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Alt 22.01.2004, 11:21   #9
WinSoft
 
 
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Über den Poleffekt und über Polfilter herrscht leider immer wieder einige Unklarheit.

1) Himmelslicht (Polarsation durch Streuung): Maximal polarisiert ist Himmelslicht nicht bei 30° seitlich zur Sonne, sondern exakt 90° zur Richtung der Sonnenstrahlen. Diesen Winkel kann man rein physikalisch exakt ausrechnen. Siehe dazu die einschlägige Literatur.

2) Reflexionen (Polarisation durch Reflexion): Bei Reflexion von Licht polarisieren nur elektrisch nicht leitende Stoffe. Das hat mit nichtmetallischen Stoffen zunächst nichts direkt zu tun. Zwar polarisieren auch Metalle nicht, da sie i.a. mit wenigen Ausnahmen (Halbleiter in bestimmter Fließrichtung) elektrisch leitend sind, aber im Kern kommt es auf die elektrische Leitfähigkeit an (siehe den für die Polarisation verantwortlichen elektrischen Feldvektor).

Die Polarisation bei Reflexion hängt vom für den Stoff charakteristischen Polarisationswinkel (Brewsterwinkel) ab. Außerhalb dieses Winkels lässt die Polarisation schnell nach. Für Wasser beträgt er 36.88°, für Flintglas 31.8°, für Kronglas 33.51° und für Diamant 22.47°, jeweils gegen die Reflexionsoberfläche gemessen (nicht gegen das Einfallslot!).

3) Polfilter: Polarisationsfilter lassen Licht (fast) nur in einer Schwingungsrichtung (des elektrischen Feldvektors) durch. Das wird mit einer speziellen Filterfolie erreicht.

Beim Himmelslicht kann man den polarisierten Lichtanteil sperren und erhält dadurch ein intensiveres und dunkleres Himmelsblau. Je klarer das Wetter, desto stärker polarisiert, desto dunkler der gefilterte Himmel. Bei diesigem Wetter, Nebel, bedecktem Himmel, im Gegen- und Rückenlicht ist die Polarisation sehr gering bis überhaupt nicht vorhanden.

Da sich der maximale Effekt auf nur wenige Winkelgrade beschränkt, kommt es bei Weitwinkelobjektiven zu einem sehr ungleichmäßig belichteten Himmel (in Polarisationsrichtung dunkel, woanders hell). Abhilfe: Längere Brennweite (Tele) oder genau in Polarisationsrichtung fotografieren (Abdunklung des Himmels symmetrisch) oder Filter auf minimalen Effekt drehen.

Bei Reflexionen sperrt man durch geeignet Drehung des Filters den polarisierten Anteil des Lichts. Dann werden die Spiegelungen unterdrückt. Dafür kommen die Grundfarben wesentlich intensiver heraus, was sich besonders an der Unterdrückung der vielen tausend Spiegelungen an Gräsern und Blättern zeigt: Die Landschaft erscheint höher farbgesättigt (und dunkler)! Auch menschliche Haut kommt dann mit einem ganz zarten und matt-feinen Teint ohne Speckglanz. Aber auch hier gilt: Je klarer das Wetter, desto stärker der Effekt.

So kann man auch durch Fensterscheiben oder Wasseroberflächen hindurch fotografieren. An gewölbten Scheiben (Windschutzscheiben) hat man jedoch wegen des sich ständig ändernden Fotografierwinkels keine Chancen für eine gute Entspiegelung. Auch bei Weitwinkelobjektiven beschränkt sich Entspiegelung auf einen nur kleinen Winkelbereich.
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