OK, dann mal los.
Vorher den Standesbeamten fragen, wo du dich bewegen darfst. Normalerweise haben die nichts dagegen, wenn du hinter dem Schreibtisch hin und her läufst, sofern da Platz ist.
Die Zeremonie dauert alles in allem je nach Größe der Stadt nur 10-15 Minuten. Da willst du nicht mit Objektivwechseln rumhampeln. Ein leicht abgeblendetes Suppenzoom ist da mehr wert als 15 geile Festbrennweiten oder auch nur ein 16-50/2.8 und ein 70-200/2.8. Denn wenn du es noch nie gemacht hast kennst du den Ablauf nicht und weißt nicht, welche Brennweite wann auf der Kamera sein sollte. Selbst der Griff zur Zweitkamera kann dann schon zu lange dauern.
Deswegen auch: BLITZEN!!! Indirekt und fertig. Dann kannst du auch mit ISO 400-800 und Blenden von 4-8 guten Ergebnisse bekommen.
Was du an Bildern evtl. haben willst:
Brautpaar plus Trauzeugen am Tisch.
Brautpaar.
Portraits der vier Leute am Tisch.
Die vier erheben sich zum Ja-Wort.
Ringwechsel (wenn du es schaffst erster Frame Brautpaar mit den Ellenbogen in den Ecken, Hände zwischen sich, Zweiter Frame Close-Up der Hände. Zweiten erst angehen, wenn der erste sicher im Kasten ist).
KUSS!!!
Wenn der Standesbeamte den rechtlichen Teil vorliest (oft, aber nicht immer nach dem Ja-Wort) hast du Zeit, zu den Gästen zu gehen und da ein paar Portraits/Paare abzulichten. Bleib mit einem Ohr beim Standesbeamten, denn du solltest du Unterschriften nicht verpassen.
UNTERSCHRIFTEN: Je nachdem, wie die Leute stehen, hast du verschiedene Optionen. Idealfall: vom Brautpaar steht der jeweils andere hinter dem, der unterschreibt. Dann erst beide zusammen im Hochformat, dann den Unterschreibenden in dem Format, das zur Haltung passt. Manche machen die Unterschrift leider mit der Nase am Blatt.
Bei den Trauzeugen das gleiche Spiel, wenn du Glück hast steht das Brautpaar dann noch hinter denen am Tisch, das sieht immer schöner aus und sagt mehr aus als eine Einzelshot des Trauzeugen bei der Unterschrift. Kannst du den beiden/vieren auch vorher sagen, ob sie dann in der Aufregung dran denken ist was anderes...
Dann gibt es meist noch ein abschließendes Shake-Hands mit dem Standesbeamten und die Umarmungen mit der Verwandschaft. Versuch dein bestes, aber dieser Teil ist die Hölle, weil immer irgendwer ins Bild läuft.
Zu guter Letzt nochmal: Die beiden sollten wissen, wer da die Fotos macht. Das du ihnen für die Kirche zum Profi geraten hast, zeugt von gesunder Selbsteinschätzung.
Versuche bei deinem ersten Mal nicht die hohe Kunst zu erreichen. Daher auch der Tipp mit dem Suppenzoom. Ich habe zig Standesamtliche mit dem Nikkor 18-200 fotografiert und es hat sich nie einer beschwert, dass nicht das letzte Quentchen Schärfe oder Freistellung da ist sondern es haben sich alle bedankt, dass alle wichtigen Motive dabei waren. Besonders die beiden Ringtausch-Motive (Totale und Close-Up) sind ohne den schnellen Brennweitenwechsel eines Suppenzooms kaum machbar.
Es gilt, erstmal die wichtigen Dingen ordentlich abzuarbeiten und wenn dann die Zeit es zulässt gerne experimentieren.
ABER: auch nicht unterbuttern lassen. Sorge dafür (bzw. besser lass das Paar dafür sorgen), dass die Gäste die Füße still halten. Wenn zwei Leute fotografieren ist es schon weniger ideal und wenn jeder sein Fotohandy auspackt wird es furchtbar.
Geändert von Roland_Deschain (24.03.2013 um 16:40 Uhr)
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