SonyUserforum

SonyUserforum (https://www.sonyuserforum.de/forum/index.php)
-   Fotostories und -reportagen (https://www.sonyuserforum.de/forum/forumdisplay.php?f=92)
-   -   Verborgene Gesichter der Welt (Mitmach-Thread) (https://www.sonyuserforum.de/forum/showthread.php?t=167370)

perser 25.01.2016 12:29

Verborgene Gesichter der Welt (Mitmach-Thread)
 
Zitat:

Zitat von Harry Hirsch (Beitrag 1783637)
Ja warum denn eigentlich nicht? Würde mich auch interessieren. Habe deine "Test-" Bilder gesehen…


Die obige Antwort bezieht auf einen möglichen Thread zu Fotos aus Nordkorea – ein fraglos wenig bekanntes Land, in dem ich im August 2015 eine Woche war. Ich hatte in letzter Zeit schon zwei-, dreimal Bilder von dort in Kommentare eingebunden und dabei dann die Frage verneint, ob es denn bereits einen Thread zu Nordkorea gebe.

Um ehrlich zu sein, will ich diesen auch jetzt nicht eröffnen, jedenfalls nicht explizit zu Nordkorea. Denn kaum ein Land polarisiert hier im Westen politisch wohl stärker. Und das ist hier eben ein Fotoforum. Dennoch finde ich, dass generell Länder, die abseits der gängigen Touristenrouten liegen, hier im Forum etwas sehr kurz wegkommen. In der Galerie findet sich nahezu gar nichts dazu.

Da ich im Urlaub viel reise, dabei auch Länder wie Iran, Sudan, Mali, Brasilien, Kongo, die Philippinen oder Afghanistan besucht habe, liegt einer meiner fotografischen Schwerpunkte seit langem auf Street-, People- und Reportage-Fotografie. Neben schönen Landschaften, Altstädten oder Sonnenuntergängen interessieren mich also vor allem auch die ganz normalen Menschen dort. Und ich erlebe stets, dass auch dort überall Leute leben, die lachen, glücklich und selbstbewusst sind und nicht permanent mit ihrem Alltag hadern. Oft sind sie auch überraschend wenig kontaktscheu. Vor allem Kinder sind natürlich dankbare Motive.

Eben hierfür möchte nun gern einen Mitmach-Thread eröffnen. Und ich würde mich freuen, wenn sich von den inzwischen 44 683 Usern (!) dieses Forums noch viele weitere finden, die dieses Anliegen teilen.

Das müssen weiß Gott nicht nur Fotos aus No-Go-Ländern sein. Auch in der Türkei, in Indien, den USA, Südostasien, Nordafrika oder Südamerika erlebt man oft nur zwei Querstraßen neben den touristischen Glitzermeilen eine ganz andere Welt. Und manchmal muss man auch erst tiefer in Dschungel, Wüste oder Hochgebirge eindringen, um auf interessante Menschen zu treffen – Indianer am Amazonas, namibische San, Beduinen in Jordanien oder dem Oman, Sherpa im Nepal…

Beginnen möchte ich jedoch hier noch einmal mit etwas „menschelnden“ Bildern aus Nordkorea, weil sich das aktuell eben anbietet. Zu den meisten Fotos schreibe ich auch ein paar kommentierende Bemerkungen, aber bewusst sachlich und zurückhaltend formuliert (etwa im Stile von Wikipedia). Für politische Schlagabtausche gibt es halt andere Foren…

Falls nicht überall Exif-Daten sichtbar werden: Alle Bilder entstanden mit der A6000 plus Tamron 18-200 Di III.

Gruß Harald



Kinder in einer Kita, die zu einer einer Agrar-Kooperative auf dem Land gehört. Sie haben sich zu einem sportlichen Wettbewerb aufgestellt. In den Kitas findet ab dem 5. Lebensjahr ein obligatorisches Vorschuljahr statt


Bild in der Galerie


Diese Gruppe von Schulkindern mit ihrer Lehrerin traf ich auf dem Vorplatz des Mausoleums für die beiden bereits verstorbenen Präsidenten aus der Kim-Dynastie. Die roten Pionierhalstücher sind Usus bei solchen Aktivitäten


Bild in der Galerie


Rund 2000 junge Leute, zumeist Studenten, versammelten sich auf dem zentralen Platz der Hauptstadt zu einer Massentanzveranstaltung zu Ehren des 70. Jahrestages der Partei der Arbeit Koreas, also der herrschenden Partei in Nordkorea. Frauen tragen dazu zumeist historische koreanische Trachten. Im Norden nennt man diese Chosŏnot, in Südkorea dagegen Hanbok


Bild in der Galerie


Die Metro (U-Bahn) der Hauptstadt Pjöngjang rollt seit 1973. Damals war sie die erste auf der koreanischen Halbinsel. Die Wagenzüge stammen aus (West)Berlin, wo sie seinerzeit ausrangiert worden waren. Das Streckennetz umfasst zwei Linien mit insgesamt 17 Stationen. Die Züge verkehren meist im 5-Minuten-Rhythmus.


Bild in der Galerie


Eine Gästeführerin in der Hafenstadt Namp’o. Im Hintergrund sieht man ein opulentes Staudamm- und Schleusensystem, das das Salzwasser des Südchinesischen Meeres vom Süßwasser des Flusses Taedong trennt, damit dieser für die Trinkwasserversorgung und Felderbewässerung nutzbar bleibt.


Bild in der Galerie


Fußballer des Hauptstadtklubs von Pjöngjang. An diesem Tag spielten sie im 1.-Mai-Stadion gegen die Mannschaft des zentralen Armeeklubs „25. April“ und verloren 0:1


Bild in der Galerie


Noch einmal junge Pioniere, diesmal mit Strohbesen bei einer etwas ritualisiert wirkenden Straßenputzaktion unweit eines Denkmals, das an den Sieg gegen die Japaner 1945 erinnert.


Bild in der Galerie


Schlange vor einem Straßenkiosk in Pjöngjang. Solche Läden gibt es ziemlich viele inzwischen. Sie sind privat geführt und ergänzen mit ihrem Angebot (z.B. Gemüse aus eigenem Anbau oder chinesische Waren, die im kleinen Grenzverkehr nach Nordkorea kommen) das Sortiment der staatlichen Versorgungsläden. Zugleich dienen sie – wie dereinst bei uns die Tante-Emma-Läden – als Tratsch- und Kommunikationstreffs für Frauen


Bild in der Galerie


Der Junge stand in einer unterirdischen Metrostation und wartete mit grübelndem Blick eine U-Bahn nach der anderen ab. Vermutlich wollte er seine Mama abholen, die einfach nicht kommen wollte


Bild in der Galerie


Diesen Tanzmäuschen begegnete ich völlig überraschend in einem Park nahe der Stadt Sariwon. Sie grüßten und winkten freundlich, während ihre Eltern auf einer freien Fläche mit mitgebrachten Tonbandgeräten und Lautsprechern eine Art private Disco veranstalteten.


Bild in der Galerie

Irmi 06.02.2016 03:37

Ganz schöne Bilder aus einem für uns so unbekanntem Land.
Vielen Dank dafür.
Leider bin ich kein Menschen Fotograf, ich trau mich immer nicht.

awdor 06.02.2016 08:06

Wohltuend, auch mal solche Bilder zu sehen, die man sonst nicht zu sehen bekommt.
Ähnlich erging es mir bei meinen beruflichen Aufenthalten in der damaligen UdSSR nebst Ukraine, Indien, China, Thailand, Südkorea (auch an der Grenze gewesen), Japan, USA, Argentinien, Südafrika, Ägypten .... Leider ist das alles schon mindestens 30 Jahre her, als ich noch mit der Minolta unterwegs war. Bilder kann ich also nicht liefern. Könnte aber jede Menge Bücher schreiben ...Lebenserfahrungen, die ich nie mehr missen möchte.

Grüsse
Horst

WildeFantasien 06.02.2016 19:49

Tolles Thema. :top:

Dann man ich doch gleich mal mit. Hoffentlich beteiligen sich noch viele andere.

Zitat:

Zitat von Irmi (Beitrag 1788885)
Leider bin ich kein Menschen Fotograf, ich trau mich immer nicht.

Einfach machen! Die meisten lächeln. Und wenn ein Stinkefinger zurückkommt, wird das auch fotografiert. ;)


Im Urlaub fotografiere ich alles, also auch andere Menschen in deren Alltag. Allerdings bin ich bisher immer nur mit relativ großen Reisegruppen unterwegs. Es ergeben sich dennoch genug Chancen für ein interessantes Bild.

Auch wenn es bei dieser Frau nichts mehr zu sehen gab, habe ich sie mal fotografiert.

Bild in der Galerie

Ein Schuhputzer. Sowas habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Leider hat er sehr schnell mitbekommen, dass er fotografiert wurde und begann zu lächeln.

Bild in der Galerie

Das einfache Leben der Menschen in fernen Ländern sorgt meist für ungewohnte Fotomotive. Das Leben findet noch viel stärker auf der Straße statt.

Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie

Da auch dort der Wohlstand anwächst, steigt die Anzahl motorisierter Fahrzeuge. Mir wurde gesagt, dass jeder der hier (Saigon) ein Moped fährt vor 20 Jahren noch mit dem Fahrrad unterwegs war.

Bild in der Galerie

Leider hat der starke Verkehr auch negativen Einfluss auf die Umwelt. Luftverschmutzung ist ein echtes Problem. Viele Leute laufen nur noch mit Mundschutz herum.

Bild in der Galerie

Ansonsten ist die Welt in vielen Ländern noch in Ordnung. Während der Mittagspause macht man ganz ungeniert ein Nickerchen in der Öffentlichkeit.

Bild in der Galerie

Und hier hat es sich nicht angehört, als würde jemand klagen.

Bild in der Galerie

BeHo 06.02.2016 20:49

Danke für die Bilder aus einem weitgehend unbekannten Land, die vor allem eines zeigen: Menschen sind Menschen, egal wo sie leben.

Ich fotografiere sehr selten Menschen und sollte dahingehend mal etwas offener werden. Da muss ich noch mehr auf die Gastgeber zugehen, die mir den Besuch ihres Landes ermöglichen.

Bisher war ich nur in Europa unterwegs, wobei es auch hier so einiges zu entdecken gibt.

Nachfolgend ein paar ältere Bilder aus den Tiefen des Forenkellers, deren Bildqualität nicht immer State of the Art ist.

Auf der Azoren-Insel Flores begegnete ich diesem eingespieltem Paar:


Bild in der Galerie

Acht Jahre zuvor wurden die Kühe durchs Dorf geführt:


Bild in der Galerie

Und anlässlich der Schutzheiligenfeste durfte es an Fleisch nicht mangeln:


Bild in der Galerie

Auch in Griechenland verlässt man sich noch auf Esel:


Bild in der Galerie

Dimitri aus Rhodos ist stolz auf seine Dorfwurst:


Bild in der Galerie

In Bulgarien gab es einenÖko-LKW:


Bild in der Galerie

Im Park trifft man sich zum Tratsch:


Bild in der Galerie

Und wenn italienische Männer vor Lipari eine hübsche Schweizerin anschauen, sieht das so aus:


Bild in der Galerie

Zuletzt dann doch noch etwas Exotischeres. Chinesischer Besuch in meinem hiesigen Stammlokal:


Bild in der Galerie

Mainecoon 07.02.2016 13:36

Hallo Stephan,

dein letztes Bild mit den ultraorthodoxen Juden schießt für mich den Vogel ab! Einfach toll und unglaublich detailreich! Zumal es für mich eine Reminiszenz an Da Vincis "Letztes Abendmahl" ist. Super!

Es zeigt sich hingerissen

Mainecoon

WildeFantasien 07.02.2016 19:09

Danke.

Ich musste auch an Da Vincis „Letztes Abendmahl“ denken, als ich dieses Bild entwickelt hatte. Beim Fotografieren hatte ich das gar nicht im Sinn. Aber so sieht es eben aus, wenn man Menschen fotografiert, während sie zu Gott sprechen.

Jerusalem hat eine unglaubliche Anziehungskraft und war wirklich faszinierend. Leider war der Aufenthalt dort sehr kurz. An der Klagemauer hatte ich nur 10 Minuten und keine Zeit vernünftige Motive zu suchen und habe stattdessen alles fotografiert was da war. Das Bild, welches ich eigentlich machen wollte, ist nicht ganz so gelungen wie gewünscht. Ich zeig es trotzdem mal:


Bild in der Galerie

Dat Ei 08.02.2016 11:49

Moin, moin,

mein Faible, auf meinen Asien-Reisen Menschen zu photographieren, begann 2006 in Kambodscha. Anfangs war ich noch eher schüchtern und oft als "Heckenschütze" unterwegs. Mittlerweile und insbesondere nach der Lektüre des Buches "Auf der Suche nach dem Motiv - ihre Visionen in Bildern" von David duChemin gehe ich vollkommen anders und viel offener an die Sache heran. Das hat in den Jahren zu vielen, vielen netten Gesprächen und bleibenden Erinnerungen geführt.

Den nachfolgenden Bildern, die alle 2006 bei besagter Kambodscha-Reise entstanden, sieht man / sehe ich noch ihre Schwächen an: sei es aufgrund des Heckenschützen-Charakters oder der noch mangelnden S/W-Bearbeitung. Aber gut, jeder fängt mal irgendwie an. Nach wie vor fasziniert es mich, auf meinen Reisen den Menschen zu begegnen und sie zu photographieren.




Dat Ei

perser 21.02.2016 18:17

Allen herzlichen Dank, die dieses Thema, nachdem es anfangs etwas schwer in die Gänge zu kommen schien, inzwischen angenommen haben.

@WildeFantasien, @BeHo, @Dat Ei: Durch die Bank alles super Bilder!! So hatte ich es mir erhofft.

So will ich denn auch etwas nachlegen. Denn Fotos von Menschen bilden auf meinen Reisen stets einen Schwerpunkt. Auch wenn ich weiß, dass es oft nicht unkompliziert ist, da eben nicht jeder abgelichtet werden will – oder aber Bares dafür verlangt. Kurioserweise hatte ich in einigen Ländern, wo man das am wenigstens vermutet (Afghanistan, Iran, Sudan), die wenigsten Probleme – zumindest bei Männern. Dazu kommt demnächst noch einiges. Heute vorerst etwas aus Brasilien.

@Irmi: Vielleicht versuchst Du es denn mal mit Kindern. Das ist meist ziemlich leicht, da diese in der Regel auch wirklich „mitspielen“. Bei Erwachsenen ist es immer hilfreich, zunächst freundlich, arglos und zurückhaltend-höflich auf die Leute zuzugehen, um erst einmal die Situation etwas zu entkrampfen. Sie müssen sich ernst genommen fühlen, dürfen sich nicht nur als "Objekt der Begierde" empfinden. Oft klappt es dann ganz gut.

Die ersten drei Bilder zeigen Kinder und Jugendliche aus dem Armenviertel Guadalupe in Rio de Janeiro. Sie treffen sich wochentäglich im „Instituto Bola pra Frente“, das sich hinter hohen Zäunen direkt im Ghetto befindet. Gegründet wurde dieses Zentrum für Kids zwischen 6 und 17 Jahren von den beiden brasilianischen Fußballweltmeistern Jorginho (Jorge José de Amorim Campos) und Bebeto (José Roberto Gama de Oliveira). Sie kümmern sich hier um derzeit 950 Kinder und Jugendliche, die teils vorher nie einen Schule besucht haben. Sie bieten ihnen kostenlos Sportmöglichkeiten sowie pädagogische Unterstützung an und wollen ihnen zugleich „Liebe, Geborgenheit, Warmherzigkeit und Selbstwertgefühl vermitteln“, so Jorginho, der einst auch bei Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern München spielte.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie

Diese Jungs leben in einer Favela von Rio de Janeiro und trainieren zweimal wöchentlich im Sand der Copacabana mit professionellen Fußballlehrern. Finanziert wird dies über ein Sozialprogramm – und jeder von ihnen hofft, selbst mal ein großer Fußballstar zu werden.


Bild in der Galerie

Diese zwei Fotos zeigen Polizistinnen in der brasilianischen Stadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais. Sie sind weitgehend unbewaffnet und sollen wohl allein durch ihre weibliche Präsenz deeskalierend wirken. Die Stadt ist bekannt für viel barocke Architektur sowie eine aufgelassene Goldmine, die besichtigt werden kann.



Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Gruß Harald

BeHo 21.02.2016 18:40

Sehr schönes Projekt von Jorginho.

Vielleicht hilft es ja auch, die Kluften nicht nur vereinzelt überspringen zu können, sondern sie auch insgesamt weniger tief und breit zu machen.

Danke für die Bilder. :D

Auch Franks Bilder aus einer uns fernen Welt sehe ich mir immer wieder gerne an. :D

Ich hoffe mal, dass ich meinen Vorsatz, öfters mal lächelnd auf Personen zuzugehen und dann evtl. zu fotografieren, auch umsetzen kann - auch wenn es wohl "nur" europäische Gesichter sein werden.

Dat Ei 22.02.2016 12:33

Moin, moin,

nach den Anfängen in Kambodscha 2006 folgte im Jahr 2007 eine Reise nach Vietnam. Leider fiel das Kernstück der Rundreise im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, oder genauer gesagt ins Hochwasser.




Der nächste, große Übungsparcour folgte dann 2010, als wir Java und Bali bereisten. Immer noch sind einige Ausreisser dabei, aber auch ein paar, die mir auch heute noch sehr am Herzen liegen.


 


Dat Ei

Anika 25.02.2016 19:41

Zitat:

Zitat von WildeFantasien (Beitrag 1789040)
Tolles Thema. :top:

Im Urlaub fotografiere ich alles, also auch andere Menschen in deren Alltag. Allerdings bin ich bisher immer nur mit relativ großen Reisegruppen unterwegs. Es ergeben sich dennoch genug Chancen für ein interessantes Bild.

Der Schuhputzer ist brillant. Respekt.

yoyo 26.02.2016 17:31

Laos 2014
 

Bild in der Galerie


Bild in der Galerie

perser 27.02.2016 16:47

@Dat Ei: Da ist ja ein Bild stärker als das andere! Merken die Menschen, dass Du sie fotografierst oder meist nicht? Bei einigen scheint es mir, dass es anders nicht gegangen wäre. So bei dem s/w-Bild mit den drei Männern in Indonesien. Das beeindruckt mich sehr!

Offenbar ist Asien inzwischen gut vertreten. Ich will mal schauen, dass ich es schaffe, heute noch etwas aus Afrika hinzuzufügen.

perser 27.02.2016 18:11

Hier also mal etwas aus Afrika, konkret Äthiopien und noch konkreter die Südregion um den Fluss Omo. Diese Ecke ist noch deutlich unbekannter und isolierter als Nordkorea. Dabei kommt man ohne Probleme hin – im Jeep über staubige Pisten. Übernachtet wird meist im Zelt.

Das Untere Omo-Tal ist so etwas wie ein lebendiges Museum der Menschheit. Denn von dort stammen wir genetisch gesehen alle her. Heute leben dort noch rund 200 000 Menschen, die sich auf ein, zwei Dutzend teils völlig unterschiedlich Völker verteilen. Fast alle haben eine eigene Sprache, eigene Riten und Gebräuche, unterschiedliche Körperbemalungen und Schmuck – und sie reagieren meiste auch unterschiedlich auf Fremde. Männer sind zudem fast immer bewaffnet, inzwischen leider auch schon mal mit einer Kalaschnikow.

Ich beginne mal mit einer Handvoll Fotos von Mädchen und Frauen aus einigen der verschiedenen Völker.

Als erstes Mädchen vom Volk der Arbore. Von ihnen gibt es nur noch 3.000 Menschen, verteilt auf vier Dörfer. Geld spielt in ihrem Leben wie bei den meisten Völkern am Omo noch keine wirkliche Rolle. Dennoch hat es sich bei einigen dieser Ethnien – so auch den Abore – eingebürgert, Geld zu verlangen, wenn sie fotografiert werden wollen. Pro Foto wollen sie dann ein 1 bis 2 Birr, dann sind 4 bis 8 Euro-Cent.
Anfangs stutzt man, erstens weil man das allenfalls aus Marrakesch kennt, zweitens weil man nicht weiß, was sie mit dem Geld wollen. Aber man gibt es gern, auch deshalb, weil es sich so gewissermaßen um einen Deal zum gegenseitigen Nutzen („Win-Win“) handelt. Man ist damit kein Bittsteller und muss auch nicht heimlich aus der Hüfte schießen…


Bild in der Galerie


Das sind Mädchen vom Volk der Beshada. Sie nehmen kein Geld. Ich traf sie auf einem quirligen Markt, auf dem sie sich mit den Hamar und Benna mischen.


Bild in der Galerie


Eine Benna-Frau. Auch sie traf ich auf solch einem Markt. Von den Benna gibt es noch rund 35 000 Angehörige. Sie leben halbnomadisch, weshalb sie von den anderen (sesshafteren) Völkern teils herabgewürdigt werden. Sie bauen sich Hütten aus Holzstangen und Grasmatten.


Bild in der Galerie


Etwas verhärmt und schüchtern, aber dennoch ohne Scheu lassen einen die Dassanech in ihre Dörfer. Sie leben direkt am Omo-Ufer. Auch sie wollen kein Geld, freuen sich einfach, wenn sie fotografiert werden.


Bild in der Galerie


Hier zwei Bilder von Guji-Frauen. Sie gehören zu einer Untergruppe der großen Volksgruppe der Oromo, von denen es noch über 25 Millionen gibt, neben Äthiopien auch in Kenia.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Hamar-Frauen sind – ebenso wie die Männer –sehr schön und rassig, sie erhielten sich aber sehr eigenwillige Traditionen. So lassen sich die Mädchen, wenn sie ins heiratsfähige Alter kommen, von jungen Männern mit Gerten die nackte Haut blutig schlagen. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig für unsereinen. Vorher tanzen sie sich hierzu gruppenweise in Trance.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Die sehr stolzen Kara sind wieder ein Volk, das sich nur gegen einen kleinen Obolus ablichten lässt. Allerdings haben sie auch mit den schönsten Schmuck aller Völker im Omo-Tal. Erwachsene Frauen stechen sich als Zierde zudem Holzstäbchen durch die Unterlippen


Bild in der Galerie


Am bekanntesten sind wohl die Mursi – nämlich wegen der Tellerlippen ihrer verheirateten Frauen. Man erzählt, damit hätten sie einst begonnen, um sich für Sklavenjäger unattraktiv zu machen. Heute steht solch ein (ziemlich schweres) Tontellerchen, für den die Unterlippe erst gelöchert und dann über Jahre langsam gedehnt wird, als Schönheitsideal. Dafür nehmen die Mursi-Frauen dann auch 5 Birr (20 Cent) fürs Foto. Und zwar jede – also 5 Frauen auf einem Foto gleich 1 Euro…


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Die Woylatta sind stärker städtisch geprägt. Hier vier Mädchen in der Stadt Sodo, der Gebietshauptstadt der Region, in der sie am stärksten vertreten sind. Zumeist sind sie übrigens protestantische Christen.


Bild in der Galerie

Dat Ei 27.02.2016 20:25

Moin Perser,

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1795924)
Da ist ja ein Bild stärker als das andere!

besten Dank!

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1795924)
Merken die Menschen, dass Du sie fotografierst oder meist nicht? Bei einigen scheint es mir, dass es anders nicht gegangen wäre.

Nur anfänglich habe ich mich als Heckenschütze betätigt. Seit ein paar Jahren gehe ich auf die Leute zu, halte mit ihnen einen Schwatz, frag sie, ob ich sie ablichten darf und erlebe so einige tolle Begegnungen. Da bleibt noch so viel mehr als das reine Bild in Erinnerung.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1795924)
So bei dem s/w-Bild mit den drei Männern in Indonesien. Das beeindruckt mich sehr!

Die Drei waren die Wucht in Tüten. Erst plauderten sie munter und angeregt miteinander. Als ich sie nach einer Aufnahme frug, gefroren sie zu drei Zinnsoldaten. Anfangs habe ich mich etwas geärgert, weil das, was mich zur Aufnahme bewog, schlicht nicht mehr gegeben war, aber im Nachgang erkannte ich die gewisse Komik des Bildes , wie sie staatssteif in die Kamera blicken.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1795924)
Ich will mal schauen, dass ich es schaffe, heute noch etwas aus Afrika hinzuzufügen.

Bis auf Nordafrika habe ich vom dem Kontinent noch nichts gesehen. Irgendwie war meine Sorge um die eigene Gesundheit doch zu groß.

Deine Bilder werde ich mir gerne anschauen und kommentieren, aber nicht mehr heute Abend. Jetzt ist mal Feierabend angesagt.


Dat Ei

Dat Ei 29.02.2016 12:42

Moin Perser,

erst einmal herzlichen Dank für den Einblick in eine mir fremde Welt und die Infos. Einige Bilder kommen sehr offen und natürlich rüber, bei anderen merkt man, dass die Abgelichteten just für's Photo posen. Was mir photographisch aufgefallen ist, sind zwei Dinge. Zum einen schließt Du bei einigen Bildern sehr weit die Blende. Eine offenere Blende und ein engerer Ausschnitt würden das Bild mehr auf die Person konzentrieren. Das Zweite ist, dass nur 2 von den 13 Bildern im Hochkantformat sind. Ist das Zufall oder ein grundsätzlicher Trend?

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1795949)
Dennoch hat es sich bei einigen dieser Ethnien – so auch den Abore – eingebürgert, Geld zu verlangen, wenn sie fotografiert werden wollen. Pro Foto wollen sie dann ein 1 bis 2 Birr, dann sind 4 bis 8 Euro-Cent.
Anfangs stutzt man, erstens weil man das allenfalls aus Marrakesch kennt, zweitens weil man nicht weiß, was sie mit dem Geld wollen. Aber man gibt es gern, auch deshalb, weil es sich so gewissermaßen um einen Deal zum gegenseitigen Nutzen („Win-Win“) handelt. Man ist damit kein Bittsteller und muss auch nicht heimlich aus der Hüfte schießen…

An diesem Punkt laufen unsere Meinungen auseinander. Sicherlich sind das keine Beträge, über die man aus europäischer Sicht lange nachdenken muss, aber man muss im Hinterkopf behalten, welchen Einfluß dieses Geld auf die Gesellschaft vor Ort hat. Das "Picture for money" ist nicht nur in Äthiopien oder Marrakesch anzutreffen, sondern überall in der 2. und 3. Welt. Die Geldbeträge sind für uns nichtig, aber für die Menschen vor Ort nicht. Dort zerstört das Geld soziale Gefüge. Im Jahr 2006 wurde ich in Kambodscha an jeder Ecke von Kindern angesprochen "One picture - one dollar". Wenn man die Kinder anspricht, warum sie nicht in der Schule seien, heißt es, die würde heute ausfallen, oder man hört sonstige Ausreden. Tags drauf trifft man die Kinder wieder und hört abermals die Ausreden. In einem Gespräch mit zwei Touristen-Polizisten erfuhren wir, dass sie einen Monatslohn von 50,- Dollar bekamen. Warum sollte ein Kind nun in die Schule gehen, wenn es mit Betteln und Gesicht hinhalten mehr als der eigene Vater verdient? Wie steht der rechtschaffende Vater vor den Kindern da? Gerade in Kambodscha, wo die Roten Khmer alle umgebracht haben, die irgendwie Intellekt hatten oder intellektuell wirkten (Brille tragen reichte schon), braucht es eine nachwachsende Generation, die sich bildet, damit das Land wieder auf die Füße kommt. Mit "One picture - one dollar" kommt nach den Roten Khmer die zweite Zerstörungswelle.

Des weiteren wirst Du - und das ist meine tiefste Überzeugung - deutlich andere Gesichtsausdrücke in Deinem Sucher zu sehen bekommen, wenn Du einen Kontakt zu den Leuten aufbaust, ein Gespräch suchst und sie dann photographierst. Daher auch nochmal an Dich mein Tipp: besorgt Dir oben genanntes Buch von David duChemin.


Dat Ei

perser 29.02.2016 14:07

Hallo, Dat Ei,

danke für Deine lange, gründliche Antwort und zunächst für den Buchtipp. Du machst mich denn neugierig.

Was, zweitens, die Anmerkung zu den Hochformaten betrifft, gibt es zwei Gründe dafür: einen stilistischen (ich mag in der Tat Querformate, selbst bei Porträts, ist halt eine persönliche Geschmackssache) und im Falle dieses Forum einen pragmatischen: Aufgrund der Höhen- und Breitenbeschränkung für Uploads muss ich Hochformate stärker herunter rechnen, sie werden damit kleiner.

Aber, drittens, zu Deinem Haupteinwand: Eigentlich teile ich ihn vorbehaltlos, gerade auch, wenn es um Kinder geht. Ich habe noch nie im Ausland Kindern auch nur einen Cent gegeben, würde es auch nie tun, in den allermeisten Fällen meist fragen sie auch nicht nach. Das gibt es ohnehin nur in sehr, sehr wenigen Ländern, nämlich jenen, in denen sich Pauschaltouristengruppen massieren. Ich überlege schon zweimal, wenn ich ihnen einen Kuli gebe, und auch das dann nur in recht klaren, verbindlichen Situationen, nicht pauschal auf der Straße.

Aber auch Erwachsene bekommen normalerweise kein Geld, jedenfalls nicht für Nichts. Nicht einmal Bettler. Und auch das wird (außer bei Bettlern) auch nicht nur nicht erwartet, gar verlangt, sondern zuweilen sogar als Beleidigung empfunden. Denn die Menschen in den meisten uns kaum bekannten Ländern haben weitaus mehr Stolz noch als wir.

Ein Beispiel: Als ich vor zwei Jahren mit meiner Frau und einem befreundeten Paar im Sudan war, wollten wir in einer Kleinstadt tief in der Sahara ins Zentrum des Ortes zu einer Drogerie laufen. Unsere Herberge lag außerhalb, so fragten wir einen Mann um die 30 in einem klapprigen Toyota nach dem Weg. Er erklärte es uns, fuhr weiter, kehrte zurück und forderte uns auf, bei ihm einzusteigen: Er würde uns hinfahren. Wir nahmen an, waren aber sicher, dass er auf ein Geschäft aus ist. Doch nichts dergleichen – er schaute uns ganz scheel an, dass wir seine Gastfreundschaft so missverstanden hatten, hätte uns stattdessen eher selbst noch Geld gegeben.

Doch all das, was Du in Bezug auf meine Äthiopien-Bilder schreibst, geht er für mein Dafürhalten völlig am Ziel vorbei. Die Menschen diese Völker leben in überraschend intakten gentilen Dorfgemeinschaften, in denen es wenig Privateigentum gibt, man sich selbst versorgt und das, was man hat, auch teilt. Das Geld floss denn in eine Art Dorfkasse, aus der man dann zusammen für das Dorf ein Auto oder ein Moped kauft, wenn man mal jemand zum Arzt in die nächste Kleinstadt bringen oder ausgebüchste Rinder suchen will. Nun gut, vielleicht auch mal ein Gewehr, um die Herden zu beschützen oder ein bissel damit zu protzen. Das macht man am Omo schon seit Menschengedenken so, ist Teil der Kultur...

Ich hatte stets den Eindruck, dass es gerade die jungen Leute, Mädchen wie Jungen, als einen Art Sport betreiben, ein paar Birr zu ergattern, so wie andere in dem Alter (in post-smartphonalen Zeiten) halt Briefmarken sammelten. Ich weiß, das Beispiel hinkt, aber es trifft die Sache: Sie sehen es als Hobby, als kleine erheiternde Herausforderung, eine den immer gleichen Alltag unterbrechende Abwechslung – nicht aber als Lebensunterhalt. Wahrscheinlich äußert sich hier, vor allem bei den Mädchen, auch eine gewisse Eitelkeit: Wer ist halt am attraktivsten für bleichgesichtige Gäste? Fragen konnte ich sie danach nicht, sie verstanden weder Englisch noch Amharisch (was unser Guide dann hätte übersetzen können).

Und im Übrigen: Warum sollten diese Menschen kein Recht auf das eigene Bild haben (wie bei uns so ganz selbstverständlich) und sich so zumindest einen gewissen Gegenwert für das Posieren geben lassen? Ich finde das absolut nachvollziehbar. Ohnehin müssen wir uns davor hüten, so zu tun, als müssten wir ihnen unter allen Umständen ihre prähistorische Lebensform erhalten – notfalls gegen ihren Willen. Wir leben auch nicht mehr in Hütten im Wald, tanzen im Bärenpelz singend ums Lagerfeuer und ernähren uns nur von dem, was im eigenen Vorgarten wächst. Heute muss doch in unseren so überlegenen Gesellschaften für jedes kleine Fingerkrummmachen gelöhnt werden.

Das ist für mich ein wenig vergleichbar mit unserem Gutmenschentum (ich weiß, dieses Un-Wort ist gefährlich), mit dem wir, nachdem wir unsere Wälder abgeholzt haben, unsere Luft, Böden und Gewässer für grenzenloses Industriewachstum verpestet haben, anderen vorzuschreiben versuchen, dass sie all das bitteschön zu unterlassen haben – am Ende gar bei Androhung von Strafe. Dabei bilden wir EU-Europäer gerade einmal 8 Prozent der Weltbevölkerung…

Beste Grüße in den Norden – mit der Bitte denn um weiteren vor allem natürlich fotografischen Austausch.

Dat Ei 01.03.2016 13:25

Moin Harald,

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Was, zweitens, die Anmerkung zu den Hochformaten betrifft, gibt es zwei Gründe dafür: einen stilistischen (ich mag in der Tat Querformate, selbst bei Porträts, ist halt eine persönliche Geschmackssache) und im Falle dieses Forum einen pragmatischen: Aufgrund der Höhen- und Breitenbeschränkung für Uploads muss ich Hochformate stärker herunter rechnen, sie werden damit kleiner.

den ersten Grund kann ich ja noch nachvollziehen, aber den zweiten nicht. Ich photographiere weder für das Forum, noch die Galerie, sondern aus eigenem, inneren Antrieb. Warum sollte ich also technische Beschränkungen eines einzelnen von vielen Präsentationswegen Einfluss auf meine Gestaltung nehmen lassen?

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Aber auch Erwachsene bekommen normalerweise kein Geld, jedenfalls nicht für Nichts. Nicht einmal Bettler. Und auch das wird (außer bei Bettlern) auch nicht nur nicht erwartet, gar verlangt, sondern zuweilen sogar als Beleidigung empfunden. Denn die Menschen in den meisten uns kaum bekannten Ländern haben weitaus mehr Stolz noch als wir.

Genau das ist der Ritt auf der Rasierklinge. Es ist für uns "Touris" oft sehr schwer zu entscheiden, ob wir einen professionellen Bettler, einen professionellen Schausteller oder wirklich einen Bedürftigen vor uns haben. Sich professionell in Pose zu werfen, mag ein Geschäftsmodell sein, dessen Erlös in manchen Ländern aber eher soziale Probleme forciert denn heilt, weil er unangemessen ist. Die andere Gefahr ist - ohne dass ich Dir diese Denke unterstellen möchte -, dass wir für Touris für unsere Bereitschaft, Geld zu geben, erwarten, dass der andere auch bereit sein muss, eine Gegenleistung zu erbringen, wie recht sie ihm auch immer sein mag, so wenig sie mit seinem Selbstverständnis sie auch im Einklang sein mag.

Doch all das, was Du in Bezug auf meine Äthiopien-Bilder schreibst, geht er für mein Dafürhalten völlig am Ziel vorbei. Die Menschen diese Völker leben in überraschend intakten gentilen Dorfgemeinschaften, in denen es wenig Privateigentum gibt, man sich selbst versorgt und das, was man hat, auch teilt. Das Geld floss denn in eine Art Dorfkasse, aus der man dann zusammen für das Dorf ein Auto oder ein Moped kauft, wenn man mal jemand zum Arzt in die nächste Kleinstadt bringen oder ausgebüchste Rinder suchen will. Nun gut, vielleicht auch mal ein Gewehr, um die Herden zu beschützen oder ein bissel damit zu protzen. Das macht man am Omo schon seit Menschengedenken so, ist Teil der Kultur...

Ich hatte stets den Eindruck, dass es gerade die jungen Leute, Mädchen wie Jungen, als einen Art Sport betreiben, ein paar Birr zu ergattern, so wie andere in dem Alter (in post-smartphonalen Zeiten) halt Briefmarken sammelten. Ich weiß, das Beispiel hinkt, aber es trifft die Sache: Sie sehen es als Hobby, als kleine erheiternde Herausforderung, eine den immer gleichen Alltag unterbrechende Abwechslung – nicht aber als Lebensunterhalt. Wahrscheinlich äußert sich hier, vor allem bei den Mädchen, auch eine gewisse Eitelkeit: Wer ist halt am attraktivsten für bleichgesichtige Gäste? Fragen konnte ich sie danach nicht, sie verstanden weder Englisch noch Amharisch (was unser Guide dann hätte übersetzen können).

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Und im Übrigen: Warum sollten diese Menschen kein Recht auf das eigene Bild haben (wie bei uns so ganz selbstverständlich) und sich so zumindest einen gewissen Gegenwert für das Posieren geben lassen? Ich finde das absolut nachvollziehbar.

Ich will niemandem das Recht am eigenen Bild absprechen. Ich mag nur nicht professionelle Modells photographieren, die mir für Geld ihre einstudierten Posen anbieten. Und umgekehrt möchte ich selber nicht nur als Schütze und Trophäenjäger wahrgenommen werden. Daher ist mir der Kontakt mit dem Menschen wichtig, der über das Photo hinaus geht. Zudem löst das die Stimmung und bringt andere Gesichtsausdrücke hervor, wenn die Portraitierten sich wohl fühlen und Vertrauen fassen.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Ohnehin müssen wir uns davor hüten, so zu tun, als müssten wir ihnen unter allen Umständen ihre prähistorische Lebensform erhalten – notfalls gegen ihren Willen. Wir leben auch nicht mehr in Hütten im Wald, tanzen im Bärenpelz singend ums Lagerfeuer und ernähren uns nur von dem, was im eigenen Vorgarten wächst. Heute muss doch in unseren so überlegenen Gesellschaften für jedes kleine Fingerkrummmachen gelöhnt werden.

Da bin ich bei Dir.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Das ist für mich ein wenig vergleichbar mit unserem Gutmenschentum (ich weiß, dieses Un-Wort ist gefährlich), mit dem wir, nachdem wir unsere Wälder abgeholzt haben, unsere Luft, Böden und Gewässer für grenzenloses Industriewachstum verpestet haben, anderen vorzuschreiben versuchen, dass sie all das bitteschön zu unterlassen haben – am Ende gar bei Androhung von Strafe. Dabei bilden wir EU-Europäer gerade einmal 8 Prozent der Weltbevölkerung…

Das ist für mich mit ein Grund, warum ich gerne nach Südostasien reise. Dort leben so viele Menschen ihr ganz eigenes Leben mit ihren ganz eigenen Vorstellungen, dass einem schnell bewußt wird, dass wir nicht der Mittelpunkt des Weltgeschehens sind, auch wenn uns das oft auf den verschiedensten Wegen vermittelt wird. In der Ferne relativiert sich unter den neuen und anderen Eindrücken schnell das eigene Leben und die eigene Wahrnehmung.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
Beste Grüße in den Norden...

Ich glaube, da hast Du Dich von meinem "Moin, moin" in die Irre leiten lassen. Sowohl meine Heimatstadt, als auch meine beiden, aktuellen Wohnorte liegen südlich von Leipzig. :lol:

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1796619)
...mit der Bitte denn um weiteren vor allem natürlich fotografischen Austausch.

Rein aus dem chronologischen Verlauf heraus hätte ich noch Portraits aus Indien anzubieten. Neues Material entsteht dann hoffentlich im November wieder.


Dat Ei

perser 01.03.2016 15:52

Danke, „Südländer“,

für Deine klugen Anmerkungen. Ich denke mal, wir schwimmen schon auf einer ziemlich vergleichbaren Wellenlänge. Lassen wir es erst einmal so stehen!

Und was Deine Gedanken zum Hochformat betrifft: Wahrscheinlich sollte ich da wirklich in mich gehen (obgleich ich natürlich nicht beim Fotografieren an das SUF denke, sondern erst später beim möglichen Bescheiden für die Galerie).

Lade denn bitte mal was zu Indien hoch. Das ist eins der spannendsten Länder der Welt. Leider war ich seit 1993 nicht mehr dort – damals noch mit einer popligen Analogkompakten, deren Ausbeute ich hier beim besten Willen nicht zeigen mag.

Stattdessen folgt hier etwas anderes aus Asien: Afghanistan. Ich flog dort mal mit der Bundeswehr hin, wohnte aber nicht in deren Camps, weil ich kein Soldat bin, sondern beispielsweise zwischen den hohen Lehmmauern der Einheimischen in Kundus. Die Bilder entstanden beim Bummel durch die Gassen, Märkte und Hinterhöfe der nordafghanischen Stadt – sowie in einer Dorfschule im Umland. Und natürlich wollte niemand Geld von mir dafür haben.


Zuerst einige Bilder, die im Basaralltag von Kundus entstanden. Ladenstraßen gibt es entlang aller großen innerstädtischen Alleen


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Stoffhändler in ihren Ständen


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Eine Mädchenschule im Dorf Katachel bei Kundus. Das Geld hierfür kommt zum Teil auch von einem rührigen Verein in Niedersachsen


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Straßenkinder sind nicht zwingend Waisen oder von daheim ausgebüchste Jungen. Teilweise sind es einfach die Kinder von Markthändlern. Manche müssen aber auch selbst arbeiten, etwa als Schuhputzer, um ihre Mütter (Kriegswitwen) und jüngeren Geschwister über Wasser zu halten


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Dieser ältere Mann gehört zu einer Karawane, die Waren nach Kundus auf den Markt brachte und nun wieder heimwärts in die Berge zog.


Bild in der Galerie

Harry Hirsch 03.03.2016 20:56

Ich habe den Thread jetzt endlich mal in Ruhe durchlesen und -sehen können. Ganz ganz starke Bilder! Ich bin ja schon etwas neidisch auf eure Reiseziele...

Da ich ja quasi Schuld an diesem Thread bin ;-), hier was von mir, aus wesentlich "banaleren" Reisezielen:

1. Montreal, Kanada:

Bild in der Galerie

2. Vancouver, Kanada:

Bild in der Galerie

3. Funchal auf Madeira:

Bild in der Galerie

perser 04.03.2016 09:31

Danke, Joachim! Alle drei Bilder finde ich sehr ausdrucksstark. Sie passen auch wirklich gut zusammen, gewissermaßen als Serie. Das unterstreichst Du auch noch, indem Du sie alle drei in s/w hältst. Zugleich verstärkt das noch eine gewisse Dramatik bzw. Trostlosigkeit.


Zitat:

Zitat von Harry Hirsch (Beitrag 1797902)
... hier was von mir, aus wesentlich "banaleren" Reisezielen...

Natürlich gibt es keine "banalen" Reiseziele, allenfalls banale Reisen oder banale Reisende. Und in Kanada war ich leider noch nie (auf Madeira eben sowenig), plane es zwar seit Jahren schon, aber immer drängt sich dann doch noch ein anderes Ziel dazwischen. Im Juni könnte es nun evtl. der GUS-Raum werden: Aserbeidschan, Kasachstan, Kirgisistan.

Der Thread war auch nie nur für besonders exotische bzw. No-go-Länder gedacht, sondern ganz generell für die Menschen und Gesichter hinter den Kulissen, Schlagzeilen, Glitzermeilen, Strandpromenaden, Touri-Schauplätzen - egal ob auf Mallorca, in Marokko oder Mali.

matti62 04.03.2016 10:15


Bild in der Galerie

Stephan, wenn das Bild im Bilderrahmen stehen würde, würde ich es für die Ausstellung nominieren...

Super Street Aufnahme!

fklesen 04.03.2016 12:34

Erster Versuch
 
Da mich das Thema interessiert und ich auch gerne in nahe und ferne Länder reise, überwinde ich meine Scheu, eigene Bilder zu veröffentlichen und mich in Foren zu beteiligen, obwohl ich schon lange "passiver" Nutzer dieses Forums bin.

Diese neugierigen Kinder habe ich nach einer Trekkingtour durch das Langtang-Tal in Kathmandu fotografiert. Noch analog mit Minolta!


Bild in der Galerie

Bei einem Spaziergang kamen wir an diesem Schuhputzer vorbei.


Bild in der Galerie

Bei einer Reise durch Tibet entstanden diese Fotos:


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie

Herzliche Grüße

Frank

perser 04.03.2016 14:18

Zitat:

Zitat von matti62 (Beitrag 1798008)
Stephan, wenn das Bild im Bilderrahmen stehen würde, würde ich es für die Ausstellung nominieren...
Super Street Aufnahme!

Schließe mich sofort an! Und am (noch fehlenden) Rahmen sollte es wohl auch nicht scheitern.


@WildeFantasien: Ich denke, das war sicher auch gar nicht so einfach, hier unbehelligt zu fotografieren. Hast Du vorher gefragt oder eben mal aus der Hüfte abgedrückt?


@fklesen: Danke, Frank, für die Fotos - und willkommen im Klub! (Zumal wir ja so viele noch nicht sind...) Sie sind sehr lebensprall, vermitteln genau diese unbefangene, authentische Atmosphäre, wie ich sie auch schon in Kathmandu und Pokhara erlebt habe. Das vierte Foto gefällt mir am Besten. Es bringt für meine Begriffe gut jene Mischung aus Anmut, unaufdringlichem Stolz und zurückgenommenen aber sehr wohl spürbarem Selbstbewusstsein zum Ausdruck, die ich bei den Asiat(inn)en

Leider hat ja das schlimme Erdbeben 2015 gerade das Langtang-Tal übel getroffen.

Ich muss mal sehen, dass ich Zeit finde, dann lade ich auch etwas zu Nepal hoch.

04.03.2016 21:08

Ich trau´ mich dann auch mal........obwohl ich nur bis Italien und Spanien gekommen bin
...


Bild in der Galerie
(auch in Italien aufgenommen)


Bild in der Galerie
(Verona/Giulia-Statue)


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie

yoyo 04.03.2016 21:45

Ich habe dieses Bild zwar schon gezeigt, möchte es aber auch den "Gesichtern" zufügen: Was hat diese sehr alte Dame wohl alles erlebt ...


Bild in der Galerie

PS: Auch ich würde das letzte Bild von Stephan ggf. für die Ausstellung vorschlagen :top:

05.03.2016 12:27

Zitat:

Zitat von yoyo (Beitrag 1798237)
Was hat diese sehr alte Dame wohl alles erlebt ...

...wir werden es nie erfahren, aber ihr Gesicht zeugt von einem langen und bewegten Leben.
Ein grandioses Foto :top:

perser 05.03.2016 23:46

Zitat:

Zitat von peter67 (Beitrag 1798231)
Ich trau´ mich dann auch mal........obwohl ich nur bis Italien und Spanien gekommen bin...

Danke, Peter, freue mich, dass es Dich hierher verschlagen hat. Deine Bilder haben so etwas liebenswert Nostalgisches (vielleicht liegt es auch am Schwarzweiß?), sie schwelgen geradezu in Romantik. Man bekommt sofort Riesenlust auf Urlaub am Mittelmeer!

Bitte mehr davon!

perser 06.03.2016 00:22

Zitat:

Zitat von yoyo (Beitrag 1798237)
Ich habe dieses Bild zwar schon gezeigt, möchte es aber auch den "Gesichtern" zufügen: Was hat diese sehr alte Dame wohl alles erlebt ...


Bild in der Galerie

@yoyo: Jede Falte in ihrer welken Haut steht wohl für ein Lebensjahr. Mir gefällt das Porträt sehr. Du triffst genau die weise Gelassenheit, mit der sie sich hier offenbar ihrem Alltag stellt.


Gestatte, dass ich hierzu auch noch ein paar Bilder beisteure. Die beiden ersten zeigen zwei Greisinnen vom Volk der Ifugao, einer kleinen Ethnie im Norden der philippinischen Hauptinselgruppe Luzon.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Und hier noch eine alte Frau in einem Dorf in der Nähe von Kathmandu (Nepal). Sie zaubert sich offenbar täglich ihre eigene blaue Stunde...


Bild in der Galerie

Dat Ei 11.03.2016 16:34

Moin, moin,

wie bereits angedroht folgen nun meine Gesichter Indiens.

   


So viele Bilder von Menschen habe ich zuvor in keinem Urlaub gemacht. Es dürften auch noch einige auf der Platte schlummern. Auch hier sind noch Bilder dabei, die aus der Situation heraus entstanden, aber das entstand nach oder während Gesprächen mit den Menschen. Und gerade daran hängen viele, viele Erinnerungen...


Dat Ei

perser 11.03.2016 18:31

@Dat Ei: Es gibt weiß Gott schlimmere Drohungen… :)

Ich habe sie mir alle inzwischen zweimal angeschaut und bin noch dabei, sie auf mich wirken zu lassen… Ein wirklich starkes Bilderbuch! Und ähnlich, wie ich es auch einst in Indien erlebt habe, spielen die Leute wirklich mit – was für ihr in sich ruhendes Selbstbewusstsein spricht. Asiaten eben!

Kannst Du etwas zur Kamera und zum Objektiv sagen? Und vermutlich hast Du keins in Schwarzweiß aufgenommen, sondern sie später nur so abgespeichert?

Also gern noch mehr davon!

Dat Ei 11.03.2016 18:58

Moin Harald,

vielen Dank für Dein Feedback.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800083)
Und ähnlich, wie ich es auch einst in Indien erlebt habe, spielen die Leute wirklich mit – was für ihr in sich ruhendes Selbstbewusstsein spricht. Asiaten eben!

Wir haben Menschen verschiedenster Nationen getroffen, Einheimische wie auch asiatische Touristen. Es ergeben sich immer wieder Situationen, die einfach unbezahlbar sind, um den doofen Werbespruch mal aufzugreifen. Seien es Menschen, die uns ansprechen, und die unbedingt mal helle, weiße Haut oder blondes Haar berühren wollen, oder die unbedingt ein Photo haben wollen, auf dem wir mit ihnen posieren, und das sie dann stolz daheim zeigen wollen, aber auch umgekehrt Menschen, die wir ansprechen, weil sie auf uns außergewöhnlich oder besonders wirken. Wenn man das mit der richtigen Lockerheit und Freundlichkeit macht, kommt weder der einen, noch der anderen Partei der Gedanke an Rassismus, Diskriminierung oder sonstiges in den Kopf. Das, was manchem politisch unkorrekt erscheinen mag, weil man den anderen aufgrund seiner Andersartigkeit beachtet, ist direkte, offene Kommunikation und wird stets mit dem nötigen Respekt vor der Andersartigkeit des anderen flankiert. In solchen Situationen gehört es selbstredend auch dazu, dass man mal einen Korb akzeptiert, den man bekommt. Man bedankt sich trotzdem lächelnd und wünscht einen guten Tag.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800083)
Kannst Du etwas zur Kamera und zum Objektiv sagen? Und vermutlich hast Du keins in Schwarzweiß aufgenommen, sondern sie später nur so abgespeichert?

Über Kameras und Objektive spreche ich hier eigentlich ungern, weil das oft die Gefahr birgt, unnötige Diskussion über die Technik, denn über die Bilder zu führen, insbesondere, weil ich ein Abtrünniger bin. In Indien war ich mit einer Canon 5D MkIII unterwegs. In der Phototasche befanden sich wie auf den meisten meiner Reisen ein f/2.8 16-35mm, ein f/4 24-105mm, ein f/2.8 70-200mm sowie ein f/1.2 85mm, das meist für die Portraits herhalten muss. Dazu habe ich dann noch einen 1,4x- und einen 2x-Konverter sowie einen Zwischenring im Gepäck. Damit bin ich für viele, photographische Situationen gerüstet. Der Blitz bleibt meist im Hotel, außer wenn absehbar ist, dass ich ihn über Tag benötige. Aber auch so ist die Tasche schon schwer genug, um in den Tropen ins Schwitzen zu kommen.

Die S/W-Konvertierung habe ich natürlich erst daheim gemacht. Dafür setze ich Nik Silver Efex ein.

Neue Bilder werden vielleicht Ende des Jahres entstehen. Da stecken wir noch in den Planungen mit unserer Agentur.


Dat Ei

Mainecoon 12.03.2016 14:32

Hallo Dat Ei,

beeindruckende Porträts...

Kannst du dich noch an das Gespräch mit der jungen Mutter erinnern? Ist es ohne weiteres möglich (ich war noch nie dort), als Fremder eine verheiratete Frau anzusprechen?

Zweite Frage: Warum hast du dem Kricket-Foto den Sepialook verpasst? Ich dachte sofort an die Kolonialzeit. War das auch deine Assoziation?

fragt

Mainecoon

perser 12.03.2016 14:56

Danke, Dat Ei, für Deine ausführlichen Antworten.

Zitat:

Zitat von Dat Ei (Beitrag 1800091)
Wir haben Menschen verschiedenster Nationen getroffen, Einheimische wie auch asiatische Touristen. Es ergeben sich immer wieder Situationen, die einfach unbezahlbar sind, um den doofen Werbespruch mal aufzugreifen. Seien es Menschen, die uns ansprechen, und die unbedingt mal helle, weiße Haut oder blondes Haar berühren wollen, oder die unbedingt ein Photo haben wollen, auf dem wir mit ihnen posieren, und das sie dann stolz daheim zeigen wollen

Die Erfahrungen, die Du in Indien mit Menschen gemacht hast, kann ich nur bestätigen. Gerade dort kriegt man selten einen Korb, eher wollen sich die Leute von sich aus mit einem fotografieren lassen, sprechen einen sogar darauf an. Das habe ich so ähnlich auch in Afghanistan erlebt und ebenso im Iran. Dazu kommen wahrscheinlich nachher noch Bilder von mir.


Zitat:

Zitat von Dat Ei (Beitrag 1800091)
In Indien war ich mit einer Canon 5D MkIII unterwegs. In der Phototasche befanden sich wie auf den meisten meiner Reisen ein f/2.8 16-35mm, ein f/4 24-105mm, ein f/2.8 70-200mm sowie ein f/1.2 85mm, das meist für die Portraits herhalten muss. ...

Die 5D III ist natürlich ein Spitzengerät. Wenn ich mal mit anderen Fotografen auf Wildlifetour bin, haben fast alle anderen diese Kamera. Vielleicht hätte ich sie auch, wäre ich nicht mal recht zufällig bei Minolta und dann eben bei Sony gelandet. Allerdings konnte ich mich bisher noch nicht recht zu Kleinbild durchringen, was vor allem am für Teleaufnahmen günstigen Cropfaktor liegt.

Was Du dann allerdings in der Fototasche trägst, nötigt mir Respekt ab: Vier Objektive! Vermutlich machst Du das professionell. Mir wäre es aber zu schwer, weshalb ich für Stadttouren inzwischen auch die A6000 viel benutze – und dann zwar auch drei oder vier Objektive dabei habe, aber nie auf einmal. Je nach Situation sind das mal das Zeiss 4/1670 oder Tamron 18-200 (als tägliches Immerdrauf), das 1,8/35 am Abend und das 2,8/20 für Situationen, wo man nicht groß auffallen will.

Dat Ei 12.03.2016 17:24

Moin, moin,

Zitat:

Zitat von Mainecoon (Beitrag 1800344)
beeindruckende Porträts...

vielen Dank!

Zitat:

Zitat von Mainecoon (Beitrag 1800344)
Kannst du dich noch an das Gespräch mit der jungen Mutter erinnern? Ist es ohne weiteres möglich (ich war noch nie dort), als Fremder eine verheiratete Frau anzusprechen?

ich kann mich recht gut an die Situation erinnern, in der das Photo entstand. Es enstand an unseren dritten Tag in Varanasi, nachdem wir zum zweiten Mal zum Sonnenaufgang die Gaths besucht hatten. Varanasi ist eine der heiligsten Städte Indiens, die sowohl für die Hindus, als auch die Buddhisten eine große Bedeutung hat. An dem Tag wurden wir von Ashok Anand durch Varanasi geführt. Wie wir während der Führung direkt und indirekt erfuhren, ist er einer der großen Persönlichkeiten in Varanasi und hat u.a. bereits Mandela und den Dalai Lama geführt. Als wir mit unserem Programm an den Gaths durch waren und im Gefolge von Ashok nur noch durch das Gassengewimmel zurück zum Auto wollten, ereignete sich die Situation. Ich sah, wie die Frau mit dem Kind auf dem Arm aus dem Zimmer trat und im Türrahmen verweilte. Ich stand ein paar Meter von ihr entfernt und deutete ihr an, dass ich sie gerne mit dem Kind photographieren wolle. Sie hob das Kind etwas höher und versuchte es so zu positionieren, dass er möglichst photogen in die Kamera schauen konnte, aber der Kurze ließ sich lieber durch das Treiben auf der Straße ablenken. Sie lächelte in die Kamera und nach ein paar Aufnahmen gingen sie und wir wieder unserer Dinge nach. Es war also in dem Fall nur eine ganz kurze, flüchtige Begegnung.
Da es früher Morgen war, und mein Anliegen sehr offensichtlich und nicht zweideutig, habe ich mir auch nicht mal ansatzweise einen Kopf darum gemacht, ob es Ärger geben könnte. Ihre Innehalten im Türrahmen, Hochhalten des Kindes und Lächeln war international verständlich genug, dass sie mit dem Photo einverstanden sei.

Zitat:

Zitat von Mainecoon (Beitrag 1800344)
Zweite Frage: Warum hast du dem Kricket-Foto den Sepialook verpasst? Ich dachte sofort an die Kolonialzeit. War das auch deine Assoziation?

In Indien liegen die verschiedenen Welten sehr, sehr nah beieinander. Auf der einen Seite die alte Kultur, Religion und Tradition, auf der anderen Seite die Moderne mit Wissenschaft, Technik und den üblichen Zivilisationkrankheiten. Hier auf dem Bild sieht man sogar drei Zeitebenen. Im Hintergrund ein Pavillion ("Chhatri") im ärchäologischen Park Mehrauli, einer Parkanlage in New Delhi, in der Gebäude aus den letzten knapp 1.000 Jahre stehen. Das Cricket-Spiel sowie die Schuluniformen assoziieren die Kolonialzeit. Die Jugendlichen selbst repräsentieren die Gegenwart. Übrigens daddeln die genauso den lieben, langen Tag auf den Smartphones rum, wie wir es auch hierzulande gewohnt sind. Mit dem Sepia-Look wollte ich eigentlich dem Betrachter den Anhaltspunkt wegnehmen, wann das Bild entstanden ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich solche Szenen auch schon vor Jahrzehnten abgespielt haben.


Dat Ei

Dat Ei 12.03.2016 17:35

Moin Harald,

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800360)
Das habe ich so ähnlich auch in Afghanistan erlebt und ebenso im Iran. Dazu kommen wahrscheinlich nachher noch Bilder von mir.

gerne! :top:

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800360)
Vielleicht hätte ich sie auch, wäre ich nicht mal recht zufällig bei Minolta und dann eben bei Sony gelandet.

Ich bin vor Jahrzehnten auch bei Minolta gelandet, wenn auch nicht zufällig, sondern familiär vorbelastet. Nach dem Abgang von Minolta und einem sehr mäßigen Start von Sony habe ich dann 2007 das Lager gewechselt.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800360)
Was Du dann allerdings in der Fototasche trägst, nötigt mir Respekt ab: Vier Objektive!

Die drei Allrounder würden sicherlich auch reichen. Das vierte und manchmal auch das fünfte Objektiv sind Spezialisten, die ich je nach Vorhaben auswähle. Auf Fernreisen ist es gerne das 85er.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800360)
Vermutlich machst Du das professionell.

Um Gottes Willen, ich will doch nicht verhungern! :oops: :lol:
Nein, zum Glück ist die Photographie nur ein Hobby. Ich kann und darf ihr nachgehen, aber ich muss ihr nachgehen, nicht erfolgreich sein und auch nicht Themen beackern, die mich nicht interessieren.

Zitat:

Zitat von perser (Beitrag 1800360)
Mir wäre es aber zu schwer,...

Klar, das ist anstregend, aber umso süßer ist der Preis. Wenn wir mit unseren Rundreisen, die meist so 2-3 Wochen dauern durch sind, sind wir reif für die Insel oder zumindest die Pritsche am Strand. Dann will ich aber auch vom Photographieren nichts mehr wissen.


Dat Ei

Mainecoon 12.03.2016 17:53

Hallo, Dat Ei,

vielen Dank für die Erklärungen!

Es dankt

Mainecoon

perser 12.03.2016 19:21

Der Iran ist ein Land, wo ich auf jeden Fall noch einmal hin möchte. Selten habe ich (jenseits aller offiziellen Politik und Religion) so umgängliche, selbstbewusste und offenherzige Menschen erlebt. Nahezu niemand hatte Probleme mit dem Fotografiertwerden. Immer wieder kamen stattdessen sogar Menschen auf uns zu, weil sie sich zusammen mit uns ablichten wollten – etwa mit ihrem eigenen Handy.

Einziger Nachteil für unsereinen: Nirgendwo bekommt er sein abendliches Schlummerbier. Zwar soll es ausreichend „schwarze Theken“ geben, meist im geschützten Privatbereich, aber die kennt man als Ausländer natürlich nicht.

Auch in diesem absolut schrägen Teehaus Azedegan in einem Kellergewölbe unter einem großen Basar in Isfahan gibt es nur Nullpromilliges. Doch der Laden ist einfach eine Wucht – rappelvoll mit antikem Tand und Plunder. Hier der Chef in seiner Koje neben der Küche.


Bild in der Galerie


Diese Frauen sprachen mich tuschelnd von hinten an, als ich unter einer Brücke in Isfahan Studentinnen fotografierte, die es sich im Schatten der Bögen bequem machten. „Ja, junge Mädchen fotografiert er, aber solche alten natürlich nicht…“, raunten sie mir glucksend zu. Und dann stellten sie sich blitzschnell in Pose…


Bild in der Galerie


Ein etwas eitler Konfektionshändler im Basar neben der Freitagsmoschee von Isfahan.


Bild in der Galerie


Die nächsten Bilder entstanden auch im Straßengeschehen von Isfahan. Ohne Tschador, schulterlangem Schal oder wenigstens einem Kopftuch sieht man praktisch keine Frau. Vor allem jüngere binden den Stoff dann aber so, dass man noch möglichst viel von Gesicht, Schmuck, Make-up und Frisur sehen oder zumindest erahnen kann.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Vor allem Schülerinnen und Studentinnen – hier Mädchen in Shiraz bzw. in einer Moschee in Yazd – sind sehr aufgeschlossen gegenüber europäischen Besuchern. Und sie sprechen auch alle gut Englisch.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Und Omis kämpfen sich derweil an die moderne Technik heran…


Bild in der Galerie


… während ältere Herren lieber dem plauschenden Müßiggang frönen.


Bild in der Galerie


Neugierig und ein wenig vorlaut sind Kinder und halbwüchsige Burschen wohl überall auf der Welt – hier Jungs in der Wüstenstadt Nain.


Bild in der Galerie


Bild in der Galerie


Zum Schluss noch ein Bild aus dem abendlichem Yazd, eine der schönsten Städte des Iran mit einer noch weitgehend intakten Altstadt


Bild in der Galerie

yoyo 12.03.2016 22:28

Nochmals: Gesichter aus Laos
 

Bild in der Galerie

Bild in der Galerie

Bild in der Galerie
 

Bild in der Galerie

Bild in der Galerie

Bild in der Galerie
 


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 00:54 Uhr.