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Alt 29.10.2013, 23:08   #9
der_knipser
 
 
Registriert seit: 01.04.2008
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Das Fotografieren mit Fisheye ist ganz sicher ein Vorteil in der blauen Stunde, denn die Lichtverhältnisse ändern sich sehr schnell.
Ich weiß, dass man PTGui mit Raws füttern kann, das habe ich auch eine zeitlang gemacht. Ich würde es aber nicht empfehlen, weil jeder beliebige Rawkonverter mehr aus den Bildern rausholen kann als ein auf Stitching spezialisiertes Programm. In Lightroom brauchst Du nur einmal eine geeignete Einstellung zum Entfernen der CAs aus den Fisheye-Raws auszutüfteln, und als Vorgabe (Preset) abzuspeichern, danach geht das bei allen anderen Pano-Bildern mit einem Klick. Das mag anfangs etwas aufwendig und umständlich klingen, aber es lohnt sich. Ich habe damit leider erst viel zu spät angefangen, aber jetzt mag ich die Klarheit der Bilder um so mehr.

Zum Ausrichten eines Panoramas in PTGui kann man vertikale Kontrollpunkte erzeugen. Wie das geht, ist in den Tutorials beschrieben. Ich mag diese Methode nicht so sehr, weil ein Panorama manchmal Kanten hat, die in der Natur doch nicht so ganz senkrecht sind. Wer weiß schon, ob Laternen und Schilder immer so genau passen? Oder ob ein Fachwerkhaus nach so vielen Jahren gerade geblieben ist? Bei meiner Methode habe ich zwar immer eine Kante genau im Visier, aber ich habe gleichzeitig auch die Kanten daneben im Blick, so dass ich sehen kann, ob sie alle ein wenig nach rechts oder links kippen.

Meine Vorgehensweise beim Ausrichten eines Panoramas:
- Bild optimieren, so dass keine (groben) Stitchingfehler mehr drin sind
- Im Panorama-Editor so schieben, dass eine möglichst lange Senkrechte mitten im Fadenkreuz steht.
- Lupe aufziehen (schmales hohes Lupenfenster), so dass die Senkrechte möglichst lang im Lupenfenster ist.
- Numerische Ausrichtung: NUR Roll (die beiden anderen Werte auf Null stellen!), bis die Linie exakt senkrecht steht.
(evtl. Lupe und Numerische Eingabe wieder in den Vordergrund holen, oder auf den 2. Monitor)
- Lupe um eine viertel Bildbreite (entspricht 90°) verschieben, und eine dort vorhandene Senkrechte groß einzoomen
- Numerische Ausrichtung: NUR Pitch, bis die Linie exakt senkrecht steht.
- zur Kontrolle eventuell noch andere Kanten prüfen. Es könnte ja sein, dass der Maurer kein Lot dabei hatte, und eine verwendete Kante real nicht senkrecht steht.

- bei Bedarf kann man das Bild mit NUR Yaw nochmal so verschieben, dass das Hauptmotiv ansprechend platziert ist.

Das ist die genaueste Methode zum Ausrichten, die ich bisher angewendet habe.
Bei einer Lupenhöhe von 600 Pixeln kann man 0,1° auf 1 Pixel genau ausrichten. So genau ist manche Türe nicht...

In die numerische Eingabmaske kann man Winkelwerte eingeben, um die das Panorama bei jedem Bestätigen gedreht wird. Für grobe Drehungen nehme ich z.B. 5 oder 10°, und drücke die Eingabetaste so oft, bis ich in einem einigermaßen brauchbaren Bereich bin. Dann verkleinere ich den Wert z.B. auf 1°, und richte das Panorama etwas genauer aus. Danach verwende ich Werte von 0,2° oder 0,1°, an einem hochauflösenden Bildschirm kann man auch 0,05° nehmen, um auf 1 Pixel genau (bei 1200 px Höhe) auszurichten.

Die Option mit waagerechten Kontrollpunkten ist eigentlich nicht praxisgerecht, und ich verwende sie deshalb nur, wenn ich einen Meereshorizont ausrichten will. Für alles andere ist sie nicht brauchbar, denn waagerechte Linien sind durch die Fluchtpunktperspektive in einem Bild nur dann waagerecht, wenn sie genau in Blickhöhe liegen oder wenn sie exakt parallel zum Sensor liegen. Das ist bei Stadt- oder Gebäudeaufnahmen nur durch exaktes Einmessen des Aufnahmestandortes möglich.

Meine oben beschriebene Methode zum Ausrichten funktioniert übrigens prinzipiell auch mit der Maus, auch wenn man damit nicht ganz so feinfühlig arbeiten kann. Für Panoramen in der Wildnis, wo es keine senkrechten Kanten gibt, mache ich das mit der Maus. Oft kann man z.B. Bäume als Anhaltspunkte nehmen, und per Augenmaß oder hinterlegten Gitterlinien kann man ziemlich genau feststellen, ob eine Baumgruppe tendenziell zu einer Seite kippt, auch wenn keiner der einzelnen Bäume wirklich senkrecht steht.

Nadir: Das Nadirbild, auf dem das Stativ nicht zu sehen ist, muss nicht zwingend aus der selben Position aufgenommen werden wie die anderen Bilder, sondern es kann aus einer leicht schrägen Perspektive entstehen. Wichtig ist dabei, dass der Boden an dieser Stelle keine Stufen, Vertiefungen oder Erhebungen hat. Um die schräge Perspektive einzupassen, bietet PTGui die Viewpoint-Funktion. Es lohnt sich, diese Funktion zu erlernen, denn dabei gibt es einige Kniffe zu beachten. Die Ergebnisse sind danach so gut, dass sie nicht mehr nachretuschiert werden müssen. Aus PTGui kommt praktisch ein fix und fertiges Panorama.

Bei längeren Belichtungszeiten stelle ich das Stativ für das Nadirbild extrem schräg. Zwei Beine schiebe ich zusammen, so dass sie kürzer sind. Das dritte ziehe ich längstmöglich aus, und stelle meinen Fuß drauf, damit das schräge Stativ nicht umkippt. Die Kamera wird so ausgerichtet, dass sie den kompletten Bereich erfasst, wo vorher das Stativ stand, und möglichst auch den Bereich, wo vorher der Stativschatten war. Je nach Standsicherheit braucht das Stativ etwas Zeit zum Ausschwingen. Wenn es sich beruhigt hat, löse ich (auch Belichtungsreihen) berührungslos über Funk aus.
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Gruß
Gottlieb

Geändert von der_knipser (29.10.2013 um 23:11 Uhr)
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