Registriert seit: 01.04.2008
Ort: Drabenderhöhe
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Hallo Miquallele,
Deine Bilder habe ich gerne angeschaut und mir ein paar Gedanken gemacht. Ich schreibe einfach mal, was ich sehe und was ich denke...
zu Bild 1:
ich sehe Bäume in diffusem Licht, einen Platz mit Bänken und hinter dem Zaun eine Industrieanlage mit Silos und einem Förderband. Ich erkenne aber nicht, was genau Du in diesem Bild zeigen willst. Die Bäume sind an allen Seiten angeschnitten, der Platz gibt nicht viel her, die Bänke sind nur klein, die Silos im Wesentlichen hinter dem Grün versteckt, und der Fokus konzentriert sich auch nicht auf ein bestimmtes Motiv. Mit einem Wort, auf mich wirkt es langweilig. Es mag sein, dass es Dir anders geht, weil Du den Platz kennst, gerne zwischen Bäumen spazieren gehst, auf den Bänken schon gesessen und ein Buch gelesen hast, und genau weißt, weches Material das Band in die Silos fördert. Wenn das so ist, dann mach aus diesem Bild eine Geschichte, die genau das im Detail zeigt, was ich gerade beschrieben habe, oder was Dich sonst mit diesem Ort verbindet. Konzentriere Dich möglichst auf ein Motiv, oder gerne auch auf zwei, die eine Beziehung zueinander haben, und damit eine Geschichte erzählen. Wenn Du mit so einem "Plan" dort hingehst, kommen mit Sicherheit ganz andere Bilder dabei heraus als eine "platt abfotografierte" Szene.
zu Bild 2:
Deinen Standort zu Bild 1 hast Du kaum verändert, aber Du bist ins Detail gegangen. Ich vermute, dass es Dir um die Silos ging, und frage Dich, warum die Bäume dann so scharf sein müssen? Mach die Blende auf, und konzentriere den Fokus auf das Motiv, das Du uns zeigen willst. Alles andere darf schemenhaft im Bild bleiben. Das lenkt den Blick dahin, wo Du ihn haben willst und bringt gleichzeitig räumliche Tiefe ins Bild. Wenn dann noch eine Kleinigkeit hinzu kommt, die das Auge aufmerken lässt, dann kann das Bild gleich viel interessanter werden. Denk Dir z.B. einen aufsteigenden roten Luftballon hier rein, und das Bild wäre der Knaller!
zu Bild 3:
Du zeigst eine rostige Rohrleitung, die im Zickzack durch eine Landschaft führt. Es ist viel Grün zu sehen, im Hintergrund alte Industrieanlagen (der Schlot raucht nicht mehr...), einen dunstigen Horizont und einen weißen Himmel (so wie in den vorigen bildern auch). Der Beschnitt scheint willkürlich gewählt, denn er folgt weder dem Motiv noch hält er sich an die gewohnten gängigen Formate. Die Landschaft zeigt ein ödes Gebiet. Kein Mensch. Kein Fahrzeug. Kein Hinweis auf Leben, und leider auch kein schönes Licht.
Meine Aufzählung ist fast eine Liste dessen, was ich NICHT sehe. Um dieses Bild zu verbessern, gibt es sicher viele Vorschläge. Geh nochmal an einem Tag dort hin, an dem es WETTER gibt. Egal, ob Sonne mit blauem Himmel, Sonne mit Wolken, Nebel, Regen, Regenbogen oder sonstwas, und integriere das ins Bild. Vielleicht hast Du au das Glück, Leben ins Bild zu bekommen. Spaziergänger mit Hund, Kinder mit Ball auf der Wiese oder Mann mit Stock und Hut, der gerade eine Pause macht. Wähle den Ausschnitt so, dass er nicht das komplette Gelände dokumentiert, sondern von Details lebt. Leuchtender Rost gibt einen schönen Kontrast zum satten Grün. Aber dafür braucht die Farbe mehr Fläche im Bild, also näher ran mit längerer Brennweite, oder wenn möglich einfach näher hingehen.
zu Bild 4:
das gefällt mir bisher am besten. Du hast einige grafische Elemente im Bild komponiert. Einen waagerechten Vorder- und Mittelgrund, und gegenläufige Schrägen im Hintergrund. Die Dachkante fällt nach rechts, während die drei Baumkronen nach rechts anwachsen.
Als Clou könnte die Schräge oben links genau in die Bildecke laufen, und auf den Baum, der von rechts ins Bild ragt, würde ich am liebsten verzichten. Vielleicht kannst Du mit diesem Motiv noch einmal spielen, und auf gezielte Linien- und Flächengestaltung achten. die Dachüberstände des vorderen Gebäudes müssen dabei nicht unbedingt dokumentiert werden.
Schön wäre auch hier, wenn der Himmel nicht im Reinweiß verschwinden würde. Die Belichtung könnte für meinen Geschmack auch ein bisschen knapper sein, und die Ausarbeitung ein wenig kontrastreicher.
zu Bild 5:
tja, ein Bild. ABer viel fällt mir dazu nicht ein. Um es ein wenig aus dem dokumentarischen Charakter zu lösen und mehr in Richtung Grafik zu gehen, würde ich vorschlagen, die Perspektive niedriger zu wählen, so dass die Rückseite der Zange ganz hinter der Vorderseite verschwindet. Damit nimmst Du dem Motiv etwas Tiefe, und die Form wird etwas abstrakter. Bei der Ausarbeitung würde ich das Bild sehr exakt gerade ausrichten, und so beschneiden, dass das symmetrische Motiv genau im Zentrum liegt. Schön wäre auch hier, wenn es direktes Licht gäbe. Ein harter Schatten stände diesem Motiv sicher gut, und würde die Symmetrie auf natürliche Weise brechen. Die Farben kommen auch bei Licht besser zur Geltung. Vielleicht würde ich sogar weiter weg gehen und eine Teleaufnahme daraus machen, die dem Motiv noch stärkeren Silhouettencharakter verleiht. Oder im Gegenteil, ein starkes Weitwinkel, und dann mit der Perspektive und ihren Formen so lange spielen, bis etwas Interessantes dabei herauskommt. Aber bitte auch das mit viel mehr Licht!
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Gruß
Gottlieb
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