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fermoll 14.04.2015 20:23

Gedanken zur Makrofotografie
 
Ausgehend vom Userstammtisch Köln am Freitag, an dem ich leider nicht teilnehmen kann, habe ich mich im Forum umgesehen und herausgefunden, dass das Thema relativ selten angepackt wird. Deshalb habe ich mich entschlossen, mein Wissen zu diesem Thema als Diskussionsgrundlage zu verwenden.
Viele Informationen hole ich mir im Makro-Forum, obwohl ich mit vielem nicht einverstanden bin, was dort geschrieben wird.
Als Buch empfehle ich Makrofotografie. Die große Fotoschule vonBjörn Langlotz aus dem Rheinwerk Verlag (ehem. Galileo). Ich verwende fast nur Bücher aus diesem Verlag.
Und nun zu meinen Überlegungen, die allerdings nur den Anfang darstellen. Bitte um rege Beteiligung.


Makrofotografie




  1. Definition

    Die Makrofotografie ist nach DIN 19040 von Abb. Maßstab 1:10 bis 10:1 definiert. Dabei muss festgehalten werden , dass der Maßstab jenseits 1:1 einen ziemlichen apparativen Aufwand erfordert.
  2. Zu fotografierende Objekte

    Die Wahl der Ausrüstung richtet sich sehr stark nach den zu fotografierenden Objekten. Das Ablichten einer Münzsammlung und das Fotografieren von Tieren in der Natur sind zwei extreme Beispiele.
    1. Tiere in der Natur

      Dabei wird es vor allem um Insekten gehen, die meist sehr beweglich sind und nicht auf einem Standort sitzen bleiben. Außerdem ist die Frage der Naheinstellgrenze wichtig, damit man möglichst außerhalb der Fluchtdistanz des Objektes der Begierde bleibt. Auch stellt sich die Frage Blitz ja oder nein. Wenn die Lichtverhältnisse kurze Belichtungszeiten ermöglichen, sollte man auf den Blitz verzichten. Von Reflektoren halte ich persönlich aus Erfahrung sehr wenig. Die Störung des Habitats ist m.E. Zu groß. Die andere Frage ist, ob man mit dieser Anordnung Bewegungsunschärfe vermeiden kann durch zu lange Belichtungzeit oder z.B. Windbewegung vermeiden kann. Auf ein Stativ würde ich normalerweise verzichten, höchstens ein Einbein verwenden.
    2. Pflanzen in der Natur

      Ich habe in einem Forum Beispiele erlebt, wie man es m.E. nicht machen sollte. Da baut der Fotograf sein Stativ auf, richtet einen Windschutz ein, stellt mehrere große Reflektoren auf, schneidet störende Pflanzen weg, sitzt auf seinen Stühlchen hinter der Kamera und wundert sich, dass er von Naturschützern nicht gerne gesehen wird.
      Die Natur sollte durch den Fotografen möglichst wenig beeinträchtigt werden.
    3. Pflanzen im Zimmer

      Hier sind die Bedingungen anders als in der Natur. Die Pflanze kann arrangiert werden, was die Umgebung und die Lichtverhältnisse anbelangt. Es besteht nicht die Gefahr, die Umwelt zu schädigen. Die Kamera kann auf einem Stativ platziert und beliebig positioniert werden.
    4. Tote Objekte

      Hier sind die Bedingungen noch einfacher. Es geht nur darum, dass Probleme auftreten, wenn die Objekte eine größere Tiefe haben. Man muss immer bedenken, dass ein Makroobjektiv eine mitunter sehr geringe Tiefenschärfe besitzt, z.B. bei 100 mm und Blende 8 nur ca. 4 mm. Das ist in Ordnung z. B. bei Münzen. Die Ablichtung eines Kristalls ist dann schon problematisch. Hier hilft dann wahrscheinlich nur stacken.
  3. Ausrüstung
    1. Kamera

      Das Sony System ohne Spiegel oder mit SLT ist für die Makrofotografie sehr gut geeignet. Eine DSLR mit dem schwingenden Spiegel sollte nur mit Spiegelvorauslösung für die Makrofotografie genutzt werden, um Bewegungsunschärfe durch den Spiegel auszuschalten.
    2. Objektive

      Geeignet sind alle Makroobjektive ab 50mm Brennweite. Beachten sollte man jedoch, dass zur Fotografie von Tieren wegen der Fluchtdistanz eine größere Naheinstellgrenze von Bedeutung ist. Ich benutze seit mehr als 20 Jahren ein Minolta 2,8 100 Makro . Dieses Objektiv wird auch heute von Sony noch hergestellt. Allerdings ist der AF ziemlich langsam.
      Empfehlen würde ich für die Fotografie von Tieren das Sigma AF 150mm 2.8 EX DG APO HSM OS, einmal wegen des Motors, aber auch wegen des OS. Nützlich ist die Stativschelle, die bei den meisten kürzeren Brennweiten fehlt. Das 180 er ist mir dann schon zu schwer und voluminös.
    3. Vorsatzlinsen
      Ich habe welche ausprobiert, hat mich jedoch nicht überzeugt.
    4. Umkehrringe
      hier gilt das gleiche wie bei Vorsatzlinsen.
    5. Balgengerät
      Ich besitze aus meiner Olympuszeit (Anfang der 70er Jahre) ein Balgengerät von Novoflex mit 105 er Kopf und zwei Balgengeräte von Olympus. Letztere sind deshalb interessant, weil man sie so umbauen kann, dass Objektive in Retrostellung verwendet werden können.
      Geplant ist noch ein Adapter, um Lupenobjektive am Balgen verwenden zu können. Die Verwendung des Balgens in der freien Natur ist etwas grenzwertig, da doch sehr voluminös. Gegenüber einem Makroobjektiv kaum verwendbar.
    6. Zwischenringe
      Ich verwende sie, um beim 100er einen größeren Abb. Maßstab zu erzielen. Dadurch wird der AF allerdings noch langsamer. Was die Bildqualität anbelangt, kann ich keine Aussage machen



      PS: Leider wird die Gliederung aus meinem Textprogramm nicht richtig wiedergegeben.

BadMan 14.04.2015 21:26

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696066)
    1. Tiere in der Natur

      Dabei wird es vor allem um Insekten gehen, die meist sehr beweglich sind [...] Wenn die Lichtverhältnisse kurze Belichtungszeiten ermöglichen, sollte man auf den Blitz verzichten. Von Reflektoren halte ich persönlich aus Erfahrung sehr wenig. [...]Auf ein Stativ würde ich normalerweise verzichten, höchstens ein Einbein verwenden.

Um eine konstruktive Diskussion anzuregen, mal meine Vorgehensweise.

Auf Blitz verzichte ich auch bisher grundsätzlich.
Allerdings habe ich bisher auch keine Erfahrung mit z.B. Ring- oder Zwillingsblitzen. Möglicherweise wäre dies eine Möglichkeit, kurze Belichtungszeiten zu ermöglichen, wenn dies z.B aufgrund von Wind erforderlich ist. Ich verzichte dann halt bisher auf ein Foto, da ich denke, dass dies trotzdem zu unschönen Reflexionen führt.
Reflektoren setze ich zum Aufhelllen von Schattenpartien selten, aber gelegentlich ein.

Stativ verwende ich aber grundsätzlich, und dies aus verschiedenen Gründen.
  1. Ich fotografiere mit dem Tamron 180/3.5. Das ist ohne Stativ fast nicht möglich.
  2. Ich fotografiere früh morgens gegen Sonnenaufgang. Dann schlafen Insekten noch, so dass sich diese nicht bewegen und auch das Thema Fluchtdistanz ist dann idR kein Thema. Außerdem hat man dann das beste Licht.
    Da dann Licht noch Mangelware ist, liegt die Belichtungszeit aber oft im Sekundenbereich, was auch mit kürzeren Brennweiten (ich auch das Tamron 90/2,8) ein Stativ erforderlich macht.
  3. Nachteil ist natürlich, dass man sehr früh aufstehen muss. Da muss ich doch den inneren Schweinehund überwinden und mache es daher auch nicht so oft.

fermoll 14.04.2015 22:25

Zum Thema Beweglichkeit:

Zitat:

Dann schlafen Insekten noch, so dass sich diese nicht bewegen und auch das Thema Fluchtdistanz ist dann idR kein Thema.
Ich weiss nicht, ob Insekten schlafen. Tagaktive bewegen sich in der Dunkelheit nicht. Das ist richtig. Im Frühjahr und Herbst sind sie aber auch in der Kältestarre. Dann kann man sie mit weniger Problemen auf die Platte bekommen. Das haben wir während des Studiums im Labor ausgenutzt.

Zum Thema Blitzen:
Ich gehe davon aus, dass das Blitzen den tagaktiven Tieren nicht schadet.
Ich benutze meine beiden Blitze 5600 u. 3600 HSD, an einer Schiene, die ich nachgebaut habe. Früher habe ich sie über Kabel mit der Kamera verbunden. An der A 77 benutze ich sie als Sklaven mit dem Kamerablitz, den ich mit einem Stück belichtetem (geschwärzten) Diafilm überklebt habe, entweder an der Schiene (werde ichspäter noch zeigen oder entfesselt. An den Blitzen befestige ich auch manchmal Diffusoren.

Die 180er Linsen sind in der Tat zu schwer für die Freihandfotografie.

fermoll 15.04.2015 10:16

Nachtrag zum Thema Blitzen

Von einem Ringblitz halte ich aus gestalterischen Gründen wenig. Früher habe ich entfesselt geblitzt, indem ich den Blitz in einer Hand (am Kabel mit der Kamera vebunden) gehalten habe, die Kamerai in der anderen Hand.
Für die A550 habe ich mit diese Anordnung gebastelt, über Kabel mit der Kamera verbunden:

Bei der A77 verwende ich Wireless-Modus, habe aber den Kamerablitz mit einem Stück belichtetem (geschwärzten) Diafilm abgedeckt, um den frontalen Blitz zuvermeiden oder zu mindern. (s. Ringblitz)

Die blauen Träger habe ich aus flexiblen Schläuchen hergestellt, wie man sie bei Drehbänken für das Öl verwendet.


Wenn ich Gegenstände auf einem Tisch fotografiere oder bei Aufnahmen in einem Raum, verwende ich Diffusoren. Damit kann man die Lichtwirkung weicher gestalten:

Joshi_H 15.04.2015 10:20

Hallo,

ich habe mich kürzlich mal mit dem Thema Focus-Stacking beschäftigt und dabei feststellen müssen, dass die "günstigen" Einstellschlitten aus dem China-Sortiment je nach Kameraposition nicht mehr günstig sondern billig sind, weil die doch sehr hin- und herrütteln und sich auch nicht so fein justieren lassen.

Jetzt bin ich durch Recherche gedanklich erst einmal beim Novoflex CASTEL-L gelandet. Gibt es noch andere Empfehlungen oder ist das DIE Kaufempfehlung?

Grüße,

J.

kiwi05 15.04.2015 10:51

Das ist DIE Kaufempfehlung. Da stimmt nicht nur der Preis sondern auch die Leistung.

Joshi_H 15.04.2015 10:56

Ja - dachte ich mir schon!

Anaxaboras 15.04.2015 10:58

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696066)
Die Makrofotografie ist nach DIN 19040 von Abb. Maßstab 1:10 bis 10:1 definiert. Dabei muss festgehalten werden, dass der Maßstab jenseits 1:1 einen ziemlichen apparativen Aufwand erfordert.

Mann, schnapp' dir eine Kamera, gehe frühmorgens auf die Pirsch und erlebe selbst, was mit deiner Ausrüstung geht und was nicht. Derartige theoretische Überlegungen führen ins Nichts, Erfahrungen und sinnliches Erleben zählen.

LG
Martin

Ravus 15.04.2015 11:22

Zitat:

Zitat von Anaxaboras (Beitrag 1696180)
Mann, schnapp' dir eine Kamera, gehe frühmorgens auf die Pirsch und erlebe selbst, was mit deiner Ausrüstung geht und was nicht. Derartige theoretische Überlegungen führen ins Nichts, Erfahrungen und sinnliches Erleben zählen.

LG
Martin

hmmm - wenn ich es richtig verstanden habe dann macht der TO das bereits - und nicht erst seit gestern. Dieser Thread dient nur dem Erfahrungsaustausch zum Thema Makro....

BadMan 15.04.2015 11:23

Zitat:

Zitat von Joshi_H (Beitrag 1696170)
Jetzt bin ich durch Recherche gedanklich erst einmal beim Novoflex CASTEL-L gelandet. Gibt es noch andere Empfehlungen oder ist das DIE Kaufempfehlung?

Ich habe den Castel-Q. Der scheint aber bis auf die Kamerabefestigung (Arca-Swiss anstatt MiniConnect) identisch zu sein und daher auch von mir eine klare Kaufempfehlung.

turboengine 15.04.2015 11:29

Zitat:

Zitat von Anaxaboras (Beitrag 1696180)
sinnliches Erleben zählen

Da gibt es sicher auch eine DIN-Norm oder ein Fachbuch. Vielleichst schreibst Du ja eins? :D Titelvorschlag: "Die Ästhesiologie und ihre Bedeutung für das Verständnis in der Natur-, Makro und Mikrofotografie".

Spass beiseite, ich erwische mich auch gerne dass ich mich lieber mit dem Sammeln von Equipment beschäftige und im Kämmerchen der Theorie auseinandersetzen anstatt rauszugehen und sich die Hosenbeine nass und schmutzig zu machen.

Eine Spiegellose mit einem manuellem Balgengerät und einem Makrokopf oder Makroobjektiv, dazu zwei kleine, manuell zu kontrollierende Blitze sind m. E. mehr als ausreichend für 90% aller gängigen Motive. Die Makrofotografie ist ein viel zu weites Feld um hie im Thread theoretisch behandelt werden zu können, oder?

deranonyme 15.04.2015 11:48

Zitat:

Zitat von turboengine (Beitrag 1696185)
Die Makrofotografie ist ein viel zu weites Feld um hie im Thread theoretisch behandelt werden zu können, oder?

Naja, die Erfahrung dieses Forums zeigt das üblicherweise wenigstens versucht wird komplexe Themen theoretisch zu behandeln, wenn auch oft wenig zielführend. Am Ende heißt es immer, das Forum ist halt schon immer technisch geprägt. Insofern gebe ich Martin recht, Fotos machen ist interessanter als darüber zu reden. :oops:

fermoll 15.04.2015 12:07

Nur zur Erläuterung:

Ich, Jahrgang 1944, fotografiere seit den 60er Jahren, zuerst mit einer Praktika, dann Olympus OM 2, 4, seit den 90er Jahren mit Minolta 8000i. Danach Minolta A1 u. 2. Um mein Makro zu nutzen, kam dann die A100, A550 u. jetzt die A77. Als Biologe stand natürlich die Tierfotografie von Anfang an im Mittelpunkt. Balgengeräte nutze ich von Anfang an. Auch am Novoflex Schnellschuss ist ein Balgen montiert. Deshalb ist er auch im Makrobereich nutzbar. Ich gehe mal davon aus, dass ich genügend Erfahrung in dem Metier habe, die ich hier wiedergeben möchte. Leider ist Anaxaboras Vorschlag für mich nur noch eingeschränkt machbar. Ich muss erst einen Rollator aussuchen und so einrichten, dass ich ihn zu diesem Zweck nutzen kann, z.B. ein Monopod befestigen und eine geeignete Fototasche finden.

PS: Ich würde liebend gern am Freitag am Stammtisch teilnehmen und meine Erfahrung aktiv einbringen. Das ist aus gesundheitlichen Gründen leider nicht möglich. Deshalb habe ich diesen Strang eröffnet.

fermoll 15.04.2015 13:26

@ Joshi_H

Ich habe einen China Einstellschlitten, der allerdings wenig Spiel hat und bin eigentlich zufrieden. Novoflex ist allemal besser, vor allem der Vorschlag von BadMan ist nachvollziehbar. Die Arca Swiss Anschlüsse sind die bessere Lösung. Ich werde in einem folgenden Beitrag an einem Beispiel die Grenzen des manuellen Stacking erläutern.

@ Anaxaboras

Zitat:

Mann, schnapp' dir eine Kamera, gehe frühmorgens auf die Pirsch und erlebe selbst, was mit deiner Ausrüstung geht und was nicht. Derartige theoretische Überlegungen führen ins Nichts, Erfahrungen und sinnliches Erleben zählen.
Der Vorschlag ist leider viel zu eng gefasst und führt m.E. ins Nirwana:
  1. Was kann ich mit meiner Ausrüstung anfangen.

    Das Wissen z.B. um die Tiefenschärfe und deren richtiger Einsatz sollte vorher geübt werden, wie es beim Kölner Stammtisch vorgesehen ist. Das an einem fliegenden Insekt auszuprobieren wird für viele nur zu Frust führen.
    Welche Ausrüstung nehme ich mit. Manchmal ist das 100er zu kurz. Dann wäre in meinem Falle der 280 er Schnellschuss sinnvoll. Gerade die Trockenübung mit dem Schnellschuss aber auch dem 100er halte ich für überaus sinnvoll. Erst dann wird eine Pirsch mit weniger Frust ablaufen.
  2. Wann gehe ich?

    Der Ansatz von BadMan in #2 ist da schon wesentlich zielführender. Wenn es sich um Insekten handelt, ist gerade der frühe Morgen während des Frühjahrs sinnvoll, weil die Objekte dann wegen der Kältestarre nicht so agil sind. Sie sind aber u.U. schwer zu finden, da sie nicht auf dem Präsentierteller übernachten, sondern Verstecke aufsuchen.
  3. Wohin gehe ich?

    Es ist in den meisten Fällen sinnvoll, sich zu informieren, was in dem geplanten Zielgebiet überhaupt zu finden ist und wann welche Tiere, z.B. Schmetterlinge fliegen. Nicht umsonst sind auf guten Seiten Hinweise zu finden, wo man die Tiere findet incl. der Futterpflanzen.
Zum anderen ist bei Ausflügen mit Kamera fast immer das Makroobjektiv dabei, ist momentan jedoch nicht so leicht. Ich habe schon massive Probleme ohne Stöcke durch meinen Garten zu gelangen. Tragen kann ich kaum etwas.

HikerandBiker 15.04.2015 15:03

Zitat:

Zitat von Anaxaboras (Beitrag 1696180)
Mann, schnapp' dir eine Kamera, gehe frühmorgens auf die Pirsch und erlebe selbst, was mit deiner Ausrüstung geht und was nicht. Derartige theoretische Überlegungen führen ins Nichts, Erfahrungen und sinnliches Erleben zählen.

LG
Martin

So eine Antwort hatte ich auf der Zunge als ich "DIN 19040" gelesen habe.
Mit so einem abgehobenen Satz fängt man doch keine Diskussion um ein so schönes und vielseitiges Thema an.

fermoll 15.04.2015 15:27

Tiefenschärfe und Stacking
 
@ HikerandBiker

Ich war eben anderer Meinung. Es gibt sicher einige Leute, die mit dieser Aussage etwas anfangen können. Du brauchst ja nicht zu lesen, wenn es dich stört. Sinnvolle Anregungen sind immer willkommen.

Zum Thema:
  1. Tiefenschärfe

    Dieser Punkt spielt bei der Makrofotografie eine entscheidende Rolle. Sie beträgt beim 100er Makro bei einem Objektabstand von 40 cm von der Linse bei Blende 8 gerade mal 4 mm, bei Blende 16 7,7 mm. Wobei zu überlegen ist, ab wann die Beugungsunschärfe schon zu groß ist. Ähnliches gilt auch bei einem 50 mm Objektiv, allerdings für den halben Abstand. Sehr hilfreich ist in diesem Fall die Kantenanhebung im manuellen Modus. Damit kann man überprüfen, welche Teile des Objekts scharf abgebildet sind.
    Wenn man das Objekt in seiner Gänze scharf abbilden möchte, muss man stacken. Das ist eine arbeits- und zeitaufwändige Sache und wird später erläutert.
    Wenn man gezielt den Schärfebereich setzen will, z.B. auf die Augen eines Insekts, sollte man manuell fokussieren, indem man vorsichtig den Abstand zum Objekt verändert. Wird ein Stativ eingesetzt, ist ein Makroschlitten in zwei Ebenen sinnvoll. Wenn es Novoflex sein sollte, dann CASTEL-CROSS Q, wegen der Arca Swiss Kompatiblität. Ich selbst benutze
    diesen. Bin damit recht zufrieden.
  2. Stacking

    Wenn man ein Objekt in seiner ganzen Tiefe abbilden will, kommt der Begriff Stacking ins Spiel. Es handelt sich um einen Stapel von Aufnahmen, mit dem Schärfebereich von der Spitze bis zum Ende des Objekts. Als Beispiel habe ich eine Blüte des Osterkaktus genommen. Es handelt sich um einen Versuch mit meinem Schlitten. Verwendet wurde das 100er Makro bei Blende 8 auf Stativ und Kreuzschlitten. Die Aufnahmerichtung war schräg von vorne. Ich habe 32 Aufnahmen gemacht, mit einem Abstand von ca. 1mm. Blitzlicht 2x im Winkel von ca. 45° von vorne mit Diffusoren. Versuche mit wenige Aufnahmen waren nicht brauchbar.
    1. Software
      Es gibt Combine ZP (freeware),
      Helicon Focus ,
      Zerene Stacker
      Ich habe meine ersten Versuche mit Combine ZP gemacht.
    2. Hardware
      1. Maneller Schlitten

        Bei der Verwendung gerät man ziemlich leicht an eine Grenze. Bilder mit einem Focusabstand von 1 mm sind schon ziemlich schwierig.
      2. Canon u. Nikon

        Dafür bietet Helicon die Remote Software an, mit denen man die Fokussierung der Kamera steuern kann.
      3. Stackshot

        Im Makro-Forum bin ich auf diesen Schlitten der Fa. Cognisys aufmerksam geworden. Damit sind sehr kleine Schritte von wenigen µm möglich. Es lohnt sich, in diesem Teil des Forums etwas zu stöbern. Ein solcher Schlitten ist bei Abb. Maßstäben jenseits von 1:1 sicher unverzichtbar. Manche Stacker benutzen aber auch Mikroskope.

        Wird fortgesetzt.

leonsecure 15.04.2015 15:42

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696230)
Combine ZP (freeware)

Open Source oder freie Software, nicht Freeware. Bei Free Software steht das free für Freiheit, bei Freeware für die Kostenlosigkeit. Umsonst ist es Combine ZP aber trotzdem.

fermoll 15.04.2015 17:05

Hier nun die Ergebnisse mit Combine ZP. Ich habe einfach mal alle Methoden durchlaufen lassen, ohne genau zu wissen, was dort geschieht.
Eine Teilaufnahme:



Stack 1 rectangle_New-Out99999-Do_Stack101



Stack 2 New-Out99994-Pyramid_Weighted_Average101




Stack 3 New-Out99995-_Pyramid_Maximum_Contrast101




Stack 4 New-Out99996-Do_Weighted_Average101



Stack 5 New-Out99997-Pyramid_Do_Stack101



Stack 6 New-Out99998-Do_Soft_Stack101



Stack 7 New-Out99999-Do_Stack101



Ich habe einfach mal alle Ergebnisse des Programms aufgeführt. Was zu den einzelnen Aufnahmen geführt hat, habe ich noch nicht herausgefunden. Da muss ich die Hilfe noch studieren. Leider habe ich es nicht geschafft die deutsche Hilfe zu installieren. Auffallend ist, dass der Stack 1 genauso gross ist wie die Einzelbilder, nämlich 10 mb. Er wird auch im selben Verzeichnis gespeichert. Die anderen Stacks sind nur ca. 1 mb groß und in einem extra Verzeichnis abgelegt.
Geplant ist noch, auch die beiden anderen Programme zum Vergleich heranzuziehen.

BadMan 15.04.2015 20:35

Stacking mache ich bisher recht selten, habe vor einiger Zeit aber mal einen Vergleich mit und ohne Stacking angestellt. Das ist ein ganz einfaches Beispiel aus nur 7 Aufnahmen. Man sieht aber, dass man durch Wahl einer großen Blendenöffnung neben der Vergrößerung des Schärfebereiches auch noch besser vom Hintergrund freistellen kann.

Verwendet habe ich Combine ZM, dem Vorgänger von Combine ZP.


Bild in der Galerie

HikerandBiker 15.04.2015 23:12

gibt es das Combine ZP auch für den MAC ?

Stuessi 15.04.2015 23:12

Schärfentiefe und Balgengerät
 
Hallo,

hier hatte ich einiges zur Schärfentiefe bei Makroaufnahmen zusammengestellt.

Hier findet man eine Zusammenstellung der möglichen Abbildungsmaßstäbe und Arbeitsabstände mit verschiedenen Objektiven an einem Novoflex Balgengerät.

Gruß,
Stuessi

der_knipser 15.04.2015 23:36

Das Programm CombineZP interessiert mich, aber ich bin offenbar zu dumm, es zu installieren. Während der Installation bekomme ich den Hinweis, dass das Setup eine .NET Framework verion 1.1.4322 benötigt. Das Fenster verlinkt auf eine entsprechende Seite von .NET, aber eine so alte Versionsnummer finde ich dort nicht. Ich habe auch keine Lust, meine derzeitige Version von .NET Framework so weit zu downgraden, dass andere Programme vermutlich nicht mehr ordnungsgemäß laufen. Ohne diese Daten lässt sich CombineZP nicht installieren. So ein Mist...

fermoll 16.04.2015 09:04

Zuerst einmal herzlichen Dank an Stüssi. Die Grafiken sind sehr hilfreich.
Mit den Balgengeräten und ihre Verwendung bei größeren Maßstäben werde ich mich wahrscheinlich in diesem Jahr beschäftigen. Das geht auch im Sitzen.
Auf der Pirsch ziehe ich allerdings ein Makro vor. Ich favorisiere das Sigma 150er. Das 180er ist mir zu schwer. Für mich stellt sich die Frage, wie der AF im Vergleich zum 100er Minolta abschneidet. Früher bin ich mit dem Novoflex mit 105er Kopf herumgezogen, dann auch mit dem Olympus + Ringblitz. Das war schon grenzwertig. Vor allem spielt dann das Gewicht bei Flugreisen eine Rolle. Auf der leider stornierten Südafrikareise im letzten September wäre das 100er sicher dabei gewesen.

@ HikerandBiker
Combine ZP gibt es wohl leider nur für WIN.
Auf der Seite gibt es jedoch auch den Sourcecode. Ich weiss nicht, ob man den an Mac anpassen kann. Dir bleibt dann nur Helicon oder Zerene.

@ Der Knipser

Ich habe in der Systemstuerung nachgeschaut. Bei mir sind die Net-Versionen 1.1, 3.5, 4 und 4.5.2 nebeneinander installiert. Die Programme suchen sich wohl die richtige Version aus genau wie bei Visual C++. Ich habe da noch keine Probleme gehabt.

Noch zu Tiefenschärfe

Ich habe im Netz viele Aufnahmen gesehen, wo dei geringe Tiefenschärfe als Kompostionsmittel eingesetzt wurde, z.B. hier im Forum im Zusammenhang mit der Verwendung von Altglas am e-Mount.
Beispiel
Für mich als Biologe steht allerdings die Dokumentation im Vordergrund.

Nachtrag für Gottlieb:
Net-Framework 1.1
Chip. Aufpassen, dass du dir keine unerwünschten Zusätze herunterlädst
Mikrosoft

leonsecure 16.04.2015 10:01

Zitat:

Zitat von HikerandBiker (Beitrag 1696379)
gibt es das Combine ZP auch für den MAC ?

Sieht nicht so aus. Man könnte den Entwickler mal anschreiben. Aber falls der keinen Mac rum stehen hat, wird der sicher keinen anschaffen um das für Mac zu kompilieren. Wenn Du versiert genug bist, kannst Du Dich natürlich selbst dran versuchen.

Hier sind alternativen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Focus_stacking#Software

fermoll 16.04.2015 10:09

Hallo leonsecure

Danke für den Wikipedia Link.
Zu Combine ZP ist zu erwähnen, dass die Bearbeitung trotz 4-Kern-Prozessor und 8 GB RAM ca 1/2 Stunde gedauert hat. Helicon Focus bietet nach meiner recherche wohl eine 64-bit Version an. Ich werde sie ausprobieren und berichten.

PS:
Ich habe noch eine interessante Seite zur Makrofotografie gefunden. Da kommt allerdings auch die DIN-Norm vor!!!!

HikerandBiker 16.04.2015 11:32

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696457)
.....
PS:
............ Da kommt allerdings auch die DIN-Norm vor!!!!

:-))) der war gut

Danke für den Link. Ich lese im Moment alles weil ich mich grade ernsthaft mit Macro auseinandersetze. Ich habe schon hier und da mit feiner Linse (Cannon 100mm und die beiden Sigma 105mm und 150mm) fotografiert aber immer nocht kein genaues Beuteradar.

fermoll 16.04.2015 11:36

Wenn ich mir ein neues Makro kaufen würde, dann müsste es eine Stativschelle haben. Das läuft dann auf das Sigma 150 mm hinaus.

Stuessi 16.04.2015 11:46

Stackshot
 
Zum Thema Stackshot hatte ich

hier und dort meine fischertechnik Lösungen gezeigt.

fermoll 16.04.2015 13:21

Hallo Stüssi

Die Spezialisten im Makroforum arbeiten mit Schrittweiten um 1 µ. Ich glaube nicht, dass sich das annähernd mit FT erreichen lässt.

PS: Ich habe deinen Beitrag zur Fischertechnik im Makro-Forum gelesen. Sehr beeindruckend. Vor allem die Idee für die Enkelkinder ist reizvoll. Wie waren die Erfahrungen mit der Programmierung? Kennst du scratch? Vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit, den Enkelkindern das Programmieren näher zubringen.

Stuessi 16.04.2015 19:35

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696526)
...Die Spezialisten im Makroforum arbeiten mit Schrittweiten um 1 µ. Ich glaube nicht, dass sich das annähernd mit FT erreichen lässt...

Hallo,

ich kann das auch mit meinem fischertechnik stackshot, wie ich gerade getestet habe!

Gruß,
Stuessi

fermoll 17.04.2015 08:11

Ich kann mich Tony_B nur anschließen. Toll gemacht.
Ich habe mir erlaubt, den ganzen Strang zu verlinken, denn dann wird die Entwicklung des Projekts deutlicher: Stackshot mit Fischer Technik.
Ein Interface für da Auslösen der Kamera dürfte m.E. dann auch noch möglich sein.

der_knipser 17.04.2015 16:28

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696430)
Nachtrag für Gottlieb:
Net-Framework 1.1
Chip. Aufpassen, dass du dir keine unerwünschten Zusätze herunterlädst
Mikrosoft

Danke für die Links, genau diese Quellen hatte ich schon anzapfen wollen, aber mein win7/64 lässt keine Installation zu.

Ich werd mir vielleicht irgendwann HeliconFocus holen, der Kaufpreis ist vermutlich günstiger als die Zeit, die ich mit Tricksen probiere. Oder ich probiers mit dem alten Vista32-Rechner.

fermoll 17.04.2015 16:43

Hallo Gottlieb

Das verstehe ich nun wirklich nicht. Bei mir läuft das Programm auf einem PC mit Vista 64 bit FW 1.1 bis 4.5.2 und auf einem Laptop FW 4.5.1 ohne Probleme.

der_knipser 17.04.2015 16:57

Bei mir leider nicht. :(

fermoll 17.04.2015 17:02

Hast du in der Systemsteuerung mal nachgeschaut, welche FW-Version installiert ist?

fermoll 18.04.2015 10:22

Hallo Gottlieb

Ich habe über dein Problem noch einmal nachgedacht und rumprobiert.
Ich habe Combine ZP auf drei Rechnern installiert , alle home premium, je 1 PC mit vista 64 u.7 64. Auf dem Vista sind mehrere Frameworks installiert, von 1.1 bis 5.5.2, auf dem PC mit W 7 Version 4, auf dem Laptop 5.1.
Auf allen Rechnern läuft es.
Könnte es vielleicht sein, dass auf deinem Rechner die Starter Version von Windows installiert ist? Hast du versucht, das Programm als Administrator zu installieren?

heischu 18.04.2015 10:42

Mal eine Frage zur Software...

Ich habe bislang nur ein wenig mit Stacking in Photoshop CC experimentiert.
Ich empfand die Ergebnisse als recht gut.
Oder ist Photoshop nicht wirklich zu empfehlen und die hier genannten Programme bieten deutlich bessere Ergebnisse?

fermoll 18.04.2015 13:38

Hallo Heiko

Ich habe keine Erfahrung mit PS. Aber schau dich mal im Makro-Forum um. Da sitzen die Spezialisten.
Combine ZP ist open source, Helicon und Zerene gibt es als Demo.

der_knipser 18.04.2015 16:46

Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1697080)
... Hast du versucht, das Programm als Administrator zu installieren?

Danke Ferdi,

dieser Tipp war zielführend für dotNET 1.1....
Danach ließ sich CombineZP problemlos installieren. :top:

Stuessi 18.04.2015 17:11

Achromate
 
Zitat:

Zitat von fermoll (Beitrag 1696066)
...[*]Vorsatzlinsen
Ich habe welche ausprobiert, hat mich jedoch nicht überzeugt...

Hallo,

mit Vorsatzlinsen an SEL50F18 und SEL55210 habe ich bisher nicht so gute Erfahrungen gemacht.
Meine Achromate funktionieren aber gut an den alten Minolta MC und MD Objektiven.

Das SEL1855 ist ohne Vorsatzlinse im Nahbereich schlecht, mit der Kombination I+II und Einstellung auf unendlich ist das Bild dann deutlich besser. Geht man näher ran, wird es wieder schlecht.
Gezeigt werden 100% Ausschnitte der Bildmitte und der Ecken bei der NEX-5N.


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Gruß,
Stuessi


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