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rudluc 22.06.2010 00:43

Meine Brillengläser sind auch aus Kunststoff und ich finde immer noch problemlos nach Hause...

Rudolf

dbhh 22.06.2010 08:08

Zitat:

Zitat von rudluc (Beitrag 1033322)
Meine Brillengläser sind auch aus Kunststoff und ich finde immer noch problemlos nach Hause...
Rudolf

*lach* Der war gut ... und kann ich mit unterschreiben.
Gruß

dingodog 22.06.2010 12:20

Zitat:

Zitat von rudluc (Beitrag 1033322)
Meine Brillengläser sind auch aus Kunststoff und ich finde immer noch problemlos nach Hause...

Rudolf

Deine Brille ist aber sicher nicht 25 Jahre alt....oder?

Reisefoto 22.06.2010 13:12

Zitat:

Zitat von AJ85 (Beitrag 1033187)
Stimmt das,

Nein, das ist völlige Grütze. Ich habe noch Kunststofflinsenaus den 70ern, die einwandfrei sind. Absoluter Billigschrott kann aber z.B. vergilben, nur den wird Tamron nicht in sein Objektiv einbauen (hoffentlich).*

Verkäufer haben meist wenig Ahnung aber bunte Geschichtchen auf Lager. Das gilt nicht nur für Elektronikmärkte, sondern auch für viele Fachgeschäfte. Kein Wunder, denn wer Ahnung hat, wird sich meist einen besser bezahlten Job suchen (die Gehälter von Verkäufern sind oft mieserabel) sofern er nicht aus Begeisterung / Idealismus dabei ist oder keine Alternative hat.

Das schönste Erlebnis in dieser Hinsicht war ein Beratungsgespräch vor längerer Zeit in einem anderen Elektronikmarkt, bei dem ich auf der Suche nach einer neuen Mikrowelle war und mich speziell für ein bestimmtes Gerät interessierte. Die Verkäuferin schien bestens über das Gerät informiert zu sein und erklärte wortreich und logisch (klingend) die Vorteile des Gerätes und das technische Funktionsprinzip. In diesem Gebiet der Physik und speziell der Hochfrequenztechnik kenne ich mich aber zufällig gut aus und wusste, dass sie leider nur Unsinn erzählt hatte.

*Edit: Kunststofflinsen können durch starke UV-Strahlung und Temperatureinwirkungen vergilben, aber das bisschen Licht, das im Nutzungszeitraum einer Amateurlinse in das Objektiv einfällt, kann aktuellen Optiken in diesem Qualitätsbereich nichts anhaben. Ob das Tamron in 50 Jahren noch perfekt ist, steht vielleicht auf einem anderen Papier. Aber selbst Glaslinsen können durch Glaskorrosion vergilben, allerdings werden seit den 80er Jahren für hochwertige Linsen Glassorten verwendet, bei denen dieses Problem wahrscheinlich gelöst ist. In komplexen Objektiven, wie es die Superzooms sind, kann es zudem verkittete (oder ähnlich verbundene) Elemente geben. Auch das kann altern. Und wenn dann erst die Glaslinsenoberfläche zu schimmeln beginnt...

rudluc 22.06.2010 14:09

Zitat:

Zitat von dingodog (Beitrag 1033473)
Deine Brille ist aber sicher nicht 25 Jahre alt....oder?

Nein, aber da ich ein überzeugter Modemuffel bin, kann meine Brille auch durchaus schon 4-5 Jahre alt sein. Die Gläser weisen nach dieser Zeit Putzspuren auf, klar, aber eine Trübung nach 6-7 Jahren wie vom Verkäufer vorausgesagt, davon kann überhaupt nicht die Rede sein.

Übrigens braucht man zur optischen Korrektur von Linsen/Linsengruppen Materialien mit verschiedenem Brechungsindex. Dabei ist schon lange nicht mehr alles "richtiges" Glas, was durchsichtig ist.

Rudolf

teaandfruit 22.06.2010 18:04

Ich denke, das Ganze relativiert sich sowieso. Der Begriff "Kunststoff" ist immerhin sehr weit gefasst. Da gibt es enorm hochwertige und auch ganz billige, alles zwischen außerordentlich hart und sehr weich, von fest bis elastisch, von superleicht bis wärmeisolierend.

Rein aus der Tatsache, dass es sich um eine Kunststofflinse handelt, lässt sich eigentlich nichts ableiten. Man müsste schon wissen, welcher Kunststoff.

Die optischen Eigenschaften von Glas sind immerhin nur wenig beeinflussbar. Um gewissen Problemen Herr zu werden, liegt es wahrscheinlich ziemlich nahe, neue Materialien zu schneidern, die genau den jeweiligen Bedürfnissen entsprechen (Stichwort: Brechungsindex - dieser ist für jede Wellenlänge/Farbe anders!). Das nennt man halt dann "Kunststoff".
Sogar Flugzeuge sind heute aus Kunststoff!

Und die Qualität der Optik und der optischen Elemente ist leider von außen nur sehr schwer zu beurteilen.
Da wird wahrscheinlich das Kriterium "Preisschild" noch die Beste Methode sein...und das Vertrauen auf Herstellerbeschreibungen.

Außerdem: Gewöhnliches Glas ist übrigens eine (sehr zähe) Flüssigkeit. Alte Fensterscheiben sind deswegen unten immer dicker als oben.
Damit will ich sagen: Auch Glas ist nicht optimal.

Ich denke mit Objektiven der Mittelklasse sollte man auf der sicheren Seite sein, und kann ein Erblinden in absehbarer Zeit so ziemlich ausschließen.

LG

Blitz Blank 22.06.2010 18:58

Zitat:

Zitat von teaandfruit (Beitrag 1033630)
Außerdem: Gewöhnliches Glas ist übrigens eine (sehr zähe) Flüssigkeit. Alte Fensterscheiben sind deswegen unten immer dicker als oben.

Auch diese Urban Legend wird durch Wiederholung nicht wahr, jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem dieser Unsinn immer gebracht wird.

Meint jedenfalls die Spinne in meiner Yucca-Palme.

Frank

Blitz Blank 22.06.2010 19:03

Wenn das 35-70/4 bereits eine Kunststoff-Asphäre besitzt so sind die ältesten Exemplare inzwischen 25 Jahre alt, ohne daß ich von dbzgl. Problemen etwas mitebkommen hätte und auch meine Exemplare sind ok.

Es gibt allerdings noch deutlich ältere Objektive aus M42 Zeiten, bei denen einige sehr hochlichtstarke Normalbrennweiten mit der Zeit eine gelbliche Verfärbung der Linse(n) aufweisen, was m.W. auf der damals darin verwendeten Glassorte beruht.

Frank

teaandfruit 23.06.2010 11:16

Zitat:

Zitat von Blitz Blank (Beitrag 1033648)
Auch diese Urban Legend wird durch Wiederholung nicht wahr, jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem dieser Unsinn immer gebracht wird.

Meint jedenfalls die Spinne in meiner Yucca-Palme.

Frank

Der zweite Satz war wohl etwas voreilig von mir. Ich wollte nicht schon wieder mit physikalischen Erklärungen um mich schlagen, deshalb wählte ich zur Veranschaulichung ein (etwas unglückliches) Beispiel, das mir geeignet schien und von dem ich dachte, es sei wahr (ich habe es nicht hinterfragt).

Tatsächlich ist Glas allerdings kein klassischer Festkörper, man spricht heute gerne von "soft matter" oder "amorphen Festkörpern". Das bei klassischen Festkörpern vorhandene Kristallgitter fehlt bei Gläsern, es ist keine Fernordnung vorhanden, und auch klassische Winkelstrukturen für interatomare Wechselwirkungen (z.B. Tetraeder) sind oft stark verformt, Abstände nicht einheitlich. Bei Abkühlung von flüssigem (erhitztem) Glas prägt sich keine Kristallstruktur aus, sondern lediglich ein ungeordnetes Wechselwirkungsnetzwerk.

Anschaulich kann man sich Glas als Flüssigkeit vorstellen, deren Viskosität durch Abkühlung kontinuierlich steigt. Schließlich ist keine Verformung in üblichen Beobachtungszeiträumen mehr festzustellen. Der Übergang von Flüssigkeit zum Glas ist kein klassischer Schmelzpunkt, sondern ein weiter Bereich, in dem die Viskosität kontinuierlich zunimmt.
Man kann sich Glas deshalb auch als unterkühlte Flüssigkeit vorstellen, in der alle Bewegungen sehr, sehr langsam vor sich gehen. Die Struktur des Glases ist jener einer Flüssigkeit sehr ähnlich, die kinetischen Eigenschaften sind aber stark reduziert. Das System ist thermodynamisch metastabil.

Übrigens hat man Anstrengungen angestellt, Möglichkeiten zu finden, um der weiteren Verformung von Kirchenfenstern entgegenzuwirken. Einzelheiten sind mir aber nicht bekannt, ich lasse mich daher gerne eines Besseren belehren - aussagekräftige Quellen freilich erwünscht.
Pauschale Klassifikation als
Zitat:

Zitat von Blitz Blank (Beitrag 1033648)
dieser Unsinn

ohne entsprechende Argumentation finde ich immer ein wenig gefährlich. Man verrennt sich dabei häufig.


Mit meinem obigen Beitrag wollte ich eigentlich nur zu einer Betrachtung aus einem anderen Winkel anregen:
Der Ausdruck "Kunststoff" ist vielleicht negativ behaftet, und wird schnell mit geringerer Qualität als klassisches Qualtitätsglas verbunden.
Eine Reihe kurzer Beispiele sollte eine Basis liefern, einer vorschnellen Verallgemeinerung entgegenzuwirken.
Die Einfachheit der obigen Darstellung sollte der Lesbarkeit dienen, und eine für Laien angemessene Vorstellung von der Realität vermitteln.
Kunststoffe und Glas sind in mancher Hinsicht gar nicht so verschieden, und das Spektrum der Kunststoffe ist riesig.
Man sollte also meines Erachtens hier nicht übereilt zu skeptisch sein. Immerhin haben Kunststoffe in optischen Systemen Dinge wie asphärische Linsen überhaupt erst erschwinglich gemacht.

Thomas

ddd 23.06.2010 16:16

moin,
das AF35-70 f/4.0 von 1985 hat definitv eine Asphärische Hybridlinse, d.h. eine sphärische Glaslinse mit einer dünnen Kunststoffschicht auf einer Seite, deren Oberfläche dann asphärisch geprägt wurde.

Zitat:

Zitat von Blitz Blank (Beitrag 1033652)
Es gibt allerdings noch deutlich ältere Objektive aus M42 Zeiten, bei denen einige sehr hochlichtstarke Normalbrennweiten mit der Zeit eine gelbliche Verfärbung der Linse(n) aufweisen, was m.W. auf der damals darin verwendeten Glassorte beruht.

Das Vergilben von alten Objektiven liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an der Verwendung hochbrechender Thorium-haltiger radioaktiver Gläser, extrem betroffen sind die Aero-Ektare von Kodak aus den 1930er-1950er Jahren. Die strahlen so stark, dass ich mich in deren Nähe nicht längere Zeit aufhalten würde.
Bei minolta sind insbesondere frühe MC 58mm f/1.2 und das MC 28mm f/2.5 betroffen, diese wurden mit Gamma-Spektrometern vermessen und damit der Nachweis erbracht, dass sie Thorium und dessen Zerfallsprodukte in messbaren Mengen enthalten. Zumindest seit den späten 1970er Jahren sind alle minolta-Objektive thorium-frei, von vergilbten MD- oder gar AF-Objektiven ist nichts bekannt.
Auch bei anderen Herstellern waren Thorium-haltige oder zumindest radioaktive Gläser bis in die späten 1960er Jahre nicht ungewöhnlich, sicher nachgewiesen bei Canon und Pentax; ohne Quelle für Nikon und Olympus.

@teaandfruit:
Glas ist im eigentlichen Sinne auch ein Kunststoff, in der Natur tritt es jedenfalls nur extrem selten auf. Natürliche Vorkommen von Glas in optischer Qualität sind mir völlig unbekannt ;)
Was bei Glas auf jeden Fall irgendwann aufgrund des metastabilen Zustandes eintriff, ist Kristallisation: die Glasphase friert aus. Dann wird das Glas blind, bis es irgendwann komplett kristallin ist und ganz andere optische Eigenschaften hat. Das dauert aber je nach Umgebungsbedingungen und Glassorte Jahrhunderte oder länger.

Die Assoziation "Kunststoff" = "Plastik" trifft jedenfalls auf die bei den Hybridlinsen verwendeten optischen Kunststoffe nicht zu.

Plastiklinsen gibt es aber sehr wohl in Einweg- oder Billigknipsen, über deren "Qualität" brauchen wir nicht zu diskutieren.


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