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Alt 02.12.2025, 11:29   #1219
DerGoettinger
 
 
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Zitat:
Zitat von CP995 Beitrag anzeigen
Seit es die kompakte A7c Reihe gibt, macht APS-C noch weniger Sinn und kompakte KB Linsen mit AF liefern mittlerweile die Chinesen.
Das ist leider mal wieder ein sehr eingeschränkter Blick auf die Situation, weil er random irgendwelche "Käufer" in den Blick nimmt, gleichzeitig aber anzweifelt, dass diese "Käufer" (wer immer sie sind) gar kein Interesse an diesem Produkt haben.

Die Antwort ist - leider - vielschichtiger.
Setzt Euch, nehmt Euch 'n Tee, wir nerden uns 'rein.

Es geht zum einen um Marktanteile insgesamt. Man kauft keine Kamera, sondern man kauft ein System. Wenn ich eine Canon-Kamera kaufe, kaufe ich nicht nur das Gehäuse, sondern binde mich auch an das Canon-System mit seinem Bajonett und den verfügbaren Objektiven. Wenn ich eine Fuji kaufe, binde ich mich an das Fuji-System usw. Es geht also nicht einfach nur stumpf darum, Kameragehäuse zu verkaufen, sondern Menschen das System schmackhaft zu machen. Und das geht eben in vielen Fällen (nicht in allen) über den Preis.

Sonys günstigste VF-Foto-Kamera ist die a7C, die von Sony aktuell für 1.699,- € *) verkauft wird. Für den reinen Body. Ohne Objektiv. Ohne irgendein sonstiges Zubehör. Die a6400-Gehäuse verkauft Sony aktuell für 849,- €. **) Das ist mal ziemlich exakt die Hälfte. Für Gelegenheitsknipser, die ein bisschen ambitionierter sind und einfach nur ein bisschen mehr haben wollen als das Handy, ist das extrem viel Geld. Selbst wenn man das 18-135 noch mit dazunimmt, liegt man mit 1.249,- € noch deutlich drunter und hat noch Luft für ein weiteres Objektiv. APS-C-Kameras neben Vollformat-Kameras anzubieten erlaubt also, weitere Preisregionen abzudecken und das eigene System attraktiver zu machen. Schon deshalb kommt kommt Sony um APS-C nicht herum. Vor allem auch, weil APS-C heute qualitativ kaum noch schlechter ist als Vollformat (sieht man ja auch an den MFT-Kameras, die sich ja auch alle stabil am Markt halten, obwohl der Sensor noch kleiner ist).

Aber nur eine Kamera lohnt sich nicht, sondern das funktioniert (auch finanziell) erst, wenn man einzelne Komponenten mehrfach verwenden kann. Auch wenn sich vieles natürlich aus dem Vollformat portieren lässt: Nur für eine Kamera lohnt sich der ganze Entwicklungsaufwand für APS-C-Objektive nicht, auch nicht für Dritthersteller. Und Sigma, Tamron und die anderen Hersteller haben sich ja auf Sonys APS-C-Bereich eingestellt. Die werden sicher nicht erfreut sein, wenn Sony den APS-C-Bereich einstellt, und Sony das an anderer Stelle merken lassen.

Also kommt Sony schon deshalb nicht darum herum, zumindest einen kleinen APS-C-Mikro-Kosmos mit mehreren Kameras aufrecht zu erhalten. Zwei ist vielleicht ein bisschen dünn, vier ist vielleicht ein bisschen zu ambitioniert. Drei ist also durchaus vertretbar. Die Frage ist also, wie man diese Kameras positioniert.

Bisher hatte Sony eine rein "vertikale Diversifikation": die a6100 ist die einfachste, die a6700 die beste, die a6400 liegt dazwischen. Das kann Sony natürlich so weiterführen, aber wir sehen an der a6100, dass das heute irgendwie nicht mehr so richtig funktioniert. **)

Aber was funktioniert ist eine Mischung aus vertikaler und horizontaler Diversifikation, wie wir es im Vollformatbereich von Sony sehen und wo verschiedlich mehrere "Kameraarten" nebeneinander stehen. Preislich z.B. gibt es zwischen einer a7SIII und einer a7RV kaum Unterschiede, aber beide haben ein extrem unterschiedliches Profil. Wir haben die verschiedenen "C"-Modelle, die sich "neben" den "normalen" Modellen in den großen Gehäusen einsortieren (die a7CR ist teurer als die a7IV). Gleichzeitig haben wir auch die klassische vertikale Diversifikation "a7 < a9 < a1". Und diese "Diversifikation in alle Richtungen" funktioniert ganz gut. Das könnte man "im Kleinen" auch im APS-C-Bereich machen. Verschiedendlich wird ja immer wieder der Wunsch nach einer APS-C-Kamera in einem großen Gehäuse gefordert. Ich will das nicht bewerten, aber Fakt ist, dass es Möglichkeiten für eine bessere Profilierung der APS-C-Kameras gibt als nur "gut - besser - topp".

Und eine ganz andere Sache darf man nicht außer Acht lassen, die wir typischerweise nicht auf dem Schirm haben: Sony ist einer der größen Sensoren-Entwickler. Viele Sony-Sensoren werkeln auch in Kamerasystemen anderer Hersteller. Sony ist also in der Situation, per se auch APS-C-Sensoren zu entwickeln. Ergibt es Sinn, nur die Sensoren zu entwickeln, aber dann keine eigenen Erfahrungen damit zu machen, sondern ausschließlich auf Basis externer Rückmeldungen diese weiterzuentwickeln? Aus meiner Sicht nicht wirklich. Sony hat ein Eigeninteresse daran, eigene Erkenntnisse aus der praktischen Anwendung von APS-C-Sensoren zu gewinnen (z.B. weil schnellerer und unverfälschterer Informationsrückfluss). Und das geht nur, wenn man auch eigene Produkte anbietet, in denen APS-C-Sensoren verbaut sind - womit wir wieder bei Synergien sind, weil natürlich viele Entwicklungen, die für APS-C-Kameras notwendig sind, eh schon vorhaben sind, weil man sie auch für die Vollformat-Kameras braucht.

Wenn Du also fragst ...,
Zitat:
Zitat von CP995 Beitrag anzeigen
Für wen denn?
... dann lautet die Antwort: für sich selbst, aus Eigeninteresse,
  • weil APS-C einen Einstieg in den Sony-Kosmos erlaubt, der noch einmal deutlich günstiger ist als der über die günstigste Vollformat-Kamera, und
  • weil Sony ein Eigeninteresse daran hat, unmittelbar eigene Erfahrung in der praktischen Anwendung von APS-C-Sensoren in Fotokameras zu sammeln
Rechnet man das alles zusammen, landet man schnell bei einem APS-C-Kosmos mit einer "günstigen" Einstiegskamera unter 1.000,- € und zwei höherwertigen Kameras, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie ein erkennbar unterschiedliches Profil haben und nicht nur "die eine ist besser, die andere ist noch bessererer", beide preislich angesiedelt oberhalb der günstigsten Vollformat-Kamera, aber noch unter einer aktuellen a7.


*) Ich nehme hier ausdrücklich die Preise von der Sony-Homepage und nicht die Marktpreise, weil nur so eine wirkliche Vergleichbarkeit möglich ist. Dass die tatsächlichen Marktpreise häufig niedriger sind und Sony dieses mit diversen Cash-Back-Aktionen noch unterstützt, ist nett für den Käufer, erlaubt aber keine echten Vergleiche.

**) Hinweis: die a6100 ist auf der Sony-Homepage aktuell gar nicht verfügbar, egal in welcher Konfiguration.
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"Die ersten 10.000 Bilder sind die schlechtesten" - wahlweise Henri-Cartier Bresson, Jackson Pollock oder Helmut Newton zugeschrieben
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