Vera aus K. |
25.03.2020 04:29 |
Eigentlich wäre ich im April mit der Betreuung des Monatsthemas hier im Forum dran. Aber das wird nichts.
Denn in meinem Job bin ich verantwortlich für einen ambulanten Wohnbetreuungsdienst und einen stationären Wohnbereich, in dem überwiegend schwerst- und mehrfachbehinderte Erwachsene leben.
Langeweile hatten wir auch vorher nicht, aber seit zehn Tagen (und eher zunehmend) arbeiten meine MitarbeiterInnen und ich auf Hochtouren. Die Tagesbetreuung durch die Werkstätten ist bis auf weiteres ausgesetzt, was bedeutet, dass wir werktäglich neun Stunden zusätzlich zum üblichen Pensum für die komplette Versorgung unserer Leute geradestehen müssen.
Für die behinderten BewohnerInnen entfällt der Aufenthalt bei den Angehörigen am Wochenende, und selbst Besuche sind seit heute komplett untersagt. Es herrscht ein sogenanntes vollständiges Betretungsverbot des Hauses für alle Personen – (natürlich mit Ausnahme von uns, die wir dort arbeiten). Meine Leute müssen nun auf unabsehbare Zeit 24/7 Betreuung, Pflege und Versorgung gewährleisten und … natürlich auch Unterhaltung sowie Anregung anbieten sowie so gut es irgend geht Nähe vermitteln und Trost spenden. -
Corona? Ach ja, Corona! Drei Quarantänefälle von Kontaktpersonen mit nachweislich Infizierten haben wir auch noch im Haus. Und unsere Vorräte an Schutzkleidung sind jetzt schon so gut wie erschöpft.
Dazu kommen ein Wust an Sondererlassen, die jeden Tag neue Maßnahmen nach sich ziehen, die Überwachung der Vitalwerte, Hygieneschulungen, die lückenlose Dokumentation von Kontaktpersonen, die erfolglose Suche nach Gesichtsmasken und Einmalkitteln, die tägliche Meldung bei den Behörden, ungezählte arbeitsrechtliche Fragen, der Versuch die Angehörigen am Telefon zu beruhigen …. etc. pp. Und all dies natürlich ohne zusätzliches Personal.
Auf meinen Antrag an den Kostenträger auf personelle bzw. finanzielle Unterstützung erhielt ich heute u.a. die Antwort, dass ja noch vollkommen ungewiss sei, ob die aktuelle Situation überhaupt mit Mehraufwand für die Wohnheime verbunden sei. - :roll:
Wie es für uns weiter gehen kann, weiß noch niemand. Aber ich fürchte wir stehen am Anfang einer harten Zeit. –
Soweit mein kleiner Einblick in unseren Alltag; stellvertretend für viele andere, die gerade Ähnliches erleben.
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