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Bedrückender Artikel, Brief eines Vaters an seine Tochter
Ein Artikel der zum nachdenken anregen sollte. Ein Artikel, der in dem was er aussagt so Recht hat, das ich wütend werde während ich ihn lese. Ein Artikel der traurig macht und wütend zugleich, weil er leider das Problem auf den Punkt trifft.
Er ist lang der Artikel, aber absolut lesenwert und es geht um die Frage, warum müssen Fünftklässler Sonntags büffeln statt Freunde zu treffen? http://www.zeit.de/2011/22/DOS-G8/seite-1 Besser so? |
Als TO hat man schon die Aufgabe ein wenig mehr an Informaitonen zum eingestellten Link zu liefern als nur algemeine Worthülsen.
Edit: Das bezieht sich auch auf die Überschrift. |
Meine Kinder sind derzeit in der 5ten und 8ten Klasse eines Gymnasiums und erleben G8.
Klar gibts ordentlich was zu tun, aber beide finden genug Freizeit. Am gegenwärtigen Schulsystem liegt vieles im Argen und gerade bei der Umsetzung von G8. Aber Leute, die darüber klagen, alles sei viel zuviel und soweiso viel mehr als früher, gab es schon immer. Braucht ein Kind bis in die Puppen für die Hausaufgaben, würde ich sowieso weniger primär das Schulsystem kritisieren, als mir zu überlegen, ob das Kind vielleicht in der für es angemessenen Schulkategorie gelandet ist. Wenn man gut mitkommt weil der Stoff (und die Schule) den eigenen Fähigkeiten angemessen ist, sind die "Hausis" auch zügig erledigt. Viele grüße ingo |
Mein Neffe ist grad im zweiten Jahr auf dem Gymnasium und Klassenbester. Trotzdem er keine Probleme hat, hat er doch wie ich finde sehr sehr wenig Zeit. Zusätzlich zur Schule steht da noch zweimal pro Woche die Musikschule an, dann ist er in einem von der Schule veranstalteten Golflehrgang der über die nächsten zwei Jahre sicherlich noch andauert. Zusätzlich spielt er Nachmittags einmal die Woche in der Schulmannschaft auch noch Volleyball, jeden Tag eine halbe Stunde Schlagzeug üben, also so wirklich viel Zeit zum spielen wie ich das früher hatte, hat der jedenfalls nicht mehr. Ich war zum Beispiel auf einem sehr streng geführten, altsprachlichem Progymnasium der Kapuziner und wir hatten damals ganz sicher mehr Zeit als die Kids die ich kenne es heute haben.
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@hpike,
macht er das alles freiwillig? Er könnte ja auch sicher weniger machen, das Kind braucht ja einen Terminplaner. Weniger wäre mehr. |
Zitat:
Seit wann kann man die Schule für Außerschulisches verantwortlich machen? Ok, ist halt groß in Mode - wobei ich mich immer frage, was es bringt, Kindern heutige Mode beizubringen die ihnen als Nichtkindern eh nicht hilft ;) Übrigens: ich bin mitnichten der Meinung, daß in unserem Bildungssystem etwas in Ordnung ist ;) Unsere Kinder sind zwar schon (fast ganz) durch die Schule durch, aber an zu wenig genutzter (Un)Gelegenheit zu Faulheit und Freizeit sollten sie sich nicht ernsthaft beklagen :cool: |
Was für ein selbstgerechtes Geschwafel.
Alles tut ihm ja ach so leid, er ist ja so wütend und traurig und die ganze Situation ist ja so schlimm. Vielleicht sollte er mal weniger über diese Situation jammern, sondern sie ändern. Er ist für sein Kind verantwortlich. Die Schule? Ja sicher, die ist anstrengend und war es auch schon immer. Aus unterschiedlichsten Gründen. Eine Lehre war in den früheren Jahrzehnten nicht anstrengend? Nein, natürlich nicht. Früher war alles so schön bunt und die Kinder und Jugendlichen hüpften Tag ein Tag aus, frei und unbeschwert, durch die hohen Blumenwiesen. Aber die nahezu gesamte Verantwortung für sein persönliches Handeln auf "das System" abzuwälzen ist das traurige und das was wütend machen könnte. Es ist seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sein Kind den Raum bekommt, den es benötigt. Es ist seine ganz eigene Gier, ein "ordentliches" Gesellschaftsmitglied zu "züchten". Seine Angst, sein Kind könnte nicht bestehen in einer Welt, wie er sie sieht und vor welcher er Angst hat. Da macht es sich jemand sehr einfach. "Sorry, Du" reicht da einfach nicht. Er sollte nicht von Finnland oder Äthiopien quatschen, sondern es machen und nicht erst, wenn dies oder das erreicht sei, sondern jetzt. Das wäre überzeugend. Alles andere ist narzisstischer Blödsinn. Stellt sich hin und möchte Verständnis von seinem Kind, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist? Aber so ist das eben. Es sind immer die anderen. Das System, Die Griechen, Die Banker, die Globalisierung, die "Zwänge", die Schule usw. Aber zu Hause bei 23 Grad Zimmertemperatur in Nike-Turnschuhen Öko-Bananen essen und sich bei der Fahrt mit dem 4WD über die Welt aufregen und über Solar-Strom fabulieren. Gutmenschentümelei. |
Mein Abitur ist jetzt auch noch nicht sooo lange her, ich hab in der Schule 5 Sprachen gelernt und hatte bis zum Abitur 3 reguläre Fächer in einer Fremdsprache. Ich hab außerdem Geige gespielt und neben bei noch gejobbt. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich Sonntags gebüffelt habe und Zeit für S*** hatte ich meiner Erinnerung absolut genug.
In meiner nächsten Verwandschaft sind 5 Schulpflichtige Kinder, die alle aufs Gymnasium gehen und nebenbei noch Zeit für eine Menge andere Sachen haben. Sogar diejenigen unter ihnen, die jetzt Turboabi machen müssen. Das ist doch alles eine Frage der Organisation, der Eltern und der Kinder. Dagegen kann ich mich aber noch gut erinnern, dass ich während meines Studiums sehr wenig freie Wochenenden gehabt habe. Wäre ich früher nicht schon intensiv gefördert worden, hätte ich das wohl kaum unter einen Hut gekriegt. Ich hab selbst keine Kinder, mag sein, dass die Schule seit meinem Abitur noch etwas rasanter geworden ist, aber das Leben ist doch kein Ponyhof. Man kann nicht auf der einen Seite Golfen, Theater spielen, AGs machen und weiß Gott noch was für tolle Angebote nutzen, sich dann aber beschweren, dass man zu wenig Zeit hat. Wenn ein Grundschüler aus der Schule kommt, muss doch noch genug Zeit sein um Hausaufgaben zu machen und zu lernen - entweder mit den Eltern oder im Hort -, dann sind plötzlich auch die Wochenenden wieder frei. Oder Sind die Kids jetzt schon von 8-18.00 Uhr im Unterricht :shock: |
Meine Tochter hat gerade zur 5. KLasse gewechselt. Wenn ich um 19:00 nach Hause komme, ist sie meist gerade erst mit den Hausarbeiten fertig. Dann gibt es Abendrot und danach geht es ab ins Bett. Viel Freizeit ist da nicht.
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Und wann hat sie Schulschluss?
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14.00 oder 15.00 Uhr. Meist sind es 7h, manchmal auch 8h am Tag. Ist schon heftig. Und Hausaufgaben übers Wochenende von Freitag auf Montag. Sowas kenne ich gar nicht.
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Ob so durchorganisierte Freizeit sinnvoll ist, darüber kann man sicher streiten. Aber dann wenig Zeit zum Spielen (außerhalb der organisierten Freizeit) der Schule anzulasten, halte ich für etwas unverschämt. Da sollten sich die (oft genug überengagierten) Eltern doch fragen, ob sie das wollen oder ihr Kind. Grüße Steffen |
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Bei meinem Neffen ist es so, das er auch noch täglich mit dem Bus in die Stadt fahren muss und da der Bus alle 500m hält, braucht der für die 12km in die Stadt ne kleine Ewigkeit. Mittags die gleiche Strecke zurück, so das er keinen Nachmittag vor 14:15 zu Hause ist. Fallen dann noch irgendwelche zusätzlichen Veranstaltungen in der Schule statt, wirds auch regelmäßig 16Uhr. Dann noch Hausaufgaben, da bleibt nicht mehr sehr viel Zeit. |
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Stephan |
Als Lehrer und Vater von 4 Kindern (10,14, 24, 26) kenne ich beide Seiten nur zu gut!
Die Belastung in der Schule ist gestiegen - keine Frage. ABER speziell in Österreich durch eine sog. "Schülerentlastungsnovelle" (Zwei Stunden pro Woche weniger = Ersparnis bei den Lehrergehältern! :roll:). Die Hauptbelastung (im Vergleich zu früheren Jahren) kommt aber mMn durch die "Freizeit": was gab es vor 20-30 Jahren? Vielleicht ging man in einen(!) Sportverein oder in die Musikschule. Was ist jetzt? Jeder geht in den Sportverein, in die Musikschule usw. und vor allem gibt es Internet, SMS, Facebook, Computerspiele usw. Ich mache regelmäßig Umfragen bei meinen Schülern wie viel Zeit sie im Internet (zB. Facebook) verbringen. Nahezu alle haben mehr Zeit dafür als für die Schule. Und genau die sagen dann, sie hätten keine "Freizeit". Diese Problem ist kein eindimensionales und schon gar kein Problem der Schule allein. Von uns wird gefordert, dass die Kinder sofort nach der Matura (Abitur) perfekt ausgebildet sind. Und die (Arbeits)-Welt da draußen verzeiht immer weniger an schlechter Ausbildung. D.h. wir, die Lehrer, befinden uns in einer Zwickmühle: geben wir nach und verlangen weniger, geht es den Kindern jetzt besser, dafür haben sie im späteren Leben wesentlich schlechtere Karten - und umgekehrt. Wenn, dann wäre globales Umdenken notwendig! Die Werte, die im Moment hochgehalten werden, aber der Welt (und speziell Europa im Moment) solche Probleme bringen, müssen überdacht werden. Eine generelle Neuorientierung hin zu einer humaneren Gesellschaftsform abseits des Neoliberalismus ist mMn absolut notwendig. |
Ich empfinde den Brief als sehr polemisch und habe ihn jetzt auch nicht bis zum Ende gelesen.
Für mich würde etwas ganz anderes im Vordergrund stehen: Die Frage, ob wirklich alle die, die aufs Gymnasium gehen, auch wirklich dafür geeignet sind. "Kind, ohne Abi biste nix!"...da fängt es schon an. Dass für manche Kinder die Realschule besser wäre, sehen die Eltern nicht. Und schon tritt Überforderung ein, Stress, die Leistungsbereiche in den Gymnasien gehen dadurch auch nach unten, da ja alle Kinder mitkommen müssen... Das ist nicht einfach nur mit "früher war alles so toll und jetzt machen wir alles kaputt, weil wir zu sehr nach China gucken!" abgetan. Ich sehe das an meinen Klavierschülern. Die, die wirklich gymnasiumgeeignet sind, kommen mit G8 gut klar. Sie haben noch Zeit, jeden Tag zu üben, sie haben noch Zeit, sich mit Freunden zu treffen und Sport nachzugehen, weil sie nicht den ganzen Tag lernen müssen. Aber ich hatte auch schon Kinder, die bei mir am Klavier weinend zusammen gebrochen sind, weil sie dem Druck kaum standhalten konnten. Es gibt nunmal verschiedene Kinder. Manche fassen sehr schnell auf, manche langsamer, manche sind sehr kopfgerichtet, andere sehr praktisch veranlagt...und genau so müsste man meiner Meinung nach das Schulsystem weiter ausbauen, dann gibt es auch keine solchen Überforderungen und solche Briefe sind nicht nötig. UND: man müsste weg vom Klassendenken. "Wie...du gehst NUR auf die Real???"...das ist einfach der falsche Weg, sowohl bei Eltern als auch bei Arbeitgebern. Früher gab es Berufe, die sogar die mittlere Reife bevorzugt haben, heute soll nur noch alles mit Abi gehen? Wenn man da anfängt, mal zu schauen, was geändert werden könnte, macht man die Büchse der Pandora auf, hab ich so das Gefühl. G8 ist sicher kein falscher Weg für die Kinder, die das packen - und das sind viele. Ich unterrichte viele Schüler, die auf dem Gymnasium sind und die meisten sind glückliche Kinder. Zwar ausgelastet, aber durchaus glücklich. Auch früher gab es schon solche Jahrgänge, die eine verkürzte Oberstufe hatten, mein Vater war in so einem. Auch er war schon in der 12. Klasse fertig und es hat ihm keineswegs geschadet. Ein schwieriges Thema insgesamt, das sicher viel Bearbeitung bräuchte, um da richtig durchzublicken. |
Hmm ... Also ich habe vor mittlerweile 13 Jahren das sächsische Abitur gemacht. Wir Sachsen hatten schon immer ein Abitur nach der 12. Klasse, und dabei schneiden wir in Vergleichen wie Pisa auf den vorderen Plätzen ab.
Ich könnte mich nicht beschweren, dass ich zu wenig Freizeit gehabt hätte. |
Hallo,
als Vater von zwei G8-Kindern melde ich mich mal hier auch zu Wort, den Artikel habe ich schon vor langer Zeit gelesen. Das Problem ist nicht, ob man das Abi in 8 ioder 9 Jahren macht, das Problem ist, dass die Politik nicht genug Geld rausrückt, um die Schule sinnvoll zu organisieren. Da wird die Kapazität der Schulhäuser so geplant, dass man von Montags 7:30 bis Freitags 17:00 die Schulstunden verteilen muss, um den Unterricht unterzubekommen, ganz schlimm im Sport. Da werden Schülerströme so geleitet, dass bei uns in den Klassen 5 die Klassenstärke immer 30 oder mehr Schüler beträgt, nach oben nur wenig auf vielleicht 27-28 absinkt. Da gibt es in BaWü faktisch ein Ganztagesgymnasium, die Mensa wird bei 1.300 Schülern aber nur für 200 Essen ausgelegt, gekocht wird von den Eltern. Da wurde zu wenig Zeit in die Planung des Stoffes gesteckt mit dem Argument, das der Selbstverantwortung der Schulen zu überlassen. Nur haben weder die Stunden noch das KnowHow es zu organisieren. So kommt, dass meine Söhne bestimmte Zeitformen in Englisch durchnahmen, bevor sie in Deutsch behandelt werden. Mein jüngerer Sohn hatte in der Klasse 6 auf einmal englische Satzstellungen im Deutschaufsatz. Nun ja dafür hat er ja in Klass 3 mit Englsciuh angefangen. So kommt dass in Phyisk manche Themen zweimal angefangen werdenn müssen, weil zum Rechnen die mathematischen Grundlagen erst später kommen. So kommt, dass man um den Zeitdruck zu nehmen neue eingeführte Stunden wie Lerntechniken etc. wieder streicht, aber nicht den Stoff entrümpelt. Weil der Stoff des späteren landeseinheitlichen Abiturs muss ja am Ende durchgenommen sein Da werden neue Fächer im Bereich Informatik eingeführt, aber keine Lehrer adäquat ausgebildet. Durch die zurückgehenden Schülerzahlen kommt eh zu wenig Auffrischung durch Junglehrer an die Schulen. Da werden zum Teil 9-10 Schulstunden an einen Tag gepackt, dass aber nach spätestens 6 Stunden an dem Tag nichts zusätzlich aufgenommen werden kann ohne anderes zu verdrängen interessiert die Pädagogen keine Spur. Die Fächer so anordnen, dass man Wissenfächer und Fächer wie Sport oder Musik an den richtigen Zeitpunkt am, Tag positioniert geht nicht, zu weing Räume, zu wenig Lehrer. Manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Politiker gar nicht daran interessiert sind die Schule sinnvoll und stetig wieterzuentwicklen, sondern daran mit einen vorgegeben Budget auszukommen und im Ranking der Bundesländer nicht ganz hinten zu stehen. Ob G8 oder G9 ist da eigentlich nebensächlich. Hans |
Moin,
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Ich persönlich glaube das die Verkürzung der Gesamtschulzeit um 15% von einigen Schülern nicht mehr verkraftet wird. Die Anforderungen sind sehr hoch.
So blöd das klingt, es wird mehr Verlierer geben, mehr Schüler die es einfach nicht mehr packen und vielleicht hierdurch einen ersten Knacks bekommen. Nun das ganze steht mir noch bevor: meine Tochter ist nächstes Jahr soweit... Ich hoffe ich kann Ihr die notwendige Unterstützung geben. |
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Mich wundert immer, wie sehr man den eigenen Blickwinkel verengen muss, um das Problem auf G8 vs. G9 zu reduzieren.
Es gab in Sachsen nie ein G9, dennoch finden dort Zentral-Abis auf dem Niveau von Baden-Würtemberg (die Prüfungen lehnen sich daran an) statt. Und das komische: Niemand findet was dabei. Das Problem kann also nicht prinzipiell an G8 liegen, sondern daran, dass es schlecht umgesetzt und einfach nicht gewollt ist. Backbone |
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G8 an sich ist eine sehr sinnvolle Sache, aber man muss es halt vernünftig angehen. Das ist aber mit der Umsetzung in Baden-Württemberg (wo ich es als Lehrer und Vater täglich erlebe) nicht getan worden. Die neuen Bildungsstandards sind nicht besonders durchdacht und ich habe den Eindruck, dass unter dem Deckmäntelchen der gestärkten Schulautonomie den Schulen der schwarze Peter zugeschoben wurde, die Fehler in diesen Standards auszubügeln. Was fehlt, ist ein sinnvolles Konzept. Alle wollen die Ganztagesschule. Aber keiner denkt darüber nach, wie diese Nachmittage sinnvoll gefüllt werden sollen und so kommt es so, wie es nun ist. Die Nachmittage sind mit Unterricht gefüllt, danach stehen noch Hausaufgaben an und dann bleibt nicht mehr viel Freizeit. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Ich habe selber erlebt, dass gerade auch viele gute Schüler aus weiteren Angeboten wie Chor, Begabtenförderung etc. aussteigen, weil keine Zeit mehr da ist. Denn solche Leute wollen sich auch persönlich entfalten und auch ein Leben außerhalb der Schule führen. Aber dazu lässt G8 in der aktuellen Form eben kaum Spielraum. Toll wäre es, wenn die Schulen den Ganztagesbetrieb nutzen könnten, den Schülern eben diesen Spielraum zur persönlichen Entfaltung zu geben und Angebote über die reine Wissensvermittelung hinaus machen könnten. Damit könnten auch Schüler, die ihre Freizeit sonst sinnlos vertrödeln, vielleicht zu ihrem Glück gezwungen werden. Aber das Problem ist: das kostet Geld... Gruß Jan |
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Ist doch fast überall auf der Welt so. Jeder redet davon das Bildung das wichtigste sei, wenn man sich dann deren Bildungsetat anschaut weiß man, die lügen alle.
Erst kürzlich las ich eine für mich wirklich erschreckende Nachricht. Angeblich ist jeder 5te 15 jährige in Deutschland Analphabet.:shock: |
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(sorry, aber das fand ich jetzt - speziell in diesem Thread hier - recht amüsant) |
In der Klasse (8; Gymnasium) meines Sohnes lesen gemäß einer Umfrage ausser ihm nur noch drei Mitschüler, alles Mädchen, freiwillig ausserhalb der Schule Bücher.
Das ist IMHO ein echtes Problem und ein Resultat von Facebook und Co. Unsre Kids lesen zwar jetzt nicht gerade den Faust, aber doch so 1000-2000 Seiten im Monat und darunter AUCH freiwillig Dinge wie GEOlino, Reptilia, Tierfreund - im Falle des Filius sogar Chemiebücher. Das erweitert ganz automatisch den Wortschatz, und wenn es nur Harry Potter und Co ist, das gelesen wird. Hier schaffen es aber offenbar derzeit weder Eltern noch Schulen, noch Autoren, das Interesse breiter Schülergruppen zu wecken. Das finde ich schon bedenklich. Spätestens im Studium müssen die Kids dann intensiv lesen -und das ist dann anspruchsvollerer Stoff. Wenn man kein ausdauerndes Lesen gewöhnt ist, kann ich mir gut vorstellen, dass hier vermehrt Probleme auftauchen werden. Zu G8 stehe ich übrigens genauso wie ha_ru- Viele Grüße Ingo |
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Jetzt aber wieder Schluß mit ot, das Thema ist zu wichtig und hat definitiv auch viele Auswirkungen hier aufs Forum (so manchen Post kann man nur mit viel, viel gutem Willen entziffern) |
Das ist ein Thema, das mich auch sehr beschäftigt und über das ich mich enorm ärgere. Ich nutze die Gelegenheit zu einem Rundumschlag aus: :)
Ich komme zuerst zum Punkt Terminüberflutung der Kinder in der Freizeit. Ich finde auch, dass viele Eltern es hier übertreiben. Die Freizeit ist vollkommen durchorganisiert und es bleibt wenig Zeit für die freie Selbstentfaltung. Das gilt allerdings nur für eine eher kleine Teilgruppe der Eltern, die sich wenigstens um ihre Kinder kümmern. Daneben gibt es die leider große Gruppe derjenigen, die sich nicht um ihre Kinder kümmern können oder wollen und sie weitgehend allein vor dem Fernseher oder dem Computer parken. Das sind Dinge, mit denen wir uns als Gesellschaft auseinandersetzen müssen. Ein Kind ist weder ein Projekt, in dem die Eltern alles verwirklichen müssen, was sie selber nicht bekommen oder nicht geschafft haben, noch sollte man es in die Welt setzen und es dann sich selbst zu überlassen oder die Verantwortung für die Erziehung ganz auf Kindergärten und die Schule abschieben. Die Schule kann nicht das ersetzen oder nachholen, was die Eltern versäumt haben. (Einschub: In Punkto Terminflut ist allerdings zu berücksichtigen, dass es in unserer alternden Gesellschaft viel weniger Kinder als früher gibt. Als Kind brauchte ich nur vor die Tür zu treten, um einen Haufen anderer Kinder zu treffen. Damit sich meine Kinder mit anderen Kindern treffen konnten, mussten sie ständig herumkutschiert werden, da es in unserer Wohngegend kaum Kinder in diesem Alter gibt. Die vielen Aktivitäten sind also auch Treffpunkt und Ersatz für das, was früher einfach vor der Haustür stattfand). Wichtig ist, sich den Kindern zu widmen und darauf zu achten, dass sie statt in dem Alter unnötige Technikkenntnisse (z.B. so ein Unsinn wie Kindergärten ins Internet) erstmal die sozialen Fähigkeiten entwickeln. Zu früher Eintritt in die Schule oder gar eine Verschulung des Kindergartens ist nicht der richtige Weg. Davon nehme ausdrücklich die Erkennung und Förderung von zu Hause vernachlässigten Kindern aus. Für meine Kinder gab es in den ersten Lebensjahren kein Fernsehen und danach auch nur äußerst spärlich. Beide sind auch jetzt in der Pubertät noch Leseratten und erstaunlicherweise wird Fernsehen auch kaum nachgefragt. In dem Punkt haben wir aber sicher Glück, denn ich hatte als Kind wesentlich mehr Interesse am Fernsehen, obwohl ich auch viel gelesen habe. Meine Eltern hatten sich allerdings bewusst gegen einen Fernseher entschieden. Der erste Fernseher kam ins Haus, als ich 13 Jahre alt war. Punkt zwei ist die Bildungspolitik. Hier werden seit Jahrzehnten ideologische Grabenkämpfe ausgetragen. Es werden von allen Parteien die tollsten Versprechen gegeben (und auch viele blödsinnige), aber nicht eingehalten. Die Bildungspolitik wird von Leuten gemacht, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie nie eine Schule oder Universität von innen gesehen haben und sich auch nicht an ihre Kindheit erinnern oder vielleicht nie eine gehabt haben. Einwände und Anregungen von Eltern werden nur gehört, wenn sie sich mit dem Parteiprogramm decken. Beginnen wir bei der Schule: Hier tobt der Kampf um Gesamtschule oder dreigliedriges Schulsystem. Je nach Wechsel der Landesregierung wird mal die eine oder die andere Schulform beschnitten. Aus den ersten Pisaergebnissen wurde teilweise platt gefolgert, dass Gesamtschulen besser sein als dreigliedrige Schulen, weil das erfolgreiche Finnland auf Gesamtschulen setzt. Der Unterschied liegt aber nicht in der Schulform, sondern in kleineren Klassen und individuellerem Eingehen auf die Schüler, letztlich also in der Entscheidung, mehr in die Ausbildung der Kinder zu investieren. Besonders ideologiebelastet sind die Gesamtschulen. Konservative Regierungen versuchen ihnen so weit es geht, Steine in den Weg zu legen. Linksorientierte Regierungen probieren an den Schülern ihre neuesten Ideen aus. Das Problem ist, dass für die durchaus guten Ansätze nicht genug Lehrer zur Verfügung stehen. Sowohl die schwachen als auch die starken Schüler, auf die beide nicht richtig eingegangen werden kann, leiden darunter. Leistungsstarke Schüler bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück und schwache Schüler werden einfach mitgeschleift und völlig überfordert. Die erste IGS, an der meine Frau (Gymnasiallehrerin) unterrichtet hat, erklärte stolz, dass praktisch kein Schüler die Schule ohne Abschluss verlasse. Wie das funktioniert, wurde ihr schnell klar. Schlecht ausgefallene Arbeiten wurden nicht genehmigt, Schüler können nicht sitzen bleiben und werden einfach mitgeschleppt. So bekommen dann Schüler einen Schulabschluss, die nicht mal richtig schreiben und rechnen können. Solche Schüler sollen dann in der 9. Klasse Literatur analysieren, die sie nicht mal ansatzweise verstehen. Aber der Lehrplan will das so. Gute Lehrer versuchen dann, unter Umgehung oder großzügigster Auslegung des Lehrplans, diesen Kindern erstmal die Grundlagen (also Lesen und Schreiben) beizubringen und Ihnen zu vermitteln, wie man eine ordentlich Bewerbung schreibt, ohne die diese Schüler keine Chance auf eine Stelle haben. Viele engagierte Lehrer verlassen nach einer Weile die IGS in Richtung Gymnasium, was wir auch an der Schule meiner Tochter leben durften. Einer der großen Geniestreiche der letzen Jahre in der Bildungspolitik war das G8. Nicht mehr so lange sinnlos lernen, sondern lieber schnell in die Produktion. Meine ältere Tochter war im ersten Jahrgang der Opfer dieser Idee. Die Schulzeit wurde um ein Jahr gekürzt, aber der Lehrplan weitgehend in nun ein Jahr weniger hineingeprampft. Längere Schultage und Hausaufgaben ohne Ende waren die Folge (das kann in Bundesländern, die nie G9 hatten, anders ein, da dort vermutlich der Lehrplan gleich auf die kürzere Schulzeit ausgerichtet war). Mittagessen gibt es an der Schule nicht und auch keine richtige Mittagspause. Wie effektiv dann ein Unterricht in der 7. oder 8. Stunde ist, kann man sich vorstellen. Besonders einfühlsame Lehrer schreiben in diesen Stunden sogar noch Klassenarbeiten. Auch bei Anpassung des Lehrplanes an die um ein Jahr verkürzte Schulzeit halte ich das G8 für falsch. Ich habe in der Oberstufe so viele wichtige Dinge gelernt, die ich nicht missen möchte. Eine breitgefächerte Bildung und das Verstehen gesellschaftlicher Zusammenhänge gehören zu dem Rüstzeug, das den Kindern für ihr Leben und auch für unser Land mitgegeben werden muss, um als Erwachsene verantwortungsvoll handeln zu können. Selbst wenn man die Betrachtung auf eine rein wirtschaftsorientierte Sichtweise verengt, ist dies notwendig. Ein Land, das von Fachidioten bestimmt wird und nicht in der Lage ist, menschlichen Bedürfnissen nachzukommen und soziale Gerechtigkeit herzustellen, wird durch innere Spannungen und ausgeschlauchte Bewohner weniger leistungsfähig sein. Als meine zweite Tochter die Grundschule abschloss, entschieden wir uns, sie nicht auf das Gymnasium, sondern auf die Gesamtschule zu schicken, da es dort noch kein G8 gab (das wurde für die späteren Jahrgänge inzwischen geändert, herzlichen Dank an die Landesregierung :evil:). Neben dem einen Jahr mehr an Schulzeit unterscheiden sich Gymnasium und IGS in unserer Stadt auch dadurch, dass in der IGS der Mensch spürbar im Mittelpunkt steht (das ist tatsächlich mehr als eine Worthülse), während das Gymansium in den Schülern eher nur Lernstoffempfänger sieht. Das hat natürlich wesentlich mit der Führung der Schule zu tun (auch organisatorisch ist das örtliche Gymnasium schwach) und weniger mit der Schulform. Nun ist das Kind an der IGS, hat dort Mittagessen, kommt mit gemachten Hausaufgaben nach Hause und hat wenig Stress. Leider ist es dort in den meisten Fächern ziemlich unterfordert und lernt herzlich wenig (das soll dann in der Oberstufe nachgeholt werden). Das lädt dazu ein, im Unterricht einfach abzuschalten oder Unsinn zu machen. Für einen Wechsel zum Gymnasium ist es zu spät, dazu hinkt die IGS viel zu weit im Lehrstoff zurück. Woran unser Bildungssystem zudem krankt, ist eine Überlastung vieler Lehrer. Die Wochenstundenzahlen der Lehrer wurden mehrfach erhöht, die Klassengröße ebenfalls und die Anzahl der Schüler, bei deren Erziehung das Elternhaus versagt hat, ist auch eher zunehmend. Natürlich gibt es Fächerkombinationen, in denen wenig engagierte Lehrer eine relativ ruhige Kugel schieben können, aber die Mehrzahl der Lehrer muss enorm keulen, wenn sie ihre Arbeit ernst nimmt und einen guten Unterricht macht, von dem die Schüler etwas für sich mitnehmen und wo sie nicht nur ihre Zeit verplempern. Es ist nicht erstaunlich, dass der Lehrerberuf nicht mehr sehr nachgefragt ist. Nach der Schule geht das Spiel an der Universität weiter. Als Intermezzo in meiner Berufstätigkeit in der freien Wirtschaft war ich einige Jahre in Forschung und Lehre an der Universität beschäftigt, kenne die Einrichtung also nicht nur als Student oder von außen. Auch hier zeichnet sich der Wertewandel (oder das Fehlen von Werten?) deutlich ab. Im Trend der Zeit werden Studiengänge oft konzeptionslos umgestaltet und gekürzt. Die Zeiten für Studien- und Diplomarbeiten wurden z.B. in meinem Fachbereich so gekürzt, dass darin überhaupt kein sinnvolle wissenschaftliche Arbeit möglich war. In der Praxis wurden die terminlichen Grenzen dann oft kreativ umgangen (was aber auch schon zu meiner Studentenzeit so war). Nach außen dann der tolle Eindruck, wir studieren kurz und konzentriert, aber in Wirklichkeit alles Lüge. Fauler Zauber, um bildungspolitischen Moden zu folgen. Ergänzt wird das Ganze durch eine Lehre, die im technischen Bereich in nicht unerheblichem Maße von drittmittelfinanzierten Mitarbeitern übernommen wird, die eigentlich mit ihren Projekten voll ausgelastet sind. Die Straffung des Lehrplanes trifft die Universitäten auch wieder direkt im Forschungsbereich. Die Studenten haben kaum Zeit und es ist schwer, studentische Mitarbeiter zu finden. Die Veränderung konnte ich während meiner Zeit an der Universität drastisch spüren. Als Nebeneffekt sind die Studenten nun voll ausgelastet und kommen nicht auf die Idee, sich mit Hochschul- oder allgemeiner Politik zu beschäftigen oder gar unbequeme Fragen zu stellen. Irgendwie dämmerte es der Politik, dass unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich von der Ausbildung der Menschen abhängt, da Deutschland direkt oder indirekt davon lebt, seine Ideen zu verkaufen, oder das, was aus diesen Ideen als Premiumprodukt erwächst. Der große Bruder Amerika ist a ja vieeel besser (ist er nicht)! Also müssen Eliteunis her. Es ist gar nicht schlecht, wenn zusätzliches Geld an die Hochschulen und in die Förderung begabter Menschen geht, aber mit ein paar Superwissenschaftlern allein können wir unsere Position nicht halten. Das ist wieder nur Kosmetik. Unsere Wirtschaft lebt davon, dass ein ganzes (leider stark schrumpfendes) Heer an möglichst gut ausgebildeten Ingenieuren (und anderen Akademikern) die Hochschulen verlässt. Nobelpreisträger sind für die meisten Aufgaben garnicht nötig. Trotzdem brauchen wir zweifellos die Spitzenwissenschaftler, um der Entwicklung in unserem Land Impulse zu geben. Als weitere Maßnahme zur "Förderung" der Hochschulen wurde die Besoldung der Professoren reformiert. Sie sollte leistungsorientierter werden. In der Praxis ist es aber eher eine simple Kürzung der Professorengehälter geworden. Ein W2 Professor (das ist die einfache Klasse an den Universitäten und zugleich das übliche Gehalt der Fachhochschulprofessoren) bekommt nach der Besoldungstabelle von 2010 je nach Bundesland ein monatliches Bruttogehalt von 3890 bis 4370 Euro, ein 13. Monatsgehalt gibt es nicht. Natürlich kann man zweifellos gut davon leben, aber vergleicht man das mit Gehältern für herausgehobene Personen in der freien Wirtschaft, wird klar, dass es sehr schwierig ist, qualifizierte Wissenschaftler an den Hochschulen zu halten. Durch verschiedene Leistungszulagen kann das Gehalt zwar aufgebessert werden, aber Fachhochullehrer haben angesichts ihrer sehr hohen Semesterwochenstundenzahl praktisch kaum Gelegenheit dazu. Insgesamt erscheint mir die Bildungspolitik als eine Geisterfahrt in einem Zug, der zudem noch alle 4 Jahre seine Richtung wechselt. Dem Lokführer fehlt die Kenntnis der Materie und er ist ohnehin nur auf diesem Posten, weil er anderswo nichts zustande gebracht hat. Der Zug allein ist eigentlich kein gutes Sinnbild, denn er hat ja wenigstens Schienen, die zum richtigen Ziel führen können. Aber es gibt ja noch die verwirrten Leute die die Weichen stellen. Aus meiner Sicht ist wesentlich mehr Druck seitens der Eltern und Studierenden auf die Politik notwendig, um die Dinge wieder halbwegs ins Lot zu bringen. Bessere und menschlichere Bildung kostet viel Geld und das muss irgendwo abgezwackt werden. In Zeiten knapper Kassen und ausufernder Verschuldung ist das äußerst schwierig. Investitionen in diesem Bereich zahlen sich aber aus. Auch die Eltern müssen sich iher Erziehungsaufgabe bewusst sein. Klare Leitlinien, Werte und auch Führung sind hier gefragt. Und Zeit für die Kinder haben. Wir haben uns nach kurzer Zeit gemeinsamer Berufstätigkeit entschieden, dass ein Eltenteil immer zu Hause bleibt, bis die Kinder annähernd erwachsen sind. Diese möglichkeit steht vielen Elten natürlich nicht offen. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das der Lösung harrt. Das musste mal raus. |
:top: Du sprichst mir aus der Seele!
Gruß Jan |
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Mag sein das das nicht unmittebar schädlich ist, aber fördernd ist das sicherlich auch nicht. Ich hab ihr dann gesagt, das ich denke, das wenn man ein Kind bekommt, dafür dann auch die Verantwortung übernehmen muss und ich es als zu früh empfinde, wenn Kinder heut schon mit anderthalb Jahren in die Kindertageststätte gehen müssten. Damit sollte man sich auseinandersetzen bevor man Kinder in die Welt setzt. Außer entsetztem Kopfschütten über meine doch so antiquirte Denkweise, hat sie dann nichts mehr dazu gesagt. Man mag das alles anders sehen, aber das ist nun mal meine persönliche Meinung zu diesem Thema. |
Moin,
wie immer führen mehrere Wege nach Rom und das erfolggarantierende Modell gibt es nicht, zumindest kenne ich keines. Nicht leider nicht, sondern zum Glück nicht. Sonst wird das nämlich nix mit Individuen. Mein genereller Eindruck oft ist: wir problematisieren zu viel, was auch ohne werden würde. Und gleichzeitig schieben wir Verantwortung in die halbwegs abstrakten Ecken Politik und Staat, anstatt die naheliegende eigene Nase mal anzufassen ;) Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, es ist durchaus auch ernüchternd, was man in gut 20 Jahren alles falsch machen kann - im Nachhinein betrachtet. Und trotzdem, irgendwie werden sie dann doch, mein genereller Eindruck ist; wir problematisieren zu viel ;) |
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Im Kindergarten muß man vor allem eines lernen: mit anderen in der Gruppe zurecht kommen. Als von Mama behütetes Einzelkind aufgewachsen, mußte ich das Jahre später mit großer Mühe nachholen. Zum Gymnasium: Das Problem ist doch, das es viele Eltern hicht akzeptiern können oder wollen, das es noch andere Bildungswege gibt. Meiner Tochter, bis zur 5. Klasse ausgestattet mit einer kräftigen Schreib- und Leseschwäche (dem pädagogischebn Großversuch "Ganzheitliches Lesen" - wir machens wie die Chinesen -dieses Wort heißt "Ich" und Dieses "wir" zu verdanken...) blieb nur die Hauptschule. Als sich das langsam gab, gings steil bergauf: Nach der 7. Grundschule nochmals die 7. Realschule, danach Fachoberschule mit Fachabitur, erfolgreícher Abschluß Fachhochschule als Dipl Ing 2009, jetzt ein guter Job bei Siemens Erlangen.... Mein Sohn legte noch eine Berufsausbildung als Fachinformatiker ein umd studiert jetzt in Stuttgart Informatik an der FH, Doktortitel ist angepeilt. Was bei so einem Bildungsweg natürlich auf der Strecke bleibt, ist das Gefühl irgend einer Elite anzugehören- ob das ein Mangel ist? Das eine erfolgreiche Berufsausbildung ein Studium sehr erleichtert, kann ich aus iegener Erfahrung nur bestätigen. Die andere Seite ist: Im nachhinein muß man sich fragen, ob das mit einen Hochschulabschluß verbundene Berufsbild wirklich erstrebenswertist. Mein anderer Sohn hat sein Studium geschmissen und macht jetzt einen Job als Maschinenführer. Er lebt deutlich ruhiger, gesünder und kann nacht ruhig schlafen.... Übrigens zu meiner Schulzeit ging die Schule von Montag bis Samstag und Hausaufgaben übers Wochenende waren normal. Viele Grüße Michael |
Ich sehe keinerlei Notwendigkeit dafür, dass jeder Abitur macht. Mir ist nur wichtig, dass jeder die Chance bekommt, einen seinen persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Weg zu gehen. Das kann das Abitur oder auch der Hauptschulabschlusss sein. Und genau auf diese Situation muss die Schule eingehen. Die Kinder müssen einen halbwegs auf sie zugeschnittenen Unterricht bekommen. Es ist ja eine der großen Errungenschaften der 70er Jahre, dass das Schulsystem durchlässiger gestaltet wurde und dadurch so bemerkenswerte Wege, wie Du sie beschrieben hast, möglich sind.
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---------- Post added 10.12.2011 at 18:49 ---------- Zitat:
Wie ich schon schrieb, ist die Situation heute anders. Ich habe meine Kinder nach diversen Krabbelgruppen mit knapp 3 Jahren für einen Zeitraum von 2 Jahren in einen Spielkreis geschickt, der an drei Vormittagen die Woche stattfand. Damit hatten die Kinder eine gute Balance von sozialem lernen außerhalb und den Freiehen, die es zu Hause gab. Dieser Spielkreis sollte geschlossen werden, aber nach hartem kampf haben wir die Ratmehrheit überzeugen können und er wurde als geförderte Elterninitiative weitergeführt. Mit knapp 5 Jahren kamen meine Kinder dann täglich vormittags in den Kindergarten. |
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Also mein Neffe ist mit 2 in den Kindergarten gekommen und der ist da sozialisiert worden. Mit einem Erwachsenen alleine ist dem definitiv zu langweilig gewesen. Der konnte sich erst da richtig austoben. Ich bin zwar kein Erziehungsexperte, denke aber, dass der Mensch - auch der kleine - ein Rudeltier ist. Im Idealfall hat er die Eltern und viele Kinder und andere Menschen um sich herum. Heutzutage selten möglich, da es die typische Großfamilie kaum noch gibt. Daher ist weder die Alleinerziehung noch die Kita das Optimum. Welches das kleinere Übel ist, sollte man von Fall zu Fall beurteilen.
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G8 geht in Ordnung. Einfach 10 % vom Stoff streichen und es gibt keine Mehrbelastung. Aber wer die Reform hintertreiben will, der tut es nicht. Leidtragenden sind mal wieder die Schüler - wie bei jeder Reform.
Das Gejammer des Artikels geht mir ziemlich auf den Geist. Auch der Professor, der nur zweimal Sitzen geblieben ist, kann mir nicht das Wasser reichen! Heute haben wir mehr Abiturient als früher. Aber das ignoriert der Schreiber. Ach wie schön war es früher: "Tugend will ermuntert sein, Bosheit kann man schon allein." http://aragorn.hj.se/~ivtj/Plisch-und-Plim/index.html |
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Es ist wie mit vielen Dingen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg und jeder hat eine andere Meinung dazu. Es ist sicher genauso richtig, Kinder in die KiTa zu geben, wie es auch richtig ist, sie länger zu Hause zu lassen. Allerdings muss man auch sagen, dass wir hier im Osten oft gar keine Wahl haben. Mit nur einem Einkommen kommen viele Familien hier gar nicht über die Runden, wie soll man mit teilweise weniger als 1000 EUR netto Monatseinkommen neben festen Kosten wie Miete oder Auto eine Familie durchbekommen? Deswegen auf Kinder ganz zu verzichten ist auch keine Option, es gibt hier eh schon viel zu wenige. Unsere Tochter ist jetzt übrigens 6 Monate alt und wir könnten mit meinem Gehalt sicher ganz gut durchkommen. Trotzdem wird unsere Kleine ab Oktober in die Kinderkrippe gehen, weil wir der Meinung sind, dass sie unter gleichaltrigen Kindern gut aufgehoben ist. |
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