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-   -   Energiewende wird abgewürgt (https://www.sonyuserforum.de/forum/showthread.php?t=114906)

ha_ru 28.03.2024 15:56

Zitat:

Zitat von Porty (Beitrag 2301987)
Uns was hat das jetzt alles mit den bisher völlig fehlenden Konzepten für eine tragfähige Energiespeicherung zu tun? Da ist man noch lange nicht soweit, die Kosten irgendwie zu beziffern, weil noch keiner weiß, wie es überhaupt in den nötigen Dimensionen gehen könnte.
Wenn man sich auf SMARD.de die Energiebilanzen anschaut, fehlen z.b. seit vorgestern fast durchgehend 8- 10 GW, in der Spitze 16 GW, die aus dem Ausland gedeckt werden mussten. Sind über den Daumen 500 GWh oder das Speichervermögen von rund hundert großen Pumpspeicherwerken. Was würden die kosten? Wenn man den Platz dafür hätte......
Und das waren nur die letzten beiden Tage, da sah es die letzten Wochen teilweise noch deutlich schlimmer aus. Kohle und Gas liefern aber auch noch 20 GW......
Darüber scheint aber momentan in der Politik keiner nachzudenken, man feiert sich nur, wenn man mal wieder einen Solarpark eröffnet hat, der vermeintlich Strom für ein paar tausend Haushalte liefert - Übers Jahr gemittelt.....

Das ist meiner Meinung nach eine falsche Betrachtungsweise.

Es fehlt nicht die notwendige Kapazität und die musste nicht aus dem Ausland gedeckt werden, sondern sie konnte nur aktuell dort günstiger eingekauft werden. 2022 war es andersrum, weil Frankreichs AKW nicht genug Strom produzieren konnten (aus technischen Gründen, zu viele auf einmal kaputt).
Und das kann in einem heißen Sommer schnell wieder so kommen, weil nicht genug Wasser zum Kühlen das sien kann. Die AKW Lobby tut so, als ob AKWs in Deutschland zukünfig die Lichter ausgegehen, so wird es aber nicht sein. Die Versorgungsicherheit ist die erste Prämisse, die eine Planung in dem Sektor erfüllen muss.

Solange die Kohlekraftwerke laufen, haben wir genug Kapazität, alerdings auf Kosten einer schlechten Co² Bilanz. Im Plan steht aktuell deshalb der Bau von Gaskraftwerken, für die dann Vorhaltenkosten auch bei Stillstand bezahlt werden müssen. Eigentlich regelt der Markt das schon dadurch, ob man für eine Kraftwerke eine Finanzierung findet. Da sieht es bei AKWs derzeit schlecht aus, weil die Erzeugung aus erneuerbaren so biillig geworden ist udn weiter billiger werden wird und bei den Gaskraftwerken, weil über die Höhe der Vergütung der Vorhaltekosten gepokert wird. Bei den AKW-Bauporjekten springen andernorts diese Staaten mit kostspieligen Garantien ein, bei uns unser Staat bei den Vorhaltekraftwerken.

Die Dinge sind eben wirklich sehr komplex.

Wenn Deutschland die Schuldenbremsse aufgeben würde und wie Frankreich mit Milliarden den Strompreis subventionieren würde (aus den 17-18 Mrd. von Frankreich müsste man auf 24-25 Mrd. für Deutschland hochrechnen) wäre das Strompreisproblem gelöst, aber ein anderes geschaffen.

Porty 28.03.2024 16:29

Zitat:

Zitat von ha_ru (Beitrag 2301991)
Es fehlt nicht die notwendige Kapazität und die musste nicht aus dem Ausland gedeckt werden, sondern sie konnte nur aktuell dort günstiger eingekauft werden.

Heißt das jetzt, das französischer Atomstrom doch günstiger wie deutscher Kohlestrom ist? :roll:;)


Abgesehen davon, will man mit der Energiewende nicht von CO2 emittierender Energieerzeugung weg kommen, oder hat man dieses Ziel jetzt schon begraben?

Anmerkung am Rande: Norwegen ist ja dank riesiger Speicherkapazitäten in ihren Seen der Energiespeicher Deutschlands. Aber die wollen jetzt massiv in Offshore- Windkraft investieren, brauchen also ihre Speicherkapazitäten selbst. Also noch mehr Gas verbrennen?

ha_ru 28.03.2024 18:08

Zitat:

Zitat von Porty (Beitrag 2301994)
Heißt das jetzt, das französischer Atomstrom doch günstiger wie deutscher Kohlestrom ist? :roll:;)


Abgesehen davon, will man mit der Energiewende nicht von CO2 emittierender Energieerzeugung weg kommen, oder hat man dieses Ziel jetzt schon begraben?

In der Erzeugung landet der franzöische Atomstrom aus Alt-AKWs bei Vollkosten von rund 7 Cent/kwh, wird aber subventioniert zu Teil um 4 Cent verkauft. Dazu sind die Grenzkosten je kwh, also ob ein AKW mit 70 oder 90% läuft in der Tat sehr gering.

Aber bei einer neue Anlage ist es betriebswirtschafllich falsch mit Grenzkosten/ Deckungsbeitrag zu rechnen. Wir können jetzt nicht auch noch eine BWL-Vorlesung hier abhalten. Und die Erneuerbaren (PV und Windkraft) liegen eben für neue Anlagen aktuell leicht unter 4 Cent/kwh in der Erzeugung, die neuesten AKWS landen da je nach dem wer rechnet zwischen 12 und 22 Cent/kwh, ich denk die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte bei 17 Cent/kwh. Selbst wenn, was manchne glauben und behaupten die SMR die Kosten halbieren können, sind sie immer noch teurer als die Erneuerbaren.

Der Co² Ausstoß von AKWs ist im Betrieb sehr klein, aber davor wird beim Bau viel ausgestoßen. Die Verteilung ist also ungünstig, weil für viel Co2 ferigestezt wird und erst später eingespart. Der Co2 Ausstoß einer Mischung aus erneuerbaren + Gasvorhaltekraftewerke hängt logischerweise davon ab, wie oft die Gaskraftwerke einspringen müssen, und da können perspektivisch Speichertechnologien helfen, weshalb die Gaskraftwerke ja auch als Übergangstechnologie betitelt wird.

Im Übergang schenken sich beide Wege nicht viel, die Energiewende findet eigentlich in beiden Fällen zu langsam statt. Zunächst bleibt Kohle und Gas wichtig. Aber sind die AKWs einmal da sollten die ja 50-80 Jahre laufen.

Es ist wie gesagt sehr komplex und daher wie man wieder merkt in Foren kaum angemessen zu diskutieren. Deshalb gehe ich hier wieder in die Pause.

Ich wünsche allen frohe und friedvolle Ostern.

Gepard 29.03.2024 17:17

Mal eine ganz kurze Betrachtung:
Der Preis am Windrad interessiert mich nicht. Mich interessiert der Preis an meiner Steckdose. Der ist bis jetzt nicht runter sondern rauf gegangen. Ab wann soll der Strom günstiger werden?
Müssten die Ökostromtarife nicht niedriger sein als die Normalen wenn der Ökostrom doch so günstig ist?

Ditmar 29.03.2024 17:21

Zitat:

Zitat von Gepard (Beitrag 2302059)

Müssten die Ökostromtarife nicht niedriger sein als die Normalen wenn der Ökostrom doch so günstig ist?

Ist Er in unserem fall sogar, wenn auch nicht gravierend.

Erebos 01.04.2024 12:10

Zitat:

Zitat von Gepard (Beitrag 2302059)
...
Müssten die Ökostromtarife nicht niedriger sein als die Normalen wenn der Ökostrom doch so günstig ist?

Es wird teurer werden, da Ökostrom zum einen deutlich mehr Infrastruktur benötigt, also Leitungen etc. um den Strom von Norden nach Süden zu bringen. Auch die ganze Technik um den volatilen Strom zu regeln ist relativ teuer und aufwändig.
Außerdem müssen für Dunkelflauten und vor allem für den Ausgleich Sommer/ Winter Backup Kapazität vorgehalten werden. Das sind entweder Speicher und/ oder Backup Kraftwerke, wahrscheinlich mit Gas betrieben. Was man leider immer wieder macht ist die Preise für die erneuerbaren nur am Entstehungsort anzugeben. Bei einem konventionellen Kraftwerk kann man sich darauf verlassen, dass man zu bestimmt über 85% der Zeit die Nennleistung abrufen kann. Bei Sonne Ist es schon alleine wegen Tag/ Nacht klar, dass es deutlich weniger ist, aber auch bei Wind sieht es mit der garantierten Verfügbarkeit recht mau aus.
Wenn man also Preise vergleichen will, muss man auch die Verfügbarkeit vergleichbar halten und dann werden die erneuerbaren schnell ähnlich teuer oder sogar teurer.

atlinblau 01.04.2024 14:07

Zitat:

Zitat von Erebos (Beitrag 2302234)
Es wird teurer werden, da Ökostrom zum einen deutlich mehr Infrastruktur benötigt, also Leitungen etc. um den Strom von Norden nach Süden zu bringen. Auch die ganze Technik um den volatilen Strom zu regeln ist relativ teuer und aufwändig.

Dafür benötigt Okostrom keine permanente Zufuhr von Rohstoffen, insbesondere aus dem Ausland. Auch der Abfall ist daher überschaubar...

Zitat:

Zitat von Erebos (Beitrag 2302234)
Außerdem müssen für Dunkelflauten und vor allem für den Ausgleich Sommer/ Winter Backup Kapazität vorgehalten werden. Das sind entweder Speicher und/ oder Backup Kraftwerke, wahrscheinlich mit Gas betrieben.

Mal so nebenbei - in DE war immer so viel an Backup-Kraftwerkskapazität vorhanden, um jeder Zeit gefahrlos auf Atomenergie verzichten zu können.
Zitat:

Zitat von Erebos (Beitrag 2302234)
Was man leider immer wieder macht ist die Preise für die erneuerbaren nur am Entstehungsort anzugeben.

Ich verstehe den Zusammenhang nicht...

Zitat:

Zitat von Erebos (Beitrag 2302234)
Bei einem konventionellen Kraftwerk kann man sich darauf verlassen, dass man zu bestimmt über 85% der Zeit die Nennleistung abrufen kann.

... insbesondere Atom- und Braunkohlekraftwerke müssen aber in Wartestellung sein, wie eine Dampflok. Ebenso die Tagebaue...
Die jetzt abgeschalteten Reserveblöcke hatten eine Zuschaltzeit von mehreren Tagen. . Bei Stromüberangebot haben wir zunehmend negative Strompreise, weil fossile und atomare Kapazitäten technologisch nie Null sein können...
Zitat:

Zitat von Erebos (Beitrag 2302234)
Bei Sonne Ist es schon alleine wegen Tag/ Nacht klar, dass es deutlich weniger ist, aber auch bei Wind sieht es mit der garantierten Verfügbarkeit recht mau aus.
Wenn man also Preise vergleichen will, muss man auch die Verfügbarkeit vergleichbar halten und dann werden die erneuerbaren schnell ähnlich teuer oder sogar teurer.

Die deutsche Energiewirtschaft hat aus verschiedenen politischen Entscheidungen festgelegt, dass nur "kohlendioxid- und atomfreier" Strom eingespeist werden darf.

Erebos 01.04.2024 16:24

Nun was ich meine, ist dass es beim Preis nicht alleine auf die Erzeugungskosten ankommt, sondern man muss auch sicherstellen, dass man auch Strom erzeugen kann, wenn mal zufällig kein Wind weht und keine Sonne scheint. Es gab einige Dunkelflauten von über zwei Wochen die letzten Jahre. Soweit ich weiß mit einer statistischen Häufigkeit von rund zwei Dunkelflauten von über 14 Tagen alle zwei Jahre.
Dafür muss ein Backup vorgesehen werden. Und wenn es ein Gaskraftwerk ist, dass zwei Jahre still steht und nur auf die nächste Dunkelflaute wartet. Das kostet aber. Da muss Personal bereitstehen, da muss gewartet werden usw. Diese Kosten muss man fairerweise auf die Preise der erneuerbaren aufschlagen, denn ohne diese Backups wäre die Versorgung nicht gewährleistet. Diesen Aspekt lassen aber viele gerne unter den Tisch fallen.
Das war weder ein Plädoyer für Kernkraft, gegen erneuerbare oder sonst was, sondern lediglich ein Hinweis darauf, dass oft Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Gepard 01.04.2024 16:58

@ Erebos
Bin ganz deiner Meinung. :top:

turboengine 02.04.2024 08:20

Von der “Energiewende” profitiert vorwiegend China. Dort werden mit billigem Kohlestrom Solarzellen gefertigt, die hier installiert werden. Das ist Low-Tech und es kommt nur auf den Produktionspreis an. Immerhin können sich die hierzulande entlassenen Mitarbeiter an viel Freizeit und höherem Bürgergeld erfreuen.

https://www.mdr.de/nachrichten/sachs...igung-100.html

Zitat:

Das Solarwerk von Meyer Burger in Freiberg wird endgültig geschlossen. Wie das Unternehmen MDR SACHSEN bestätigte, haben die rund 400 Mitarbeitenden am Dienstag ihre Kündigungen erhalten. Die Belegschaft soll Ende April entlassen werden, die meisten Arbeitsverträge liefen dann wegen kurzer Kündigungsfristen aus.
Die dümmste Energiepolitik der Welt zeigt Wirkung. Leider anders als es das Wirtschaftsministerium als “Strategisches Zielbild” darstellt.

Zitat:

Strategisches Zielbild: Fertigung von PV-Modu-
len, Wechselrichtern und weiteren Komponen-
ten sowie das dazugehörige Intellectual Property
sind in Deutschland und Europa beheimatet.
Eine Vielzahl an Unternehmen aller Größenord-
nungen versorgt nicht nur Deutschland und
Europa mit innovativen Technologien, sondern
exportiert diese auch und trägt damit zur globa-
len Energiewende bei. Gleichzeitig ist die PV-
Industrie international wettbewerbsfähig, insbe-
sondere durch ein level playing field zwischen
den verschiedenen Investitionsräumen. Der
Ausbau der Photovoltaik trägt kosteneffizient
zur Erreichung der Ausbauziele bei.
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pub...licationFile&v

Die Politik ist wieder mal hart an der Realität gescheitert. Denn Planwirtschaft funktioniert halt ohne Subventionen nicht. Auf die hat Meyer-Burger unter dem Framing-Label “Resilienzzulage” gehofft. Darum hat auch der Finanzminister und nicht der Energieminister schuld.

Zitat:

Sachsens Energieminister Wolfram Günther (Grüne) sprach von einer bitteren Nachricht. Das Aus sei ein "industriepolitischer Tiefschlag". Günther gab der FDP die Verantwortung. "Mit zeitlich befristeten, sehr überschaubaren Summen hätte man eine strategisch bedeutende Branche sichern können." Jetzt müsse eine Perspektive für die verbleibenden Hersteller in Sachsen her, so der Minister.
In der “Schuldfrage” ist es in Sachsen nun nicht mehr der Klassenfeind, der trotz Planübererfüllung die wirtschaftliche Prosperität torpediert, sondern der Finanzminister. Schuld hat nie die eigene Politik sondern jemand anders - nun auch die eigene Regierung. Komische Zeiten.

Der Effekt des Solarzubaus fürs Klima ist sowieso mittlerweile sehr gering bzw. fragwürdig. Der neu zugebaute Solarstrom wird im europäischen Energiesystem vorwiegend “verklappt” und nicht mehr wirklich genutzt. Deutschland ist Exporteur von Solar-Billigstrom geworden, den keiner wirklich braucht. Die “Selbstverbrauchsquote” ist nur 12% der Erzeugung, jeder weitere Zubau belastet eher das System als es irgendwas bringt.

Zitat:

Photovoltaikanlagen haben im Jahr 2023 ca. 59,9 TWh Strom erzeugt. Davon wurden ca. 53,5 TWh in das öffentliche Netz eingespeist und 6,4 TWh selbst verbraucht.
https://www.energy-charts.info/index.html?l=de&c=DE

Außerdem nehmen wegen des zu geringen Ausbaus der Netze in Deutschland die Ringflüsse über Polen immer mehr zu und belasten dort die Netze. Die bösen “Kohle-Polen” bezahlen so mit ihren Netzentgelten verdeckt die “Deutsche Energiewende”.

Zitat:

Sonderfall Polen: Ringflüsse nach Süddeutschland
Ein besonderes Phänomen ist der Stromhandel mit Polen: Da das deutsche Stromnetz zwischen Nord- und Süddeutschland nicht ausreichend ausgebaut ist, wird ein Teil des deutschen Windstroms über Polen und Tschechien nach Bayern umgeleitet. Fabian Huneke meint: „Das Problem muss behoben werden, aktuell treibt es die Netzentgelte zum Beispiel in Polen nach oben. Andere Länder bezahlen dafür, dass Deutschland mit dem Netzausbau hinterherhinkt.
Die Energiewende hat damit auch etwas “imperialistisches” indem es ungefragt die Infrastruktur der Nachbarländer benutzt. Außerdem geht man davon aus, dass man immer importieren kann und treibt die Strompreise z.B. in Norwegen nach oben.
Dagegen regt sich schon Protest.

Zitat:

Norwegen ist zum größten Energielieferanten Deutschlands geworden und soll in Zukunft noch wichtiger werden. Doch in der Bevölkerung wächst der Widerstand dagegen, die Probleme anderer Länder zu lösen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/en...2-c3e4565881a1

Das Problem der Ringflüsse und des ungerechten Preiseinflusses dürfte sich noch verstärken und wird wohl mittelfristig zu einer Aufspaltung von Deutschland in zwei Preiszonen führen. Das wird dann für Süddeutschland und Österreich teuer.

Wer Profitiert? Deutschland, Europa oder China?


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