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turboengine 12.01.2023 09:23

Zitat:

Zitat von frame (Beitrag 2264312)
Quartierspeicher gäbe, wo z.B. Wohnviertel ihren Strom speichern und entnehmen? Da müsste man doch nicht in jeden Keller die ganze Elektronik dafür legen. Ist das eine blöde Idee?

Nein, das ist keine blöde Idee, sondern bald eine Notwendigkeit wenn noch mehr Thermische Kraftwerke für die Primär- und Sekundärreserve fehlen. Das hilft aber nur zur Frequenzstabilisierung und für kurzzeitige Pufferung. Schon für die Überbrückung der Nacht ist das total unwirtschaftlich und würde die Netznutzungsentgelte durch die Decke jagen.

turboengine 12.01.2023 09:27

Noch ein Beispiel dummer Politik.

https://www.faz.net/aktuell/wirtscha...-18594848.html

turboengine 12.01.2023 09:31

Zitat:

Zitat von amateur (Beitrag 2264070)
Wie ermittelt sich die Angabe "spezifische CO2 Emission" in den jeweiligen Ländern. Ist das allein auf den im Land erzeugten Strom bezogen oder importiert und exportiert man die Emmisionen in andere Netze?

Sprich: Wird die spezifische CO2 Emission in der Schweiz schlechter, wenn Deutscher Strom aus Kohlekraftwerken importiert wird?

Mir ist noch was eingefallen: Die Zahlen sind schön gerechnet, da hier der weil Photovoltaikmodule und Windräder ja eben nicht vom Himmel fallen. Jemand muss die Rohstoffe aus dem Boden holen, sie verarbeiten, Module in energieintensiven Fabriken zusammenschrauben, sie transportieren, Betonfundamente gießen, Unterseekabel verlegen und vieles davon zwanzig, dreißig Jahre später wieder entsorgen. In den Strommix-Emissionen taucht das nicht auf.

Da stünden alte, lang laufende Kraftwerke viel besser da.

atlinblau 12.01.2023 09:46

Zitat:

Zitat von turboengine (Beitrag 2264308)
Das Wallstreet Journal hat die “Deutsche Energiewende” ganz richtig beschrieben.

https://www.wsj.com/articles/worlds-...cy-11548807424

Leider ist der letzte Satz in diesem Artikel zu optimistisch:



Es kam ja noch schlimmer wie wir alle wissen.

Ich habe zum WJS leider kein Abo...

ABER...

Ich kann aus einem rein finanziellen Gesichtspunkt die Headline durchaus nachvollziehen, da die Rendite bei fossilen Energien generell höher sind. Man sagt so das Doppelte bis Dreifache. Daher hat RWE auch lieber Milliarden in die Kohle investiert, als in RNE.

Merkels energiepolitischer "Fehler" aus gegenwärtiger deutscher Sicht waren weder der Atom- und Kohleausstieg, sondern der mangelnde Ausbau der Erneuerbaren.

"Das Land hat die vergangenen Jahre verschenkt. Wenn es im bisherigen Tempo weitermacht, wird das nichts mit dem Regierungsziel, dass im Jahr 2030 mindestens 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien kommen, vor allem aus Wind- und Sonnenkraft (2022 waren es 48 Prozent)...Unterm Strich bleibt die bittere Erkenntnis, dass es Deutschland in den Merkel-Jahren richtig vermasselt hat. In der heimischen Solarindustrie gingen rund 100.000 Arbeitsplätze verloren, in der Windbranche mehr als 50.000. Die Kanzlerin setzte zwar den Atomausstieg durch, doch ihre Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Sigmar Gabriel (SPD) und Peter Altmaier (CDU) würgten danach den Ausbau der erneuerbaren Energien ab..."

...klick!!!

Thomas

atlinblau 12.01.2023 09:56

Zitat:

Zitat von turboengine (Beitrag 2264315)
Da stünden alte, lang laufende Kraftwerke viel besser da.

Die Kraftwerke stehen nicht besser da, denn über ihre gesamte Laufzeit "fressen" sie Rohstoffe und produzieren viel Abfall!!!

frame 12.01.2023 10:04

Zitat:

Zitat von atlinblau (Beitrag 2264316)
Merkels energiepolitischer "Fehler" aus gegenwärtiger deutscher Sicht waren weder der Atom- und Kohleausstieg, sondern der mangelnde Ausbau der Erneuerbaren.

[I]"Das Land hat die vergangenen Jahre verschenkt. Wenn es im bisherigen Tempo weitermacht, wird das nichts mit dem Regierungsziel,

Ich lese immer nur Tempo, Tempo - sag' doch mal konkret, WO soll was beschleunigt werden? Wie nun oft genug gesagt, bei PV-Anlagen ist Schicht im Schacht, trotz aktuellen Preisen die sie völlig unwirtschaftlich machen ist die Lieferzeit ein Jahr. Mehr geht nicht. Panels gibt es, aber Wechselrichter und vor allem Monteure fehlen.

Andererseits, sobald ein bisschen Wind werden Windräder gedrosselt und ist der Strompreis negativ, sobald die Sonne scheint werden Gross-PV-Anlagen abgeschaltet und der Strompreis wird trotzdem negativ. NOCH mehr davon? Müsste man nicht endlich mal mit Hochdruck an den Trassen arbeiten um den Strom auch dahin zu bekommen wo er gebraucht wird und eben an Konzepten ihn anderweitig zu speichern? WAS GENAU soll denn das Modewort "Ausbau der EE" bedeuten?

In der FAZ war vor ein paar Tagen ein schöner Artikel der ausgeführt hat wie man die riesigen Gruben die der Tagebau hinterlassen hat als Stromspeicher ausbauen könnte. Nur arbeitet daran halt wieder keiner weil die Deutschen inzwischen technikfeindlich sind und lieber lamentieren als mal was zu tun.

frame 12.01.2023 10:09

Zitat:

Zitat von turboengine (Beitrag 2264313)
Das hilft aber nur zur Frequenzstabilisierung und für kurzzeitige Pufferung. Schon für die Überbrückung der Nacht ist das total unwirtschaftlich und würde die Netznutzungsentgelte durch die Decke jagen.

Warum ist das (rechnerisch) so? Die individuellen Speicher die die Leute heute einbauen sind ja im Sommer meist in wenigen Stunden voll, dann wird der Strom eingespeist. Oft beginnt das schon um die Mittagszeit wenn es sowieso schon zuviel gibt. Die Speicher reichen aber im Sommer im Normalfall für die Nacht des Einzelhauses.
Wenn man diese Speicher alle zusammen an einem Ort hätte statt verteilt und mehr Nutzer dann müsste das doch günstiger sein?

amateur 12.01.2023 10:17

Zitat:

Zitat von frame (Beitrag 2264319)
WAS GENAU soll denn das Modewort "Ausbau der EE" bedeuten?

Die Stromerzeugung auf Basis von fossiler Energie muss dynamischer werden. Die Netze müssen ausgebaut werden, damit es nicht zu regionalen Überlastungen kommt. Es müssen vor allem Speicherlösungen gebaut werden (Batterie, Wasserstoff, ...). Insgesamt müssen die Planungs- und Genehmigungszeiten verkürzt werden. Der Branche muss eine gewisse Planungssicherheit gegeben werden, damit z.B. Menschen gelockt werden, sich zu Monteuren schulen zu lassen. Da braucht es vollen Vortrieb jetzt, damit es in 3-10 Jahren echte Effekte im großen Stil erzielt. In der Zwischenzeit wird es zu suboptimalen Situationen kommen.

An eine komplett emissionsfreie Energieversorgung in den nächsten zwei Jahrzehnten glaube ich nicht und halte ich für das falsche Zielbild. Es muss halt schrittweise emissionsfreie Energieversorgung ausgebaut und damit die fossile Energieversorgung auf ein notwendiges Minimum reduziert werden.

Stephan

loewe60bb 12.01.2023 10:39

Leider ergibt sich für mich bei vielen Beiträgen hier die Einstellung (übrigens die gleiche wie bei vielen Energieversorgern):

Nur das alte, bestehende ist sinnvoll und rentabel!
Alles neue ist unwirtschaftlich und frisst noch dazu neue Ressourcen.
Die Sonne scheint nicht immer und es gibt auch mal Flaute.

Also immer weiter wie bisher mit AKW und fossilen Brennstoffen...! :doh:

atlinblau 12.01.2023 10:54

Zitat:

Zitat von frame (Beitrag 2264319)
Ich lese immer nur Tempo, Tempo - sag' doch mal konkret, WO soll was beschleunigt werden? ...

Ich bin seit fast 15 Jahren Mitglied im Braunkohleausschuss des Landes Brandenburg und war über die Jahre in vier Planungen neuer Braunkohle-Tagebaue nicht wohlwollend involviert gewesen, Jänschwalde-Nord, Welzow-II, Nochten-II (Sachsen), Gubin-Brody (Polen). Die jeweiligen Wirtschaftsministerien und Unterabteilungen arbeiteten mit den Antragstellern Hand in Hand gegen die Erneuerbaren. Aktuelles Beispiel die Infraschallstudie des BGR .......klick!!!

Warum gab es in DE bisher Null Probleme mit der Genehmigung von Tagebauen???
Das liegt am Bergrecht, insbesondere der "Rohstoffsicherungsklausel" aus. Wenn eine Landesregierung den Bedarf als notwendig und im öffentlichen Interesse erklärte, gab es keine rechtliche Möglichkeit, einen Tagebau zu verhindern.
Bis 2017 galt in Deutschland: "Bei einem Tagebauplan geht es nicht um das OB, sondern um das WIE". An diese Rechts-Praktik noch aus Hitler-Zeiten hat sich bisher keine Regierung gewagt.

...klack!!!

Im Jahre 2018 urteilte das erste Mal ein Gericht, dass die Einschätzung der Landesregierung, das die Braunkohleförderung im "öffentlichen Interesse" sei, nicht nachvollziehbar sei. Man kann auch sagen, dass die Rechtssicherheit von Tagebauen (ganz aktuell Tagebau Garzweiler) auf politische Fehlentscheidungen beruhen, die rechtlich nicht angreifbar waren...
Seit Habeck sind nun die Erneuerbaren noch oben gerückt worden - sie "Osterpaket"......klick!!!

"Es wird als Herzstück des Pakets der Grundsatz verankert, dass die Nutzung erneuerbarer Energien im überragenden öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient. "

Somit sind erst einmal die rechtlichen Voraussetzungen gegeben, dass es gelingen kann. In wieweit die technische Umsetzung gelingt, bin ich überfragt.


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