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Moin, moin,
vielen Dank für Euer Feedback.
Stephans Einwurf, ob es nicht besser gewesen wäre, noch etwas Umgebung zu zeigen, ist nachvollziehbar und verständlich, aber es gibt ein paar Punkte, die dagegen sprachen.
1.) Aufnahmesituation und Kamerastandpunkt
Die Aufnahmen sind während der Fahrt mit einem Longboat entstanden. So ein Longboat ist kaum zwei, drei Schultern breit und unser Exempler hatte zudem im mittleren Teil eine Überdachung. Damit ist die Wahl des Kamerastandpunktes in der Breite sehr beschränkt. Die Höhe des Kamerastandpunktes (, aber auch der Blickwinkel) war wiederum durch das Dach limitiert. Welche Folgen hat das nun für die möglichen Bildausschnitte in Bezug auf das Motiv? Um mehr von der Gegend zeigen zu können und trotzdem den Bootsführer als zentralen Blickfang zu behalten, wäre eine kürzere Brennweite und ein Querformat notwendig gewesen. Selbst wenn ich den Standpunkt in der Breite hätte variieren können, wäre es für das Bild problematisch geworden. Es dürfte Einigkeit in dem Punkt bestehen, daß sich der Ausblick auf die Landschaft links vom Bootsführer befinden müßte, sprich entlang seiner Blickrichtung. Eine Verlagerung des Standpunkts nach rechts (oder weiter nach vorne bei Einsatz einer extremen WW-Brennweite) hätte dazu geführt, daß sich auch der Blick auf die Hand verändert, die Finger längst der optischen Achse verlaufen oder gar unter der Hutkrempe verschwinden. Damit hätte in meinen Augen die Denkerpose an Kraft verloren. Besser wäre da wahrscheinlich eine minimale Verlagerung des Kamerastandpunkts nach links, so daß die Landschaft links vom Kopf ist, die Denkerpose erhalten bleibt und nur minimal breiter wird. Denkbar, aber nicht realisierbar - einen Standortwechsel jenseits der "Reling" habe ich in dem Moment wirklich nicht in Betracht gezogen.
Bleibt die Frage, warum ich den tiefen Kamerastandpunkt gewählt habe. Klar, zum einen war dies der "natürlichste" Standort für den Photographen. Ich sitze tief im Bootsinneren, während der Bootsführer auf der hochgezogenen Spitze des Longboats sitzt. Das klingt nach einer Argumentation rein aus der eigenen Faulheit heraus. Aber der tiefe Standpunkt war wirklich gewollt, weil er für mich einen entscheidenden Vorteil besaß: dadurch konnte ich die Horizontlinie als schwache Andeutung links und rechts der Bugspitze ins Bild integrieren, aber noch viel wichtiger, ich konnte den Bootsführer vor dem Himmel freistellen und ihm und dem Betrachter viel Raum für die eigenen Gedanken und den Tagtraum geben.
2.) Landschaft
In Karins Bild finde ich es richtig, daß sie die Landschaft integriert hat. Diese Landschaft ist offen und hat etwas zu bieten. Anders hier - gerade in den ufernahen Bereichen des Sees verlaufen Wasserstraßen, die sich aus einem Spalier von Büschen und Baumkronen ergeben, die rechts und links wachsen. Dieses Gestrüpp ist nicht ansehnlich, versperrt den freien Blick und wäre viel zu unruhig für das Motiv. Zudem hätte die Freistellung des Bootsführers und die damit einhergehende Lufttigkeit um den Bootsführer durch ein dunkles Gestrüpp ringsherum arg gelitten.
Ich kann die Kommentare gut verstehen, die Bild 1 gegenüber Bild 2 favorisieren. Bild 1 läßt sicherlich mehr Phantasie und Gedanken zu und wirkt dadurch ein Stück weit emotionaler. Mit dem großzügigen Freiraum oberhalb des Kopfes bin ich aber ehrlich gesagt nicht 100%ig zufrieden. Daß ich Bild 2 bevorzuge, liegt an der besseren Bildaufteilung und an dem Kontrast zwischen "3.Welt" und Moderne.
Ich hoffe, ich konnte die Entstehung, die beschränkten Möglichkeiten und meine Gedanken zu den Bildern verdeutlichen, ohne daß es nach einem krampfhaften Verteidigungsversuch auf Biegen und Brechen aussah. Kritiken geben mir neue Blickwinkel auf die (eigenen) Bilder.
Dat Ei
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