Hallo, Uli!
Erstmal schön, dass du den Mut hast, dich mit einem Bild unserer Kritik zu stellen. =) Das ist ein guter Anfang, denn nur so kommt man weiter.
Mal von Überschärfungen und Hintergründen abgesehen, ist es immer sehr niedlich, wenn man einen heimischen Vogel bei sich auf dem Grundstück antrifft. Er saß nunmal gerade DORT und nirgends anders, von daher ist der Hintergrund so, wie er ist. Man kann mit Bildbearbeitung dann noch etwas rausholen, aber nicht viel.
Du bist nun wohl noch im Anfängerbereich unterwegs, da ist so eine Möglichkeit eine, die einen begeistert, während "alte Hasen" da nichtmal mehr aus dem Sessel aufstehen.

Das wird dir in deiner "Fotokarriere" sicher auch irgendwann so gehen. Das ist auch völlig ok so.
Wenn du dir dein Bild betrachtest, gibt es ein paar grundlegende Fehler, die ich dir gerne aufzeigen möchte.
1. Fokus sitzt falsch
2. Blende ist zu weit geschlossen
3. 200 (300)mm sind noch fast zu wenig bei sowas
4. ISO 1600 ist bei Tagaufnahmen nicht wirklich nötig
5. Bildkomposition
zu 1.: Fokus
Es reicht nicht, einfach nur "in die Richtung" zu halten, du musst genau fokussieren. Gerade die neueren Kameras sind sehr fein justiert, was den Fokus angeht und dieser hängt sich dann gerne an falsche Punkte.
In deinem Fall sitzt der Fokus viel zu weit hinten. Die Füße der Amsel sind scharf, sowie Teile des Hintergrundes (deshalb stört der hier auch so dolle). Das Auge der Amsel und der Bauch/Kopf sind unscharf. Da hilft auch starkes Nachschärfen nicht wirklich mehr was, du bekommst es mit Gewalt nicht scharf. Eine Amsel ist nunmal 3D und da ist es wichtig, genau zu fokussieren - und zwar auf die AUGEN. Das ist so die Faustregel, wenn man ein scharfes Lebewesen ablichten will (und damit meine ich keine knackige Blondine, wobei es sein kann, dass DA auch die Augen unscharf und etwas anderes schärfer wird...

), IMMER auf die Augen scharf stellen.
Das heißt, du musst schauen, wie dein Fokus eingestellt ist.
Breites Fokusfeld
Spot
Local
Breites Fokusfeld ist meist zu "wischiwaschi" für Objektaufnahmen.
Spot ist durchaus zum Üben ratsam, weil der Autofokus sich auf einen einzigen Punkt setzt, allerdings liegt der immer mittig im Messfeld und dann muss man die Kamera mit halb gedrücktem Auslöser noch rumschieben, bis man den gewünschten Bildausschnitt hat. Und das ist dann schon wieder "böse", weil sich durch das Verschieben des Glases eigentlich schon wieder andere Entfernungen ergeben und das Objekt dann trotzdem ganz leicht unscharf werden kann.
Ich empfehle immer Local. Damit muss man zwar etwas üben, weil man den Fokuspunkt in den Messfeldern selbst manuell setzen muss/kann/darf, aber dafür kann man den Bildausschnitt vorher festlegen und DANN den Fokus an die Stelle bringen, wohin man ihn gerne hätte. Das ist schon cool und geht, bei etwas Übung, auch dann, wenn man schnell sein muss.
Wenn du das Auge eines Tieres, eines Menschen anvisierst, dann darf auch ruhig sonst Unschärfeverlauf (durch offene Blende zB) im Rest des Bildes UND auf dem Objekt enthalten sein, das ist nicht schlimm. Das Auge muss aber scharf sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn man zB etwas anderes scharf zeigen will (wie eine ausgestreckte Hand mit einem Eis, die ein Junge nach vorne hält. Dann fokussiert man auf das Eis und lässt das Gesicht im Unscharfen verschwinden), aber das sind dann schon wieder andere fotografische Bereiche.
zu 2.: Blende
Die Schärfeebene und der Unschärfeverlauf setzen sich zusammen aus drei Dingen:
Blendenöffnung, Brennweite des Objektivs und Abstand des Objektes zum Hintergrund.
Hier hast du das Objekt sehr nah am Hintergrund sitzen, daher wird eine so genannte "Freistellung" des Objektes vom Hintergrund sowieso schon schwierig, trotzdem ist 7.1 als Blende zu weit geschlossen. Fotografiere so etwas mit Offenblende (das, was dein Objektiv halt hergibt, meist etwas zwischen 2.8 und 4.5 oder sowas). Je weiter offen die Blende ist, desto kürzer wird dann auch die Belichtungszeit sein.
Es wird, je weiter die Blende offen ist, zwar schwieriger, den Schärfepunkt ganz genau zu setzen, weil die Schärfeebene geringer ist, aber das geht schon.
zu 3.: Brennweite
Wie schon erwähnt, spielt die Brennweite eine Rolle bei so einer Aufnahme. Je größer die Brennweite (also je mehr mm), desto geringer die Schärfeebene, desto größer die Freistellung vom Objekt zum Hintergrund. Auch bildfüllender ist das Fotografieren dann möglich. 200mm (300 am Crop, was du mit deiner A77 ja hast) sind durchaus ein guter Telebereich, aber manchmal reicht es dann halt noch nicht aus, wie hier zu sehen. Somit ist die Amsel nicht wirklich bildfüllend, es ist noch viel anderes drumrum, was ablenkt.
Deshalb musst du dir aber kein neues Objektiv kaufen, 200mm reichen schon oft aus. Erstmal damit und mit den richtigen Einstellungen (Blende und Iso) und Bildschnitt arbeiten, dann passt das schon fürs Erste.
zu 4.: Iso:
Iso ist das, was früher Asa beim Film war. Die "Lichtempfindlichkeit des Films" sozusagen, digital nachgestellt. Das bedeutet, dass durch Iso kürzere Belichtungszeiten bei dunkleren Situationen erreicht werden können, schraubt man es hoch. Nachteil: das Bild körnt stärker, bei digitalen Bildern spricht man von "Rauschen".
Je höher Iso ist, desto mehr "rauscht" ein Bild, was bedeutet, dass Konturen verschwimmen und Flächen "bröseln". Die hohe Lichtempfindlichkeit geht also zu Lasten der klaren Linien, so auch hier zu sehen.
1/1000 Belichtung ist eigentlich hier bei diesem Bild nicht nötig gewesen (die Amsel fliegt ja nicht oder macht keine gymnastischen Übungen, sie sitzt ruhig da), es hätte auch das Doppelte ausgereicht (1/500), wo auch die weiter offene Blende mitgespielt hätte, somit hätte Iso deutlich verringert werden können, zugunsten der Bildklarheit.
Richtig belichtet (unter diesen Fehleraspekten) ist es nämlich trotzdem.

(Jeah, mal was Gutes!

) Nichts ist überstrahlt, nichts säuft ins Dunkle ab.
zu 5.: Bildkomposition - Platzierung des Objektes und Bildschnitt
Das ist ein WEITES Feld und es gibt eigentlich kein wirkliches Rezept. Bei der Platzierung von Objekten ist es allerdings oft sinnvoll, sie etwas "dezentriert" zu setzen, also nicht genau in die Mitte. Das gibt dem Bild meist mehr Spannung.
Die Linien im Bild (schräges Holz, auf dem sie sitzt + gerade Linien im Hintergrund) finde ich sogar gar nicht so schlecht, wäre da das "Gemüse" nicht.
Den Bildschnitt sollte man so setzen, dass das Wesentliche im Fokus des Betrachters sitzt und Unwesentliches weg kommt. Also könnte man, wäre dieses Bild von der Schärfe her gelungen, deutlich drumrum schneiden, damit die Amsel mehr bildfüllend wird und andere Dinge weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen. zB wäre das "Wellblechdach" oben drüber dann weg...braucht kein Mensch auf diesem Bild.
Ja, viel Kram...aber es ließ sich an dem Bild gut zeigen.
Ich hoffe, du kannst mit meinen Anregungen etwas anfangen.
(EDIT: ich habe Euras Beitrag nach den sehr kurzen Beiträgen irgendwie überlesen...da steht das Wesentliche schon drin!

Allerdings hast du nun noch die Ausführung dazu...

Gut gemacht, Michael!)