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Yenoach 22.02.2017 09:33

Samyang 12mm oder doch besser 10mm
 
Hallo zusammen,
schon seit längerem habe ich damit geliebäugelt, mir ein Ultraweitwinkel zuzulegen. Da mir das SEL1018 ehrlich gesagt zu teuer ist und ich kein Problem mit manuellem Fokussieren habe, habe ich vor etwa einer Woche bei Amazon im Angebot das Samyang 12mm (Walimex-Variante) im Angebot für 309 Euro gekauft, über das ich viel Positives gehört und gelesen hatte. Vor allem wird die 2.0er Offenblende ja von vielen gelobt.
Nach den ersten paar Testbildern bin ich aber etwas enttäuscht. Die Schärfe und alles ist top, aber den Bildwinkel hatte ich mir ehrlich gesagt größer vorgestellt. Dieser coole UWW-Effekt bleibt bei den 12mm irgendwie noch aus, also dass der Vordergrund riesig wird und der Hintergrund ganz klein. :?

Ich überlege daher, es zurück zu schicken und mir stattdessen das deutlich schwerere 10mm, F2.8 für etwa 60 Euro mehr zu bestellen.
Hat jemand Erfahrung mit beiden Objektiven (oder anderen 10ern/12ern an Sony APSC)? Macht sich der Unterschied im Bildwinkel stark bemerkbar? Denn eine ganze Blendenstufe weniger für 60 Euro mehr ist ja erst mal nicht so toll.
Reicht 10mm F2.8 beispielsweise für gute Aufnahmen vom Sternenhimmel?

Danke für eure Meinungen!

Goldtop 57 22.02.2017 09:53

2 mm weniger Brennweite machen durchaus schon etwas aus, was den Bildwinkel angeht. Allerdings nutzt sich der Effekt, den du beschreibst, meiner Ansicht nach auch schnell ab, es gibt mir einfach viel zu viele leere Bilder, die mit Weitwinkelobjektiven gemacht worden.
Was die Auflösung der beiden Objektive angeht, bist du bei Lenstip.com fündig. Sie scheinen beide sehr gut zu sein. Samyang hat immer wieder mal Probleme mit der Fertigungsqualität, da würde ich mal im Netz recherchieren, wie diese Objektive da weg kommen.
Eine Anfangsblende von 2,8 reicht aus, um nachts den Sternenhimmel zu fotografieren.

Yenoach 22.02.2017 10:03

Mit dem 12mm habe ich eher das gegenteilige Problem. Wenn ich an ein Objekt nah ran gehe, ist das Bild voll. Dabei wollte ich das UWW eigentlich nutzen, um den Vordergrund in bzw. mit der Umgebung darzustellen.
An sich sind 12mm für Landschaft, etc. wohl eine tolle Sache, weswegen ich ja auch noch schwanke. Jedoch habe ich bereits das Sigma 19mm und die beiden sind vom Look her ählicher als ich dachte.

Goldtop 57 22.02.2017 12:51

18 und 28 mm KB-Äquivalent kann eigtl. nicht ähnlich aussehen.....

heischu 22.02.2017 13:01

Zitat:

Zitat von Goldtop 57 (Beitrag 1895764)
18 und 28 mm KB-Äquivalent kann eigtl. nicht ähnlich aussehen.....

Jepp :top:

http://www.sigma-imaging-uk.com/focal-length-simulator

Itscha 22.02.2017 13:11

Das klingt mir eher so, als würdest Du das 12er noch nicht richtig verwenden. Zeig doch mal die Bilder, die deiner Meinung nach mit 12mm und 19mm ähnlich aussehen.

ha_ru 22.02.2017 13:29

Hallo,

ich hatte das 10-18 und wenn ich meine Bilder analysiere sind die meisten damit zwischen 12 und 14mm gemacht. Ich habe es vor allem in Innenstädten, und Kirchen etc. eingesetzt, fotografiere hauptsächlich auf Reisen. Da hat man oft nicht genug Fußzoom und ist froh über jedes bisschen an Bildwinkel. Bei 10mm fand ich schwieriger stürzende Linien zu kontrollieren und habe ich oft nur verwendet, wenn es schnell gehen musste um hinterher croppen zu können. Ich würde mich zwischen 10mm und 12mm fürs kompaktere, leichtere 12mm entscheiden. Der UWW Effekt ist oft auch nur Fischaugenverzerrung und nicht meins.

Ich vermute Du hast bis jetzt vorwiegend Bilder gemacht bei den Du nah an das Hauptmotiv ran bist und der Hintergrund freigestellt wird, wenn Du die Bilder denen vom 19mm ähnlich findest.

Hans

Yenoach 22.02.2017 14:17

Danke erst mal für die vielen Antworten!
So habe ich das nicht gemeint. Natürlich ist der Bildausschnitt zwischen 19 und 12mm unterschiedlich. Ich hatte mir den Unterschied im Bildeffekt nur stärker vorgestellt.
Vielleicht habt ihr aber auch Recht und ich benutze sie bisher nur falsch.
Bisher habe ich nur ziemlich unspannende Bilder in meiner Wohnung gemacht. Ich hoffe, dass am Wochenende das Wetter etwas besser wird (zurzeit regnet es hier in Strömen) und ich es mal draußen testen kann. Dann kann ich auch gerne mal eins hier rein posten.

der_knipser 22.02.2017 14:23

Zitat:

Zitat von Yenoach (Beitrag 1895704)
Mit dem 12mm habe ich eher das gegenteilige Problem. Wenn ich an ein Objekt nah ran gehe, ist das Bild voll. Dabei wollte ich das UWW eigentlich nutzen, um den Vordergrund in bzw. mit der Umgebung darzustellen...

Das liegt doch nicht am Objektiv, sondern an der von Dir gewählten Perspektive!
Angenommen, Du gehst auf 30 cm Abstand zu einem nahen Motiv, und es füllt das ganze Bild? Bei 60 cm Abstand ist es nur noch halb so hoch und halb so breit, und schon ist Platz für den Hintergrund.

Wenn das ein Grund ist, sich für 10mm anstatt 12mm zu entscheiden, muss einer von uns beiden etwas dazulernen. :D

Yenoach 22.02.2017 14:35

Dass ich dazu lernen muss, steht außer Frage. Schließlich habe ich überhaupt keine Erfahrung mit UWWn. ;)
Bisher kommt mir der Hintergrund eben noch sehr unkomprimiert vor und der Nah-Fern-Effekt ist sehr subtil. Ich melde mich nochmal, sobald ich erste Erfahrungen von draußen vorweisen kann.

der_knipser 22.02.2017 14:51

Zitat:

Zitat von Yenoach (Beitrag 1895788)
... der Nah-Fern-Effekt ist sehr subtil...

Das ist ein Effekt, den man auf verschiedene Weise erreichen kann. Bei längeren Brennweiten geschieht das durch die Schärfeebene, und bei Weitwinkelaufnahmen durch einen Größenvergleich. Die Größe des (sehr) nahen Motivs verändert sich schon durch wenige Zentimeter Unterschied im Aufnahmeabstand, die für den Hintergrund gar keine Rolle spielen. Ebenso bewirken wenige Zentimeter seitliche Verschiebung (oder in der Höhe) eine völlig andere Position des Vordergrundmotivs im Gesamtbild.
Es spielt auch eine Rolle, welche Motive man in Vorder- und Hintergrund kombiniert. Eine Blume nur mit Wiese im Hintergrund kann den Tiefeneindruck nicht so stark erzeugen wie eine Blume, die höher wirkt als der Baum im Hintergrund. Wichtig für den Effekt ist, dass die Blume den Baum auf dem Bild tatsächlich überragt. Das erreichst Du z.B. durch eine bodennahe Perspektive. Ist die Blume im Sucher niedriger als der Baum? Geh mit der Kamera tiefer! Ist die Blume kleiner als der Baum? Geh etwas näher ran! Alles nur eine Sache von wenigen Zentimetern.

Ob das Objektiv 10 oder 12 mm Brennweite hat, spielt dafür nur eine untergeordnete Rolle.

screwdriver 22.02.2017 14:57

Yl
Zitat:

Zitat von ha_ru (Beitrag 1895777)

... nah an das Hauptmotiv ran bist und der Hintergrund freigestellt wird, wenn Du die Bilder denen vom 19mm ähnlich findest.

Freistellen ist schon mit 19 mm schwierig.
Mit 12mm kaum möglich.

aidualk 22.02.2017 17:00

Zitat:

Zitat von screwdriver (Beitrag 1895793)
Mit 12mm kaum möglich.

;) 12mm, Bl. 2.8 - mit dem Samyang ist noch eine Blende mehr drin.


Bild in der Galerie

screwdriver 22.02.2017 17:22

Zitat:

Zitat von aidualk (Beitrag 1895839)
;) 12mm, Bl. 2.8 - mit dem Samyang ist noch eine Blende mehr drin.

Unscharf mit eher mehr als weniger deutlicher Erkennbarkeit des (schon ziemlich weit entfernten) Hintergrunds ist für mich kein Freistellen ;)
Sogar die Struktur der Wolken ist noch erkennbar.
Mit etwas tricksen liesse sich der Effekt evtl. noch etwas verstärken.
Geht dann aber nicht mit AF.
Ich traue dir aber auch zu, den "Trick" hier schon angewendet zu haben. :lol:

aidualk 22.02.2017 17:25

Das ist hier so eingestellt wie fotografiert. Ohne Nacharbeit. :top:
Man sieht ja schon an der Schulter der abgewandten Seite meines Modells (;)) die beginnende Unschärfe. Und mit 2.0 ist noch mehr drin (ich habe aber das Touit, nicht das Samyang, und da geht das auch problemlos mit AF).

ha_ru 22.02.2017 17:47

Hallo,

wenn Du mit WW oder gar UWW arbeitest gibt es nichts langweiligeres als möglichst viel abzubilden, was blöderweise damit aber ganz leicht gelingt.

3 Regeln helfen damit gute Fotos zu erzielen:

- wähle ein beherrschendes Motiv im Vordergrund
- geh nah ran
- versuche Linien zu integrieren die ins Bild führen

Das erzeugt Tiefe und Spannung.

Hier wird das gezeigt.

Wenn dann das dazu kommt was Gottlieb beschrieben hat, nämlich ungewöhnliche perspektiven oder Größenverhältnisse, dann kann es richtige Wow-Effekte geben. So ist die Maus auf einmal gefühlt als der Elefant...

Hans

Yenoach 22.02.2017 19:32

Das Video hatte ich vor einiger Zeit sogar schon mal gesehen. Finde das tatsächlich sehr aufschlussreich. Jedoch muss ich auch zugeben dass mir darin die drei Bilder, die mit 16mm (Vollformat) aufgenommen sind, am besten gefallen und am ehesten dem entsprechen, was ich mir vorgestellt hatte. Kann aber auch Zufall sein.
Ich habe auf jeden Fall schon mal mitgenommen, dass ich dem 12mm eine Chance geben sollte. :top:

ha_ru 22.02.2017 21:29

Hallo,

ich sag mal so:
10mm an APS-C/ 16mm KB ist für mich schon sehr speziell und nutzt sich in einer Serie schnell ab,
12-14mm an APS-C / 18mm-21mm KB geht schon öfters

Hans

MaTiHH 23.02.2017 10:22

Zitat:

Zitat von ha_ru (Beitrag 1895940)
Hallo,

ich sag mal so:
10mm an APS-C/ 16mm KB ist für mich schon sehr speziell und nutzt sich in einer Serie schnell ab,
12-14mm an APS-C / 18mm-21mm KB geht schon öfters

Hans

Ja, da kann ich nur zustimmen. 15mm KB ist oft schon sehr viel. Ich verwende gelegentlich 12mm an KB und das wird dann richtig schwierig.

Hier mal ein Beispiel für Bildgestaltung mit 15mm KB sehr speziell:

https://c1.staticflickr.com/6/5775/3...6eb0154159.jpg

Hamburg Harbor - Speicherstadt
by martin timmann, auf Flickr

Wie oben schon gesagt wurde: Vordergrundmotiv und vor allem Linien, Linien, Linien.

Yenoach 23.02.2017 11:08

Sehr schönes Bild! :top:
Wobei ich jetzt vermutet hätte, dass man dieses Bild auch gut mit 18-19mm KB hätte machen können, weil es keine diagonalen oder quer verlaufenden Linien gibt und die Fassaden rechts und links überall (also vorne und weiter hinten) gleich aussehen. Außerdem ist die Wasseroberfläche recht weit entfernt, so dass auch die Nähe zum Boden nicht zum Tragen kommt. Alle Linien laufen zum Fluchtpunkt in der Bildmitte hin. Das Schiff müsste dann nur noch etwas weiter entfernt sein. Oder liege ich da falsch?

Ich finde, dieses Beispiel aus der Marketingabteilung von Samyang zeigt gut, was ich meine:
https://lensvid.com/wp-content/uploa...MYANG-10mm.jpg
Die Planken der Bank verlaufen zu einem Fluchtpunkt weit links im Bild, während die Küste gerade nach hinten verläuft und sogar rechts noch ein Busch zu sehen ist. Dadurch entsteht so ein "aufgefächerter" Bildeindruck. Es läuft eben nicht alles zur Mitte hin sondern, vom Betrachter aus gesehen, eher auseinander. Bank und der Baum in der Mitte bilden gemeinsam den Vordergrund, sind relativ prominent aber es bleibt trotzdem noch genug Platz für den Rest.

Yenoach 23.02.2017 11:31

@MaTiHH
Habe mir gerade mal die anderen Bilder in deinem Flickr-Profil angeschaut und ich muss sagen: Ich bin echt beeindruckt und begeistert. :shock:
Vor allem ist mir aufgefallen, dass du relativ viele Bilder, mit 18mm aufgenommen hast und in der Tat wenige kürzere. "Rose and Steel" (17mm) ist eins davon, bei dem man den Weitwinkel "spürt".

MaTiHH 23.02.2017 12:32

Danke für das Kompliment. :oops: Ich stimme dir zu, das Bild oben hätte man ebenso gut mit 18mm machen können, halt eine Sekunde später. Vielleicht sieht es dann nicht ganz so dramatisch aus.

OK, das Beispiel von Damyang ist wirklich gut aufgebaut. Ein paar solcher Bilder habe ich in meiner Sammlung (mit mehreren divergierenden Linien). Für mich sind sie oft schwierig, weil sie zwar ein Hingucker sind, aber den Betrachter doch mehr irritieren wegen des ungewohnten Blickwinkels. Insofern erregen die Bilder die Aufmerksamkeit, laden aber nicht zum verweilen ein. Beides gelingt mir sehr selten. Aber das versuchen macht wirklich Spaß, ich bin ein großer Fan der weiten Winkel geworden und liebäugele auch immer mit der Anschaffung des Voigtländer 10mm. Wenn das Ding nur nicht so teuer wäre...

Yenoach 24.02.2017 20:44

So, ich hatte Glück und heute morgen hat es tatsächlich für ein Stündchen aufgehört zu regnen. Das Licht war nicht optimal, aber für ein paar Testfotos mit dem 12mm hat es gereicht.

Hier kam das Licht leider von links, weswegen das Gesicht der Statue im Dunklen liegt. Dennoch sieht man hier, dass die Burg im Hintergrund, egal wie ich mich bewegt habe, nicht ganz drauf zu kriegen war, ohne dass die Figur entweder davor war oder zu klein.
https://c1.staticflickr.com/3/2387/3...2098234a_z.jpg

Hier war ich dann aber doch überrascht, wie groß der Öffnungswinkel im Hochformat wirkt. Dieses Tor war durchaus imposant. Ich stand gerade mal 3m von der untersten Treppenstufe entfernt. Die Kamera habe ich knapp über den Kopf gehalten.
https://c1.staticflickr.com/3/2786/3...06f70ec0_z.jpg

Zu guter letzt (kein so spannendes Motiv und hässliches Licht, sorry):
Hier kommt der Bildwinkel deutlich an seine Grenzen. Eigentlich wollte ich die Burg (auf dem Hügel ganz links) zusammen mit der Bank drauf bekommen. Ich denke aber, das wäre auch mit 10mm nicht mehr möglich gewesen.
https://c1.staticflickr.com/4/3895/3...6bac296b_z.jpg

Zusammenfassend würde ich sagen: Einen klein-komprimierten Hintergrund für das Motiv hinzubekommen geht gut mit dem Objektiv. Divergierende Linien vom Betrachter aus sind aber extrem schwer bis unmöglich mit 12mm (18mm KB), zumindest in "rechtwinkligen" Umgebungen.

Falls es jemanden interessiert: Das ist alles in Aachen rund um die Burg Frankenberg. :)

MaTiHH 24.02.2017 21:59

Das erste gefällt mir sehr gut, dir ist es gelungen, tatsächlich ein Bokeh bei der Brennweite zu bekommen.

Wie nah man im Hochformat rangehen kann ist schon phänomenal. Wenn du bei mir im Stream das "Island of Teams Monument" mit 12mm anschaust - das ist de facto ca. 10m hoch und den Abstand kann man da gut einschätzen.

Die Bank ist der Klassiker und Licht hin oder her, mit dem WW kannst du gut umgehen.

Yenoach 24.02.2017 22:08

Zitat:

Zitat von MaTiHH (Beitrag 1896541)
Wie nah man im Hochformat rangehen kann ist schon phänomenal. Wenn du bei mir im Stream das "Island of Teams Monument" mit 12mm anschaust - das ist de facto ca. 10m hoch und den Abstand kann man da gut einschätzen.

In dem Fall aber "echte" 12mm KB oder? Das wäre natürlich nochmal ein Riesenunterschied.

Zitat:

Zitat von MaTiHH (Beitrag 1896541)
Die Bank ist der Klassiker und Licht hin oder her, mit dem WW kannst du gut umgehen.

Danke! Ich hatte versucht, das Samyang-Werbebild nachzuempfinden.

Nun bin ich aber immer noch nicht schlauer: Behalten oder gegen das 10mm tauschen und dabei eine Blendenstufe einbüßen? Die Frage ist, womit ich langfristig glücklicher werde. Wobei ich inzwischen auch glaube, dass das 12er wahrscheinlich universeller einsetzbar ist.

der_knipser 24.02.2017 22:48

Das Bild mit der Bank finde ich am besten, sehe aber noch Möglichkeiten zur Optimierung. Eine etwas niedrigere Position der Kamera hätte dafür gesorgt, dass der "langweilige" Weg mehr von der Bank verdeckt wird. Die Rückenlehne könnte als Eckläufer oben rechts dienen, und der Schnittpunkt von Lehne und Sitzfläche könnte am unteren Rand sitzen. Dann noch etwas näher ans Motiv, so dass die Vorderkante der Sitzfläche eine genaue Diagonale des Bildes erzeugt. Vermutlich hätte ich auch die Zweige unter der Bank versteckt, um eine ungestörtere Linienführung zu erzeugen. Das Bild könnte einen starken grafischen Charakter bekommen, der es interessant macht. Es gibt Perspektiven, an denen kann man eine ganze Zeit lang tüfteln, um möglichst viele Merkmale so zu gestalten, dass es nicht wie ein zufälliges Bild aussieht.

Das Bild mit der Statue braucht natürlich eine andere Tageszeit, wo das Licht besser passt. Die Statue könnte größer wirken, wenn sie das Gebäude überragen würde. Also ein paar Zentimeter tiefer mit der Kamera, die Burg bitte oben nicht beschneiden, und der Baumstamm links darf weg. Insgesamt könnten Statue, Burg und Rasen sich die Bildfläche zu je einem Drittel teilen, was wiederum ein grafisches Bild ergeben kann. Die beiden Maulwurfshügel wären dann dem Stempel zum Opfer gefallen.

Das Bild vom Tor wirkt auf mich unspektakulär. Du selbst bist natürlich beeindruckt, aus welch kurzem Abstand dieses Bild entstanden ist, aber das kommt in der Aufnahme nicht zu mir rüber. Auch die stürzenden Linien gefallen mir hier nicht, sie sind weder Fisch noch Fleisch. Du hast die Kamera schon über Kopf gehalten, um den Sturz zu mildern, aber das reicht mir nicht. Entweder hältst Du sie so hoch, dass die optische Achse waagerecht verläuft und die Linien senkrecht stehen (langes Einbein am ausgestreckten Arm hilft!), oder Du wählst eine Perspektive, in der diese Linien zur Bildgestaltung beitragen. Das wäre dann eine andere als die Frontalansicht. Alternativ könntest Du dieses Bild entzerren, und das störende Regenrohr dabei wegschneiden. Besser und interessanter wäre das Bild mit einem passenden Vordergrundmotiv.

Bei Weitwinkelaufnahmen verliert man leicht das genaue Ausrichten aus dem Auge, so dass das Bild ein wenig schief steht. Bei stürzenden Linien soll es immer so sein, dass eine Senkrechte, die mitten durch das Bild läuft, auch tatsächlich senkrecht steht. Das beste Hilfsmittel dafür ist sicher ein Stativ, aber ersatzweise kann man auch die Wasserwaage nehmen oder sich an den Gitterlinien auf dem Display orientieren. Beim Bearbeiten des Bildes sorgt man dann für das letzte Quentchen an Genauigkeit.

Ich weiß, dass man an solche Dinge vor Ort nicht denkt, und mir selbst passiert das auch immer wieder. Wenn man sich aber Gedanken macht, nimmt man die beim nächsten Mal mit, und pflegt sie in die Bildgestaltung ein. Je mehr man vor Ort bedenkt, um so leichter ist die Nacharbeit, und um so wirkungsvoller das Ergebnis.

Yenoach 24.02.2017 23:03

Danke erstmal für das ausführliche Feedback und die konkreten Tipps. Ich werde die Tage nochmal dort vorbei gehen und versuchen auf diese Dinge zu achten und mit verbesserten Bildern heim zu gehen.

Zitat:

Zitat von der_knipser (Beitrag 1896546)
Das Bild vom Tor wirkt auf mich unspektakulär. Du selbst bist natürlich beeindruckt, aus welch kurzem Abstand dieses Bild entstanden ist, aber das kommt in der Aufnahme nicht zu mir rüber. Auch die stürzenden Linien gefallen mir hier nicht, sie sind weder Fisch noch Fleisch. Du hast die Kamera schon über Kopf gehalten, um den Sturz zu mildern, aber das reicht mir nicht. Entweder hältst Du sie so hoch, dass die optische Achse waagerecht verläuft und die Linien senkrecht stehen (langes Einbein am ausgestreckten Arm hilft!), oder Du wählst eine Perspektive, in der diese Linien zur Bildgestaltung beitragen. Das wäre dann eine andere als die Frontalansicht. Alternativ könntest Du dieses Bild entzerren, und das störende Regenrohr dabei wegschneiden. Besser und interessanter wäre das Bild mit einem passenden Vordergrundmotiv.

Da stimme ich vollkommen zu. Mir ging es heute aber eher erstmal darum ein Gefühl für den Bildwinkel zu bekommen. Dieses Motiv ist tatsächlich relativ langweilig im WW - es gibt nur Hintergrund. Die stürzenden Linien habe ich absichtlich nicht korrigiert, weil dies das Bild automatisch beschneidet und damit den Bildwinkel verringert.

MaTiHH 24.02.2017 23:33

@Gottlieb: Das sind klasse Hinweise!!!

Ich würde dazu raten, erstmal mit dem 12er weiter zu machen. Ein 10er kann später immer noch dazu kommen, aber so spektakulär der Effekt auch ist, der Winkel macht bei mir weniger als 2% aller Aufnahmen aus, der Winkel des 12er schon deutlich mehr.

Yenoach 03.03.2017 11:56

Ich werde das 12mm F2.0 wohl behalten.
Nach langem hin und her war ich mir relativ sicher, dass ich eigentlich ein 10er haben möchte. Was mich jetzt aber doch zum 12mm bewogen hat ist in erster Linie die Größe des Objektivs. Das 10mm ist fast doppelt so lang und hat einen deutlich größeren Durchmesser. Es würde schlicht nicht mehr in meine Kameratasche passen, ohne dass ich dafür ein anderes (vermutlich das Tele) zu Hause lassen müsste. Auch das Gewicht von über 600 Gramm ist ja ziemlich stattlich.

Außerdem verlasse ich mich jetzt auf eure Erfahrung, dass man sich am 10mm-(bzw. 15mm)-Effekt schnell sattgesehen hat und dass man also vielleicht mal ein Bild macht aber nicht unbedingt mehrere hintereinander. Sprich: Ich würde die riesige Linse eher selten mitschleppen und noch seltener aufsetzen, dafür dann aber 1 Blendenstufe einbußen und 70 Euro drauf zahlen.

Vielen Dank für eure Tipps und Erfahrungen!

Eine Frage hätte ich allerdings noch: Mir ist aufgefallen, dass ich den Fokusring bis zum Anschlag drehen muss um auf unendlich zu fokussieren. Entfernte Objekte werden tatsächlich bis zu diesem Punkt hin noch schärfer, obwohl die Skalen-Markierung für Unendlich eigentlich schon deutlich vorher ist. Jetzt weiß ich nicht, ob noch mehr Schärfe drin wäre, wenn ich noch weiter drehen könnte. Es ist einfach mechanisch am Ende, also vermutlich nicht richtig kalibriert. Ist das wohl ein Ausnahmefall, den ich reklamieren sollte, oder kommt es bei manuellen Objektiven öfter vor, dass Unendlich wirklich ganz am Anschlag ist?

der_knipser 03.03.2017 12:42

Zitat:

Zitat von Yenoach (Beitrag 1898004)
...
Eine Frage hätte ich allerdings noch: ... die Skalen-Markierung für Unendlich...

Bei einem 12mm-Objektiv beträgt der gesamte Auszug von Unendlich bis zur Nahgrenze weniger als 1 mm. Das bedeutet, dass schon geringste Abweichungen im Auflagemaß eine enorme Abweichung der Entfernung zur Folge haben. Aus diesem Grund wird sicherheitshalber etwas Toleranz eingebaut.

Eigentlich wäre ich froh, wenn meine Objektive ebenfalls bei Unendlich am Anschlag wären, das erleichtert das Fokussieren bei schlechtem Licht. Fotografiere ein Bild mit strukturiertem Horizont, und beurteile es in der 100%-Ansicht. Mach das gleiche Bild mit unterschiedlichen Blenden, und vergleiche sie im Detail. Normalerweise ist die Bildmitte bei Offenblende etwas weich (nicht unbedingt unscharf), und gewinnt meist, wenn man bis zu zwei Blenden schließt. Danach wird die Mitte durch Beugung wieder unschärfer. Das würde ich bei Deinem Objektiv (ohne es zu kennen) ab Blende f/8 bis f/11 erwarten. Anders sieht es in den Ecken des Bildes aus, die gewinnen oft noch bis f/11 bis f/16, und verlieren erst ab f/22 deutlich an Schärfe.

Wenn Du diese Werte am einigermaßen nachvollziehen kannst, ohne dass Du den Eindruck hast, dass der Horizont bei Offenblende unscharf anstatt nur weich ist, dann ist das Objektiv alltagstauglich. Der Unterschied zwischen der Unendlich-Markierung und dem Anschlag liegt vermutlich bei ca. 1/100 mm Auszuglänge.

An einer anderen Kamera (mit anderen Toleranzen) kann das selbe Objektiv ganz anders reagieren.

der_knipser 03.03.2017 13:28

Mit dem Sigma 10-20 habe ich zwei Bilder bei 10 mm und 12 mm gemacht, in denen das Vordergrundmotiv nach Augenmaß gleich groß ist. Die Häuser auf der anderen Straßenseite gewinnen/verlieren auf jeder Seite etwa 3-4 Meter in der Breite. Natürlich können die entscheidend sein, ob ein Hintergrundmotiv ganz oder nur teilweise aufs Bild passt. Das ist aber mehr oder weniger dem Zufall und den örtlichen Gegebenheiten überlassen. An der gesamten Bildwirkung ändert sich nach meiner Meinung nichts Wesentliches.

http://abbund-cad-service.de/forum/10mm-12mm.jpg

Yenoach 03.03.2017 15:14

Den Unterschied hätte ich mir tatsächlich krasser vorgestellt. Danke für die Vergleichsbilder. Wahrscheinlich hattest du von Anfang an Recht und der Effekt beruht größtenteils auf der Perspektive. Das bestärkt mich auf jeden Fall umso mehr darin, mit dem 12mm eine gute Entscheidung getroffen zu haben.
Die Testbilder bezüglich Fokus/Schärfe werde ich heute Abend oder morgen mal machen. :top:

Viele Grüße
Florian

Yenoach 05.03.2017 15:19

Heute war ganz brauchbares Wetter und klare Luft, um den Fokus mal zu testen.
Komplett auf Anschlag gedreht. Die Bilder sind als Raw aufgenommen und direkt (unbearbeitet) exportiert.

Komplettes Bild

Hier ein 100%-Ausschnitt sehr nah an der Bildmitte. Die Stadionstrahler zeigen schön die Schärfeunterschiede.

F/2
F/4
F/5,6
F/8
F/11
F/16
F/22

Und ein Ausschnitt vom rechten Bildrand in der Mitte:

F/2
F/4
F/5,6
F/8
F/11
F/16
F/22

Interessant finde ich, dass die Kamera (eine A6000) trotz Zeitautomatik die Bilder unterschiedlich hell einstellt. Bei geschlossener Blende wurden die Bilder spürbar dunkler. Bis auf die Blende hatte ich nichts an den Einstellungen geändert. Alle Bilder wurden mit +0,3 Belichtungskorrektur und ISO100 auf einem Stativ aufgenommen. In den Ausschnitten sieht man das allerdings nicht so sehr.

Es sind außerdem an den Rändern deutliche CAs zu sehen, die mich persönlich aber nicht so sehr stören, insbesondere im Hinblick auf den Preis des Objektivs. Ränder und Bildmitte scheinen beide bei F/8 ihr Optimum zu erreichen.

Eure Meinungen?

aidualk 05.03.2017 15:40

Zitat:

Zitat von Yenoach (Beitrag 1898620)
Eure Meinungen?

Falsch fokussiert.

Du solltest beim Fokussieren nicht 'auf Anschlag' drehen, sondern mit der Sucherlupe auf höchster Vergrößerung und Offenblende manuell die beste Einstellung finden.
Blende 2 ist Matsch. Ich bin überzeugt, das Objektiv ist dabei über unendlich hinaus gedreht. Bei Bl. 4 sollte das Objektiv auch besser sein.
Auch brauchst du nicht über Bl. 11 testen, das bringt nichts, kostet nur Zeit und Kapazität. Dafür solltest du die Bl. 2.8 mit dazu nehmen, die ist viel interessanter.

Deine monierten Helligkeitsunterschiede sind in erster Linie unterschiedliche Farbtemperaturen (und auch bessere Kontraste beim Abblenden, weil das Bild dann an Schärfe gewinnt. Kleine Unterschiede sind bei großen Blenden aber immer drin, weil die Belichtungsmessung auch von der Objektivvignettierung beeinflusst wird). Du hast bestimmt WB auf 'auto' stehen? ;)

Ich bin überzeugt, das Samyang kann es besser als du hier zeigst. :top:

Yenoach 05.03.2017 15:45

Zitat:

Zitat von aidualk (Beitrag 1898623)
Falsch fokussiert.
Du solltest beim Fokussieren nicht 'auf Anschlag' drehen, sondern mit der Sucherlupe auf höchster Vergrößerung und Offenblende manuell die beste Einstellung finden.

Genau darum geht es doch!? Oder hattest du die vorherigen Posts nicht gelesen?

Wenn ich "näher ran" fokussiere, wird es nur noch verschwommener.

aidualk 05.03.2017 16:03

Was sagt denn die Lupe beim Fokussieren? Das ist doch das nicht schwer, im Sucher zu beobachten, wenn es langsam scharf wird oder eben nicht. Schau es doch einfach kritisch an, dann siehst du es doch.
Das Bild bei F/2 ist Matsch und unbrauchbar und der Fokus sitzt auch nicht vorne.

hlenz 05.03.2017 16:21

Dass die Bilder bei Offenblende heller werden, ist bei dem Objektiv bekannt.
Was die Ursache ist, weiß ich aber auch nicht.

Mein Exemplar kann ich über Unendlich hinaus fokussieren. Es ist aber auch denkbar, dass bei deinem der Anschlag zu früh kommt. Bei Samyang gab es da wohl früher oft grobe Toleranzen.
Werden denn näher fokussierte Objekte schärfer?

Meins ist bei Offenblende nicht besonders, aber bei f/2.8 schon gut.

Yenoach 05.03.2017 16:24

Genau so hatte ich es bislang gemacht. Aber jetzt habe ich es dann doch nochmal ausprobiert und muss sagen: Mea Culpa!

Bei bisherigen Versuchen hatte ich das Gefühl, dass ich tatsächlich bis zum Anschlag drehen kann und es wird stetig schärfer, bis es eben nicht mehr weiter geht, und zwar auch weit über die Markierung für Unendlich hinaus. Aber ich musste eben feststellen: Am Ende ist dann doch noch ein winziges Stückchen (beim Drehen kaum wahrnehmbar), wo das Objektiv dann doch noch über unendlich hinaus fokussiert.

Der Effekt davon ist aber gewaltig (s.u.).

Anders ausgedrückt: Es ist noch Toleranz hinter dem Unendlich-Fokus vorhanden.

Wieder 100%-Crops aus der Bildmitte bei F/2.0:
https://pictr.com/images/2017/03/05/...3633969105.png
...und auf Anschlag:
https://pictr.com/images/2017/03/05/...4b7a22030d.png

Am Ende war ich tatsächlich doch nur zu blöd zum richtigen Fokussieren. :roll: Sorry!

Viele Grüße
Florian

aidualk 05.03.2017 16:27

Zitat:

Zitat von Yenoach (Beitrag 1898637)
Am Ende war ich tatsächlich doch nur zu blöd zum richtigen Fokussieren. :roll: Sorry!

Passt schon - schön, dass dein Objektiv doch in Ordnung ist. So sieht es gut aus. :top:

Yenoach 05.03.2017 16:28

Zitat:

Zitat von hlenz (Beitrag 1898635)
Dass die Bilder bei Offenblende heller werden, ist bei dem Objektiv bekannt.

Das Objektiv ist ja "dumm", hat also keine Elektronik. Natürlich wird das Bild heller wenn die Blende aufgeht. Das ist ja der unter anderem der Sinn der Blende. ;)
Es ist ja die Aufgabe der Kamera, die Belichtungszeit dann korrekt einzustellen und eine richtige Belichtung zu erreichen. Ich hätte erwartet, dass sie das auch ohne die Blendeninformation vom Objektiv kann. Das Histogramm sagt jedoch etwas anderes. Dieses rutscht bei geschlossener Blende immer weiter nach links.


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