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Alt 29.03.2015, 21:36   #3
Man
 
 
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Grüß Gott marc0284,

deine Erklärung finde ich eigentlich ganz passend - nur dass mit dem hochrechnen auf 5500° damit der weisse Punkt im Bild auch weiss ist, passt nicht so recht (oder ich verstehe nicht, was du damit sagen möchtest).

Das Licht, welches wir (und die Kamera) sehen können, besteht nicht nur aus einer Farbe, sondern aus mehreren. Tageslicht enthält alle Farben von rot bis blau - wird damit z. B. ein Blatt Papier angestrahtl, welches alle Farben in gleichem Maße reflektiert (also ein weisses Blatt Papier), dann erscheint uns das Blatt weiss (bzw. bei geringerer Helligkeit grau). Die Farbschattierung (Farbtemperatur) des Lichts wird in °Kelvin angegeben, Tageslicht (welches für uns wie weisses Licht erscheint, da es ziemlich gleichmäßig alle Farben von rot bis blau enthält) hat eine Farbtemperatur von 5500° Kelvin.
Wird dasselbe Blatt z. B. mit einer roten Lampe (z. b. Glühlampenlicht) angestrahlt, wird mehr rotes als blaues Licht reflektiert und das Blatt erscheint rötlich.
Wird das Blatt z. B. mit einer blauen Lampe angestrahlt, wird mehr blaues als rotes Licht reflektiert und das Blatt erscheint bläulich.

Soweit, so simpel. Es wäre doch klasse, wenn wir z. B. ein weisses Papier auch dann als weiss erkennen würden, wenn es mit einem rötlichen Licht angestrahlt wird.
Und tatsächlich, unser Gehirn kann und macht das. Wenn du dir bei Glühlampenlicht ein Papier ansiehst kannst du auf Anhieb (und ohne irgendeine Ahnung von der Lichttemperatur zu haben) erkennen, ob es sich um ein weisses oder rotes Blatt handelt. Unser Gehirn stellt sich automatisch auf die vorherrschende Lichttemperatur ein.
Das kann man selbst leicht nachvollziehen: wenn du im Dunkeln durch eine Straße gehst und in ein Fenster siehst, kannst du sofort feststellen, ob dort ein Fernseher läuft oder nicht. Die Zimmer ohne Fernseher sehen eher leicht gelblich/rötlich aus (Glühlampenlicht), die Zimmer mit Fernseher sehen bläulich aus.
Letzteres kommt daher, dass der Fernseher alle Farben ausstrahlt während das Glülampenlicht etwas rotlastig ist. Da man das Glühlampenlicht nachts für eher normal hält (mal sehen, ob und wie sich das nach dem Wegfall der Glühbirne so weiter entwickelt) und sich das Gehirn darauf einstellt, erscheint das Licht des Fernsehers, welches einen höheren Blauanteil hat, als bläulich.

Die Kamera versucht beim AWB ebenfalls, die aktuelle Lichttemperatur zu berücksichtigen. Die Kamera versucht anscheinend das Bild insgesamt in Richtung neutral abzustimmen = einen Art Mittelwert aus allen Farben in einem Bild errechnet ergibt eine gleichhohe Verteilung von rot/grün/blau.

Solange tatsächlich mehrere (möglichst viele) Farben in einem Bild vorhanden sind, mag das funktionieren - an seine Grenzen stößt dieses System, wenn nur eine einfarbige Fläche fotografiert wird, z. B. eine leicht rötliches Blatt. Woher weiss die Kamera dann, das das Blatt rötlich ist und nicht die Farbtemperatur das eigentlich weisse Blatt leicht rötlich erscheinen lässt?

Tageslicht hat ca. 5500° Kelvin Farbtemperatur. Über den automatischen Weissabglich versucht die Kamera das motiv so aussehen zu lassen, wie es bei Beleuchtung mit Tageslicht (5500°) aussehen würde. (Vielleicht hast du das gemeint.
Im Vergleich zu unserem Gehirn ist die Kamera von "unserer" Trefferquote zur Farbtemperatur aber noch ziemlich weit entfernt.

Manchmal ist eine 100%-Korrektur aber auch gar nicht erwünscht, z. B. beim romatischen Sonnenuntergang. Mit einem gut funktionierendem Weissabgleich wäre der halt nicht mehr rötlich - man kann es als Kamera einfach niemand recht machen (aber dafür gibt es dann spezielle Szeneprogramme oder man stellt den AWB manuell passend ein).

Sofern du den Aufwand nicht scheust, soltest du in RAW (oder RAW + JPG) fotografieren. Bei RAW-Dateien kann man selbst die Farbtemperatur beliebig neu einstellen.

Und so allgemein über Farbtemperatur gibt es natürulich auch reichlich im Web, z. B. hier.

vlG

Manfred
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