Dieselbe Frage hatte ich mir auch schon gestellt (allerdings nur zwischen 8 und 16 bit), und hatte sogar jpg-Versuche in 8 bit unternommen, wo denn der Sinn liegen könnte. Ich hatte den halben Monitor mit einer Farbe gefüllt, und die Farbe in der andere Hälfte erst um 1 bit, später um mehrere bit geändert. Dabei fand ich heraus, dass mir 8 bit zum Betrachten vollkommen ausreichen, weil mein Auge tatsächlich weniger Farben unterscheiden kann als ein Monitor darstellen kann.
Ich fotografierte also eine ganze Zeit lang in jpg weiter und wähnte mich auf der sicheren Seite.
Welch ein Irrtum! Heute könnte ich mich in den Allerwertesten beißen, warum ich nicht viel früher mit RAW angefangen habe. Der eigentliche Grund dafür ist Erwin. Oder besser gesagt, ein viel zu dunkel belichtetes Bild von ihm. Ich saß ihm an unserem Wohnzimmertisch gegenüber und wir probierten an der Nex-6 etwas mit dem Blitz aus. Bei diesem Bild war der eingebaute Blitz so weit nach hinten geneigt, dass das gesamte Licht in meinem eigenen Haarschopf verpuffte, und Erwin auf dem Display komplett schwarz aussah. Ich warf das Bild nicht gleich weg, weil im Hintergrund zwei kleine Lichtflecke sichtbar waren. Beim Einzoomen erkannte ich, dass es unsere Deckenbeleuchtung vom Flur war. Ich kam auf die Idee, das Bild in RAW und jpg auf den Rechner zu laden, und einfach mal sehen, was sich noch rauskitzeln ließ. (Wer Spaß daran hat, kann das Bild mal kräftig aufhellen, und selbst sehen, dass das linke Drittel wirklich nicht völlig schwarz ist.)

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Seit diesem Tag fotografiere ich RAW. Aus Überzeugung.
Es gibt ein ähnliches Bild, das den Effekt in hell zeigt. Wenn man eine weiß gekleidete Braut in einer grünen Wiesenumgebung fotografiert, und man beim ersten Hinschauen der Meinung ist, das Bild sei einigermaßen korrekt belichtet, dann täuscht man sich. Im jpg sind große Teile des Kleides reinweiß, also RGB alle auf 255. Da hilft garantiert kein Abdunkeln des Bildes, damit man irgendein Detail sehen könnte. Das Kleid wird nur grau, bleibt jedoch ohne Zeichnung.

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Mein Fazit aus diesen Bildern:
Man kann in jpg fotografieren, solange ALLE Einstellungen korrekt sind und die Dynamik innerhalb der Grenzen bleibt, also keine Schatten, die aufzuhellen sind, keine Lichter, die überstrahlt sind, ein möglichst perfekter Weißabgleich, eine Schärfung, die noch keinen Detailverlust erzeugt hat und kein Entrauscher, der schon irgend etwas glattgebügelt hat.
Die Kontrolle über all diese Bildeigenschaften fällt mir in der Praxis schwer, daher hab ich zunächst entschieden, alles in RAW+Jpg zu fotografieren. Von den allermeisten Bildern verwende ich inzwischen nur RAW. Jpg spielt beim Aufnehmen bei mir nur noch eine untergeordnete Rolle.
Wenn man eine Zeit lang mit RAW gearbeitet hat, und ein Gefühl dafür bekommen hat, wieviel Qualitäten dort drin stecken, dann betrachtet man einen Teil seiner alten Nur-Jpg-Originale mit großem Weinen.
So überzeugt ich früher von jpg-Fotografie war, so sehr bereue ich es heute.
Zum Präsentieren hat sich jpg durchgesetzt, und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Das Format enthält alles, was man zum kritschen Betrachten braucht. Nur der Weg dorthin, der sollte mit größerer Bittiefe gegangen werden.
Die heutigen Kameras nehmen soweit ich weiß RAWs mit 12 oder 14 bit pro Farbkanal auf. Wenn man diese Daten im Raw-Konverter bearbeitet, und weiß, dass man sie später noch einmal in der Bildbearbeitung behandeln will, dann wählt man 16-bit-tiff. Erst die Endausgabe für die Präsentation erfolgt in jpg (hat immer nur 8 bit pro Kanal).