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-   -   Das Urteil im Fall Hoeneß (https://www.sonyuserforum.de/forum/showthread.php?t=144440)

Dat Ei 14.03.2014 12:34

Moin, moin,

Zitat:

Zitat von Ernst-Dieter aus Apelern (Beitrag 1559595)
Er ist ein anerkannt sehr guter Manager im Fußball! Wer sollte Ihn denn zu einer wichtigen Persönlichkeit gemacht haben Deiner Meinung nach?Die Medien?Die Fans?

im Gegensatz zu seiner Steuerehrlichkeit interessiert das nicht die Allgemeinheit.


Dat Ei

Jan 14.03.2014 12:46

Zitat:

Wer sollte Ihn denn zu einer wichtigen Persönlichkeit gemacht haben Deiner Meinung nach?Die Medien?Die Fans?
Nicht jeder muss eine wichtige Persönlichkeit sein, man macht sich nicht selber dazu und die Medien auch nicht. Aber es gibt Lebensleistungen, die letztlich von einer Mehrheit als solche anerkannt werden und unumstritten sind, z.B. Künstler, Wissenschaftler, Politiker, die große Reformen anstoßen, aber auch Unternehmer, z.B. Abbe und Zeiss, die Siedlungen für Mitarbeiter gebaut und deren Lebensbedingungen verbessert haben.

Vielleicht fehlt in meiner Aufzählung tatsächlich der Sport, weil ich keine Ader dafür habe und wenn die besonderen Leistungen von UH in diesem Bereich liegen, dann höre ich es und ordne es für mich ein (ich hatte halt aufgrund des großen Medienrummels erwartet, dass ich außersportliche Leistungen übersehen habe, aber anscheinend bin ich einfach nur weit weniger im Mainstream mit meinen Interessen als ich dachte).

Eigentlich ist jeder eine wichtige Persönlichkeit unabh. von seinen Leistungen, wobei z.B. eine Krankenschwester, die trotz schlechter Rahmenbedingungen engagiert und freundlich, dem Patienten zugewandt ihren Dienst tut für andere besonders wichtig sein kann.

Jan


Frank, wir scheinen in mindestens einem Punkt ähnliche Ansichten zu haben oder interessierst Du Dich statt für Fußball evtl. heimlich für Eier-Ball (sorry American Football oder Rugby)?

Franco44 14.03.2014 13:01

Der arme Uli....

Mir tut er ja auch soooo leid, weil er nun effektiv ein und ein halbes Jahr "einsitzen" muß.
Bedeutet genauer gesagt: "Unter der Woche zum Schlafen ab 22:00 Uhr im Knast auflaufen muß."

Prominente erschießen ihre Frauen durch die Toilettentür = gleiche Strafe. :flop:
Nur der popelige Bürger wird hart bestraft.

Diese Anteilnahme und vor Allem die Zeit steht in meinem Verständnis allen Straftätern nicht zu.
An die Opfer denkt ja kaum niemand...

dey 14.03.2014 13:06

Zitat:

Zitat von Franco44 (Beitrag 1559611)
Mir tut er ja auch soooo leid, weil er nun effektiv ein und ein halbes Jahr "einsitzen" muß.
Bedeutet genauer gesagt: "Unter der Woche zum Schlafen ab 22:00 Uhr im Knast auflaufen muß."

Echt, und das weisst du jetzt schon?

Zitat:

Zitat von Franco44 (Beitrag 1559611)
An die Opfer denkt ja kaum niemand...

Fühlst du dich als Opfer von UH?
Ich mein nicht rational, sondern emotional. So richtig a'la, wenn ich den sehe, bekomme ich richtig Angst.

bydey

Man 14.03.2014 13:37

Aus meiner Sicht ist das Urteil angemessen.

Um straffrei auszugehen hätte die Selbstanzeige vor der Einleitung von Steuerfandungsmaßnahmen gegen ihn erfolgen müssen und sie hätte vollständig sein müssen.
Rechtzeitig erfolgt ist die Selbstanzeige anscheinend, vollständig kann sie nicht gewesen sein (Selbstanzeige 3,5 Mio EUR, tatsächlich 28,5 Mio EUR). Vermutlich war die Unvollständigkeit dem Zeitdruck geschuldet und nicht einer persönlichen Absicht (erst mal klein anfangen?).
Dem Richter bleibt bei dieser Sachlage gar keine andere Wahl: er muss bei diesen Summen eine Gefängnisstrafe verhängen.

Es gibt durchaus Fälle z. B. im Arbeitsrecht, in denen wegen deutlich geringerer Geldbeträge wirtschaftliche Existenzen vernichtet oder zumindest stark bedroht wurden: die Supermarktkassiererin mit der Einlösung eines gefundenen Pfandbons im Wert von < 1 EUR (wurde nach rd. 30-jähriger Betriebszugehörigkeit gefeuert) oder die Sekretärin mit der bei einer betrieblichen Veranstaltung gegessenen Frikadelle (Wert kenne ich nicht, wird aber auch nicht im Mio EUR-Bereich liegen, wurde ebenfalls gefeuert). Die Sachlage ist da natürlich völlig anders: Herr Hönesß schädigt die Allgemeinheit um einige Mio EUR, die Angestellten schädigen einen Unbekannten (Pfandbon) oder Ihren Arbeitgeber um Beträge im 0-stelligen EUR-Bereich. Das stimmt, aber die Folgen sind für die von den Minifällen betroffenen Frauen deutlich härter, was ich niocht für gut halte.

Ich bleibe aber dabei: das Urteil im Fall Höneß finde ich auch der Höhe nach angemessen.
Ich finde es schade, dass er sich vermutlich wegen einer Art Zockersucht selbst abgeschossen hat, da er sicherlich auch (im Hintergrund) einigen "gestrauchelten" Sportlern ohne Wenn und Aber geholfen hat, zumindest wird das so erzählt (ich kann es also nicht beweisen).
Dafür danke ich ihm, auch wenn ich die Steuerhinterziehung deshalb nicht gutheißen kann.

vlG

Manfred

spunt 14.03.2014 14:49

gelöscht.

Ist schon wunderlich wie superschlau hier viele schreiben. Da möchte ich nichts mehr zu beitragen.

CB450 14.03.2014 15:10

Als Fan des FC Bayern hat man vielleicht eine etwas andere Sicht auf die Person Uli Hoeneß.
Ich bin seit vielen Jahren ein "Fan" dieses Vereins und damit ist man automatisch auch immer mit der Person Hoeneß konfrontiert.
In allen Büchern, die ich über den FC Bayern gelesen habe, ist ein großes Kapitel Uli Hoeneß gewidmet.

Wenn man weiß wie sehr er sich mit dem Verein identifiziert und wie er daran hängt, dann kann man vielleicht erahnen dass seine größte Strafe nicht der Gefängnisaufenthalt sein wird.
Den FC Bayern hat er immer als seine Familie angesehen und jeder der dort einmal beschäftigt war, ist ein Familienmitglied.
Daher kommt sicher auch sein Ruf als "Gutmensch", denn für seine Familie hat er gesorgt, egal worum es sich gehandelt hat.

Aud der anderen Seite ist er ein Machtmensch, rücksichtslos gegenüber seinen Gegnern.
Er hat sich sein eigenes Wertesystem geschaffen und dachte über dem Gesetz der Normalsterblichen zu stehen.

Jetzt liegt "seine Welt" in Trümmern. Das ist auch seine Strafe für die nur er verantwortlich ist.
Trotzdem finde ich es schlimm, dass er nun von vielen auch als Mensch verteufelt wird.
Auch hier gilt, wer frei ist von jeder Schuld..... , ihr wißt schon.

RREbi 14.03.2014 15:40

Zitat:

Zitat von suchm (Beitrag 1559263)
Na ja, ich weiß nicht. Ich habe hier einen Fall gesehen, der drei Jahre für 125.000€ aus zusammen 9 Fällen der Steuerhinterziehung bekommen hat.

Es geht nicht nur um die Beträge, sondern um alle Strafzumessungsaspekte - Vergleiche zwischen Äpfel und Birnen sind da nicht seriös ...

VG Eberhard

safinator 14.03.2014 15:50

Die Staatsanwaltschaft sollte in Revision gehen bei dem milden Urteil.

ha_ru 14.03.2014 16:16

Hallo,

ich bin vor ein Tagen gefragt worden wie meine Zunft der Steuerberater den Fall Hoeneß diskutiert. Da ist mir bewusst geworden, dass er in den letzten Tagen im Kollegenkreis nie, nicht mal mit einer spaßigen Bemerkung erwähnt wurde.

Der Grund wieso ich das z.B. vermieden habe ist, dass ich weiß wie vielschichtig die Probleme und Fragen dahinter sein können. So ist auch die Frage, wann eine Selbstanzeige vollständig ist nicht höchstrichterlich geklärt. Es gibt die klare Aussage, dass wenn alle Sachverhalte so auf dem Tisch liegen, dass die Finanzverwaltung nur noch die Steuer ausrechnen muss, ist sie auf jeden Fall vollständig.

Im Fall Hoeneß hätte er also sozusagen aus den Unterlagen der Banken alle Transaktionen untersuchen und steuerlich bewerten müssen. Bei den im Raum stehenden 60.000 +/- x Transaktionen, Verlustverrechnungsmöglichkeiten per Rücktrag und Vortrag, zwischen verschiedenen Einkunftstöpfen (Spekulationsgewinnen, Zinsen, ... ) deren Regelungen sich in den betroffenen Jahren auch noch verändert haben, ergibt das eine Aufgabe, die noch mehrere Monate in Anspruch nehmen wird um die letztgültige Steuerschuld zu ermitteln.

Bei einer Minute pro Transaktion um es einzuordnen, in einem System einzutragen, einen späterer Verkauf dem richtigen früheren Kauf zuzuordnen und den Gewinn oder Verlust zu ermitteln bräuchte es bei 60.000 Transaktionen 1.000 Arbeitsstunden... D.h. die 3 Herren die die Selbstanzeige gezimmert haben hätten einen Monat lang jeden Tag 12 Stunden nichts anders machen dürfen um es überschlägig genau genug zu ermitteln, damit man mit einer aufgerundeten Schätzung nach oben auf der sichern Seite liegt.

Daran erkennt man, dass die so formulierte Anforderung an eine vollständige Selbstanzeige wie sie die Staatsanwaltschaft in Übereinstimmmung mit der Verwaltungsmeinung vorgetragen hat, nach Ansicht vieler überhöht ist. Der Fall Hoeneß scheint aber nicht der richtige Fall zu sein um diese Frage vor den Gerichten zu klären, da er zu grobe Schnitzer bei der Abfassung gemacht hat und sein Promistatus zu viel Getöse außerhalb des Gerichts verursacht hätte.

Ich habe die Begründung des Urteils gelesen und diese kam mir sehr sachlich und ausgewogen vor, was die beurteilbaren Fakten angeht, so z.B. dass die Selbstanzeige vorwiegend wegen dem hohen Entdeckungsdruck abgegeben wurde und er monatelang darauf spekuliert hat, dass das Steuerabkommen mit der Schweiz zustande kommt und er damit straffrei und billig (weil ein Prozentsatz des Endvermögens abgeführt worden wäre und das soll klein sein) davon kommt. Da uns viele Details nicht bekannt sind und wir nicht dem Prozess beigewohnt haben um uns ein eigenes Bild zu machen, kann und muss ich darauf Vertrauen, dass der Richter eine zutreffende Beurteilung und Wertung vorgenommen hat. Der Richter hat sich nicht selbst profiliert. Im Fussball ist der beste Schiedsrichter der, den man kaum wahrnimmt und das Spiel trotzdem fair abläuft. Auch die Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben zwar ihre Standpunkt vertreten, aber nie ungebührliche Speichen getrieben, Da waren - so mein Eindruck - auf allen Seiten Profis am Werk, die ihr Handwerk verstehen. Deshalb Vertraue ich ohne wenn und aber darauf, dass das Urteil nach dem vorgegebenen Gesetzlichen Bestimmungen angemessen ist.

Dass er die Strafe annimmt und auf die Revision verzichtet ist daher der richtige Weg. Mit einer reinen Strafe auf Bewährung kann er nicht rechnen und dann ist es für ihn besser ein paar wenige Monate länger abzusitzen als dass das ganze sich nochmal ein Jahr hinzieht und er sich nicht dem Vorwurf aussetzt, sich bis zuletzt gedrückt haben zu wollen.

Hans


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