Ihr schärft immer das ganze Bild, nicht wahr?
Unser subjektiver Schärfeeindruck wird aber in der Regel an sichtbaren Kanten festgemacht, nicht an homogenen Flächen.
Nachschärfen ist ja eigentlich nichts anderes als Kontrastverstärkung.
Wenn man mit dem Filter "Konturen finden" eine auf die im Bild sichtbaren Kanten beschränkte Auswahl erstellt, und diese nun entweder unscharf maskiert oder eben selektiv scharfzeichnet, bleiben die Flächen erhalten.
Immerhin stellt "Schärfen" ja immer einen Kompromiss zwischen dem erreichbaren Schärfeeindruck und der Verstärkung von Bildelementen wie Artefakten oder Rauschen dar.
Üblicherweise kann ein RAW out of the Box schon vollkommen scharf sein.
Die Grundeinstellung in der Kamera liegt bei 25% Schärfung, das lasse ich so stehen.
Und ich schärfe bei weitem nicht mehr alle Bilder. In der Regel mache ich das nur bei Bildern, die ich für das Internet auf ein Viertel oder weniger herunterrechne.
Zu meinen A1-Zeiten hatte ich sehr oft starkes Rauschen in den Bildschatten. Da das ganze Bild schärfen hieß vor allem: Mit dem Schärfen kam das Rauschen erst richtig heraus. Also wende ich neben der bereits erwähnten Kantenschärfung zusätzlich noch eine Differenzierung in Lichter und Schatten, so dass ich die Kantenschärfe in den Lichtern und den Schatten danach über die Ebenendeckkraft der beiden Schärfungsebenen separat regeln kann. Mit der umgekehrten Kantenauswahl kann ich entrauschen, ohne meine schärfewichtigen Bildkanten weichzuzeichnen.
Im Ergebniss erhalte ich so Bilder, deren Rauschen nicht angehoben wird, deren homogene Flächen durch das Schärfen nicht grisselig werden und darüber hinaus kann ich Flächen egalisieren (weichzeichnen, entrauschen), ohne die schärfewichtigen Motivkanten einzunebeln.
Auf die Idee hat mich Thomas Stölting gebracht,
hier kann man sich mit der Theorie auseinandersetzen und auch fertige Aktionen zum weiterentwickeln herunterladen.
Die Seite ist wirklich sehr interessant, und Thomas ist sehr tief in der Materie, ohne dogmatisch zu sein. Resultate zählen.
Aus seinen Grundaktionen lassen sich auch für Anfänger schnell Varianten ableiten, die dem eigenen Empfinden nahe kommen.
Liebe Grüße
Roland