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Aus dem Untergrund
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Aus dem Untergrund
Von Zeit zu Zeit zieht es mich in den Münchner Untergrund.
Der Bahnhof Westfriedhof bietet so viele Möglichkeiten. Hier habe ich mich mal für SW und Reduktion entschieden. Vielleicht gefällt es euch ja auch. → Bild in der Galerie |
Dein Besuch im Münchner Untergrund hat sich absolut gelohnt. Ein sehr gelungenes Bild erzählt eine Geschichte. Gefällt mir sehr. :top:
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Vorab:
Der Münchner Westfriedhof (also die U-Bahn-Haltestelle, mit 11 bunten Lampen von Ingo Maurer) ist für mich die schönste Haltestelle in der bayerischen Metropole. Auch und vor allem deshalb, weil Maurer den Friedhof mit einbezogen hat: Die Wände dort sind naturbelassen, unverputzt, roh. Sie wirken wie Lehmwände, deren Unebenheiten von den roten, gelben und blauen Leuchten mit ihren je 3,80m im Durchmesser breiten, schwarzen Lampenschirmen auf eine eigenartige und berührende Art hervorgehoben werden. Die allermeisten Fotos werden übrigens deutlich aufgehellt präsentiert, was nicht der Realität entspricht. Der Bahnhof hat ein eher mystisches, gedämpftes Licht mit deutlichem Schwarzanteil; kühl wirkt er, als sei man in eine Gruft eingetreten, still, selbst wenn viele Menschen auf ihren Zug warten, und dabei weder trist noch düster oder gar bedrohlich. Die Halle verneint nicht die Trauer, die sie tagtäglich erlebt, sie tröstet auch nicht. Aber sie schenkt Ruhe, sanftes Vergessen und so etwas wie ein langsames Verschwinden in den Schatten, als seien es Mäntel, die den Trauernden den Blicken der Anderen entziehen. Peters Interpretation: Eine ältere Gestalt betritt langsam einen langen Gang aus kühl-weißen Leuchten, höhnisch belacht von einem Dämon über ihr. Automatisch kommt dem Betrachter Dantes Wort über das Höllentor in den Sinn: ""Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren". Hier ist kein sanftes, allmähliches Vergessen, keine wohltuende Stille. Das mächtige Schwarz-weiß kaserniert den Menschen, die Lampen zwingen ihn, sein Leid den ganzen Weg bis zum bitteren Ende bei vollem Bewusstsein zu durchleiden. Die Schatten sind nicht einfach nur Schatten, sondern sekundenschnelle Auslöschung. Hier gibt es nur Hoffnungslosigkeit oder Foltertod. Eine moderne Auschwitzrampe. Ist Peter seinem Motiv gerecht geworden? In meinen Augen: nein. Den Gleichmut des Originals ersetzt Peter durch heftigste Gefühle wie Hass, Verhöhnung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Angst. Der Farbigkeit des Originals setzt er das starre, gnadenlose Schwarz-weiß entgegen. Obwohl man sich im Original nur wenige Meter unter der Erde befindet und den Ort jederzeit über eine der überbreiten Treppen verlassen kann, sperrt Peters Interpretation uns in den tiefsten, höllischsten Tiefen ein, damit wir auf ewig dort ausharren müssen. Ist Peters Aufnahme gut? Er nimmt etwas und eignet es sich mit einer Radikalität an, dass es richtig weh tut. Ohne das Grundgerüst anzutasten, verändert er das Motiv und seine Aussage von Grund auf und macht daraus seins. Das ist nicht gut, das ist herausragend!!! Aber? Ich frage mich, ob das Foto ohne die abgebildete Person nicht noch intensiver wäre. Noch kann sich der Betrachter erleichtert darin flüchten, dass ja nicht ihm das Unvorstellbare droht, sondern der Figur links vorn. Was aber, wenn das höhnische Lachen nicht der Figur, sondern ihm, dem Betrachter, gelten würde? Wenn das Bild zu seinem eigenen Memento mori würde? Ich bin gespannt auf weitere Kommentare! Mainecoon |
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Moin,
erstens: ja, gefällt mir sogar sehr - gerade die Reduktion auf wenige Formen, auf hartes Licht und harte Schatten, und auf eine darin eher verlorene Person gefällt mir sehr gut, handwerklich ist es eh zweifelsfrei. Zweitens: ich bin auch absoluter Amateur, habe aber dennoch ein klares Empfinden bei solchen Bildern und bei Untergrund-Stationen generell. Diese Architektur ist für Menschen gemacht? Ich wette, die Macher und Befürworter sehen es immer noch so, sonst würe man nicht immer noch Bahnhöfe im Untergrund bauen. Schon alleine den Menschen irgendwo in den Untergrund zu bringen ist nicht für den Menschen, kann es nie sein, außer vielleicht bei ein paar lichtscheuen Gestalten. Man kann versuchen, es irgendwie freundlich farbig zu gestalten, es bleibt der Untergrund. Und das undurchdringliche Schwarz unterstreicht das absolut treffend, Farbe schafft hier nur Illusion (was durchaus trotzdem sehr gute Bilder ergeben kann). Ach ja, und dass das der Bahnhof Westfriedhof ist, hat natürlich seinen ganz eigenen Witz ;) Viele Grüße, Markus |
Hoi Peter,
das gefällt mir sehr gut. Ich empfinde es auch nicht als traurig, aber man kann herrlich viel hineininterpretieren und seiner eigenen Fantasie freien Lauf lassen, wodurch man beim Bild bleibt. Mainecoons Monster habe ich auch entdeckt. Liebe Grüße Tobias |
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Die Reduktion auf SW, das Düstere. Die dort abgebildete Person mit einer Tüte in der Hand welche von der vorderen Lampe angeleuchtet wird... Jo, richtig gut. :top: |
Endlich mal ein Bild abseits des Mainstreams.
Die s/w Umsetzung ist bestens gelungen, das Licht wirkt so viel plastischer und akzentuierter, als ich es in bunt in Erinnerung habe. Die obigen Lichtflecke würde ich entfernen -> sie bringen für mich zu viel an Dimension in das Bild, das aber eigentlich nur aus einer Richtung bestehen sollte. Ich will da keinen “Himmel” sehen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Bild! |
Sehr schön geworden, dein Foto. Für mich trägt es den Titel "Die letzte Reise". Bis auf die Tüte, in der eventuell die wichtigsten Erinnerungen stecken, ist dem Mann/Frau nichts geblieben. Der Weg ist klar vorgegeben, und passend zum Westfriedhof, begibt er sich auf den Weg. Er ist allein. Die "wachenden Augen" von oben würde ich nicht entfernen. Die Lichtflecke gehören für mich zwingend dazu. :top:
Wie von Dir gewohnt, bestens bearbeitet und präsentiert.:top: |
Ich bin von dem Bild begeistert.
Die Bearbeitung passt auf jedes Hochglanz-Fotografie-Cover, alles ist so total klar und brillant in schwarz-weiß. Und dann die innere Geschichte, die diesem Megaklasse-Prinzip entgegen steht und damit einen inhaltlichen Stilbruch begeht...mag ich sehr. Chapeau. (Wenns ums weg oder nicht weg geht: WENN was weg, dann die beiden Flecken UND dieses Mitteldings, bei gleichbleibender Bildaufteilung. Wirkt noch drückender. Aber wie Mainecoon es oben beschreibt: ich habe auch als erstes dieses Monster gesehen. Augen, aufgerissener Mund. Und auf Metaebene ja auch total interessant, dass das noch dabei ist.) |
Dann mach ich mal den Banausen.
Ein Monster sehe ich nicht. Wo ist das? Der Mann ist sicher nicht gemeint. Dass das eine Station am Friedhof ist, sieht man ebenso wenig, denn der Name der Station ist nicht erkennbar. Intrinsisch liegen also diesbezügliche, eventuelle Doppeldeutigkeiten/Geschichten nicht vor. Was sieht man also wirklich? Ein etwas ärmlich wirkender, älterer Mann bewegt sich in einer schlecht beleuchteten, aber dafür sonst unbelebten - nicht so überfüllten U-Bahnstation. That's it. Der Fotograf hat den Farbfilm vergessen. Ok, letzteres ist nicht ernst gemeint sondern nur so spontan durch den Kopf geschossen. Manche der bisherigen Kommentare halte ich für schwer überinterpretierend... |
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Na ja. Mit etwas Fantasie ... Zitat:
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Jedes Bild, das es schafft, einen mehr als 2-3 Sekunden zum Verweilen zu bringen, ist eine Freude für Auge und Geist. Egal, was einem dabei durch den Kopf geht oder welche Assoziationen es auslöst. Ich bin sicher eine Minute hängen geblieben, Chapeau. Ein Phantasie anregendes Foto!
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Meine Gedanken zum Bild: Mir gefällt die saubere und reduzierte Ausführung, die das minimalistische Design des Bahnhofs aufgreift und in das Bild überführt. Gruß, raul Edit: typo |
Hallo zusammen,
vielen Dank für die zahlreichen Kommentare und die Muße sich mit meinem Bild zu beschäftigen. Das freut mich wirklich riesig. Zitat:
Die Frau im Bild gehört für mich dazu. Sie hilft zu einer emotionalen Verbindung zu kommen. Ohne die Person fände ich es zu technisch und nüchtern. Zitat:
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Die Augen aus Licht sind so ein kleiner Clou, aber natürlich kann man die Reduktion noch weiter ausbauen. Mal sehen... Zitat:
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Danke aber für deinen Kommentar. Du schreibst ja auch weshalb ich es in dir nichts auslöst. Den Westfriedhof hatte ich im im Eingangspost erwähnt, auf das "Monster" wurde ja bereits hingewiesen. Den Begriff "Überinterpretation" finde ich schwierig. Wie gesagt, Bilder haben unterschiedliche Wirkungen auf Menschen. Zitat:
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Es gibt ja keinen negativen Kontext. |
Das Bild wurde für die Ausstellung vorgeschlagen.
Die Abstimmung ist eröffnet. |
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Das Bild ist so symmetrisch, dass man nach Unsymmetrien suchen will. Dabei ist mir dann auch der "Dämonenblick" aufgefallen, der hier bereits ähnlich erwähnt wurde. Ein Bild das man sich trotz seiner Schlichtheit gerne lange ansieht und das ist in der aktuellen schnellen Bilderwelt seltener geworden. Manchmal ist weniger mehr. Ich störe mich nur daran, dass der Rücken der Person zu sehr per EBV aufgehellt wirkt - das schiebe ich meinem vielleicht etwas altmodischen Bilderdenken in die Schuhe. Das Bild sollte aus meiner Sicht in die Ausstellung :top:. |
Wenn es nicht schon jemand anderes gemacht hätte wäre es von mir für die Ausstellung vorgeschlagen worden.
Also: :top: |
Ich bin ob der der vielen Interpretationen massiv beeindruckt. Werde ich mit der Nase drauf gestoßen, dann erkenne ich auch die "Dinge". Einige Sekunden später sind sie aber schon wieder weg.
Ich interpretiere absolut nichts hinein. Mir gefällt es einfach. Aber tatsächlich könnte ich mir eine Version vorstellen, bei der man Schattenhaft die Seitenwände erkennen könnte. Die würde nicht so glatt und geleckt aussehen. Diese massiven Ausarbeitungen von Bildern sehe ich aktuell regelmäßig auf den diversen Instagramkanälen. Sie sind plakativ, aber auch extrem steril. Ich bin noch unschlüssig mit der Ausstellung. PS: Ich finde alleine die Tatsache genial, dass da sonst keiner war und nur die einzelne Person mit im Bild ist. Und natürlich, dass das fotografieren dort unproblematisch zu sein scheint. Ich habe schon so viel Stress an solchen Orten mit Personen (Reisenden/ Ordnungshütern/ Fußballidioten etc.) gehabt, dass ich es aufgegeben habe dort zu fotografieren. |
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Du würdest also ein "Ja" geben wenn Du nicht auf diversen Insta-Kanälen wärst? Diesbezüglich kann ich Deiner Argumentation nicht schlüssig folgen. |
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Für mich zählt das Bild welches sich hier im Forum befindet und die Chance hat in die Ausstellung zu kommen. |
Vorweg, selbst wenn mir jetzt schwere städtebauliche Ignoranz oder noch schlimmere Verfehlungen vorgeworfen werden: ich kannte diese U-Bahn Station nicht. Wie auch, der Münchner Underground ist mir zur Gänze fremd.
Aber ich sah das Bild und meine erste Assoziation, noch bevor ich die Erläuterung zur Destination gelesen hatte, war: "Ach, ich schaff's vielleicht doch noch bis nach Hause..." Akustische Eingangssequenz dieses Meisterwerks: https://www.youtube.com/watch?v=wQXscUd9YP8 :cool: Man mag mir diesen eher profanen Gedankengang verzeihen und dass ich meine Eindrücke nicht so plastisch in akademischer Akkuratesse ausdrücken kann. Jenun, zurück zum Eigentlichen. Mit s/w-Bilder tue ich mich immer schwer, aber dieses hier hat mich doch beeindruckt. Umso mehr, nachdem ich das knallfarbige Original gegoogelt habe. Wirklich klasse gemacht und m.E.nach hat es auf jeden Fall einen Platz in der Ausstellung verdient!:top: Groetjes Hardy |
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Was es für mich auch noch eindrücklich zeigt, ist die Einsamkeit vieler Menschen, vor allen Dingen der älteren und alten Menschen. |
Ein herzliches Dankeschön für die Kommentare, die noch eingegangen sind. Danke auch für den Vorschlag zur Ausstellung, auch wenn ich (noch) nicht weiß wer so nett war.
Nun lasse ich den Dingen ihren Lauf…. |
Ich stimme mit "Ja", da es mich sehr anspricht, ob mit oder ohne "Augen" und ohne irgendwas interpretieren zu wollen.
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Ich sehe viele Bilder. Wie vermutlich alle hier. Und es gibt gibt Bilder
Und das hier gefällt mir. Nicht mehr und nicht weniger. Und wo ich oder wo wir diese Bilder sehe(n) ist am Ende egal. Mir ist nur aufgefallen, dass ich diese Art der Bearbeitung in letzter Zeit häufiger sehe. Und jetzt zitiere ich mich selbst: Zitat:
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Ich enthalte mich und fertig ist die Laube. |
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Ich wollte Dich gedanklich zu einer Entscheidung bringen, halt durch Nachfragen. Fragen bringen mich - wenn ich unschlüssig bin - weiter. Manchmal steckt man irgendwo fest. Durch einfache, simple Fragen werde ich da oft rausgeholt. Im Endeffekt ist es auch egal wie man sich entscheidet, Hauptsache man kann es begründen. Zum einen für sich und noch besser auch für andere. Viel besser ist es dann wenn andere die Argumentation nachvollziehen können. Man muss nicht einer Meinung sein, aber man kann die Gründe des anderen verstehen. |
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Ich kann mich nur dem bereits geschriebenen Anschließen. Und die beiden Lichtaugen an der Decke dürfen gerne bleiben.Auch wenn mich die Variante schon auch interessieren würde. Und ja. Bitte in die Ausstellung. |
Kurz und knapp: Ja!
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Herzlichen Dank für die angeregte Diskussion und die Pros und Cons zu meinem kleinen Bild hier. Hat Spass gemacht.
Natürlich freue ich mich auch über die Wahl in die Ausstellung. Damit greife ich der Moderation etwas vor, aber ich möchte gerne die beiden Versionen zeigen, die in der Diskussion angeregt wurden. Einmal ohne "Monster" → Bild in der Galerie Und einmal ohne Mensch → Bild in der Galerie |
Hi Peter,
ja, Du hast das Ergebnis vorweggenommen.... ;) Das Bild wurde in die Ausstellung gewählt. Herzlichen Glückwunsch. Ich packe es dann auch mal in die passende Galerie. |
Das Bild ohne Monster ist das Beste :top:
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nö, das Original ;)
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Jetzt ist ja für jeden Geschmack etwas dabei. ;)
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Glückwunsch!
Für mich ist es auch das ohne-Monster-Bild, weil es den Blick besser lenkt. |
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Meinen Glückwunsch und meine Stimme hast bzw. hattest du. Ich finde alle drei Varianten sehr gut, jede hat eigene Aussagen. Liebe Grüße Tobias |
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