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Fotografie beschränkt sich wie Malerei nicht nur auf das optimale Abbilden der Realität, sondern auch auf die Interpretation des Motivs.
Wenn alle Bilder nur den vermeintlich allgemeingültigen Vorgaben entsprechen würden, so würde die Fotografie Gefahr laufen, eindimensional zu werden.
Auch ein technisch "schlechtes" Bild (unnatürliche Perspektive, ungünstiger Hintergrund, schlechtes Licht, massive Bearbeitung entgegen der Natürlichkeit) kann einen trotzdem oder gerade deswegen emotional umhauen.
Und sobald ein Bild aufgrund dieser Wirkung auch nur bei einem Menschen auf der Welt ankommt, so hat es eine Daseinsberechtigung.
Mir geht es zwar auch so, dass zu abstrakte Bilder, vor allem in der Malerei, nicht meinen Geschmack treffen, aber spätestens in der Malerei werden derartige Künstler vergöttert (und von anderen gehasst, klar) und es sind gewisse Kreise bereit, gerade dafür horrende Summen auszugeben.
Damit haben diese Bilder einen Sinn, auch wenn er sich nicht allen erschließt.
Nennt man Kunst und über Geschmack kann man nicht streiten.
In der Fotografie gibt es noch einen Aspekt:
Ich habe schlechte Fotos, jede Menge sogar.
Aber dennoch bleiben sie ungelöscht, eben weil ich an diesem Tag dieses Bild nicht nochmal machen kann.
Sie dienen der Dokumentation, der Erinnerung.
Würde ich jedes Motiv ob seiner Qualität hinterfragen, so würde ich die Emotion des Moments zerstören.
Das verrauschte, miese Handybild eines wunderschönen Augenblicks wird den Beteligten bis an sein seliges Ende an eben diesen Augenblick erinnern.
In so einem Augenblick hinter Perfektion her sein, würde alles verfälschen, weil es die Stimmung stört.
Also den Moment mit dem möglichst einflusslosen und verfügbaren Werkzeug festhalten.
Das fragliche Bild hier könnte noch so schlecht sein, am Tag eines Unfalls oder eines Diebstahls des Motorrads wäre es vielleicht das Beste, was dem Besitzer noch bleibt.
Da ist die Frage nach Perfektion oder nach künstlerischem Anspruch müßig, da geht es nur um den Augenblick.
An den Threadstarter:
Falls Cheffe nochmal mit dem Bock zur Arbeit kommt, dann mach noch ein paar Bilder.
Analytisch, künstlerisch, extrem, eben wie du magst.
Was dir hinterher auch nach Bearbeitung nicht zusagt, das schmeiß´ weg, wenn du es nicht für andere aufheben möchtest.
Wichtig ist, dass du zufrieden bist, womit auch immer.
Und die Art und Weise, die dir gefällt, die merk´ dir für die Zukunft.
Spiel´ herum, der Lerneffekt kommt irgendwann (hat schon bei zig Milliarden Kindern funktioniert, das klappt immer!).
Stefan
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