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Alt 23.03.2012, 00:21   #5
Dat Ei

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Hey Dana,

Zitat:
Zitat von Dana Beitrag anzeigen
Oh Gott...was für ein herziges Gesicht...wie sie guckt!!
Da schießen einem die Tränen in die Augen beim Hinschauen...einfach vor Rührung, weil sie so goldig aussieht.
die Geschichte hinter dem Bild ist noch viel rührender. Wenn ich an sie (die Nonne und die Geschichte) zurückdenke, wird mir auch heute, gute 5 Jahre nach der Aufnahme noch ganz anders.

Ich hatte die Geschichte mal in einem anderen Forum niedergeschrieben und zitiere mich mal selbst:

Zitat:
Moin, moin,

eines meiner ergreifensten Photoerlebnis erlebte ich in Kambodscha. Es war am ersten Tag unserer Kambodscha-Reise, einem Montagnachmittag kurz nach unserer Ankunft, als wir uns zum ersten Mal in den Archäologischen Park aufmachten. Nach dem Kauf des Wochentickets fuhren wir gleich zur "Hauptattraktion", dem Tempel Angkor Wat. Wie wir im Verlauf unserer Reise lernten, war es eigentlich keine gute Idee, nachmittags diesen Tempel zu besuchen, weil zu der Uhrzeit hunderte Busse mit tausenden Besuchern, in der Mehrheit Kurzzeit-Touristen, diesen Punkt ansteuerten und förmlich überfluteten. Das Treiben erinnerte eher an Disneyland, denn an einen heiligen Ort für Hinduisten und Bhuddisten. Man konnte kaum eine Aufnahme machen, ohne daß man gerempelt wurde oder jemand in den Bildausschnitt lief. Ich hatte eigentlich nach wenigen Minuten so einen dicken Hals, daß ich am liebsten auf der Stelle abgereist wäre.

Um ein wenig runterzukommen, verdrückte ich mich ein wenig in die Seitenflügel des äußersten Mauerrings. In den dunklen Nischen standen überall Buddha-, Shiva- und Vishnu-Skulpturen, um die Lotus, Kerzen und Räucherstäbchen platziert waren. In einigen saßen auch Nonnen (weiße Kluft mit kahl rasiertem Schädel), die von Gläubigen umgeben waren und gegen die Bezahlung von 1US$ mit ihnen beteten. Genau in einer dieser Nischen sah ich dann eine sehr alte Nonne, die einen sehr abwesenden und zugleich leidenden Eindruck machte - sie war wohl nicht wirklich glücklich, ob des hektischen Treibens, ihrer eigenen Position und des immer wieder als Ausstellungsstück abgelichtet Werdens. Irgendwie faszinierte mich aber die stoische Ruhe, die sie vermittelte, auch wenn da sicherlich viel Traurigkeit, aber auch Abscheu mitschwang. Aus sicherer Entfernung wollte ich ein paar Aufnahmen von ihr machen und schraubte mein 70-200mm vor die Kamera.

Nach ein paar Aufnahmen entdeckte sie mich - einen Moment lang fühlte ich mich peinlich ertappt. Ich nahm kurz die Kamera runter, lächelte sie an und wies mit der Hand und leicht gesenktem Kopf auf die Kamera, um meinen Respekt zu zollen, aber auch non-verbal nach ihrer Zustimmung zu fragen. Sie nickte kurz. Ich machte noch ein paar wenige Aufnahmen und ging zu ihr rüber. Ich ging neben ihr in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein - viel zu viele Touris bleiben aufrecht stehen und behandeln die Leute förmlich von oben herab. Das gehört sich nicht - das hatte ich schon auf diversen Asien- und Fern-Reisen gelernt. Ich legte wie üblich 1US$ in ihre aufgestellte Schale, drückte den Wiedergabeknopf meiner Kamera und zeigte ihr die Aufnahmen von ihr auf dem Display. Und dann passierte es: schlagartig verschwand die Distanz zwischen Photograph und "Opfer", denn sie begann angesichts ihrer Bilder zu lachen, freute sich dermaßen, daß sie jemand mal als etwas mehr als ein Motiv oder photographisches Beiwerk wahrnahm, schloß mich in ihre Arme und strich mir mit ihrer alten, knochigen Hand zart über die Wange. Diese Nähe und Herzlichkeit überwand sämtliche Sprachbarrieren, den Alters- und auch Kulturunterschied - das war einfach Menschlichkeit in purer Reinform, direkt vom Herzen. Für mich einfach unvergesslich...

Dat Ei
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"Wer mit Euch ist, ist nicht ganz bei sich."

Geändert von Dat Ei (26.03.2012 um 12:59 Uhr)
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