Das ist abhängig von der Bildintention und Fotografierhaltung. Wenn ich dokumentarisch fotografiere, muss alles so bleiben. Wenn ich etwas künstlerisch gestalten will, habe ich keine Probleme.
Retuschieren wurde schon immer gemacht; und von der Grundidee ist kein Unterschied zwischen Aufhellen und Wegstempeln: das Bild wird verändert. Gut, man kann einwenden, dass beim einen Mal nur bereits vorhandene Informationen wieder hervorgeholt werden und beim zweiten Mal Informationen grundlegend verändert werden - nur: wenn ich keinen dokumentarischen Anspruch habe, sondern meine ureigenste subjektive Sicht darstellen will und verdeutlichen will, was ich persönlich in einem Motiv sehen möchte (was ich mit Fotografie ja durchaus tun kann), dann ist das Bild nur irgendein beliebig formbares Rohmaterial, das sich nicht von einem Klumpen Ton unterscheidet. Und dem verpasse ich meine Form.
Insofern ist das bildverändernde Eingreifen auch gerechtfertigt. Nur sollte man das dann auch kennzeichnen - bzw. nicht den Eindruck erwecken wollen, dies sei reine (Dokumentar-)Fotografie. Denn bei keiner anderen (künstlerischen) Ausdrucksweise wie in der Fotografie ist in der Allgemeinheit immer noch so stark die Überzeugung verwurzelt, dass dies die Realität wiedergäbe.
Fotografie hat eben immer noch (und wird es immer haben) diese zwei Seiten und somit bleibt es eine Gratwanderung.
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Gruß,
Michael
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