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Alison 16.11.2012 14:04

Ich denke das Problem liegt in dem Begriff „richtig belichtet“. Was ist denn richtig? KunstAusLicht geht stillschweigend davon aus (wenn ich das richtig verstanden habe), dass das was die Kamera vorschlägt „richtig“ ist. Das ist eine durchaus praxistaugliche und weitverbreitete Definition, auch wenn ich es eher „empfohlene“ Belichtung nennen würde.

Diese unscharfe Defintion findet man auch in vielen Büchern, beispielsweise wenn gesagt wird, dass man bei Schnee 1-2 Blenden überbelichten müsse. Das ist in meinen (und wohl auch in Dat Eis Augen) keine Überbelichtung, sondern einfach eine Anpassung die dafür sorgt, dass eine Fläche im gewünschten Tonwertbereich dargestellt wird, und der ist bei Schnee eben nicht grau sondern fast weiß.

Eine Überbelichtung würde ich auch erst dann sehen, wenn Farbkanäle in die Sättigung laufen. Ein mit ETTR aufgenommenes Bild ist also in diesem Sinne nicht überbelichtet. Dennoch werden natürlich Bildbereiche und eventuell auch das ganze Bild zunächst zu hell dargestellt und muss in der EBV angepasst werden.

Ich hab mir übrigens schon öfter gewünscht, das meine Kamera einen ETTR Knopf hätte.

Neonsquare 16.11.2012 14:40

@Alison
Du hast schon recht, dass man "Überbelichten" manchmal als falscher Begriff für eine positive Belichtungskorrektur benutzt wird - allerdings handelt es sich bei ETTR trotzdem um eine Überbelichtung (aus "technischen" und nicht "gestalterischen" Gründen!), da ja im Nachhinein eine negative Belichtungskorrektur im Post-Processing notwendig ist um die eigentlich gewünschte Anmutung zu erhalten.

Ein Problem bei ETTR ist natürlich, dass die Kamerahersteller anhand der ISO-Stufe auch unterschiedliche Verarbeitungsschritte durchführen. So kann mancher Hersteller eben bei ISO1600 eine stärkere Rauschfilterung einsetzen als bei z. B. 800. Dann ist der theoretische Vorteil über die Tonwertverteilung wieder dahin. ETTR ist eben normalerweise kein Verfahren, das im Sinne der Kamerahersteller liegt. Es hängt also schlicht vom Kameramodell ab, ob dieses Verfahren Vorteile bringt oder nicht.

Trotzdem finde ich den Tipp, eher eine ISO-Stufe höher zu gehen und dafür z. B. +0,7Ev einzustellen durchaus nicht schlecht - denn viele neigen bei wenig Licht einfach zur Unterbelichtung, um ja noch halbwegs kurze Belichtungszeiten zu erreichen. Ebenfalls problematisch ist, statt einer höheren ISO-Stufe mit zu langer Belichtungszeit zu fotografieren - dann gibt es neben Rauschen auch noch Verwacklungsunschärfe und die ist in Kombination tödlich für jegliche Details.

Alison 16.11.2012 14:54

Ich wollte auch nicht sagen, dass der Ansatz oder Bericht darüber falsch ist - ich habe eher laut überlegt, ob man es eindeutiger formulieren könnte.

Ich mache in der Regel auch kein ETTR, weil es mich nervt, dass viele Bilder erstmal zu hell sind - und dass obwohl ich komplett in Raw arbeite. Du hast also recht, sie sind über belichtet in dem Sinne, dass das Bild heller ist als es sein sollte, aber nicht in dem Sinne, dass Information fehlt. Hmmm, gar nicht so einfach ...

robd 13.01.2013 22:22

Ich hatte das auch mal ausprobiert, nachdem ich das Blende 8 Video dazu gesehen hatte. Das Bild, das ich mit dieser Methode aufgenommen hatte, war schon wesentlich Detailreicher als das "normale" Foto.
Im Blende 8 Video meint er ja auch das ist am besten für grundsätzlich dunkle Motive geeignet.

Was mir aber noch aufgefallen ist, ist dass schwarz eben kein wirkliches schwarz mehr war, sondern eher ein dunkles grau. Also eine Methode mit Vor- und Nachteilen.

Wenn ich jetzt an ein Sportfoto im freien denke, stell ich mir das schon schwierig vor. Heller Hintergrund, dunkles Motiv (z.B. schwarzes Trikot). Da läuft man eben Gefahr, dass der Hintergrund zu schnell zu hell wird - und dann gibts in dem Bereich keinerlei Bildinformationen mehr.

Aber mal ne andere Frage.. geht die DRO Automatik der A77 nicht genau in so eine Richtung, oder ist das einfach nachträgliches aufhellen dunkler Stellen im Bild?

Dat Ei 13.01.2013 23:09

Moin, moin,

Zitat:

Zitat von robd (Beitrag 1403769)
Was mir aber noch aufgefallen ist, ist dass schwarz eben kein wirkliches schwarz mehr war, sondern eher ein dunkles grau. Also eine Methode mit Vor- und Nachteilen.

welch' Überraschung! :shock:
Wenn man ein dunkles oder schwarzes Motiv auf ein 18%iges Grau einmißt, brauche man sich doch nicht wundern, daß hinten auch ein 18%iges Grau raus kommt. Gleiches gilt für die ETTR-Methode: wenn man fetter belichtet, ist der Bildeindruck schlicht zu hell. Das muß man dann wieder in der EBV nach unten korrigieren.


Dat Ei

Neonsquare 13.01.2013 23:20

Zitat:

Zitat von robd (Beitrag 1403769)
Ich hatte das auch mal ausprobiert, nachdem ich das Blende 8 Video dazu gesehen hatte. Das Bild, das ich mit dieser Methode aufgenommen hatte, war schon wesentlich Detailreicher als das "normale" Foto.
Im Blende 8 Video meint er ja auch das ist am besten für grundsätzlich dunkle Motive geeignet.

Wenn eine Zeichnung in den Schatten für ein Bild enorm wichtig ist, dann ist es durchaus sinnvoll per ETTR zu fotografieren. Der Grund ist ganz einfach. Für Schattentonwerte stehen bei der linearen Tonwertverteilung des Sensors viel weniger Tonwerte zur Verfügung. Dunkle Schatten werten also mitunter nur in 2-8 Stufen wiedergegeben. Wenn man per ETTR nun z. B. 2 Ev länger belichtet, so werden dieselben Schattentonwerte mit 8-32 Stufen gezeichnet. Statt ein Foto ohne ETTR zu belichten und danach die Schatten aufzuhellen kann man also auch per ETTR fotografieren und dann Lichter und Mitteltöne absenken - bei letzteren dürften aber die Schatten eine bessere Zeichnung haben.

Zitat:

Zitat von robd (Beitrag 1403769)
Was mir aber noch aufgefallen ist, ist dass schwarz eben kein wirkliches schwarz mehr war, sondern eher ein dunkles grau. Also eine Methode mit Vor- und Nachteilen.

Naja Du musst das ETTR-Bild natürlich von der Belichtung danach wieder anpassen. Tonwerte die schwarz sein sollen sollten per Schwarzpunktregler auf ebendiesen gelegt werden und erscheinen dann wieder Tiefschwarz.

Zitat:

Zitat von robd (Beitrag 1403769)
Wenn ich jetzt an ein Sportfoto im freien denke, stell ich mir das schon schwierig vor. Heller Hintergrund, dunkles Motiv (z.B. schwarzes Trikot). Da läuft man eben Gefahr, dass der Hintergrund zu schnell zu hell wird - und dann gibts in dem Bereich keinerlei Bildinformationen mehr.

Absolut - dann ist es aber kein ETTR mehr. Man muss es aber auch nicht gar so eng nehmen mit "ETTR" - in schwierigen Situationen geht es ja auch einfach, dass man z. B. um 0,7 Ev (oder entsprechend) mehr belichtet, um mehr Zeichnung in die Schatten zu kriegen ohne die Lichter zu gefährden.

Zitat:

Zitat von robd (Beitrag 1403769)
Aber mal ne andere Frage.. geht die DRO Automatik der A77 nicht genau in so eine Richtung, oder ist das einfach nachträgliches aufhellen dunkler Stellen im Bild?

DRO sorgt dafür, dass bei Beibehaltung der Mittelwerte Details aus Lichtern und Schatten geholt werden, wobei für jeden Pixel des Bildes eine eigene Tonwertkurve berechnet wird. Ich benutze es ab und zu wenn ich fertige JPEGs out of cam haben möchte - ansonsten finde ich die entsprechenden Regler in Aperture besser.

mrieglhofer 14.01.2013 02:13

Eigentlich hat ETTR ja nichts mit Überbelichtung oder Unterbelichtung um klassischen Sinne zu tun. Bei Film gabs das ja nicht und da wurde gezielt anders belichtet, um den Helligkeitseindruck zu korrgieren.
Digital spielt ja die Belichtung keine Rolle, solange beide Enden des Histogramms nicht abgeschnitten sind. Der Helligkeitseindruck kann ja durch Verschieben der Kurve ohne Verluste angepasst werden. Da aber der Helligkeitsumfang des Motivs meist kleiner als der Dynamikumfang der Kamera ist, kann man sich überlegen, an welches Ende man die Kurve hinlegt. Bei grossem Helligkeitsumfang fehlt die Wahlmöglichkeit.
Die Kameras selbst wählen meist links, damit man kürzere Zeiten erreicht. ETTR erhöht das Nutzsignal im Vergleich zum etwa gleichbleibenden Grundrauschen und vermindert dadurch das Rauschen. Das logarithmische Verhalten der Belichtung bei linearem Verhalten der Fotodioden spielt zusätzlich rein und verbessert die Schattenzeichnung.
M.E. hellt man in beiden Fällen die Schatten auf.
DRO oder HDR sind dann sinnvoll, wenn die Tonwertkurve durch den hohen Ungang ausgereizt wird, dann geht ETTR eh nicht.


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