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Ich habe zwar nicht den genannten Adapter, habe mich jedoch mit dem Thema beschäftigt und einiges ausprobiert.
Zunächst ist es so, dass man zum Shiften Objektive braucht, die einen Bildkreisdurchmesser haben, der das Verschiebemaß abdeckt. In der Regel nimmt man für den 24x36mm-Sensor Mittelformatobjektive. Ich habe das schon versucht, und dabei festgestellt, dass der geshiftete Randbereich im Vergleich zum Bildzentrum in der Qualität stark abgenommen hat, kann aber nicht mehr sagen, welche MF-Festbrennweiten ich zur Verfügung hatte. Fest verbaute T/S-Objektive sollen am Rand wesentlich besser sein, das habe ich auf Vergleichsbildern von anderen gesehen. Bei den Preisen muss man allerdings mal kurz schlucken...
Der Adapter (kein Hartblei, sondern Mirex), den ich am Stammtisch probieren konnte, passte auf A-Mount, so dass ich ihn an die A77 gesetzt hatte. Die Handhabung gefiel mir nicht. Die Verstellungen gingen sehr stramm, die Hebel und Griffe waren nicht ergonomisch, und die Haptik so scharfkantig, dass es fast unangenehm war.
Je nach Shift-Einstellung ließ sich der Adapter nicht rundum drehen, weil seine Kanten gegen das Kameragehäuse stießen. An E-Mount wäre dafür mehr Platz.
Beim Tilten hat man das Bildkreis-Problem nicht, man kann Objektive verwenden, die für das Format gerechnet wurden.
Ich nutze selbst einen Tilt-Adapter an einer Nex-6, und habe damit viel Spaß. Man kann mit schräg verlaufenden Schärfeebenen experimentieren und gestalten, und bekommt Bilder, die mit normal montierten Objektiven nicht möglich sind.
Auf das Shiften kann ich gerne verzichten, weil das für mich reizlos ist. Das Zerren von Perspektiven kann ich genauso gut per Bildbearbeitung. Bei starken Entzerrungen können durch den notwendigen Beschnitt trapezförmige Bildbereiche verloren gehen. Das kann ich aber auffangen, indem ich zwei oder mehr Bilder aufnehme und als Panorama zusammensetze. Ich sehe darin mehr Gestaltungspotential als beim Shiften.
Nach meiner Meinung hatten Shiftobjektive/-adapter zu Zeiten des analogen Films einen größeren Reiz, weil man keinen Randbeschnitt machen musste; das Motiv reicht bis in die Ecken des Bildes. Bei digitalen Bildern hat sich diese Technik weitgehend erübrigt.
Kein Zweifel, dass solche optisch-mechanischen Geräte Spaß machen, aber die geringen zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten wären mir die Anschaffung nicht wert.
mein Fazit: shiften nein, tilten ja!
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Gruß
Gottlieb
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