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TONI_B 02.01.2016 18:21

Zitat:

Zitat von André 69 (Beitrag 1777194)
@ Toni, Du kennst diesbezüglich die Rechtslage in GB? ... ich nicht.

Nein, kenne ich nicht! Aber ich denke, dass es ethisch sehr grenzwertig ist, solche Szenen zu veröffentlichen...

hlenz 02.01.2016 18:25

Nun, es ist die Presse. Und die gesamte Serie ist schon dazu geeignet, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten - finde ich.
Den Hype um das einzelne Foto kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen; der zeigt eher wie abgestumpft wir heute sind...

guenter_w 02.01.2016 18:35

Zitat:

Zitat von hlenz (Beitrag 1777200)
Nun, es ist die Presse. Und die gesamte Serie ist schon dazu geeignet, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten - finde ich.
Den Hype um das einzelne Foto kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen; der zeigt eher wie abgestumpft wir heute sind...

Und schon hat sich das Bild mehrfach gelohnt - für den Fotografen, der sein Handwerk beherrscht und das Bild beruhigt in sein Portfolio aufnehmen kann und wird, für die Presse und die Twitter-Community, denn es wird sowohl über den Inhalt, als auch ber die Gestaltung lebhaft diskutiert. Die Qualität des Bildes geht somit über das rein Dokumentarische weit hinaus! Wieviele berühmte Kunstwerke haben tatsächlich negative Erscheinungen zum Thema? Mindert das deren künstlerische und ästhetische Qualität? Welche positive Ausstrahlung haben denn z.B. die Horrorbilder der Twin-Tower mit aufprallendem Flugzeug? Mindert der Schrecken deren Qualität?

Wer das Bild nicht gut findet, muss es auch nicht ansehen.

jqsch 02.01.2016 18:35

Der Fotograf war fuer eine Zeitung unterwegs. Die Freiheit der Presseberichterstattung ist eines unserer Grundrechte. Das sollten wir hochhalten. Oder wollen wir polnisch ungarische Verhaeltnisse. Die Dokumentation solcher Auswuechse unserer Gesellschaft aufzuzeigen ist die Aufgabe von Pressefotografen. Was daraus dann bei Twitter wurde kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber auch Satire ist unter dem Kunstbegriff schuetzenswert und eines unserer Grundrechte. Auf der einen Seite regen wir uns alle wegen Einschraenkungen der Panoramafreiheit auf, aber moechten klassische Street und Reportagefotografie eingeschraenkt wissen ?

@Wolfgang/Toni

Wer sich in solche Siuationen begiebt hat - und da habe ich durchaus Defizite - hat nicht mein Mitleid, wenn man ( nicht ich) solch ein Bild macht und auch veroeffentlicht

TONI_B 02.01.2016 19:16

Bei all den - z.T. sehr weit her geholten Argumenten - bezüglich der Freiheit der Kunst(?) oder des Journalismus, frage ich mich schon wo die Ethik und die Moral bleibt?

D.h. ihr hättet nichts dagegen, wenn man euch in solch einer Situation fotografiert und es dann veröffentlicht - nur damit die Freiheit der anderen gewahrt bleibt?

SteffDA 02.01.2016 19:22

Bei mir würde das unter "Dokumentation des Zeitgeschehens" laufen.

guenter_w 02.01.2016 19:27

Zitat:

Zitat von TONI_B (Beitrag 1777220)
D.h. ihr hättet nichts dagegen, wenn man euch in solch einer Situation fotografiert und es dann veröffentlicht - nur damit die Freiheit der anderen gewahrt bleibt?

Vielleicht haben die "Motive" grundsätzlich vergessen, wo sie sich wie bewegen oder benehmen! Von daher kann man, abgesehen vom zuerst erwähnten Bild, das ich für sehr gelungen halte, die journalistische Pflicht erkennen, derart negative gesellschaftliche Auswüchse zu dokumentieren. Das angesprochene Kriterium "Menschenwürde" erfordert auch menschenwürdiges Benehmen! Die Freiheit der Gesellschaft wird sehr wohl tangiert, einerseits durch Verschmutzungen und Sachbeschädigung, durch die Notwendigkeit, Polizei und Rettungskräfte einzusetzen, durch die Belastung des Gesundheitssystems und ggf. der Rentenkassen usw. Man könnte durchaus diskutieren, wie und warum es zu solchen Auswüchsen und Entgleisungen kommt (ist ja nicht ein spezifisch Problem von GB, sondern auf fast jedem Dorffest auch hierzulande zu sehen).

Und schon wieder ein Pluspunkt für den Fotografen und die von ihm ausgelöste Diskussion!

Nebenbei: ich empfehle mal den Besuch der Notaufnahme einer deutschen Klinik am frühen Sonntagmorgen oder ein paar Gespräche mit Ärzten und dem Personal des Rettungsdienstes!

TONI_B 02.01.2016 19:29

Dass das die Realität ist, ist mir schon klar. Es stellt sich mir aber die Frage, ob man das dokumentieren muss und was daran Kunst ist?

Und, ob man damit mit nicht Grundrechte anderer verletzt unter den Deckmantel der Kunst.

TONI_B 02.01.2016 19:31

Zitat:

Zitat von guenter_w (Beitrag 1777226)
Das angesprochene Kriterium "Menschenwürde" erfordert auch menschenwürdiges Benehmen!

Wirklich? D.h. jedem, der sich nicht ordentlich benimmt, darf man seine Würde nehmen?

turboengine 02.01.2016 19:34

Ich sehe da noch viel Potential zwischen diesem Bild und Donald Trump. :)

Also ehrlich, mit der political correctness kann man es auch echt übertreiben. Wer sich mit einer Flasche Bier in einer Stadt mitten auf die Strasse legt, muss damit rechnen, dass man fotografiert wird. Und wenn der Fotograf bei einer Zeitung arbeitet, ist man in der Zeitung. Klingt komisch - ist aber in GB so.

Das Bild finde ich gut. Sehr gut sogar.

Das Paparazzi-Unwesen finde ich viel schlimmer. Aber niemand käme auf die Idee, die eigene Oma zu mobben, nur weil sie "Das Goldene Blatt", "Gala" oder die Kronenzeitung liest, oder?


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