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Mangfalltaler 08.11.2021 10:27

Zitat:

Zitat von Kerstin (Beitrag 2220933)
Die Intensivstationen sind nicht ausgelastet mit Covid-19 Patienten, auch wenn man uns das gerne weißmachen möchte. Gestern waren es 11%, d.h. von ca. 10 Betten ist einer mit einem Covid-Patienten belegt. Die Art, wie die Medien instrumentalisiert werden, um Panik zu erzeugen, ist total inakzeptabel. Die Missstände hierzulande sind schon lange vor Covid herbeigeführt worden.

Und ich finde es inakzeptabel, wenn eine landesweite Statistik missbraucht wird, um real existierende Probleme in einigen Regionen zu relativieren. Erkläre doch bitte Deinen Standpunkt mal einem Patienten z.B. in Südostbayern, der händeringend auf einen Platz im Krankenhaus wartet und ihm nun mitgeteilt wird, dass die geplante Tumoroperation oder Organtransplation verschoben werden muss.

Natürlich ist im Gesundswesen viel verschlampt worden, aber ein Grund der aktuellen Situation ist auch dadurch begründet, dass viele Pflegekräfte wegen der vermeidbaren Covid-Überlastung ihren Job hingeschmissen haben.

Alison 08.11.2021 10:44

Leider nervt mich die Berichterstattung auch, weil sie immer so einseitig ist.

Zum Glück stellt das Robert Koch Insitut die Zahlen ja auch als Primärquelle zum Download bereit (ich finde übrigens, dass die wirklich gute Arbeit leisten).

Dort sieht man z.B. dass in KW 44 75% der hospitalisierten Coronapatienten älter als 60 Jahre sind. In dieser Altersgruppe sind 85% geimpft.

Ich frage mich ob die Diskussion der letzten Wochen nicht eher um die dritte Impfung hätte gehen sollen, anstatt möglichst viele junge, weitgehend ungefährdete Leute zu impfen.

Alison 08.11.2021 10:47

Noch etwas, wo ich finde, dass mit zweierlei Maß gemessen wird:

Der Aachener Karnevallsverein plant laut Zeitungsmeldung von gestern sämliche Veranstaltungen als 3G durchzuführen, ausdrücklich ohne Masken, ohne Abstandsregel und ohne Reduktion der Teilnehmerzahlen, auch nicht bei den Innenveranstaltungen.

ha_ru 08.11.2021 10:59

Zitat:

Zitat von Mangfalltaler (Beitrag 2220940)
Und ich finde es inakzeptabel, wenn eine landesweite Statistik missbraucht wird, um real existierende Probleme in einigen Regionen zu relativieren. Erkläre doch bitte Deinen Standpunkt mal einem Patienten z.B. in Südostbayern, der händeringend auf einen Platz im Krankenhaus wartet und ihm nun mitgeteilt wird, dass die geplante Tumoroperation oder Organtransplation verschoben werden muss.

Natürlich ist im Gesundswesen viel verschlampt worden, aber ein Grund der aktuellen Situation ist auch dadurch begründet, dass viele Pflegekräfte wegen der vermeidbaren Covid-Überlastung ihren Job hingeschmissen haben.

Auch bei uns in BaWü werden Operationen schon seit Wochen verschoben, weil die Krankenhäuser zu wenig Pflegepersonal haben. Es haben nicht nur etliche Pflegekräfte den Beruf verlassen, weitere haben gekündigt und arbeiten über Zeitarbeitsfirmen für mehr Lohn und gekürzte und geregeltere Arbietszeiten weiter. Geht zu lasten der direkt Angestellten. Marktwitschaft at it's best, aber besser so, als ganz aufhören oder selbst (psychisch) krank werden.

Und wenn z.B. eine junge Frau mit nicht erledigtem Kinderwunsch wochenlang auf die OP einer Eierstockzyste warten muss, dann ist das medizinsch zwar vertretbar, für die Betroffene aber ein hohe psychische Belastung. Vor Corona wäre die OP innerhalb einer Woche erledigt gewesen und sie hätte anch kurzer Zeit gewusst, dass die Zyste wie vermutet gutartig war und sie weiterhin Kinder bekommen. Es trifft nicht nur die schwer kranken Krebspatienten.

Ich kenne mehrere Krankenhausärzte. Die sind frustriert, weil sie den Patienten aufgrund des Pflegepersonalmangels und Coronamaßnahmen wie Freihalten von Notfallbetten nicht optimal helfen können und äußern dazu die Befürchtung das nach Abklingen der Coronawelle nochmals viele Pflegekräfte den Beruf verlassen werden, weil sie aktuell nur aus Pflichtgefühl bei der Stange bleiben und nicht zur "Unzeit" das Handtuch werfen wollen, aber irgendwann der Überlastung Tribut zollen werden.

Dass Leute ohne fundierten Einbilck in Situationen meinen bzw. sich anmaßen diese auch nur annähernd beurteilen zu können, weil sie sich im "Internet" gebildet und aus ein paar Zahlen sich ihre Meinung zurechtgebastelt haben ist leider ein Phänomen, das stark um sich greift.

Hans

Mikosch 08.11.2021 11:14

Zitat:

Zitat von Alison (Beitrag 2220941)
Leider nervt mich die Berichterstattung auch, weil sie immer so einseitig ist.

Wo bitte ist etwas einseitig bei der Vielzahl an Medien?

Zitat:

Zitat von Alison (Beitrag 2220941)
Dort sieht man z.B. dass in KW 44 75% der hospitalisierten Coronapatienten älter als 60 Jahre sind. In dieser Altersgruppe sind 85% geimpft.

Im Umkehrschluss heißt das, dass eben 25 % jünger als 60 Jahre sind. Da man da von ausgehen kann, dass zwischen erfasster Infektion und Krankenhauseinweisung cirka 2-4 Wochen liegen, die Inszidenzen bei den unter 60-jährigen immer weiter steigen ...

Zitat:

Zitat von Alison (Beitrag 2220941)
Ich frage mich ob die Diskussion der letzten Wochen nicht eher um die dritte Impfung hätte gehen sollen, anstatt möglichst viele junge, weitgehend ungefährdete Leute zu impfen.

... dann kannst Du Dir Deine Frage relativ gut selbst beantworten. Fachleute haben in der letzten Zeit auch nirgends nur die Impfung für viele junge Leute gefordert, sondern immer den ganzen Blumenstrauß an Möglichkeiten zur Eindämmung der Pandemie zum Besten gegeben. Nur suchen sich scheinbar viele das für ihn oder sie Bequemste aus der Berichtertattung raus.

ha_ru 08.11.2021 11:14

Zitat:

Zitat von Alison (Beitrag 2220941)
Leider nervt mich die Berichterstattung auch, weil sie immer so einseitig ist.

Zum Glück stellt das Robert Koch Insitut die Zahlen ja auch als Primärquelle zum Download bereit (ich finde übrigens, dass die wirklich gute Arbeit leisten).

Dort sieht man z.B. dass in KW 44 75% der hospitalisierten Coronapatienten älter als 60 Jahre sind. In dieser Altersgruppe sind 85% geimpft.

Ich frage mich ob die Diskussion der letzten Wochen nicht eher um die dritte Impfung hätte gehen sollen, anstatt möglichst viele junge, weitgehend ungefährdete Leute zu impfen.

Dann geh bitte weiter in die Tiefe und analysiere wie viele der Hospitalisierten tatsächlich geimpft sind, wie viele derer aufgrund Immunschwäche oder Vorerkrankungen trotz Impfung erwartbar keinen guten Impfschutz haben können, sind und wie die ganzen Zahlen bei denen mit Maximalversorgung aussieht. Da überwiegen die Ungeimften bzw. derer ohne Impfschutz trotz Impfung nämlich sehr deutlich.

Mich nervt die Berichterstattung auch, aber genauso nerven mich Schlauberger die meinen es besser als die vor Ort Tätigen zu wissen. Wenn ich die in den Medien oder im dirketen Gespräch höre, dann höre ich immer, dass vor allem die Ungeimpften das Problem bilden.

Das ändert nichts daran, dass vor allem über 70-Jährige die schon vor mehr als 6 Monaten geimpft wurden die Möglichkeit einer 3. Impfung bekommen und wahrnehmen sollten. Es geht hier nicht um eine entweder oder sondern darum, dass möglichst viele mitmachen.

Hans

Kerstin 08.11.2021 11:27

Zitat:

Zitat von Mangfalltaler (Beitrag 2220940)
Und ich finde es inakzeptabel, wenn eine landesweite Statistik missbraucht wird, um real existierende Probleme in einigen Regionen zu relativieren. Erkläre doch bitte Deinen Standpunkt mal einem Patienten z.B. in Südostbayern, der händeringend auf einen Platz im Krankenhaus wartet und ihm nun mitgeteilt wird, dass die geplante Tumoroperation oder Organtransplation verschoben werden muss.

Natürlich ist im Gesundswesen viel verschlampt worden, aber ein Grund der aktuellen Situation ist auch dadurch begründet, dass viele Pflegekräfte wegen der vermeidbaren Covid-Überlastung ihren Job hingeschmissen haben.

Das kann ich niemandem erklären, denn das würde nicht meine Meinung widerspiegeln. Im Gegenteil.
Die Intensivstationen sind voll. Aber nicht, wie man dem Volk weismachen möchte, mit COVID Patienten.
Sondern entweder tatsächlich voll oder aber aufgrund von Personalmangel nicht verfügbar.

berlac 08.11.2021 11:30

Zitat:

Zitat von turboengine (Beitrag 2220928)
Risiken die sich durch zwei Impfungen drastisch reduzieren lassen - im Gegensatz zu Rauchen und Übergewicht - sollten nicht länger kostenfrei gedeckt werden. Da muss ein Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung her oder noch besser die Ausnahme von der Deckung.

Ich denke dass dieser Vorschlag mehr Probleme verursachen würde als dadurch gelöst werden.

Außerdem wo ist die Grenze für so etwas? Du würdest das für Rucher dann nicht sehen. Ich finde jetzt aber z.B. dass die Risiken durch rauchen sich durch schlicht nicht rauchen ebenso drastisch reduzieren lassen und das noch ohne das ein "Eingriff" wie eine Impfung benötigt wird.

Mikosch 08.11.2021 11:39

Zitat:

Zitat von Kerstin (Beitrag 2220948)
Die Intensivstationen sind voll. Aber nicht, wie man dem Volk weismachen möchte, mit COVID Patienten.

Ich habe nicht das Gefühl, dass uns irgendwer etwas weismachen möchte (was gar nicht da ist), sondern das hier ein reales Problem existiert. Schon im Sommer haben Intensiv- Mediziner und Lungenfachärzte in Aussicht gestellt, dass es im Herbst zu vielen Atemwegsinfekten kommen wird, von denen 5-10 % durchaus im Krankenhaus landen könnten, wenn die Maskenpflicht fällt umso mehr. Weiterhin sind Krankenhäuser in der Regel so aufgestellt, dass die vorhandenen Intensivbetten gut ausgelastet sind. Wenn jetzt obendrauf eben viele Covid-Patentienten kommen, dann gibt ein Problem, dass eben andere Patienten unter Umständen auf der Strecke bleiben, weil ein beatmeter Covidpatient, wenn es doof läuft auch noch übergewichtig, erheblich mehr Pflegepersonal bindet, als das durchschnittlich auf der ITS der Fall ist.

ha_ru 08.11.2021 11:50

Zitat:

Zitat von Kerstin (Beitrag 2220948)
D
Die Intensivstationen sind voll. Aber nicht, wie man dem Volk weismachen möchte, mit COVID Patienten. Sondern entweder tatsächlich voll oder aber aufgrund von Personalmangel nicht verfügbar.

Das ist wieder statitisch betrachtet richtig. Und ich gehe mit die einig, dass die Aussage, dass die Misere im Krankehausebereich überwiegend auf Corona zurückzuführen ist zu einfach gedacht ist. Da steht eine jehrelange Fehlsteuerung dahinter.

Aber die nackte Belegungszahl ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Die Schutzmaßnahmen und der Aufwand bei beatmeten Patienten, dass bei Coronapatienten jederzeit sehr schnell eine Verschlechterung eintreten kann und daher diese sehr engmaschig überwacht werden müssen bewirkt, dass der Aufwand bei der Betreuung von Coronapatienten deutlich höher ist als beim Durchschnitt anderer Patienten.

Corona ist dann der berühmte Tropfen auf dem Fass.

Diese Diskussionen unter Fachfremden blenden zun gerne die nicht erfassten Faktoren einfach aus. Wir wollen möglichst einfache Erklärungsmodelle auch da, wo es sie nicht gibt. Deshalb steige ich jetzt hier wieder aus. Wenn das Thema interessiert sollte seine Schlußfolgerungen unbedingt mal mit leueten diskutierne, die Einblick in die Situation vor Ort haben. Da korrigiert sich dann vielen schnell.


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