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Alt 17.09.2014, 14:55   #7
Dimagier_Horst
 
 
Registriert seit: 08.09.2003
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Das Bild zeigt zwei Motive:

- die weichen, sehr gefühlvollen Wellen in Pastellfarben im Vordergrund. Die Wellenkämme unterstützen in ihrer Querbewegung das breitere Format des Vordergrundes. Die Pastellfarben des Wassers unterstützen die Weichheit der Langzeitbelichtung der Wellen. In sich ist der Vordergrund sehr stimmig in seiner abstrakten Darstellung des Meeres. Es ist auch eine moderne Interpretation der langsam aussterbenden Schiffsmalerei. Deren Vertreter haben sich immer wieder an die Darstellung von Wellen gewagt.

- der obere Teil stellt die harte Felsstruktur der Küste dar, betont durch den vorderen Fels auf der linken Seite. Die Felsküste im Hintergrund entschärft das nicht. Im Gegenteil: sie führt uns vor, dass die schroffe Felsstruktur fortgesetzt wird. Auch der abrupte Abriss der Wiesen unterstützt dies, denn er bedeutet auch eine allgegenwärtige Bedrohung für den, der sich unachtsam auf diesen Wiesen bewegt. Sie schafft räumliche Tiefe, die im unteren Teil nur angedeutet wird.

Dies alles erzeugt in diesem Bild einen Widerspruch, aber keine Spannung. Widerspruch bedeutet Hingucker, der aber, weil die verbindende Spannung fehlt, den Blick nicht dauerhaft im Bild hält. Er springt in beiden Motiven hin und her, ohne sich für das eine oder das andere entscheiden zu können.

Deswegen für mich ganz klar: Beide Motive voneinander trennen. Der Vordergrund für sich strahlt eine ruhige Harmonie aus, die sich aus der mäßig aufgewühlten See ernährt. Er läßt genug Raum für Phantasie, der beim Gesamtbild genommen wird.
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