Thema: Leitzahl ???
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Alt 29.07.2017, 20:23   #9
der_knipser
 
 
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Zitat von mineral0 Beitrag anzeigen
... Wie kommen solche Angaben eigentlich zustande und wie Aussagekräftig sind sie?
Blitzlicht ist grundsätzlich entfernungsabhängig, so wie jedes andere Licht auch.

Die Leitzahl ist ein Maß dafür, welche Lichtmenge ein Blitz maximal abgeben kann. Sie ist immer das Produkt aus Blendenzahl und Entfernung, wobei ISO100 und die Einheit <Meter> als Bezugsgrundlage festgelegt wird. Ein Blitz mit LZ60 bringt genügend Licht, um ein Motiv korrekt zu beleuchten, sobald die genannten Faktoren die Zahl 60 ergeben.

60 Meter bei Blende f/1
30 Meter bei Blende f/2
15 Meter bei Blende f/4
10,7 Meter bei Blende f/5,6
7,5 Meter bei Blende f/8
usw.

Die Automatiken sorgen für eine korrekte Belichtung, indem sie die Blende auf einen geeigneten Wert schließen, den ISO-Wert anpassen oder die Blitzleistung für näher liegende Motive herunterregeln, so dass man nicht ständig rechnen oder Tabellenwerte ablesen muss. Je nach Einstellung werden auch alle drei Parameter optimiert.

Die Leistung des Blitzes kann durch seine Zoomfähigkeit verändert werden. Je weitwinkliger das Licht gestreut wird, um so weniger kommt beim Motiv an. Wird das Licht gebündelt, reicht es naturgemäß weiter, jedoch nur für kleinere Flächen. Ganz klar, dass die Hersteller im Verkauf nur die stärkstmögliche Leitzahl nennen. Je nach Grad der Lichtverteilung ist es durchaus möglich, ein LZ60-Blitz nur noch LZ30 (oder auch wesentlich weniger) erreicht, indem er damit eine breitere Fläche ausleuchtet.

Die HSS-Technik reduziert die LZ durch ihre Funktionsweise nochmal deutlich, und der Fotograf, der das Licht durch indirektes Blitzen streut, tut das auch.

Beim direkten Blitzen kann die Kamera (im ADI-Modus) dafür sorgen, dass die am Objektiv eingestellte Entfernung in die interne Berechnung einfließt, in der eine passende Blende und ISO sowie eine Leistungsreduzierung für eine korrekte Belichtung sorgen.

Bei nicht-ADI-fähigen Objektiven und beim indirekten Blitzen funktioniert dieses Zusammenspiel nicht. Dann verwendet man die TTL-Messung (through the lens), um die Lichtmenge zu messen, und die Blitzleistung zu reduzieren, sobald das Motiv genügend Licht bekommen hat.

Dieses Zusammenspiel funktioniert am besten mit Systemblitzen, weil die Kommunikation optimal auf die Geräte abgestimmt werden kann. Bei Fremdblitzen ist es oft so, dass diese über eine eigene Automatik verfügen. Sie messen das reflektierte Licht selbst, und drosseln entsprechend ihre Leistung, ohne dass dazu eine Kommunikation mit der Kamera erforderlich ist. Der Anwender ist dann dafür verantwortlich, durch entsprechende Einstellungen dafür zu sorgen, dass die Blitzautomatik im dafür angedachten Bereich arbeiten kann, indem Blende, Entfernung und ISO-Einstellung zum Automatikbereich passend gewählt werden. Automatiken sind aber oft nicht nachvollziehbar zu kalkulieren. Daher sollte man lieber mit Festwerten arbeiten, die sich kontrollieren lassen. Dazu wählt man je nach Situation, ob der Blitz mit voller oder definiert reduzierter Leistung (1/1 oder z.B. 1/32) arbeitet.

Eine Vervierfachung des ISO-Wertes verdoppelt die Leitzahl des Blitzes, man kann also mit ISO 400 doppelt so weit blitzen wie mit ISO 100.

Sonnenlicht ist übrigens genauso entfernungsabhängig wie Blitzlicht. Das bedeutet, dass bei doppelter Entfernung auch nur ein Viertel des Lichts zur Verfügung steht, genau wie beim Blitz oder jeder beliebigen anderen Lichtquelle.
Aufgrund der 150 Mio Kilometer Abstand zwischen Erde und Sonne kommen wir allerdings nie in die Verlegenheit des doppelten Abstands. Das ist der Grund dafür, dass uns Sonnenlicht immer einigermaßen konstant vorkommt. Die Veränderungen, die wir dabei sehen, unterliegen anderen Einflüssen als der Entfernung.
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Gruß
Gottlieb
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