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Alt 23.08.2016, 13:16   #17
der_knipser
 
 
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Zitat:
Zitat von Rudolfo Beitrag anzeigen
Die Sockellinie des Gebäudes ist parallel zum Bildrand. Es kippt messtechnisch also nicht.
Die Sockellinie ist genau genommen nicht maßgebend, kann bei bestimmten Motiven jedoch als Referenz dienen, aber eigentlich nicht bei Gebäuden. Wenn man etwas schräg zum Gebäude steht, weist der Sockel bei exakt gerade gehaltener Kamera auf den Fluchtpunkt, das heißt, er muss nach hinten etwas steigen.
Weil der Fluchtpunkt immer in Augenhöhe sitzt, kann man sich eigentlich nur an einer waagerechten Gebäudelinie orientieren, die genau der Höhe beim Fotografieren entspricht.
Manchmal gibt es dort aber keine definierte Linie, deshalb setze ich eine lotrechte Linie, die mitten durch das Bildzentrum läuft, auch auf dem Bild ins Lot. Das hat zur Folge, dass stürzende Linien links wie rechts immer in einem korrekten Verhältnis kippen, auch wenn sie ungleich lang abgebildet werden. Auf Deinem Bild kippt nur die linke Gebäudekante, während die rechte nahezu gerade steht. Daher ist es besser, das Bild ein wenig zu drehen.

Gestalterisch gibt es für mich eigentlich 2 Ansätze beim Fotografieren von Gebäuden. Entweder plane ich, dass ich das Motiv orthogonal präsentieren will, dann wähle ich eine Perspektive, die das Bild schon weitgehend so zeigt. Per EBV gibt es dann nur noch kleine Korrekturen, um die Genauigkeit zu erhöhen.

Wenn es eine solche Perspektive nicht gibt, dann sollte man gar nicht versuchen, viel an dem Bild zu zerren, sondern die perspektivischen Verzerrungen bildgestaltend einzusetzen. Oftmals lässt sich aus den schrägen Linien eine interessante grafische Anordnung erzeugen, und dabei erlaube ich mir auch, die Kamera deutlich zu drehen. Das hat noch keinem Motiv geschadet.

Zitat:
Zitat von Ecce
Soll man gerade richten oder die der Perspektive und dem Objektiv geschuldeten stürzenden Linien beibehalten?
Stürzende Linien sind IMMER der Perspektive und nie dem Objektiv geschuldet. Natürlich sieht man sie fast nur auf Weitwinkelaufnahmen, weil der Tele-Ausschnitt oft zu wenig vom Motiv erfasst, um Liniensturz zu zeigen. Ausnahmen gibt es natürlich auch, wenn man z.B. mit einem Tele dicht vor einer hohen Fassade steht und steil nach oben fotografiert.

Bildfehler, die dem Objektiv geschuldet sind, nennt man "Verzeichnungen". Die sind bei Zoom-Objektiven am kurzen Ende meist tonnenförmig, und am langen Ende kissenförmig, wobei die reine Tonnen- oder Kissenform oft nicht gleichmäßig ist. Bei ausgeprägter Ungleichmäßigkeit spricht man von wellenförmiger Verzeichnung (im Zentrum tonnenförmig, an den Rändern kissenförmig), die man mit reinen Tonnen- oder Kissenkorrekturen nicht zufriedenstellend bearbeiten kann.

Wichtig ist, dass man die Verzeichnungen korrigiert, bevor man sich an die Bearbeitung der perspektivischen Verzerrungen begibt, weil erstere von den üblichen Programmen nur zentrisch bearbeitet werden können, so wie es ihrem ursprünglichen Wesen entspricht. Wenn man versucht, Verzeichnungen in gezerrten oder asymmetrisch beschnittenen Bildern zu korrigieren, dann mag das für einzelne Kanten gelingen. Dafür werden alle anderen Kanten ungewollt gebogen.
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Gruß
Gottlieb
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