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binbald 06.02.2008 20:56

Zitat:

Zitat von theinivo (Beitrag 604100)
ich finde es immer gut, wenn heftig über meine Bilder diskutiert wird und sicherlich, kann man schon das ein oder andere mal falsch verstanden werden. Für mich war eigentlich eindeutig, das ich der Sache kritisch gegenüber stehe, aber offensichtlich ist das doch nicht so.

Hallo und herzlich willkommen hier im Forum, es ist schön, dass auch die Fotografin es mitbekommt und mitdiskutiert, wenn Ihre Bilder zur Kritik stehen.
Für mich war es deutlich, dass hier kein Lobeshymnus gesungen werden soll, sondern das Ganze in einer "ironischen" (im ursprünglichen Wortsinne) Wendung dargestellt wird, auch wenn das für manche vielleicht nicht sofort erkennbar sein mag.

Zitat:

Sicherlich sind die Fotos nicht "schön" im herkömlichen Sinne,
Aber sie spielen mit den klassischen Bildern und Vorstellungen, den Posen (laszive und graziöse noblesse? oder verkrampfte, zwanghafte Haltung?), den flatternden Tüchern (die hier allerdings beengend, beängstigend eingesetzt werden), den Farben (weiß? oder blutleer?); jedoch werden diese "schönen" Attribute und Darstellungsmittel gerade durch den Körper konterkariert. Die Verstellung, das Verbiegen (was "Ironie" ja heißt) des eigenen Körpers wird hier deutlich, und dennoch auch das Schön-finden des eigenen Selbst.

Insofern finde ich es durchaus deutlich, aber es ist vielleicht, für manche auch ein wenig zu sehr eine Gratwanderung, dass man es auch positiv deuten könnte.
Schwierig, aber sicherlich anregend - wenn auch nur für diejenigen, die davon nicht betroffen sind. Wie wird eine Person mit Anorexia wohl solche Bilder betrachten? Sind die nicht evtl. wunderschöne Darstellungen der eigenen Idee von sich selbst?

abc 06.02.2008 21:14

Hallo Christoph,
vielen Dank für deine Information.
Ich könnte jetzt nicht behaupten bisher groß über Magersucht nachgedacht zu haben, aber der Gedanke,
daß ein Mensch gezwungen ist immer weniger zu werden bis er im Extremfall ganz verschwunden, sprich verhungert ist, ist schon sehr bedrückend.
Kunst, richtig aufgefasst kann schon einiges bewirken und einige Kommentare hier waren mir dann doch ein wenig zu hauruckartig.
Gruß Thomas

binbald 06.02.2008 21:27

Zitat:

Zitat von abc (Beitrag 604182)
aber der Gedanke,daß ein Mensch gezwungen ist immer weniger zu werden bis er im Extremfall ganz verschwunden, sprich verhungert ist, ist schon sehr bedrückend.

Lies mal Narcissus und Echo von Ovid. Ich finde, das ist eine sehr treffende Metapher des ganzen Tragischen: die nachahmende Sehnsucht nach anderem, das Selbstverzehrende und das letzliche Dahinschwinden.

christoph.ruest 06.02.2008 21:39

Zitat:

Zitat von abc (Beitrag 604182)
Ich könnte jetzt nicht behaupten bisher groß über Magersucht nachgedacht zu haben, aber der Gedanke,
daß ein Mensch gezwungen ist immer weniger zu werden bis er im Extremfall ganz verschwunden, sprich verhungert ist, ist schon sehr bedrückend.

Hallo Thomas,

Da kann ich dir nur zustimmen. Und nun stell dir erst mal die Personen in der näheren Umgebung (z.B. die Angehörigen, Freunde, der Arzt, etc.) vor. Was geht in denen alles vor, wenn sie sehen und genau wissen, dass sich ein Mensch zu Tode hungert, dieser das aber nicht einsehen will resp. unfähig ist, es einzusehen...

Wenn ich es mir recht überlege, wurde sogar das in die Bilder mit eingebracht. Denn die Bilder sind ja - bis auf die abgebildete Person - ziemlich leer. Und eben diese Leere empfindet man ja bekanntermassen bei Hilflosigkeit.

Gruss

Christoph

abc 06.02.2008 23:05

Zitat:
Zitat:

Zitat von binbald
Lies mal Narcissus und Echo von Ovid
Danke für die Anregung. Ist vorgemerkt. Freu mich schon drauf.

Gruß Thomas

theinivo 06.02.2008 23:25

hinterfragen
 
@ Christoph: sicherlich bin ich keine Medizinerin und es geht auch nicht darum medizinische Berichte abzugeben (Androgyn etc.) die Formulierungen stammen teilweise aus Platons "Gastmahl" und es geht hierbei "auch" um einen kunstgeschichtlichen Ansatz

Zur Serie "pro ana" sei gesagt. Ich kann viele betroffene Meinungen über Magersucht hier auch teilen, was mich unter anderem zum Entschluss bewegte zum Phänomen "Pro Ana" eine Serie zu machen. Ich bin der Meinung, wenn niemand etwas dazu sagt oder sich bildlich äußert wird sich nicht sehr viel ändern. Die Serie ist keineswegs kommerziell angelegt, im Gegenteil ich kritisiere sehr stark die Modeindustrie, da gerade Models ein großer Anreiz für Pro-Ana Anhänger sind.

Man sollte sich immer, über all diese Empfindungen wie schön, abstoßend, verherrlichend hinaus überlegen, was das ganze bewirkt. Denn auch eine starke Abneigung wie sie hier auch teilweise formuliert wurde, ist genau das was ich zu erreichen versuche. Das zeigt doch nur, dass man ein gesundes Körperbewusstsein hat.

Allerdings bin ich etwas endsetzt darüber, wie unbegründet und scheinbar ohne nach zu denken von Verherrlichung gesprochen wird, und das einige Leute wirklich der Meinung sind, dass diese Seite für dieses Phänomen wirbt. Ein bisschen mehr darüber
nachzudenken, was man auch auf den zweiten Blick erst "sieht" und versteht hilft da manchmal!

Gruß und fröhliches nachdenken

Ivonne Thein

simply black 06.02.2008 23:43

Du bist davon zurecht erschrocken, zeigt es doch ein problematisches Kunstverständnis.
Es ist legitime Aufgabe von Kunst Dinge zu zeigen. Nur zu zeigen. Auszudrücken in der Sprache der kunst. Das ist docjh gerade der Witz daran. Wer dabei keine klare Position bezieht oder äußert - udo - der bewegt viel mehr, weil er Überlegungen anstößt. Und es des Betrachters Sache, was er für sich draus macht. Das ist Freiheit, liebe Freunde des guten Bildes ;) :)

Die Tendenz, überall Bekenntnis ab zu legen, möglichst demonstrativ, ist kein notwendiger Aspekt der Kunst.

christoph.ruest 07.02.2008 00:43

@Ivonne:

Zitat:

@ Christoph: sicherlich bin ich keine Medizinerin und es geht auch nicht darum medizinische Berichte abzugeben (Androgyn etc.) die Formulierungen stammen teilweise aus Platons "Gastmahl" und es geht hierbei "auch" um einen kunstgeschichtlichen Ansatz
Das sollte dann vielleicht auch noch irgendwie so vermerkt werden.
Zumindest ein Hinweis, dass diese (durchaus als medizinisches Faktum zu verstehende) Aussage keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit hat und als Kunst zu verstehen ist.

Es gibt schon zu viele Seiten im Netz, die medizinischen Schwachsinn verbreiten und nicht darauf hinweisen, dass die dort angebotenen "Fakten" keine solchen sind.
Und dann kommen die Leute wieder angerannt und man ist wieder eine halbe Stunde lang damit beschäftigt, das zu erklären...

Gruss

Christoph

binbald 18.03.2008 01:25

Noch ein kleiner Nachtrag zur Diskussion. Ich beziehe mich hier sinngemäß auf den Artikel in der Welt am Sonntag vom 16.03.2008.

Die Models sind normalgewichtige Personen, deren Gliedmaßen allerdings am Computer künstlich verschlankt wurden und auch farbretuschiert/verblasst wurden.
Die fast durchgängige Reaktion der jungen Damen: Sieht doch gar nicht soo schlecht aus; während die Männer das durchgehend abstoßend fanden.
(erinnert mich an eine korrekt gemachte wissenschaftliche Umfrag vor einigen Jahren, derzufolge die befragten Deutschen in der Regel leicht pummelige Frauen bevorzugten)

binbald 27.01.2010 01:23

Und noch ein Nachtrag:

Ich habe gerade gesehen, dass die (neue) Ausstellung "Incredible me" noch bis 27. Februar in der Galerie Voss in Düsseldorf läuft.
Link zur Info


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