Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 26.11.2015, 21:08   #4
turboengine
 
 
Registriert seit: 30.01.2006
Ort: Schaue auf Zürich
Beiträge: 9.343
Ein Freund von mir hat diese Anleitung benutzt, den alten Diaprojektor umgebaut und so 3000 Dias damit digitalisiert. Kamera war eine Nikon Coolpix irgendwas...

http://www.heise.de/ct/artikel/Dia-g...er-288866.html

Zitat:
Schnell und ferngesteuert

Im Laufe eines Fotografenlebens häufen sich nicht selten mehrere tausend Dias an. Die alle selbst zu scannen oder mit den oben beschriebenen Methoden abzufotografieren kostet eine Menge Urlaub, Abende oder Wochenenden, der Auftrag beim Scan-Service ein halbes Vermögen.

Dabei braucht man nur einen alten Diaprojektor, ein Stativ, ein paar Folien sowie eine vernünftige Bildbearbeitung. Wer jeglichen Aufwand scheut, projiziert das Dia auf eine Leinwand und fotografiert diese einfach ab - allerdings mit herben Qualitätsverlusten. Gute Ergebnisse brachte hingegen unser Versuch mit einem leicht modifizierten Projektor: Einfach das Objektiv herausschrauben und durch die Öffnung das von der Projektionslampe angestrahlte Dia direkt ablichten. Zuvor sind jedoch kleinere Umbaumaßnahmen nötig, will man mit der starken Projektionslampe den CCD der Kamera nicht dauerhaft schädigen.

Zunächst tauschten wir also den 150-Watt-Scheinwerfer gegen ein moderates 20-Watt-Standardbirnchen aus. Um das Licht noch weiter abzuschwächen und vor allem gleichmäßig über das Dia zu verteilen, verwendeten wir ein dickes Diffusorpapier. Alternativ geht auch Transparentpapier, eine Milchglasscheibe oder der Diffusor eines alten Diabetrachters. Sollte das Licht immer noch zu stark sein, bringt man zusätzlich eine oder mehrere Graufilterfolien zwischen Lampe und Dia an, bis in etwa die Helligkeit eines Leuchtpults erreicht ist - Vorsicht, dabei niemals direkt in die Lampe blicken und die Hitzeentwicklung berücksichtigen! Wir haben den Diffusor direkt auf die herausziehbare Dia-Halterung geklebt, denkbar sind auch andere Positionen zwischen Lampe und Dia.

Die an unserem zufällig ausgewählten Projektor Marke ennaLux vorgenommenen Umbauten sind hundertprozentig nicht-destruktiv, er lässt sich also bei Bedarf auch wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführen. Ein Kurzbesuch beim örtlichen Fotohändler bestätigte, dass wohl fast alle Diaprojektoren so aufgebaut sind wie unser Fundstück vom Dachboden. Bevor man aber loszieht, um Diffusorfolien, Graufilter und ähnliches Material zu besorgen, sollte man prüfen, ob die Maße der Digitalkamera mit denen des Diaprojektors harmonieren. Sprich: Da das Magazin nach zirka einem halben Durchlauf hinten wieder herauskommt, sollte die Digikam nicht in den Weg des Magazins hineinragen. Bei unserer Nikon Coolpix 950 drückte sich selbiges haarscharf an der Kamera vorbei, die Olympus C-4000 ließ mit einem Zentimeter vergleichsweise viel Luft - bestens geeignet sind Kameras, deren Objektiv am linken Rand des Gehäuses angebracht ist. Zur Not muss man die Kamera kopfüber montieren.

Dann einfach Magazin einlegen, Digitalkamera vorbereiten und Projektor- und Kamera-Auslöser abwechselnd drücken. Besonders schnell geht das mit Fernauslöser, etwas langsamer mit dem Selbstauslöser. Einziger Haken: Man muss jedes Magazin zweimal durchlaufen lassen, um auch die Hochkantmotive formatfüllend abzulichten.

Die anfangs sehr schlechte, ungleichmäßige Ausleuchtung der digitalen Repros verbesserte sich erheblich, nachdem wir die direkt vor der Birne angebrachte Kondensorlinse ausgebaut hatten: Diese bündelt das Licht für die Projektion, wodurch die abgelichteten Dias zu den Rändern hin extrem dunkel werden. Nach Ausbau der Linse bleibt eine moderate Vignettierung von maximal 15 Prozent zurück, die man per Bildbearbeitungssoftware noch weiter abschwächen kann.

Man muss sich ohnehin ein kleines Bildbearbeitungsmakro basteln, das sämtliche Bilder dreht und spiegelt sowie eventuell beschneidet oder leichte Farbstiche herausrechnet. Letzteres funktioniert besonders gut mit Hilfe von maßgeschneiderten Gradationskurven für den Rot-, Grün-, Blau- und Kompositkanal. Mit etwas Fingerspitzengefühl und mehreren Testbildern zum Feinjustieren dauert das Erstellen der Korrekturkurve nur wenige Minuten.

Die Abschattungen an den Rändern gleicht man am besten aus, indem man ein Foto von der beleuchteten Diffusorfolie schießt - wie bei der Weißpunkt-Kalibrierung. Dieses wird per Bildbearbeitung in einen Graustufenverlauf (Sättigungsregler auf null) umgesetzt, invertiert und anschließend weichgezeichnet (Gaußscher Weichzeichner mit Radius etwa 20 Pixel).

Die so erzeugte Verlaufsmaske legt man als neue Ebene mit Einkopiermodus „Ineinanderkopieren“ über jedes fotografierte Dia, wodurch die Vignette künstlich abgeschwächt wird. Diese Schritte kann man ebenfalls in das Korrekturmakro einbauen und damit automatisch ablaufen lassen.

Auch wenn die Weißpunkt-Kalibrierung auf das Licht des Diaprojektors nicht so gut funktionierte wie bei den Normlicht-Leuchtplatten, erzielten wir doch gute Ergebnisse bei äußerst geringem Zeitaufwand - ideal, um sich ein umfangreiches Digital-Archiv für den Hausgebrauch zuzulegen: Website-Gestaltung, Foto-CDs, Foto-Alben für die Familie oder andere Ausdrucke in größeren Formaten wie 13 x 18 oder sogar 20 x 30 sind damit problemlos und in zufrieden stellender Qualität möglich. Echte Perlen aus dem Archiv oder komplizierte Motive, die den Dynamikumfang eines Dias voll ausreizen, kann man ja immer noch zum Scan-Service schicken.
__________________
Viele Grüße, Klaus
turboengine ist offline   Mit Zitat antworten