konzertpix.de |
24.02.2014 13:56 |
Da sagt diesmal ein Händler, der seine Teile auch nur beim ihm zugeordneten Grossisten und nicht bei Sony direkt beziehen kann "Hey, die a99 verkauft sich wie geschnitten Brot, wir kommen mit dem Nachbestellen und Sony mit dem Nachliefern kaum mehr hinterher, so dass bei meinem Lieferanten aktuell nur noch bundesweit 29 Stück verfügbar sind" und schon wird wieder alles in die Waagschale geworfen, um den Abgesang und den Abverkauf heraufzubeschwören.
Richtig, ich habe den Satz etwas ausführlicher formuliert, denn wer denkt, dass ein Endverbrauchshändler über die Gesamtstückzahl eines Artikels in einem Land, das unzählige Anbieter für den Endverbraucher kennt, Bescheid weiß, der sitzt einem Irrtum auf. Dieser Endverbraucherhändler rechnet mit den ihm zugänglichen Zahlen, nicht mit mehr. Es gibt aber viele Grossisten und alle haben andere Lagerbestände. Nur einer ist immer der günstigste zu einem bestimmten Zeitpunkt und auf den wird dann zugunsten der eigenen Marge zurückgegriffen. Ob man dem Kunden A Produkt B für den Preis C verkauft und bei Grossist 1 für 50 EUR weniger als bei Grossist 2 einkauft, sorgt dann dafür, dass Grossist 1 zum Zuge kommt. Selbst wenn man dann drei Tage länger auf die Ware warten muss.
Zur Erläuterung ein Parallelbeispiel: es gibt in Sachen Computerhardware einen Grossisten mit sehr guten Konditionen zu seinen Abnehmern. Dieser Grossist erlaubt es u.a. jedem seiner Kunden, die die Ware an den Endkunden weiterverkaufen, einen Webshop abzubilden, der nach dem Kunden des Grossisten und nicht nach einem Sub-Shop des Grossisten selber aussehen. Das ergibt dann, wenn dieser Grossist ein bestimmtes Gerät nicht mehr auf Lager hat, dass die entsprechenden Ampeln bei hunderten angebundener Webshops auf Rot gehen. Der Endverbraucher sieht das dann bei hunderten Webshops, wenn er ausgerechnet dieses Teil haben will - und nicht nur bei einem.
Nur nochmal: einer im Hintergrund hat die Ware im Moment im Rückstand, hundert andere, die bei dem einen zwischenordern, haben dadurch sofort Lieferprobleme.
Was wird wohl der Endverbraucher, der bei den Zwischenhändlern in deren Shops nach dem Gerät sucht, wohl über die Verfügbarkeit des Artikels denken? Richtig: alle können es nicht mehr liefern.
Nein, falsch: einer kann es im Moment nicht - nämlich der eine im Hintergrund vieler anderer...
Ich bin diesem Irrglauben früher genauso aufgesessen. Solange, bis ich in einer Firma landete, die auch bei diesem Grossisten bestellt. Da fiel mir dann auf, dass die Warenbezeichnungen, die Darstellung, die Bepreisung und vieles mehr bei diesem Grossisten exakt identisch zu der vieler mir von früher bekannter Endverbrauchslieferanten aussieht. Und damit war mir klar, warum ich damals etwas, was bei dem einen nicht lieferbar war, bei den anderen auch nicht bekommen konnte. Und warum der eine fünf Stück auf Lager meldete und viele andere auch - und nur noch vier, wenn dann ein Exemplar davon an mich verkauft worden war...
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