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Je nach Tier ist die Strategie unterschiedlich. Bei Reptilien helfen langsamste Bewegungen und immer wieder unbeweglich stehenzubleiben. Bei Vögeln und Säugern kannst Du das meist vergessen. Entweder, man sitzt an, man schafft es, unerwartet unterhalb der Fluchtdistanz aufzutauchen (sowas ist bei Insekten die beste Methode und bei denen auch am leichtesten umzusetzen), oder man zeigt, dass man harmlos ist. Zu meinen, die sehen einen nicht, ist illusorisch.
Bei ganz scheuen Tieren hilft daher nur Ansitz. Aber bei vielen hat sich folgende Strategie bewährt:
Gar nicht erst versuchen, nicht gesehen zu werden, sondern versuchen, harmlos zu wirken. Das klappt so am besten:
Laaaangsam und lautlos bewegen, aber dabei unbedingt lockere Körperhaltung bewahren und nicht angespannt sein oder wirken. Nie das Tier direkt ansehen und nie direkt auf es zugehen. Geduld bewahren. Bei jeder Reaktion des Tieres erstmal stehenbleiben, demonstrativ wegsehen und warten. Insgesamt langsam quer auf das Tier zu bewegen, ab und an auch mal ein wenig vom Tier weg. Ich habe dabei immer eine grasende Kuh im Kopf, die zufällig langsam näher kommt. Bei manchen Tieren hilft auch, leise und ruhig vor sich hin zu reden. Bei größerer Annäherung sich entspannt - nicht lauernd- kleiner machen. Eine Zeitlang sitzen bleiben. In Hocke oder robbend weiter voran. Aber wieder nicht direkt........man merkt schon an der Reaktion des Tieres, wie eng man diese Strategie sehen muss. Erst die Kamera heben, wenn man einige Zeit im gewünschten Abstand ruhig geblieben ist
Es reicht ja meist, auf 100-20m ran zu kommen. Je nach Tiergröße.
Bei kleinen Reptilien muss man natürlich nah dran (10 cm Reptil= so um die 2 m) , aber wenn geübt ist, ist das recht einfach, da die unbewegtes meist ignorieren. Ich komme auch an sehr scheue, sehr schnelle Reptilien fast immer nah genug ran - mit einer aktuellen Ausnahme: Die Kubaleguane, die ich im letzten Urlaub gesehen habe, hatten eine Fluchtdistanz von über 50 m und haben mich stets früher gesehen, als ich sie. Zudem sind die sehr schnell. Zum Glück ist aber ein Kubaleguan groß, und so schafft man auch aus 50m trotzdem den einen oder anderen Schuss. Ich bin aber hier trotzdem nicht weit gekommen.
Im übrigen mache ich aber doch auch recht viele spontane Shots von Tieren, die mir unterwegs begegnen. Ist man in den Tropen allein in Steppe, Busch oder Regenwald unterwegs, gibt es eben meist auch so schon reichlich Gelegenheiten - wenn man den richtigen Blick dafür hat und die Tiere auch sieht. Ein getarntes Tier, egal welcher Art, das sich für unentdeckt hält, bleibt auch bei großer Annäherung sitzen und ist ein ideales Fotomodell.
Wenn ich mal wo "ansitze", dann immer ohne Zelt. Und nur an einer Stelle, wo es sich wirklich lohnt. Unauffällig (aber nicht militärisch und nicht dogmatisch...sieh zB Avatar. Ingo im afrikansichen Busch) in oliv oder khaki gekleidet und einfach entspannt irgendwo liegend. Meist habe ich aber gar nicht die Zeit dazu.
Mein Lieblings"ansitz" in den Südafrikaurlauben ist auf der Terrasse "unseres" Rondavels .... im Liegestuhl mit einem Buch und einem Bier. So vergegen auch viele Stunden ohne Stress....Von der Boomslang bis zum Löwen oder Elefanten kann alles vorbeikommen (irgendwas interessantes kommt immer vorbei) und ich muss nur die Kamera vom Bauch heben....OK, für die Boomslang und Vögel muss ich auch mal aufstehen und beim Löwen (WENN er denn wirklich mal kommt, was ich dort leider noch nie erlebt habe) ziehe ich mich zur Tür zurück.
Aber so ein Ansitz ist schon sehr entspannend und funktioniert in der einen oder anderen Variante in fast jeder Tropenlodge.
Die Hardcore Ansitz Variante mit Tarnung ist dagegen vor allem zeit- und logistikaufwändig.
Meine Familie würde das im Urlaub nicht tolerieren und daheim habe ich keine Zeit für sowas.
Viele Grüße
Ingo
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Viele Grüße
Ingo
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Kober? Ach der mit den Viechern!
Geändert von ingoKober (27.04.2015 um 07:50 Uhr)
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