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Zitat von raul
Also ich finde den Aufwand den du treibst sehr interessant und die Fotos sind auch dokumentarisch sehr empfehlenswert, aber beim letzten zitierten Satz dachte ich spontan: das kann eine Alpha 100 mit Kitlinse besser.
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Ja, dann stelle Deine Kitlinse mal auf Blende 1.2.
Nochmal: Das Objektiv unter diesen Umständen mit Blende 1.2 zu benutzen, ist eigentlich grober Unfug. Bei Helligkeit braucht man diese Riesenöffnung eigentlich nicht. Das Objektiv ist für die Dämmerung gebaut, die gnädig den Mantel der (meist) geringen Kontraste über die Linsenfehler legt. Was nachts am meisten stört, sind Astigmatismus und Koma, die bei dem Objektiv recht gut auskorrigiert sein sollen.
Ein 1.2/35 ist an der Grenze des mit bezahlbarem Aufwand Machbaren. Manche behaupten es ist schon drüber hinweg. Alle anderen 1.2er Designs sind längere Brennweiten mit 50, 58 oder 85 mm Brennweite, welche die Konstruktion vereinfacht. Ein 35er Weitwinkel mit 1.2 ist nunmal ein echter Exot. Das macht zugegebenermassen den Reiz aus und ist mit einer Plastiklinse aus der Blödmarkt Grabbelkiste sicherlich nicht so sehr vergleichbar.
Diese hochgeöffneten Optiken braucht man eigentlich dazu, bei dunklen Szenen noch das allerletzte bisschen Licht einzusammeln um in dunklen Bereichen noch Schattendifferenzierungen zu haben, wo mit der Standardoptik oder gar dem Kitzoom nur noch Schwarz ist - die schwarze Katze im Kohlenkeller.
Oder man spielt mit der extrem reduzierten Schärfentiefe.
Das ist der Mythos der Noctiluxe et.al.
Richtig cool sind übrigens Fokus- oder Kamerafahrten bei Offenblende im Video - z.B. durch einen Springbrunnen durch oder über Waldboden drüber. Die hauchdünne Schärfeneben "schneidet" förmlich durch Bildfeld.
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Zitat von raul
Die ersten neun Bilder finde ich gelinde gesagt seltsam, fehlfokussiert und das Bokeh auch nicht schön.
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Die Bilder sind sehr sorgfältig fokussiert - bis auf den Schwan. Der Gute watschelte recht rasch auf mich zu und ich habe aus der Hüfte geschossen. Im 100% Bild sind die Federn aber detailliert zu erkennen. Verwackelt ist bei einer 1/2000 jedenfalls nichts.
Alle anderen Bilder wurden mit der Lupenfunktion feinfokussiert.
Das Bokeh ist in der Tat eigentümlich. Das Objektiv hat drei (!) asphärische Flächen, denen oft nachgesagt wird, nicht einem klassisch-schönen Bokeh zuträglich zu sein. Andererseits spart jede asphärische Fläche eine ganze sphärische Linse in der Konstruktion. Das 1.2/35 ist mit zehn Elementen eh schon das aufwendigste 35er, das ich kenne. Mit 13 (!) Elementen würde man es kaum mehr verwenden wollen, so lang und schwer würde es werden.
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Zitat von raul
Und dabei schreibst du ja dazu, was alles nicht stimmt, von chromatischen Aberrationen, Überstrahlungen, Unschärfe, etc..
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Ja genau. Ich treibe das Objektiv mutwillig in recht extreme Situationen, um seine Grenzen kennenzulernen. Bei Sonnenschein würde die 1/4000 bei ISO 100 der NEX7 schon nicht mehr reichen, und man müsste einen Graufilter verwenden.
Faustregel bei Sonne und ISO 100 in Mitteleuropa ist 1/125 bei Blende 11.
11-8-5.6-4-2.8-2-1.4-1.2 das sind 6.5 Stufen:
1/125 - 1/250 - 1/500 - 1/1000 - 1/2000 - 1/4000 - Oooups. Schon nach sechsen ist aus die Maus

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Zitat:
Zitat von raul
Ist es also deine Intention diese Fehlabbildungen bewusst zu suchen und zu erleben? Ist jetzt wirklich nicht böse gemeint, sondern nur interessiert nachgefragt.
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Genau. Sich unter diesen Umständen dann über die Ergebnisse zu beklagen, ist wie bei Walter Röhrl ins Auto einzusteigen um dann ein Nickerchen machen zu wollen. Ich setze das Ding mutwillig falsch ein - wie übrigens alle, die damit Testafeln oder Ziegelwände abfotografieren. Dafür ist es nicht gebaut worden.
Ein Objektiv wie das Sony 1.4/35 könnte man z.B heutzutage locker so konstruieren, dass es bei Offenblende sehr gute Leistung bringt. Das Canon 1.4/35 ist z.B. deutlich besser als das Sony. Auch hier wird der "Charakter" recht gerne als eine Entlastug für die flaue Offenblendleistung des Sony herangezogen.
Es gibt auch Objektive, die sind eigentlich echt grottenschlecht, aber trotzdem teuer bezahlte Liebhaberstücke, wie z.B das Leitz "Thambar" aus den 30ern. Nach heutigen Kriterien hat es eigentlich ein übles Kringel-Bokeh und grausamen Schleier, ist aber dennoch nicht unter 5000 EUR zu bekommen. Leica & Selten => teuer. Ganz einfache Reaktionsgleichung.
Die Relevanz der Bildbeispiele mag man gerne hinterfragen. Ich werde demnächst hier Dämmerungsbilder bringen. Die sind m.E. wesentlich relevanter für die Beurteilung des Objektivs.