Software DxO Optics pro 3.0
Zitat:
Software DxO Optics pro 3.0
Auf Knopfdruck werden die Fotos besser
Von Michael Spehr
11. November 2005 Pfiffige Software soll die Defizite der Hardware kompensieren. Dieses etwas fragwürdige Prinzip gilt leider in immer mehr Bereichen der Technik. Schnell ist ein Luxus-Handy mit 700 Funktionen entwickelt, aber bei Gehäuse und Tastatur wird am Material gespart. Die Unterhaltungselektronik beschreitet diesen Weg schon lange, und nun ist die Fotografie an der Reihe. Die kleinen und großen Probleme des Objektivs oder des Bildsensors werden mit Software einfach "weggerechnet". Das hört sich nach schwarzer Magie an, funktioniert aber mittlerweile mit geradezu atemraubenden Ergebnissen.
Einer der besten Foto-Optimierer ist DxO Optics Pro 3.0 des französischen Herstellers Dxo Labs (www.dxo.com). Er läuft unter Windows oder auf dem Mac und ist in zwei Varianten erhältlich: Die Standardversion für die Spiegelreflexkameras von Nikon und Canon im unteren Preissegment sowie für die Minolta A2 und die Sony F828 kostet 125 Euro. Wer eine teurere Profi-Spiegelreflex sein eigen nennt, zahlt für die sonst identische Elite-Version hingegen 250 Euro, also einen sozialdemokratischen Besserverdiener-Strafzuschlag für eine gute Ausrüstung. Bis vor kurzem war im Preis nur die Unterstützung eines einzigen Objektivs enthalten. Wer ein zusätzliches Tele oder Weitwinkel einsetzte, mußte für jedes weitere Objektiv zahlen. Nun gehören die Objektiv-Daten zum Lieferumfang. Indes erhält man die Software nur für eine Kamera, und die Kaufprozedur ist eine Qual.
Wir erhielten das Programm auf CD mit einer längeren Seriennummer. Nach der Installation und der Auswahl des Kameratyps landete jedoch nur die Testversion auf der Festplatte. In einem zweiten Schritt mußte das gesamte Programm im Umfang von 35 Megabyte noch einmal via Internet geladen und anschließend mit allen nur denkbaren privaten Angaben zwangsregistriert werden. Die deutschsprachige Anleitung im Umfang von 120 Seiten liegt nur als PDF-Datei bei, man darf sie sich also selbst ausdrucken. Ist das alles erledigt, zeigt sich DxO in einer deutschen Bedienungsoberfläche, die man anfangs nur schwer durchschaut.
Die Bildkorrektur arbeitet wie folgt: Das Unternehmen DxO Labs erstellt durch das Vermessen von Kamera und Objektiven ein individuelles Profil der Hardware. Mit den Exif-Daten (Exchangeable Image File Format), die in jedes Bild eingewoben sind, ermittelt die Software anschließend, mit welcher Brennweite, Blende und ISO-Einstellung das Foto aufgenommen wurde. Nun können die Mängel der Hardware beseitigt werden: Distorsionen (Verzeichnungen) werden ebenso wie Vignettierungen (Lichtabfall zum Bildrand), Randunschärfen und Bildrauschen herausgerechnet. Ferner werden Belichtung, Farbe, Kontrast, Weißpunkt und Schärfe unabhängig vom Kameramodell korrigiert und unterbelichtete Bildbereiche etwas aufgehellt. Im praktischen Einsatz öffnet man die zu bearbeitenden Fotos in DxO und wählt einen der drei Arbeitsmodi: für Experten, für Fortgeschrittene und eine Vollautomatik. Mit der Automatik macht man nichts verkehrt. Die Software nimmt sich jedes Bild vor und speichert die korrigierte Aufnahme in einem anderen Verzeichnis oder mit einer Namenserweiterung. Das Ausgangsfoto kann in den Formaten JPG oder RAW vorliegen, gespeichert wird in JPG, Tiff, oder Adobes DNG.
Wir haben das Ganze mit der Nikon D70 und dem Objektiv AF-S DX 3,5-4,5 / 18-70 mm ausprobiert. Im Automatikbetrieb ließen wir DxO-Verzeichnisse mit Hunderten von Aufnahmen abarbeiten und verglichen anschließend Original und Korrektur. Für jedes Foto braucht die Software etwas weniger als eine Minute, zum Glück kann man im Automatikbetrieb den PC allein arbeiten lassen. Die Ergebnisse waren verblüffend gut. Fast jedes Bild gewann durch die nachträgliche Bearbeitung. Die tonnenförmigen Verzeichnungen in der Bildmitte, die besonders bei geometrisch exakten Strukturen auffielen, waren beseitigt. So gut wie alle Bilder hellte DxO ein bißchen auf, weil die Nikon sehr zurückhaltend belichtet. Auch damit waren wir durchweg einverstanden. "Abgesoffene" dunkle Bildpartien wurden restauriert sowie Kontrast und Schärfe auf sinnvolle Werte eingestellt. Kurzum: Aus guten Fotos wurden bessere. Der Profi wird bei DxO die einzelnen Parameter noch feiner justieren, wobei die beiden Modi für Fortgeschrittene und Experten ein eigenes Dialogfenster mit allen nur denkbaren Einstellungen anbieten, die ein wenig an die Menüs von Photoshop angelehnt sind. Apropos Photoshop: Wer dieses leistungsfähige Bildbearbeitungsprogramm besitzt, kann natürlich etliche der Tricks von DxO Optics Pro auch "zu Fuß" anwenden, sofern entsprechende Kenntnisse vorhanden sind. Nur muß man dann jedes Bild eigens "in die Hand nehmen", während DxO die Nachbearbeitung in einem Rutsch und automatisch erledigt. Für den anspruchsvollen Fotografen ist die französische Software also trotz ihrer kleinen Mängel sehr empfehlenswert.
Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe ähnlicher Programme, einige sind sogar gratis. PT Lens (http://epaperpress.com/ptlens/) arbeitet als eigenständiges Programm oder als Plugin für den Photoshop. Auch hier kommt eine Datenbank mit den Profilen vieler Kompakt- und Spiegelreflexkameras zum Einsatz, um Verzeichnungen zu korrigieren. Auch Neat Image arbeitet wahlweise mit dem Photoshop und vielen anderen Programmen zusammen oder als eigenständiges Produkt. Es kümmert sich vor allem um die Beseitigung des bei hoher Empfindlichkeit unvermeidlichen Bildrauschens. Eine Testversion läßt sich unentgeltlich von der Homepage des Herstellers laden (www.neatimage.com), im Dauergebrauch kostet die Software zwischen 30 und 140 Dollar.
Text: F.A.Z., 08.11.2005, Nr. 260 / Seite T2
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