Ja, der Mensch ist wirklich ein Gewohnheitstier! Auch in der Helligkeitswahrnehmung, auch in der Farbwahrnehmung.
Man sehe sich mal abends die Fenster der Nachbarn an, wie hell die Räume nur durch den Fernseher allein erleuchtet sind. Kein Zusatzlicht! So flackert es im Rhythmus der Bildwechsel! Der Fernseher eben viel zu hell, augenschmerzend. Die Leute haben sich daran gewöhnt...
Als es noch keine Farbmonitore gab, saß ich stundenlang vor einem Schwarz-Grün-Monitor. Komisch, dass danach die Wolken am Himmel so rötlich aussahen (Komplementärfarben). Mich störte das eigentlich nicht weiter, hatte mich daran gewöhnt. Nur, dass meine Frau rosa Wolken nicht bestätigen konnte...
Anfänglich hatte ich die Minolta Dimage 7 auf hohe Sättigung und Schärfung gestellt und freute mich über die satten Farben à la Fuji Velvia 50 auf dem unkalibrierten Monitor. Auf dem unprofilierten Drucker kamen die Fotos etwas knallbunt, kitschig, aber das schob ich dem Drucker bzw. dem Papier zu. Farbverbindlich kam eben nichts! Aber man gewöhnte sich daran und hatte keine hohen Ansprüche...
Und dann kamen die unseligen Kalibrierwerkzeuge und Drucker-Profiliertools! Die Ansprüche stiegen! Oh weh, war das eine andere Welt! Da wurden für den Flachbildschirm werksseitig nur 80 cd/cm² empfohlen. Und vor allem gänzlich andere, endlich korrekte Farben auf dem Monitor und korrekte Farben auf dem Drucker! Jetzt stimmten die Farben der Ausdrucke mit denen des Monitors überein und diese wiederum mit dem soeben abgelichteten Objekt. War ich vorher tatsächlich so helligkeitsfern, so farbenblind?
Ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und gewöhnt sich sogar an falsche Helligkeit und falsche Farben! Schön, dass es objektivere Werkzeuge gibt, mit denen man sich - so man lernbereit ist - korrigieren kann. ColorVision Spyder2Pro und GretagMacBeth EyeOne Display2 helfen und ebenso individuelle ICC-Druckerprofile, um endlich wieder objektiv richtige Farben zu sehen...
Wer farbverbindliche Drucke abliefern will/muss, kommt schließlich um eine durchgängige Farbkalibration mit Messgeräten nicht herum. Da helfen eigene, manuelle Einstellungen nichts! Solche Einstellungen mögen "schöne" Ergebnisse zeitigen, haben jedoch mit der Realität wenig zu tun. Dafür erhält man nach gewissen Kalibrieraufwand künftig für alle Fotos, auch für die eigenen, hoch befriedigende, sehr realitätsnahe Resultate.
Geändert von WinSoft (28.07.2007 um 09:49 Uhr)
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