder änderte, je nachdem ob der Film richtig, unter- oder überbelichtet war. Das Ergebnis- die meisten haben aus lauter Verzweiflung das ganze an den Nagel gehängt. Manche haben so ein Labor noch zu Hause stehen. Von den Versprechungen hat sich nichts gehalten.
Seht Ihr die Ähnlichkeit mit der heutigen Zeit? Warum funktioniert das Farbmanagement nicht oder nur begrenzt.
Ganz in den Anfängen wurde für den Druckbereich in geschlossenen Einheiten gearbeitet. Ein Hersteller hat einen Rechner mit Scanner, Drucker usw. geliefert. Alles wurde vom Hersteller kalibriert. Das Personal wurde laufend geschult. Die kannten ihre Geräte. Da fiel es unter anderem dem "bösen" Steve Jobs ein, so etwas kleiner und günstiger zu bauen. So entstand Apple mit Adobe (Postscript) Pagemaker usw.. Die Drucker haben sich am Anfang halbtot gelacht. Mussten aber sehr schnell lernen, zum totlachen waren diese Apple nicht. Es wurden offnen Einheiten. Der Rechner von Apple, der Drucker von HP, der Monitor von Sony usw. Nichts passte mehr. Man rang um Standards. Linotype, heute Heidelberg, überraschte dann mit einem Farbmanagement für Apple, gerade Linotype, der es gar nicht nötig hatte. Und nun fangen die gleiche Versprechen an, wie zu Laborzeit oder beim Waschmittel.
So warum geht es im Fachbereich und nicht bei uns. Der Fachbereich investiert ein Schweinegeld für die Kalibrierung odere lässt er diese Arbeit von einem Dienstleiter vornehmen. Also alles optimale Daten: keine universellen Profilen, sondern ausgemessen und das regelmäßig überprüft. Und der entscheidende Punkt: Profis arbeiten unter gleichen Bedingungen im Studio mit konstantem Licht.
Wie wird kalibriert. Man hat eine Vorlage mit festen vorgegeben Farben. Die werden vom Lieferanten ausgemessen. Die Daten sind bekannt, das ist der "Istwert" Diese Vorlagen werden gescannt, in unserem Fall unter einem bestimmten Licht abfotografiert. Für dieses Licht stimmt das Profil. Wenn ich nun im Zimmer fotografiere, habe ich Kunstlicht, also gelbes Licht. Wenn ich mein Profil einsetze, woher soll mein CMM Modul wissen, das das Licht der Aufnahme ganz anders ist. Auf dem ersten Profil sind die Grautöne Grau. Beim Kunstlicht werden die auf einmal Gelb. Wenn ich nun dem CMM Modul nicht mit einem neuen Profil sage, so müssen die Farben nun aussehen, wird das Ergebnis ganz sicher falsch interpretiert. Er sieht Gelb, denkt es ist Grau. Dieses Gelb soll aber nun Grau werden. Was mach das Farbmanagement. Richtig, es addiert so viel Komplementärfarbe (in diesem Fall blau) bis das Bild Blau wird und viele Farben falsch korrigiert. Wenn ich dem CMM nun nicht mit dem richtigen Profil sage, so müssen die Farben unter Kunstlicht aussehen, läuft das schief. (Es bleibt dann noch immer die Frage, warum das Gelb raus soll, oder wieviel Gelb raus muss, damit die Aufnahme noch nach Kunstlicht aussieht)
Nehmen wird unsere gefürchtete rote Rose. Wir wissen, dass wir mit unseren Kameras kaum eine Chance haben, rote Rosen richtig hinzubekommen. Nur Könner sind in der Lage diese Rot so zu korrigieren, das es wieder natürlich aussieht. Wie soll das, das Farbmanagement leisten. Kann es nicht. Die Intelligenz hat Farbmanagement nicht.
Ich will damit nur sagen, Farbmanagement funktioniert nur, wenn wir unter Standardbedingungen arbeiten, so wie das Profils eingestellt ist. (Wer hier sagt, mit Abobe hat er ein gutes Ergebnis, dann passt in dieses Schema). Fällt die Lichtsituation aus dem Rahmen, müssen wir dem CMM Modul sagen, wie das Licht jetzt ist. Und das ist praktisch nicht möglich. Wir müssten also 50 oder 100 oder mehr Profile herstellen und dann auch noch das richtige Profil zur passenden Aufnahmen verbinden. Ich glaube man sieht so, dass man zu Fuß schneller zum guten Ergebnis kommt. Mit Handarbeit kommen wir schneller ans Ziel.
Wer etwas anderes erzählt, lügt. So wie Werbung meistens Lüge ist. Also trennt Euch bitte von dieser Illusion, Farbmanagement löst unser Problem. Nein das tut es nicht. Wir kommen nicht daran vorbei in vielen Fällen unsere Bilder in Handarbeit zu korrigieren.

Andys
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